BINGO! – בינגו


Israel-Bullshit-Bingo in etwas höherer Auflösung

Herzensangelegenheit: Tag des (Blut und) Bodens in München

In München soll dieses Jahr wieder der „Tag des Bodens“ begangen werden. Der Verein „Palästinensische Gemeinde München“ kündigte dazu eine „Mahnwache“ am 29. März auf dem Stachus sowie einen Begleitfilm an. Darüber hinaus hat sich angeblich ein „Palästina Koordinierungskreis“ gegründet, um die Aktivitäten in München zu bündeln.


Is­ra­el von der Land­kar­te blät­tern: Bild der Face­book-​Si­te der „Pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­mein­de Mün­chen“ (2012)

„In Gedenken an den Tag des Bodens als Symbol des Widerstands der Palästinenser gegen den Raub des Landes“ – so der aktuelle Aufruf zur diesjährigen Mahnwache am Münchner Stachus – „folgen wir dem Ruf Palästinas mit einigen Aktionen“. Unter anderem soll im Anschluss der Propaganda-Streifen „30. März“ im Begegnungszentrum Eine-Welt-Haus gezeigt werden. Der Regisseur des Films, Nidal Badarny, wird ebenfalls erwartet. Einen Tag zuvor ist Badarny, der seine Karriere als Komiker begonnen hat, voraussichtlich in Stuttgart, danach in Wien und Duisburg zu sprechen.

Gäbe es die Waren-Exporte aus jüdischen Siedlungen nicht, gehörte wohl der „Tag des Bodens“ neben dem „Tag des Zorns“, dem „Tag der Märtyrer“ und dem „Nakba Gedenktag“ zu den größten Exportschlagern des Westjordanlands. Inhaltlich ist der „Tag des Bodens“ Ausdruck eines von Blut- und Bodenmetaphern durchtriebenen und religiös aufgeladenen Volkstumskampfes. Tausende intonieren dazu am 30. März in Ramallah Parolen wie „Nieder mit Israel“ oder „Tod den Juden“ – danach ziehen die antisemitischen Massen wütend durch die Straßen.

Tränendrüse statt Dschihad
Organisiert werden die Aktionen rund um den „Tag des Bodens“ sowie des „Tag des Zorns“ und des „Nakba Gedenktages“ in München regelmäßig vom Verein „Palästinensische Gemeinde München“. Die Parolen fallen bei dessen Kundgebungen weniger deutlich aus als in Ramallah. Anstelle klingt eine Mischung aus Tränendrüsen- und Warenboykott-Attacke an; Kinder säumen dazu wohlplatziert mit Intifada-Schals und Palästinafahnen bestückt das Schauspiel.

Der Verein „Palästinensische Gemeinde München“ bietet über das Jahr ansonsten Stick-, Koch- und Gymnastikkuse exklusiv für Frauen an sowie gemischtgeschlechtliche Dabkeh-Folklore-Abende. Derzeit weitet der Verein seine politischen Aktivitäten aus. Laut dem Vereinsorgan „Monatliches Infoblatt“ ist es am 15. Februar 2014 angeblich gelungen, zusammen mit „pro-palästinensischen Organisationen und Aktivisten“ einen „Palästina-Koordinierungskreis in München und Umgebung“ zu gründen.

„Während wir den Zionisten gegenüber standen…“
Der Verein hat seinen Sitz im städtisch finanzierten Eine-Welt-Haus in der Schwanthalerstraße. Anlässlich einer Kundgebung verschiedener Verbände gegen Antizionismus 2013 rief die selbsternannte „Palästinensische Gemeinde München“ auf ihrer Facebook-Seite am 13. Mai 2013 dazu auf, vor Ort Stellung zu beziehen. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Zionisten ihr Unfug auch in München treiben“, hieß es. Im Anschluss wurde an gleicher Stelle verkündet: „Während wir den Zionisten gegenüber standen, haben wir die Zeit dazu genutzt, die anwesenden Polizeibeamten über die Thematik aufzuklären. Es ist erfreulich, wie viel Verständnis und Unterstützung für Palästina und für die Rechte des palästinensischen Volks vorhanden ist. Wir müssen bloß anklopfen.“

Die Polit-Folklore-Truppe sucht laut ihrem „Monatlichen Infoblatt“ ab September 2014 einen neuen Vereinssitz. Interessierte Vermieterinnen und Vermieter machen sich am Besten am Stachus, dem 29. März, selbst ein Bild, wer da anklopft.

Und Münchens Experten werden wieder mal nicht gefragt

Der Krieger- und Veteranenverein München-Allach war nämlich auch schon da – und erinnert gerne daran.

Kennen Sie eigentlich die berühmten Juden des FC Bayern?

Nein? Das könnte daran liegen, weil die Juden 1933 aus dem gesamten deutschen Fußball vertrieben wurden – und danach vergessen. Eine Erinnerung an jüdische Fußballpioniere des FC Bayern:

Otto Alber Beer (* 03. Juni 1891 in Graben, Kreis Karlsruhe – + 25. November 1941 im Ghetto Kaunas
Als einer der ersten Vereine in Deutschland förderte der FC Bayern München konsequent den Nachwuchs fußball. In der Saison 1927/28 gab es 535 Nachwuchsspieler in 36 Mannschaften, kein anderer Verein in Deutschland hatte eine so große Jugendabteilung. Das Konzept trug 1932 Früchte, als die Bayern zum ersten Mal Deutscher Meister wurden. Einer der entscheidenden Männer hinter diesem Erfolg war der gelernte Textilkaufmann Otto Albert Beer, seit den 1920er-Jahren stellvertretender Leiter der Nachwuchsabteilung. Nach der NS-Machtübernahme musste Beer den Klub verlassen und wirkte einige Jahre im jüdischen ITUS München. Nachdem 1938 seine Firma auf Druck der Nazis liquidiert wurde, arbeitete er als Automechaniker, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. 1941 wurden Beer, seine Frau und ihre beiden Kindern ins Ghetto Kaunas nach Litauen deportiert und dort er mordet.

Alfred Bernstein (* 26. Mai 1897 – + 17. Januar 1972)
Der Torwart Alfred Bernstein begann seine Karriere bei Wacker München, wechselte 1924 aber zum Lokalrivalen FC Bayern. Er war Stammtorwart der Bayern-Mannschaft, die 1926 und 1928 die süddeutsche Meisterschaft gewann. Als Sohn eines aus Wien stammenden jüdischen Vaters und einer evangelischen Mutter galt Bernstein den NS-Rassegesetzen zufolge als »Halbjude«. Nach der Rassenideologie der Nationalsozialisten blieb er so von Deportation und Ermordung verschont, dennoch hatte er wiederholt Probleme mit der Gestapo.

Richard (Dombi) Kohn (* 27. September 1888 Wien – + 16. Juni 1963 Rotterdam)
Richard, genannt »Little«, Dombi war einer der ungewöhnlichsten Trainer in der Geschichte des FC Bayern München. Er revolutionierte in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren das Fußballtraining, indem er die individuelle Betreuung der Spieler in den Mittelpunkt stellte; außerdem war er noch Manager und Physiotherapeut des Teams. In einer Chronik des FC Bayern heißt es: »Wohl kein Trainer war mit seiner gesamten Zeit so für den Club tätig, als es Dombi war. Er war Trainer, Fitmaker, Masseur, Geschäftsführer und Organisator in einer Person.« Im Juni 1932 erreichte der FC Bayern mit ihm erstmals das Finale um die Deutsche Meisterschaft. Dank Dombis hervorragender Vorbereitung, der seine Elf bis zum Spieltag von der Öffentlichkeit abschirmte, gelang ein überlegener 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. Dombi wurde am 27. September 1888 in Wien als Richard Kohn geboren. Den Namen Dombi nahm er während seiner Spielerkarriere beim damals weltbekannten MTK Budapest an. Der Begriff war eine Ableitungdes ungarischen Wortes »Domb« und stand für kleine Hoheit oder Eminenz.

Zwischen 1908 und 1912 wurde Dombi sechs Mal in das österreichische Nationalteam berufen. Seine Trainerlaufbahn begann er Anfang der 1920er-Jahre in Deutschland bei Hertha BSC in Berlin. Dort legte er den Grundstein für die bis heute erfolgreichste Ära in der Vereinsgeschichte, als Herthazwischen 1926 und 1931 sechs Mal in Folge das Finale um die Deutsche Meisterschaft erreichte. Dombiwar zu diesem Zeitpunkt aber bereits weiter nach Zagreb und ein Jahr später nach Wien gezogen, bevor er in der Saison 1926/27 vom FC Barcelona abgeworben wurde. 1928 kehrte er nach Deutschland zurück und rettete die Sportfreunde Stuttgart vor dem Abstieg. Die folgenden Stationen waren der TSV 1860 München (1928/29) sowie der VfR Mannheim (1929/30).

Ab 1930 arbeitete er für den damals aufstrebenden FC Bayern, aber schon wenige Monate nach dem Gewinn der Meisterschaft war dort kein Platz mehr für ihn. Im September 1933 musste Dombi Nazideutschland verlassen. Er ging zunächst zum FC Barcelona und wenige Monate später zum FC Basel. Von 1935-1939 trainierte er Feyenoord Rotterdam und gewann mit dem Verein 1936 und 1938 die niederländische Meisterschaft. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen überlebte Dombi wahrscheinlich durch Heirat und Konvertierung zum christlichen Glauben. Nach Ende des Weltkriegs übernahm er noch zwei weitere Male das Traineramt in Rotterdam. In einer Feyenoord-Chronik heißt es: »Vom Himmel gesandt wurde uns der größte Trainer, der jemals in den Niederlanden tätig war. Er war es, der Feyenoord eigentlich erst gelehrt hat, Fußball zu spielen.« Richard Dombi verstarb nach langer Krankheit am 16. Juni 1963 in seiner neuen Heimat, den Niederlanden.

Benno Elkan (*2. Dezember 1877 Dortmund – + 10 Januar 1966 London)
Einer der Gründungsväter des FC Bayern München kam ursprünglich aus Dortmund. Der Kaufmannssohn Benno Elkan zog 1897 nach München, um an der renommierten Kunstakademie ein Studium aufzunehmen, wo in diesen Jahren auch Wassily Kandinsky und Paul Klee studierten. Im liberalen und weltoffenen Schwabing, in dem der junge Kunststudent lebte, entstand im Februar 1900 der FC Bayern. Elkan war einer von 17 Unterzeichnern der Gründungsurkunde des Klubs und dabei neben Joseph Pollack eines von mindestens zwei jüdischen Gründungsmitgliedern. Bereits 1901 verließ Elkan München wieder und setzte sein Studium in Karlsruhe fort. In den 1920er-Jahren wurde er zu einem deutschlandweit anerkannten Bildhauer, bis ihm die Nazis ein Berufsverbot auferlegten. Elkan flüchtete 1934 nach London, wo er seine künstlerische Arbeit fortsetzen konnte. Sein bekanntestes Werk ist eine große Skulptur, die 1956 vor dem Eingang des israelischen Parlamentes, der Knesset, aufgestellt wurde.

Kurt Horwitz (* 22. Dezember 1897 Neuruppin – + 14. Februar 1974 München)
Der bekannte Schauspieler war bis 1933 ein begeistertes Mitglied des FC Bayern und Spieler in der Theaterelf der Münchner Kammerspiele, die dem FC Bayern angeschlossen war. 1933 musste Horwitz aus Deutschland in die Schweiz flüchten, wo er u.a. als Direktor des Stadttheaters Basel arbeitete. Anfang der 1950er-Jahre kehrte Horwitz nach München zurück und wurde Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels und schloss sich auch wieder dem FC Bayern an.

Kálmán Konrád (*23. Mai 1896 Palánka, Serbien – + 10. Mai 1989 Stockholm)
Der Bruder von Jenö, Kálmán Konrád, zählte bis 1933 zu den bekanntesten Spieler- und Trainerpersönlichkeiten Europas. Kálmán begann seine Karriere 1914 beim MTK Budapest, bevor er 1919 gemeinsam mit seinem Bruder zu den Wiener Amateuren (heute Austria Wien) wechselte. In den 1920er-Jahren warder dribbelstarke Innenstürmer einer der bekanntesten Torjäger Europas. Legendär waren vor allem seine vier Tore beim 5:0-Derbysieg gegen Rapid Wien im Mai 1926. Die Wiener Sportpresse feierte daraufhin die »sieben Sinne und zwanzig Beine« des Wunderstürmers. Nach einem kurzzeitigem Intermezzo in der US-Profiliga bei den Brooklyn Wanderers ließ Kálmán seine Karriere 1927 beim MTK Budapest ausklingen. Von 1928 bis 1930 war er Trainer des FC Bayern München. Nach Hitlers Machtübernahme flüchtete Kálmán aus Deutschland und übernahm in den folgenden Jahren Trainerposten in der Schweiz, in Tschechien und in Rumänien. Mit Slavia Prag wurde er zweimal tschechischer Meister. 1939 flüchtete er nach Schweden, wo er den Holocaust überlebte. Als Trainer von Malmö FF feierte er 1949 und 1950 den schwedischen Meistertitel.

Berhold Koppel (* 19. Juli 1895 Beilstein/Mosel – + 1942 im Ghetto Pialski/Polen)
Der jüdische Textilunternehmer unterstützte den FC Bayern bis 1933 großzügig. Nach der NS-Macht übernahme musste er sein Unternehmen schließen und wurde 1942 mit Ehefrau und Tochter in das Ghetto Pialski in Polen deportiert, wo sie ermordet wurden.

Kurt Landauer (* 28. Juli 1884 in Planegg, + 21. Dezember 1961 in München)
»Der FC Bayern war sein Leben – nichts und niemand konnte das ändern.« Mit diesem Spruchband feierten die Fans des FC Bayern München im September 2009 ihren langjährigen Vereinspräsidenten Kurt Landauer, der mit Unterbrechungen über vier Jahrzehnte die Geschicke des FC Bayern gelenkt und ihn Anfang der 1930er-Jahre erstmals an die Spitze des deutschen Fußball geführte hatte. Landauer stammte aus einer bürgerlich assimilierten Familie, in der die jüdische Religion nur eine unter geordnete Rolle spielte. Seine Eltern Otto und Hulda betrieben ein gutgehendes Modegeschäft an der Kaufinger Straße, in einer begehrten Lage der Münchner Innenstadt. Die Landauers – Kurt hatte insgesamt fünf Geschwister – galten als Beispiel dafür, dass sich jüdische Herkunft und bayrische Lebensart im Alltaggut verbinden ließen.

Landauer schloss sich 1901, ein Jahr nach Gründung des Klubs, als damals 17-Jähriger dem FC Bayern an. Er war zunächst Spieler, übernahm im Laufe der Zeit aber immer mehr administrative Funktionen und wurde 1913 erstmals zum Präsidenten gewählt. Wenige Monate später brach der Erste Weltkrieg aus und Landauer zog wie viele zehntausend Juden für Deutschland in den Krieg. Ein militärisches Gutachten bescheinigte ihm, dass er »nach seinen bürgerlichen und sonstigen Verhältnissen« für die Beförderung zum Offizier geeignet sei. Wenige Monate nach Kriegsende übernahm Landauer 1919 ein zweites Mal die Führung des FC Bayern. Die folgenden gut zehn Jahre wurden zur ersten Blütezeit in der Geschichte des heutigen Rekordmeisters.

Laut FCB-Historiker Dietrich Schulze-Marmeling zeigte sich Landauer dabei als einer »der großen Visionäre und treibenden Kräfte im deutschen Klubfußball«. Anders als viele Klubs, die in diesen Jahren jeglichen ausländischen Einfluss und Profibestrebungen strikt ablehnten, verpflichtete Landauer international renommierte und professionell arbeitende Spitzentrainer wie William Townley oder den aus Ungarn stammenden Kálmán Konrad. Seinen größten Coup landete er jedoch 1930 mit der Verpflichtung von Richard Dombi. Drei Jahre später, am 12. Juni 1932, gewann der FC Bayern erstmals die Deutsche Meisterschaft. Der 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt wurde zum Höhepunkt in der sportlichen Karriere von Kurt Landauer: Nach ihrer Rückkehr nach München wurden die Mannschaft und er von mehreren zehntausend Anhängern in der Münchner Innenstadt begeistert gefeiert. Unter gewöhnlichen Umständen wäre dieser Sieg lediglich der Anfang einer langen Blütezeit dieses jungen und aufstrebenden Vereins gewesen. Die NS-Machtübernahme jedoch veränderte auch das Gesicht des FC Bayern radikal. Am 22. März 1933, keine acht Wochen nach der Machtübernahme Hitlers, musste Kurt Landauer seinen Rücktritt als Bayern-Präsident erklären.

Im Zuge der »Selbstgleichschaltung« wurde immerhin kein strammer NS-Parteigenosse zum Nachfolger bestimmt, sondern Landauers langjähriger Freund und Weggefährte Siggi Herrmann. Auf diese Weise konnte er noch einige Jahre aus dem Hintergrund einen gewissen Einfluss auf die Vereinspolitik nehmen. Auch abseits des Fußballplatzes spürte Landauer schon nach wenigen Monaten die Folgen der NS-Politik: Seit 1930 als Anzeigenleiter der »Münchner Neuesten Nachrichten« beschäftigt, wurde ihm am 30. April 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft fristlos gekündigt. Zu Helfern in der Not wurden die Brüder Klauber, alte Weggefährten vom FC Bayern: Sie boten ihm eine Stelle in ihrer Textilfirma an, in der er jedoch nur die Hälfte seines früheren Lohnes verdiente. Im November 1938 begann die schwerste Zeit im Leben von Landauer: Einen Tag nach den Pogromen wurde er ins KZ Dachau deportiert, wo er den Demütigungen seiner Aufseher ausgesetzt war. Als ehemaliger Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs gelang es ihm immerhin, dieser Hölle vergleichsweise schnell zu entkommen. Nach 33 Tagen wurde Landauer entlassen und floh in die Schweiz – ein alles andere als sicherer Zufluchtsort.

Da seine Aufenthaltsgenehmigung immer wieder nur für drei Monate verlängert wurde, musste der alleinlebende Landauer ständig eine Abschiebung nach Nazi-Deutschland und damit in densicheren Tod fürchten. In dieser Lage schenkte ihm der Fußball einen der wenigen schönen Momente. Als er FC Bayern im November 1943 zu einem Freundschaftsspiel in Zürich antrat, war Landauer unter den Zuschauern. Mitgereiste Gestapo-Männer überwachten die Bayern-Spieler und verboten jeglichen Kontakt mit Landauer. Dennoch lief die FCB-Elf nach Abpfiff in Richtung Tribüne und winkte demonstrativ ihrem ehemaligen Präsidenten zu. Für Kurt Landauer war dies ein wichtiges Zeichen, dass er trotz Flucht und Verfolgung in seiner Heimat noch nicht vergessen war.

1947 kehrte er nach München zurück und wurde nur wenige Wochen später als inzwischen 63-Jähriger zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. In den folgenden Jahren etablierte er den Verein in der damals erstklassigen Oberliga und verschaffte ihm gegen große Widerstände sein heutiges Vereinsgelände an der Säbener Straße. Seine letzte Amtszeit endete im April 1951. Kurt Landauer, eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte des FC Bayern, verstarb im Dezember 1961 im Alter von 77 Jahren in München.

Leopold Moskowitz (* 18. Juli 1886 – + 1962 USA)
Leopold Moskowitz war Inhaber eines Textilgeschäftes auf der Schwanthalerhöhe in München. Bis zur NS-Machtübernahme war er Mitglied und Förderer des FC Bayern. Im August 1939, wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, gelang ihm die Flucht in die USA.

Hermann Schülein (* 24. Januar 1884 München – + 15. Dezember 1970 New York)
Der Generaldirektor der Löwenbräu-Brauerei in München war bis zu seiner Flucht in die USA 1936 Mitglied des FC Bayern. Nach Kriegsende kehrte er zurück, wurde wieder Bayern-Mitglied und unterstützte den Verein 1954 auch beim Bau eines neuen Sportplatzes.

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Ermöglicht wurde die Recherche durch die DFB-Kulturstiftung, eine Anzeige des Verlags »Die Werkstatt« sowie ein Preisgeld der Stiftung »Gegen Vergessen. Für Demokratie«, von der 11 FREUNDE für »die vorbildliche redaktionelle Arbeit« in Bezug auf Vergangenheitsaufarbeitung und Engagement gegen rechte Tendenzen im Fußball ausgezeichnet worden ist.

German cartoon of Facebook CEO Zuckerberg sparks anti-Semitism row

Wir dokumentieren den Artikel aus der Jerusalem Post vom 24. Februar 2014 zur kürzlich publizierten antisemitischen Karikatur „Krake Zuckerberg“ der Süddeutschen Zeitung:

BERLIN – A cartoon published by Munich-based Süddeutsche Zeitung (SZ) last week depicting Facebook founder Mark Zuckerberg as an octopus controlling the world with his company brought to mind a cartoon from 1938 Nazi Germany, the Simon Wiesenthal Center said Monday.

The SZ cartoon depicting the Facebook founder with a long nose, triggered sharp criticism from the Wiesenthal Center’s chief Nazi hunter Efraim Zuroff who told The Jerusalem Post that it “is starkly reminiscent of a 1938 Nazi cartoon depicting Winston Churchill as a Jewish octopus encircling the globe. And if anyone has any doubts about the anti-Semitic dimension of the cartoon, we can point to Mark Zuckerberg’s very prominent nose, which is not the case in real life. Absolutely disgusting!” In an email to the Post on Monday, the SZ’s cartoonist Burkhard Mohr wrote: “Anti-Semitism and racism are ideologies which are totally foreign to me.”

Mohr said he was “shocked” that his cartoon appears in this light.

He said that those who know him and his drawings know that “it is the last thing I would do, to defame people because of their nationality, religious view or origin.”

Mohr flatly rejected that his cartoon could be viewed as “anti-Jewish agitation.” He said his cartoon shows the WhatsApp purchase from Facebook and “is a combination of an octopus from the film the Pirates of Caribbean.”

Bohr said what he “meant was a cartoon depiction of the company Facebook beyond a specific person.”

He wrote his cartoon “did not deal with Mr. Zuckerberg, [but] rather Facebook. I am sorry that it led to this misunderstanding and hurt the feelings of some readers.”

Sacha Stawski, the head of the media watchdog organization Honestly Concerned in Germany, told the Post: “Every citizen has the right to be concerned about the invasion of his or her privacy, whether it be in regards to Google, Facebook or whatever multi-level organization it may be… And one may even compare such a multifold invasion into all areas of our privacy to the creeping arms of an octopus. So far so good.”

But, he continued, “The problem begins, however, when one replaces the face of this world-controlling octopus with that of a human, who shows traits, particularly the hooked nose, which the Nazis attributed particularly to Jews, thus transforming an otherwise perfectly acceptable caricature of the company Facebook into an anti-Semitic, Stürmer-like caricature against the Jew Mark Zuckerberg; the octopus, just like snakes, and spiders being frequent ways in which the Stürmer portrayed Jews.”

It is unclear why Mohr’s cartoon appears in two different variations. One showed Zuckerberg with a long nose and a second without a hook-style nose.

Stawski, whose organization works to combat anti-Semitism in the German media said, “interestingly, some people within the SZ must have realized that there was something highly problematic with their caricature, resulting in the unbelievable fact that different versions of the same caricature were published in different parts of the country on the same day.”

Last year, the SZ published a cartoon showing Israel as a demonic monster. The cartoon was widely criticized for depicting Israel in classic anti-Semitic terms.

Weiterführendes:
Vergangene SZ-Karikaturen vom gleichen Schlag
Alan Posener dazu: „Wenn der wütende Spießer den Diskurs bestimmt.“
Publikative.org: SZ macht Facebook zu Jewbook
The Scroll: German Paper Depicts Zuckerberg as Hook-Nosed Octopus
Frankfurter Rundschau: Keine Antisemiten, nirgends!

Edmund Hufnagel und das Ende der „Freiheit“

Edmund Hufnagel gewann 1931 bei der Arbeiterolympiade in Wien. Für seinen ersten Platz im Jiu-Jitsu wäre er von der Stadt München fast ausgezeichnet worden. Doch die Nazis fuhren ihm in die Parade. Eine Erinnerung an den letzten (fast) gewürdigten Arbeitersportler aus dem Westend.


Schwerathleten üben am Rande der Arbeiterolympiade 1931

1.600 Einladungen verschickte die Stadtverwaltung noch zur großen Ehrenbriefverleihung am 15. März 1933. Doch die Weimarer Republik war am 15. März faktisch schon abgemeldet. Die sogenannte „Reichstagsbrandverordnung“ trat in Kraft, die Hakenkreuzflagge wehte vom Turm des Münchner Rathauses. Fünf Tage später wird sich der konservative Bürgermeister Scharnagl zum Rücktritt gezwungen sehen. Unter den Ehrenbriefen an diesem Abend befanden sich aber noch zwei, die überhaupt nicht in die neue Zeit hineinpassten. Die sozialistischen Fahrradfans vom Arbeiter- und Radfahrerbund „Solidarität“ sollten für ihren ersten Platz im Saalfahren 1932 in Halle einen Teampreis erhalten. Und ein Ehrenbrief für den Arbeitersportler Hufnagel vom Arbeiter Jiu-Jitsu Klub „Freiheit“ war auf Lager. Aber wurden diese beiden Auszeichnungen inmitten der nationalsozialistischen „Erhebung“ verliehen? Und wer überhaupt war dieser Hufnagel?

Eine Rekonstruktion: Aufschlag der Hufnagels in München
Vater Hufnagel kam 1892 im Alter von 21 Jahren nach München. Das Westend, eine stinkende Ausgeburt der Industrialisierung auf der Sendlinger Haid, zog zwischen 1880 und 1900 circa 27.500 Menschen an, zumeist Jugendliche aus den bayrischen Provinzen. Wo und wann Vater Hufnagel, wohnhaft in der Kazmairstraße, dann Margareta Zilk aus der Oberpfalz einen Heiratsantrag machte, nach einem gemeinsamen Besuch beim ersten Fußballspiel auf der Theresienwiese 1895 oder nachdem er mit einem Fleisch vom Rossmetzer aus der Wirtschaft „Pferdebahnhof“ getorkelt war, ist nicht überliefert. Jedenfalls heirateten beide 1899 und nur wenig später erblickten drei weitere Hufnagels das Licht der Welt, wovon der zweite, Edmund, am 10. April 1902 geboren wurde.

Als Edmund zwölf Jahre alt war, zog es seinen Vater mit 43 Jahren noch in den 1. Weltkrieg, allerdings kam er schon 1916 vorzeitig zurück, und mietete sich in die Ganghoferstraße 19 ein. Die Schulen im Westend dienten während des 1. Weltkrieges als Reserve-Lazarette und der kleine Edmund wird seine Tage wie die anderen Kinder auch in der Ganztagsschule in Laim verbracht haben. Der 23-Jährige Edmund kam ab 1925 dann als Formerlehrling bei Theresa Schmidthuber unter, am Rande des Westends, jenseits der Gleise, im Hinterhaus der Ganghoferstraße 76.

Der Arbeiter Jiu-Jitsu Klub „Freiheit“
Edmund Hufnagel begeisterte sich bald für die Arbeitersportbewegung, die sich parallel zur Herausbildung des Industriekapitals geformt hatte. Er wurde Mitglied im Arbeiter Jiu-Jitsu Klub „Freiheit“. Dieser gründete sich 1923 im Zuge der aufkommenden Jiu-Jitsu Begeisterung, die in Deutschland vor allem von Berlin her angestoßen wurde. Nahezu zeitgleich entstanden in München beispielsweise der „Jiu-Jitsu Club München e.V.“, die „Münchner Jiu-Jitsu Vereinigung 1923“ und etwas später der kommunistische „Jiu-Jitsu Club Athena“.

Dem kleinen Arbeiter Jiu-Jitsu Klub „Freiheit“ diente als Ringermatte ein unzureichendes Provisorium aus Holzwolle, an notwendiger Sportkleidung mangelte es ebenfalls. 1924 beantragte der Verein bei der Stadt eine finanzielle Förderung, die teilweise gewährt wurde. München dürfe hinter Berlin nicht zurückstehen, hieß es im Antrag auf Förderung der „Freiheit“. Außerdem verdiene Jiu-Jitsu „schon deshalb so große Beachtung, weil es kaum eine Leibesübung gibt, die in so hohem Maße den Sport als den angenehmen Teil mit der Selbstverteidigung als nützlichen Teil“ verbinde.

Reise ins „Rote Wien“
Im Juli 1931 machte sich Hufnagel mit 29 Jahren dann auf zur Arbeiterolympiade nach Wien. An diesem Event nahmen tausende Menschen teil, beim einleitenden Festzug sollen circa 100.000 aufgelaufen sein. Teilnehmende aus 15 Nationen reisten an. Die längsten Anreisewege nahmen die Sportlerinnen und Sportler aus Palästina und ein Leichtathlet aus den USA auf sich. Weshalb aber die meisten der mindestens 100 angereisten zionistischen Sportlerinnen und Sportler doch nicht an den Wettkämpfen teilnahmen, bleibt bislang ungeklärt. Mr. Lange, der erste und letzte US-Amerikaner, der je an einer der drei Arbeiterolympiaden teilgenommen hat, erreichte im Zehnkampf der Männer den vorletzten Platz. Insbesondere sein kurzreichender 27-Meter-Speerwurf verhagelte ihm die Bilanz.

Die Jiu-Jitsu-Wettkämpfe machten 28 Österreicher und acht Deutsche unter sich aus. Von den acht Deutschen kamen mindestens drei aus München: Edmund Hufnagel, Franz Zachmann und Josef Hammerstingl. In manchen Gewichtsklassen fanden sich kaum mehr als zwei Teilnehmer. Hammerstingl – seines Zeichens auchVorstand vom Arbeiter Jiu-Jitsu Klub „Freiheit“ – erreichte den dritten Platz im Bantamgewicht, in dieser Gewichtsklasse waren es aber nur vier Teilnehmer. Hufnagel hatte sich im Weltergewicht immerhin gegen sechs weitere Kontrahenten durchzusetzen.


Konnten ihr Versprechen nicht halten: Die Arbeiterfußballer 1931

Die Ungnade der späten Auszeichnung
Eigentlich hätte Hufnagel für seinen ersten Platz schon 1932 mit einem Ehrenbrief der Stadt München bedacht werden können, hätte der Arbeiter-Athleten-Bund das Gesuch für Hufnagels Ehrung nicht viel zu spät eingereicht. Die Auszeichnung wurde aufs Folgejahr verschoben. Vieles deutet aber darauf hin, dass Hufnagel seinen Ehrenbrief auch an diesem Abend des 15. März 1933 nicht entgegennehmen konnte.

Die Nationalsozialisten gaben im Münchner Rathaus faktisch schon den Ton an, kommunistische und sozialdemokratische Kader wurden auf offener Straße zusammengeschlagen. Heinrich Himmler schwang sich am Tag der Ehrung zum kommissarischen Polizeipräsident in München auf. Der Arbeitersportler Hufnagel stieg vor den Augen der SA-Schergen demnach vermutlich nicht auf das Podium im Festsaal, um seinen Ehrenbrief im Namen des sozialistischen Arbeitersports in Empfang zu nehmen.

Dafür spricht auch das Original-Manuskript der Rede des zweiten Oberbürgermeisters Küfner an diesem Abend, das im Münchner Stadtarchiv zu finden ist. Ein Satz des Entwurfs seiner Rede wurde nämlich nachträglich durchgestrichen: „Das Arbeiter Sport Kartell ist vertreten mit einem Meister im Jiu-Jitsu und einer Mannschaft im Radfahren.“

Weiterführendes:
Arbeiter-Olympiade in Wien: Was war mit den zionistischen Arbeitersportlern los?

Münchner Piraten verstärken Bündnisarbeit gegen Antizionismus

Auf dem Kreisparteitag letzten Sonntag beschlossen die Münchner Piraten, verstärkt gegen Antizionismus in München vorzugehen. Die Bündnisarbeit mit Organisationen wie AmEchad, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft München, der Grünen Jugend München und der Linksjugend Solid solle laut Beschluss verstärkt angestrebt werden.

(Noch) kein offizielles Parteilogo!

„Leider finden auch in München nach wie vor antisemitische und antizionistische Veranstaltungen statt“, hielt die Piratenpartei München auf ihrem Kreisparteitag letzten Sonntag in Milbertshofen fest. Deshalb strebe sie die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Organisationen an, heißt es im verabschiedeten Beschluss mit dem Titel „Gemeinsam gegen Antisemitismus und Antizionismus“. Damit ist die Piratenpartei München die einzige Partei in München, die sich zur Bedrohung Israels programmatisch eindeutig verhält. Die Zusammenarbeit mit den genannten Organisationen sei aber auf das Thema beschränkt, wird versichert. Der Beschluss erleichtere vor allem die Teilnahme an derartigen Bündnissen, da dazu kein Vorstandsbeschluss mehr eingeholt werden müsse, erklärte der Antragsteller gegenüber Schlamassel Muc.

Die Piratenpartei Bayern ist in dieser Frage ohnehin ziemlich klar aufgestellt – im Gegensatz zum ein oder anderen Landesverband. Bereits auf dem Landesparteitag im April 2013 in Gmünden hatten die Mitglieder eine für Bayern eigenständige Positionierung durchgewinkt. Darin heißt es, „einseitige, pauschal israelfeindliche und gegen das Existenz- und Selbstverteidigungsrecht Israels gerichtete Positionen“ seien als antisemitisch anzusehen. Auch bedienten sich Vorstellungen von „Strippenziehern“, die Wirtschaft und Politik heimlich steuerten, oftmals antisemitischer Klischees, steht im Beschluss.

Letztes Jahr hatte sich die Münchner Piratenpartei bereits an einem gemeinsamen Brief an das Eine-Welt-Haus beteiligt, in welchem bis heute in regelmäßiger Häufigkeit israelfeindliche Veranstaltungen stattfinden. Außerdem unterstützen sie die „Initiative Stolpersteine für München“.

Weiterführendes:
Wahlempfehlungen für die Kommunalwahl 2014 in München

Forgotten Tomb: Rechtsradikale Blackmetalband soll im Backstage aufspielen

Die rechtsradikale Blackmetalband „Forgotten Tomb“ soll im Backstage auftreten – am 20. April, wenn Neonazis in ganz Deutschland das 125-jährige Jubiläum des „Führergeburtstags“ feiern. Das passt zusammen.


Backstage-Chef Stocker inszeniert sich gerne als großer Nazi-Jäger – doch selbst im eignen Laden geht es nicht immer koscher zu

Am Ostersonntag 2014 wird laut Plan im Backstage das „Dark Easter Metal Meeting“ stattfinden, mit zahlreichen Metalbands aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Frappant: Angekündigt ist unter anderem auch die 1999 gegründete Blackmetalband „Forgotten Tomb“, die damit das erste Mal in der bayerischen Landeshauptstadt anklingen würde. Die italienische Formation wird von Beobachtern der „National Sozialist Blackmetal“-Szene (NSBM) zum rechtsradikalen Spektrum gezählt.

Das erste „Forgotten Tomb“-Album produzierte der Bandleader „Morbid“ im Jahr 2000 mit seinem Label „Treblinka Productions“, eine Anspielung auf das Vernichtungslager Treblinka. Den Namen seines Labels begründete „Morbid“ im Jahr 2004 auf der Online-Seite von „Forgotten Tomb“ auch unmissverständlich: „Ich habe begonnen, manchen Abschaum zu hassen – wie kriminelle Immigranten, drogensüchtige Fotzen, Huren, Drogenhändler, Vergewaltiger und Scheiße wie diese. Sie verdienen es wirklich nicht, zu leben. So habe ich mit Treblinka Productions begonnen, um eine intolerante Art des Denkens zu verbreiten. Ich habe Propaganda gemacht, um die Schlachtfelder wieder zu eröffnen und um diese Idioten in den Ofen zu schicken.“

„E-Gay ein verdammtes, jüdisches Geschäft”
“Morbid” legte sich für ein NSBM-Seitenprojekt mit dem ebenfalls zynischen Namen “The true Gaszimmer“ ins Zeug. Über den Online-Shop Ebay sagte „Morbid“ angeblich, dass dieses „E-Gay ein verdammtes, jüdisches Geschäft” sei. An der menschenverachtenden und antisemitischen Haltung des Bandleaders dürfte sich wenig geändert haben. 2007 sagte er in einem Interview, er habe nichts gegen NSBM, er habe nur etwas gegen „Well-Thinking-Attitude“. Noch im November 2013 wurde „Forgotten Tomb“ zum „Fireblade Force Festival“ angekündigt, das als Highlight der Nazi-Metalszene gilt – allerdings 2013 doch nicht wie geplant im brandenburgischen Barnim stattfinden konnte.

Mit „Forgotten Tomb“ leistet sich das Münchner Backstage wieder einmal eine extrem fragwürdige Band, und das am 20. April, an dem Tag, an dem Neonazis den Geburtstag Adolf Hitlers feiern. 2011 trat beispielsweise – wie auch schon 2010 und 2009 – die Band „Frei.Wild“ im Backstag auf, am sogenannten Volkstrauertag. Im selben Jahr bot das Backstage der umstrittenen Deathmetalband „Minas Morgul“ und der Paganmetalband „Varg“ eine Bühne. Diese Liste ließe sich noch um einiges verlängern. Die Band „Forgotten Tomb“ dürfte allerdings nicht einfach zu verharmlosen sein, auch wenn die Backstage-Leitung darin inzwischen viel Übung hat.

Nachtrag: Am 10. Februar wird die Band aus dem Lineup entfernt. Am 11. Februar berichtet die „Süddeutsche Zeitung“, laut Geschäftsführer Georg Stocker seien „Forgotten Tomb“ nie offiziell bestätigt gewesen. Der „Fehler“ sei beim Co-Veranstalter passiert. Nach Recherchen bei der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus habe Stocker Forgotten Tomb sofort aus dem Programm genommen. Das Backstage kündigt an, am Ostersonntag, 20. April (Hitlers Geburtstag), alle offen rechtsradikal auftretenden Konzertbesucher des Geländes zu verweisen.