Auftakt-Kundgebung gegen Antizionismus vor dem Eine-Welt-Haus

Vergangenen Dienstag fand eine kurzfristig angemeldete Kundgebung gegen die Lesung „Die ethnische Säuberung Palästinas“ vor dem Eine-Welt-Haus statt. An den Protesten beteiligten sich Mitglieder aus dem Umfeld des Verbandes Jüdischer Studenten in Bayern, der Grünen Jugend München und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft München. Auf der antizionistischen Lesung bezeichnete Jürgen Jung die Protestierenden im Nachgang als Wolfsrudel.

„Seit Jahren wird das Eine-Welt-Haus für Kampagnen gegen Israel und den Zionismus missbraucht“, heißt es im Aufruf für den Protest vor dem Eine-Welt-Haus. Diese Kundgebung richte sich nicht nur gegen die Lesung des antizionistischen Vereins „Salam Salom“, erklärte auch Jamila Schäfer, Sprecherin der Grünen Jugend München: „Vielmehr wird dadurch angeprangert, dass das Eine-Welt-Haus in letzter Zeit sehr häufig eine Bühne für antizionistische oder sogenannte israelkritische Veranstaltungen bietet.“ Kein Land der Welt werde bei Veranstaltungen im Eine-Welt-Haus so oft angegriffen wie Israel, so Schäfer. Vor dem Eine-Welt-Haus hatten sich eine Stunde vor Beginn der Lesung „Die ethnische Säuberung Palästinas“ circa zwanzig Protestierende eingefunden. Sie zeigten Transparente mit Aufschriften wie „Das Hass-Haus – Danke Stadt München!“, „Judenhass ist kein Kulturprogramm!“ oder „Enough lies about Israel!“.

„Bibi, hau ab, dein Volk hasst dich!“
Ein Sympathisantenkreis von „Salam Shalom“ war offenbar über die Kundgebung informiert und positionierte sich in Abwehrhaltung vor dem Tor des Eine-Welt-Hauses. Die Polizei schritt mehrmals beherzt ein, als sich Anhänger von „Salam Shalom“ den Rednerinnen oder Rednern am Megafon nähern wollten, um sie zu unterbrechen. Zeitweise bildeten die „Salam Shalom“-Sympathisanten einen löchrigen Kreis um die Kundgebung mit dem Ziel, Passantinnen und Passanten an der Kundgebung vorbeizuleiten. Herausstechend engagiert tat sich ein junger Mann hervor. Er schrie mehrmals „Viva! Viva! Palästina!“ und „Revolution!“ oder: „Bibi, hau ab! Dein Volk hasst dich!“

Ein Anhänger, der bereits auf dem Israeltag 2011 aufgefallen war, beschimpfte die Teilnehmenden der Kundgebung als „Judenhasser“, weil sie für Jüdinnen und Juden in Israel die aus seiner Sicht falschen Empfehlungen ausgeben würden. Eine rothaarige ältere Dame, die sich als Person mit Hausrecht im Eine-Welt-Haus ausgab, äußerte laut Angaben den Verdacht, dass die Teilnehmenden der Kundgebung von Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, bezahlt seien.

Und wieder: Vorhang auf im Antisemitenstadl
Gegen Ende der Kundgebung füllte sich der große Saal im Eine-Welt-Haus allmählich mit Gästen der Lesung, für orientalische Klänge sorgte die Band „Embryo“. Schauspieler Jürgen Jung, 2. Vorstand des antizionistischen Vereins „Salam Shalom“, nahm direkten Bezug auf die Proteste und bezeichnete die Teilnehmenden als „Wolfsrudel“, das sich dem Gespräch mit ihm immer verweigere.

Die Lesung von Jung und der Sprecherin Beate Himmelstoß basierte wie angekündigt in weiten Teilen auf der politischen Kampfschrift „Die ethnische Säuberung Palästinas“ von Ilan Pappe. Inhaltlich unterstellten Jung und Himmelstoß der zionistischen Bewegung, „eine Mischung aus nationalistischer Ideologie und kolonialistischer Praxis“ zu sein, der es darum gehe, ein von „Nicht-Juden gereinigtes Land“ zu verwirklichen. Aggressionen der anderen Seite gegen Jüdinnen und Juden blieben an diesem Abend unerwähnt, wurden heruntergespielt oder als eine nachvollziehbare Reaktionen dargestellt.

Die schon gegen Ende des Osmanischen Reichs anklingende antijüdische Politik der arabischen Führung in Palästina deutete Jung als vorausschauende Reaktion auf das, was danach gekommen sei. Zwar lebten „Juden Anfangs in eigenen Siedlungen und beeinträchtigten die einheimische Bevölkerung nicht“, so Jung. Allerdings habe manchem palästinensischen Führer damals schon „gedämmert“, dass „Juden in Zukunft das Land übernehmen und die einheimische palästinensische Bevölkerung vertreiben könnten“. Selbst vor dem Hintergrund des anhaltenden Holocausts zeigte Jung Verständnis dafür, dass zeitgleich von arabischer Seite eine Einwanderungsbeschränkung auf 75.000 Jüdinnen und Juden durchgesetzt wurde, da die „massenhafte Einwanderung von Juden mit der Folge bürgerkriegsähnlicher Zustände“ verbunden gewesen sei.

Israelis: Kreuzfahrer, Buren und Faschisten
Mit einer Reihe von Vergleichen wurden die israelischen Jüdinnen und Juden an diesem Abend bedacht. Die „vorherrschende israelische Einstellung“ sei vergleichbar mit den Kreuzfahrern, die sich „hinter dicken Mauern ihrer uneinnehmbaren Burgen gegen eine Integration mit ihrer muslimischen Umgebung verschanzen“, las Jung. Im nächsten Beispiel bemühte Himmelstoß einen Vergleich mit den Buren in Südafrika. Jung zitierte Nurit Peled-Elhanan, die in wenigen Wochen zweimal bei den „Palästina Tagen“ im Gasteig zu sehen sein wird: „Israel nähert sich dem Faschismus in einer Geschwindigkeit, die sich niemand vorstellen konnte“.

Über dem gesamten Abend lag noch ein weiterer, unausgesprochener Vergleich. Zwar wurde an keiner Stelle gesagt, dass die Juden in Israel einen zweiten Holocaust zu verantworten hätten. Doch schimmerte diese Ansicht oftmals deutlich durch. Wenn Jung beispielsweise behauptet, die Israelis seien „zum Spiegelbild ihres eigenen schlimmsten Alptraums geworden“. Oder Jung mit den Worten Erich Frieds sagt, dass die Bilder des Warschauer Ghettos und die Bilder aus dem Dorf Deir Yassin zusammengehören. Dazu zählte auch Jungs Passage über UN-Beobachter in der Luft und „jüdischen Augenzeugen am Boden“, die vermeintlich „desensibilisiert“ gewesen sein müssen. „Wie sonst ließe sich erklären, dass sie die massiven Deportationen, die sich vor ihren Augen abspielten, stillschweigend hinnahmen“, las Jung. Himmelstoß brachte für letzteres eine alternative Erklärung mit. Viele Staaten scheuten sich aufgrund des Holocausts, „die Zionisten dieser abscheulichen Taten zu bezichtigen“, was bis heute das Fundament der „andauernden Straflosigkeit, der Immunität Israels“ sei.

Deutsche: Kauft palästinensische Erzeugnisse
In der Pause wies Eckhard Lenner von „Salam Shalom“ auf eine ausliegende Liste hin, die Waren aus „jüdischen Siedlungen“ aufführe und rief dazu auf, diese Waren zu boykottieren. Es sei „eine ethische Pflicht, diese Siedlungen nicht zu unterstützen“, sagte Lenner. Er warb im Gegenzug für „palästinensisches Öl“, das es auf der Veranstaltung käuflich zu erwerben gab: „Das ist sozusagen das Gegenstück dazu. Wir sollten schauen, dass wir palästinensische Erzeugnisse kaufen.“

Dominik Krause, Sprecher der Grünen Jugend München, betonte hingegen anlässlich der Proteste, es sei „besorgniserregend und absolut inakzeptabel“, dass das Eine-Welt-Haus dem „Hass gegen Jüdinnen und Juden oder der Hetze gegen den Staat der Shoa-Überlebenden dienlich ist“. Er forderte den Trägerverein auf, solchen Veranstaltungen in Zukunft keine Plattform zu bieten und sich von deren Inhalten zu distanzieren. „Das Zentrum sollte wieder ein wichtiger Anlaufpunkt für migrantische Selbstorganisation werden und seinen Ruf als ‚Eine-Welt-ohne-Israel-Haus‘ hinter sich lassen“, so Krause. Ein Sprecher des Bündnisses kündigte an, die Proteste gegen die einseitige Darstellung Israels im Eine-Welt-Haus in den nächsten Wochen und Monaten zu verstärken.

Dienstag: Kundgebung vor dem Eine-Welt-Haus

Anlässlich der Veranstaltung „Die ethnische Säuberung Palästinas“ des antizionistischen Vereins „Salam Shalom“ wird am Dienstag vor dem Eine-Welt-Haus demonstriert. Aus dem Ankündigungstext einer frei assoziierten Gruppe aus Münchnerinnen und Münchnern gegen Antisemitismus und Antizionismus:

Seit Jahren wird das Eine-Welt-Haus für Kampagnen gegen Israel und den Zionismus missbraucht. Wir haben uns wiederholt an das Haus und die Veranstalter gewandt und wurden nicht einmal mit einer Antwort bedacht.

Die von diesem Haus und den darin aktiven Organisationen ausgehende Hetze gefährdet die Demokratie. Es ist unerträglich, dass unter dem Motto „Für ein friedliches und solidarisches Miteinander zwischen Menschen aller Kulturen“ Hass gegen Israel und Juden verbreitet wird.

Deshalb werden wir am Dienstag, dem 14. Mai, Flyer verteilen und Transparente halten!
Wir treffen uns vor dem Eine-Welt-Haus, Schwanthalerstraße 80, um 18.30 Uhr.

Mitglieder oder Sympathisanten von Parteien oder Organisationen, die Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihres Geschlechts abwerten, sind auf der Kundgebung unerwünscht.

„Kommt kein Wasser aus dem Hahn, dann haben es die Juden ausgetrunken“ (Russisches Sprichwort)

In München gibt es immer mehr junge Jüdinnen und Juden, die israelfeindlichen Veranstaltungen vor Ort entgegentreten, wie beispielsweise beim Auftritt der arabischen Knesset-Abgeordneten Haneen Zoabi im Sommer letzten Jahres. Einer davon ist Jakob Mitzna. Seine Eltern wurden aus dem Iran vertrieben und fanden in Israel Zuflucht. Heute lebt er in München. Mitzna hat am Rande des Vortrags „Wasserapartheid in Palästina“ im Eine-Welt-Haus Flugblätter verteilt. Ein Interview mit Schlamassel Muc.

Mitzna ist nicht ihr richtiger Name. Weshalb möchten sie lieber anonym bleiben?
Ich wäre nicht der erste Israeli, der aufgrund seiner Haltung zusammengeschlagen wird. Deshalb ist mir ein Pseudonym im Netz lieber. Das Foto ist schon etwas älter, das ist ok.

Welchen Eindruck haben sie bei ihrem Besuch im Eine-Welt-Haus gewinnen können?
Die Veranstaltung von Clemens Messerschmid war nicht mein erster Besuch dort. Das erste Mal war ich 2005 im Eine-Welt-Haus. Eine indische Freundin feierte dort den Geburtstag ihrer Tochter. Gleich am Eingang war eine Landkarte abgebildet, die eine Welt ohne Israel darstellte. Seit diesem Besuch beobachte ich die Veranstaltungen dort, insbesondere der Gruppen „Palästina Komitee“ und „Salam Shalom“. Mindestens einmal in Monat treffen sie sich und halten ihre Hassveranstaltungen ab.

Sie nennen es Hassveranstaltungen, diese Gruppen würden es Israelkritik nennen…
Besuchen sie einmal so eine Veranstaltung und vertreten eine andere Meinung als hausüblich. Ich bin bislang jedes Mal angegriffen und beschimpft worden. Wollen sie Hass erleben? Dann probieren sie es aus. Einmal sind arabische Jugendliche während einer Veranstaltung aufgestanden und skandierten in meine Richtung: „Schmeißt ihn raus!“

Gibt es denn „Wasserapartheid“ in Israel oder im Westjordanland, wie der Hydrologe Clemens Messerschmid in seinem Vortrag Anfang Mai behauptet hat?
Wer an der Wassersituation in der Region interessiert ist, sollte lieber Mitglieder des Joint Water Committees einladen. Da treffen sich israelische Hydrologen aus der National Water Commission mit ihren Kollegen von der palästinensischen Seite. Durch sie werden gemeinsame Wasserprojekte, Erschließung neuer Quellen, Behandlung von Abwasser und Kläranlagen entschieden. Und beide Seiten bezeichnen diese Gespräche als konstruktiv. Herr Messerschmid ist nicht Teil dieses Komitees, aus gutem Grund. Seine Thesen gehen völlig an der Realität vorbei.

Wie haben Veranstalter und Publikum auf die Flugblätter reagiert?
Als ich in den großen Saal im Kellergeschoss kam, war der Raum schon fast voll. Ich bin reingegangen und habe Fuad Hamdan vom „Palästina Komitee“ gefragt, ob ich Informationsblätter an die Teilnehmer verteilen kann. Er hat gesagt, ich könne das vor dem Haus verteilen, nicht innen.

Ich habe also vor der Tür verteilt. Einige Leute sind mit den Flugblättern reingegangen. Andere haben kurz gelesen und gleich angefangen, aggressiv auf mich einzureden: „Und was ist mit den Check-Points?!“ und „Israel zerstört Häuser ohne eine Rechtsbegründung und die Betroffenen können nichts dagegen machen“. Meine Antworten und Richtigstellungen wurden nicht wahrgenommen. Die Leute haben aggressiv weitergeredet. Einige haben sogar geschrien.

Die regelmäßige Besucherinnen und Besucher dieser Veranstaltungen haben sich nicht gerade damit einen Namen gemacht, eine faire Einordnung israelischer Politik an sich herankommen zu lassen.
Das gilt sicher für die meisten Deutschen, die diese Veranstaltungen besuchen. Aber mit einem Besucher aus Tulkarem war das bei ähnlicher Gelegenheit zum Beispiel anders. Wir hatten zwar unterschiedliche Auffassungen, aber wir konnten wenigstens miteinander sprechen. Da war auch noch ein anderer Palästinenser dabei, der auch nicht so aufgeladen war. Sie hatten sogar ein bisschen Mitleid mit mir, weil ich allein auf der Veranstaltung war.

Der kürzlich ausgeschiedene Stadtrat Siegfried Benker sagte einmal, solche Veranstaltungen sollten möglich sein, „auch wenn Dinge gesagt werden, die problematisch sind“. Teilen sie seine Ansicht?
Absolut nicht. Das Eine-Welt-Haus hat ein Mandat und wird mit öffentlichen Geldern ausgestattet, um Ausländern in München die Möglichkeit zu geben, ihre Kultur lebendig zu halten. Deshalb finden dort Flamenco- und Origami-Kurse statt. Es hat kein Mandat, immer nur und in gleicher Weise über Israel herzuziehen. Suchen sie in dem Programm des Eine-Welt-Hauses und sie werden keine Veranstaltung finden, in der gegen ein anderes Land in dieser Weise gehetzt wird wie ständig gegen Israel.

Israel wird als der Bösewicht schlechthin dargestellt. Es wird auf den Veranstaltungen über mächtige Juden aus New York gesprochen, die angeblich das Geschehen in der Welt bestimmen. Das Haus hintergeht sein Mandat zweimal: einmal mit einer einseitigen Sicht auf Israel und indem es Antisemiten eine Bühne gibt.

Wie geht es jetzt weiter, was haben sie geplant?

Wir haben uns erneut mit einem Brief an den Programmvorstand gewendet. Nachdem wir keine Reaktion auf unsere vorigen Briefe erhalten haben, erwarte ich auch nicht viel vom aktuellen Versuch. Aus Gesprächen weiß ich, dass uns einzelne Leute aus dem Umfeld des Hauses recht geben, aber sie können gegen den starken Einfluss dieser Gruppen auf den Programmvorstand nichts ausrichten.

Wir werden weiterhin nicht wegsehen und gegen diese Hetze ankämpfen. Wir werden vor dem Eine-Welt-(ohne Israel)-Haus protestieren. Es ist sehr schade, dass ein Haus, das so eine wichtiges Mandat hat, von diesen Leuten für ihre antisemitischen Zwecke missbraucht wird.

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Am 14. Mai geht es im Eine-Welt-Haus weiter. Beate Himmelstoß und Jürgen Jung präsentieren eine „Dramatische Lesung“ mit dem Titel „Die ethnische Säuberung Palästinas“. Jakob Mitzna ist unter der E-Mail-Adresse frag_einen_israeli[ ät ]yahoo.com erreichbar.

Alle reden vom deutschen Finale. Wir nicht!

Um es mit den Worten von Oliver Kahn zu sagen. That’s the way we like it:

Das ganze Stadion wird gegen uns sein. Ganz Deutschland wird gegen uns sein. Etwas Schöneres gibt es gar nicht.

Thank you!

Am 29. April 1945 befreite die US-Armee, angeführt von Colonel Felix Sparks, die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Dachau. Ihm und seinen Leuten gilt am Tag der Befreiung unser besonderer Dank.

Es werde ein Lager errichtet, in dem Kommunisten, Sozialdemokraten und andere vermeintlich Arbeitsscheue ordentlich arbeiten lernen sollen, gaben zahlreiche Münchner Zeitungen im März 1933 bekannt. Bald sprach sich herum, dass die Häftlinge der Brutalität ihrer Bewacher ausgeliefert waren, im KZ-Dachau gefoltert und getötet werden. Die Münchnerinnen und Münchner nahmens gelassen, ihrem Komiker Karl Valentin war es allenfalls Anlass für derbe Spassetteln. Mit der Vertreibung und Ermordung der Intelligenz Münchens – die nicht annähernd zurückgekehrt ist – verschlechterten sich die Chancen der Lagerinsassen zusätzlich. Wie der geordnete, jahrelange Massenmord ungehindert fortschreiten konnte, ist bis heute nicht zu begreifen. Von den mindestens 200.000 Häftlingen überlebten 41.500 die Zwangsarbeit bis zum 29. April 1945 nicht. Klar ist bislang nur, wer das Leiden beendet hat. Es war Colonel Felix Sparks aus Texas. Er führte sein US-Battalion bis nach Dachau. Ihm und seinen Leuten gilt am Tag der Befreiung des KZ-Dachau unser besonderer Dank.

Elstner-Gedenken: Bayerische Staatsoper zeigt glühendem Sudetendeutschen die kalte Schulter

Vor den Türen der Bayerischen Staatsoper beweinten heute Neonazis den Selbstmord des Antisemiten Reinhold Elstner. Der ausgebürgerte, „sudetendeutsche“ Wehrmachtssoldat zündete sich 1995 selbst an – aus Protest gegen die Wehrmachtsausstellung in München. „50 Jahre erlogene Justizrache der Zionisten sind genug“, befand Elstner in seinem Abschiedsbrief. Die Beschäftigten der Bayerischen Staatsoper waren not amused.

Ein lesenswerter Beitrag über den Wahnsinn der „sudetendeutschen“ Kulturstiftung erschien in Übrigen vor wenigen Tagen im aktuellen Hinterland Magazin: Hotzenplotz‘ Erben – von der fünften Kolonne Hitlers zum vierten Stamm Bayerns.

Kurz vor dem NSU-Terror-Prozess

Heute gingen in München anlässlich der NSU-Mordserie mindestens 5.000 Menschen gegen alltäglichen Rassismus auf die Straße. Auch die Ultras des FC Bayern und das Münchner Gewerkschaftshaus zeigten sich solidarisch mit den Protesten.

Spruchband der „Schickeria München“ vor dem Spiel gegen Nürnberg, das der FC Bayern später mit 4:0 für sich entscheiden wird. Erst kürzlich hatten die Ultras des FC Bayern beim Spiel gegen Stuttgart an den jüdischen Trainer Richard Kohn erinnert.

Da ist das Ding: Die Route der Demonstration führte am Münchner Gewerkschaftshaus vorbei.

Dunkle Wolken über dem SPD-Wald in Israel

Bald feiert Israel seinen 65. Geburtstag. Den Unabhängigkeitstag am 16. April will die SPD zum Anlass nehmen, in der Negev-Wüste einen Wald zu pflanzen. Dafür sammeln die Sozialdemokraten Spenden. Bislang sind über 9.200 Euro zusammengekommen – benötigt werden aber 50.000. Indes sehen einige Münchner Funktionäre darin einen Verrat an der Sozialdemokratie.

„Willy Brandt hätte so etwas nie zugelassen“, orakelt Rolf-Henning Hintze. Für den Bundestagskandidaten der Münchner Linkspartei ist der geplante SPD-Wald in Israel ein „Widerspruch zu sozialdemokratischen Grundwerten“. Dem kann sich Jürgen Lohmüller, Sprecher der Münchner Linkspartei, nur anschließen: „Vertreibung und ethnische Säuberungen ziehen immer eine Spur des Hasses und gewaltsamer Gegenreaktion nach sich“, schreibt er auf der Petitionsplattform „Change.org“. Dort wurde eine Petition mit dem Titel „Keine Unterstützung des Jüdischen Nationalfonds durch die SPD!“ eingestellt. Sein Münchner Parteikollege Klaus Ried, berüchtigt für dessen israelkritischen Anträge, ist ebenfalls gegen das Wald-Geschenk: „Das ist Landraub. Das ist ein Verbrechen!“

Seit November 2012 sammelt die SPD in den eigenen Reihen Spenden, um nördlich der sogenannten „Hauptstadt der Wüste Negev“, Be‘er Sheva, ein Waldstück zu finanzieren. Die SPD-Spenden gehen direkt an den Jüdischen Nationalfonds (JNF). Nach der Gründung vor 111 Jahren kaufte der JNF hauptsächlich Land im damaligen Palästina auf, heute ist die gemeinnützige Organisation mit Aufforstung und der Sicherung der Wasser-Ressourcen in Israel beschäftigt. Der JNF wird hauptsächlich über Spenden finanziert. Auch Peer Steinbrück unterstützt den SPD-Wald „aus bleibender Mitverantwortung für das Wohlergehen des Staates Israel, aus Verbundenheit mit seinen Menschen und um der Negev-Wüste grüne Seiten abzutrotzen“, schreibt der Kanzlerkandidat auf der Facebook-Seite „Wald der SPD“.

Mobilmachung des Online-Shit-Mobs
Die Münchner Israel-Gegnerschaft sieht das anders. Für sie ist der JNF als zionistische Organisation gestern wie heute eine Instrument der „ethnischen Säuberung“. Die „Palästinensische Gemeinde München“ wirbt für die Petition gegen den SPD-Wald auf ihrer Facebookseite. Die SPD mache sich damit „zum Handlanger eines nationalistischen und rassistischen Unterdrückungsregimes“, hetzt Eckhard Lenner, federführend im antizionistischen Verein „Salam Shalom“, in den Kommentaren zur Petition. Die Provinzkabarettistin Nirit Sommerfeld rät, das Projekt nicht zu unterstützen ebenso wie Bernd Michl von Attac München, denn: „Enteignung darf nicht unterstützt werden“, sagt er. Töne gegen Enteignung, die man von Attac ansonsten nicht so oft hört. Mit der gleichen Leichtigkeit, wie eine Atomanlage urplötzlich zum Menschenrecht erklärt wird, wenn sie nur im Iran steht, wird ein Wald inmitten einer Wüste zur Ethno-Bombe umgedeutet, wenn er nur in Israel wächst. Für Peter Vonnahme, ehemals Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, ist die SPD damit glatt am Ende: „Es ist erschütternd, wie unaufhaltsam eine vormals große Partei mit großen Idealen in politische Orientierungslosigkeit verfällt.“

Auch Kirchenvertreter machen gegen den SPD-Wald mobil und nehmen an der Online-Petition teil. Dazu zählt Rosemarie Wechsler von Pax Christi München. Denn der Wald schränke den „Lebensraum der Beduinen“ weiter ein, so Wechsler. Pater Reiner Fielenbach vom Straubinger Karmeliterkloster wendet sich direkt an den Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel und fragt: „Wo ist ihre nach ihrem Besuch 2012 in Hebron gezeigte Empörung?“ Gabriel hatte damals auf Facebook geäußert, in Hebron herrsche ein „Apartheid-Regime“. Das bescherte ihm viele neue Freunde – die sind jetzt enttäuscht. Das Oberhaupt der evangelischen Kirche in Markt Schwaben, Karl-Heinz Fuchs, machte seine Schäfchen per Mail auf die Online-Petition aufmerksam.

Nur noch eine Woche bis zum Unabhängigkeitstag
Auch wenn sich die SPD nicht häufig damit hervorgetan hat, an der Seite Israels zu stehen, könnte im SPD-Wald durchaus etwas wachsen. Es sind nicht nur die üblichen Verdächtigen innerhalb der SPD, die das Geburtstagsgeschenk unterstützen, wie Reinhold Robbe, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland oder Gregor Wettberg, Vorsitzender des Arbeitskreises jüdischer Sozialdemokraten aus Berlin und Brandenburg. Es sind auch andere, die auf der Facebook-Seite „Wald der SPD“ um Spenden werben. Zum Beispiel die Mitglieder des Bundestages Andrea Nahles, Christian Lange, Mechthild Rawert, Siegmund Ehrmann oder Olaf Scholz. „Die gespendeten Bäume sind dauerhafte Zeichen unserer freundschaftlichen Verbundenheit mit den Bürgerinnen und Bürgern Israels“, sagt Scholz.

Noch weiter geht Kevin Kühnert, Landesvorsitzender der Jusos Berlin: „Israel bleibt ein unverzichtbarer Schutzraum für Jüdinnen und Juden, der unsere ganze Solidarität verdient“, schreibt er auf der Facebook-Seite „Wald der SPD“. Israel brauche „mehr Solidarität und keine besserwisserischen Belehrungen“, ergänzt sein Kollege Fabian Weißbarth. Die „ganze Solidarität“ der SPD ist bislang aber noch nicht erreicht. 50.000 Euro haben die Initiatoren Andrea Nahles und Christian Lange angepeilt, das entspricht 5.000 Bäumen – darunter ist mit dem JNF kein ganzer Wald zu machen. Hoffentlich schaffe man es rechtzeitig zum israelischen Unabhängigkeitstag, hieß es noch im November 2012. Der ist aber schon nächste Woche. Und bislang hat die SPD laut Wasserstandmeldung erst 9.200 Euro zusammen. Das könnte knapp werden.