Archiv für Juni 2010

30 Prozent Main Concept, 30 Prozent Blumentopf, 40 Prozent Intifada

Sie nennen sich die Palästinenser von 1948. Ihr Smash-Hit „Who is the terrorist?“ wurde schon nach kurzer Zeit millionenmal heruntergeladen. Am 01. Juli wird die Hip-Hop Gruppe DAM in der Muffathalle zu sehen sein – gefördert von der Stadt München. DavidPe (Mainkonzept) und Wunder (Blumentopf) sind auch dabei.

Nachtrag: Konzertbericht: Da Arabian MC’s und Da Munich MC’s im Gleichschritt


DAM live in New York mit Fahne (Al Aqsa Emblem)

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Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen

Simao Sabrosa (Portugal vs. Nordkorea 21.06.2010)

Veranstaltungshinweis: Karl Pfeifer in München

Er hat die Nazis überlebt und Israel mitgegründet. Seit 1951 wohnt er in Wien und macht sich gegen Rechtsradikalismus in Ungarn und Österreich stark. Das Autonome Jugendzentrum Bielefeld hat ihn 2009 nach einer Einladung wieder ausgeladen, weil Kritiker den Verdacht hegten, er hätte an einem „Massaker“ teigenommen. Kommenden Donnerstag wird er erstmals einen Vortrag in München zum Thema Antiziganismus und Antsemitismus in Ungarn halten.

„Kein Problem, dann bring ich einfach meinen Stick mit“ (Karl Pfeifer)

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Veranstaltungshinweis: Justus Wertmüller in München

Vortrag & Diskussion mit Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas & alter Stinkstiefel): Warum es um Israel geht (und nicht um Völker, Kulturen und Gemeinschaften). Mehr weiß die gruppe monaco // verein freier menschen (ao)

Donnerstag, den 15. Juli 2010 um 20:00 Uhr
Neokeller, Massmannstraße 10, 80333 München

Milli Görüs ist das neue Links

Die Älteren unter den Linken müssten sich noch daran erinnern können. In den 70ern und 80ern fanden in Deutschland zahlreiche Demonstrationen gegen nationalistische türkische Verbände statt. Und umso mehr nach der abermaligen Eskalation der Gewalt gegen Kurden, von Mitte der 80er bis zum Ende des Millenniums. Das hat sich geändert. Nicht die Unterdrückung der Kurden hat sich geändert, nicht wesentlich zumindest, sondern aber das Verhältnis von türkischen Nationalisten und der deutschen Linken. Milli Görüs (deutsch: nationale Sicht) und die Linkspartei luden heute gesammelt auf eine – freilich dem humanitären Ansinnen in höchstem Maße verpflichteten – Demonstration gegen Israel ein.


Der Milli Görüs Führer Necmettin Erbakan trainiert Transpi-Halten für den Ostermarsch


Querfront mit Ansage

Basisinformationen zu Milli Görüs und dem in der Türkei verbotenen parlamentarischen Arm Saadet Partisi:
http://de.wikipedia.org/wiki/Saadet_Partisi
http://de.wikipedia.org/wiki/Milli_Görüs

Jew-Haters Delight: Palästina Tage in München

Vom 19. Juni bis zum 09. Juli richtet die Vereinigung „Palästina Komitee München“ diverse Veranstaltungen aus. In der Vergangenheit zeigte sich die Gruppe oft antizionistisch und antisemitisch. Das Programm der kommenden „Palästina Tage 2010″ setzt diese Tradition fort.

This is our land. So get the fuck out of it
Klare Worte im Programmheft: „This is our land. So get the fuck out of it“

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„Münchner Friedensbündnis“ und „Graue Wölfe“ demonstrieren gemeinsam gegen Israel

Die Operation „Free Gaza“ nahm ein katastrophales Ende. Bei dem Versuch die israelische Seeblockade zu durchbrechen wurden mindestens neun Aktivisten der „Mavi Marmari“ getötet. Indes finden weltweit zahlreiche Demonstrationen statt. Dabei geht es in der Regel nationalistisch und antisemitisch zu – auch in München.

Israel maximalbrutal: Schwarze, Indianer, Holocaust, Palästinenser - alles dabei

Der ganze Platz ist mit türkischen und palästinensischen Nationalfahnen übersät. Vereinzelt sind auch Fahnen der radikal-islamistischen Organisationen Hizbollah und Hamas zu entdecken. Bei der Protestkundgebung in Istanbul am Anfang dieser Woche wurde feurig gepredigt. Gott hat die Juden auf den falschen Weg geführt, ist zu hören. Und Israel hat sich die Türken zum Feind gemacht. Tausende recken ihre Fäuste in die Höhe und skandieren: „Nieder mit Israel“ und „Allah ist groß“. Das nationalistische und religiöse Lager sind sich einig. „Mit dem Töten kennt ihr euch gut aus“, gibt Staatschef Erdogan wiederholt in Richtung Israel zu verstehen. Hitlers „Mein Kampf“ belegte – bevor Bayern auf sein Urheberrecht pochte – Platz zwei der türkischen Bestsellerliste. Das Werk wurde anscheinend auch aufmerksam gelesen.

Die Juden und das Töten

Der Topos, die Juden würden heimtückisch morden, ist in der Geschichte des Antijudaismus und Antisemitismus ein immer wiederkehrendes Muster. In Böhmen kam es beispielsweise 1161 zu Pogromen, weil jüdische Ärzte angeblich Christen vergiftet hätten. Das erste Pogrom in München ist datiert auf das Jahr 1285. Eine Frau „gestand“, die Juden hätten ein Christenkind getötet und das Blut getrunken. In Frankreich kam es ca. 1348 zu den sogenannten Pestpogromen, die schon bald über Mainz, Genf, Koblenz, Köln und Trier nach Deutschland schwappten. Keimzelle der Ausschreitungen war das Gerücht, die Pest hätten die Juden zu verantworten, weil sie die Brunnen vergiften. Wenn Erdogan äußert, die Juden würden sich mit dem Töten ja auskennen, spielt er auf diese Gerüchte an. Der Judenstaat verhalte sich eben entsprechend des antisemitischen Ressentiments.

Wien
Antisemitische Kundgebung in Wien am 01.06.2010

München zieht gleich

Zur Demonstration „Free Gaza! Solidarität mit den Palästinensern“ auf dem Münchner Marienplatz riefen unterschiedlichste Organisationen auf. Unter anderem das „Münchner Friedensbündnis“, die Linkspartei, SDAJ, sowie die faschistische türkische Organisation „Graue Wölfe“. Das abgegebene Bild entsprach den bekannten Szenen aus Wien, Berlin und Istanbul. Türkischer und Palästinensischer Nationalismus prägte die Veranstaltung. Etliche zogen sich gleich beide Fahnen über. Ein allgemein bejubeltes Highlight war der Türkeifahnen-Schwenker auf dem Kirchturm.

Von Anfang bis Ende der Veranstaltung wurde immer wieder die antisemitische Parole „Kindermörder Israel“ skandiert. Bei zahlreichen Kriegen und Konflikten weltweit werden Kinder Opfer der Auseinandersetzung. Nur in einem Fall wir einer Partei penetrant vorgeworfen, es explizit auf Kinder abgesehen zu haben. Wie Erdogans Auslassungen zum Thema „die Juden und das Töten“ verweist die Parole „Kindermörder Israel“ auf den antisemitischen Topos vom „kindermordenen Juden“. Ein kleines Grüppchen mit Israelfahne am Rande der Demonstration erntete den zu erwartenden Hass der Teilnehmer und konnte für den Polizeischutz dankbar sein. Das Bozkurt Handzeichen, Erkennungsmerkmal der ultra-nationalistischen Grauen Wölfe, wurde mehrmals gezeigt, wie in folgendem Video zu sehen ist.

„Die unglaubliche Wiederauferstehung der Deutschen nach 1945“

Während letzte Woche eine weitere Gedenktafel für die deutschen Vertriebenen in Tschechien (oder Polen, egal) – unter Tränen der Rührung – eingeweiht wurde, die undeutsche deutsche Lena für Deutschland den Eurovision Song Contest gewann, die frechen Griechen noch einmal ordentlich zurechtgestutzt wurden, die schwarz-rot-goldenen Wimpel an den Autos bereits auf eine kommende Weltmeisterschaft hinweisen und die „nationale Katastrophe“ mit der Nominierung von Wulff zum Präsidentschaftskandidaten abgewendet wurde, kümmert sich die deutsche „Friedensbewegung“ darum, mit dem hässlichsten aller deutscher Makel aufzuräumen: Der historischen Täterschaft. Die Nachkommen der Opfer der europäischen Vernichtung – so der Wunsch – sollen heute Täter sein. Und die Nachkommen der Täter, die mit dem großen Zeigefinger. Diese Form der Schuldumkehr, in der Literatur oft Sekundärer Antisemitismus genannt, war auf der Demonstration in München am 04. Juni 2010 prominent vertreten.

Weitere Bilder:


Ausgleichende Gerechtigkeit: Die Nürnberger Prozesse sitzen tief


Richtige Deutsche warnen vor falschen Freunden – zum Wohle Israels


Kinderbild schon fast perfekt: Nur die Hakennase, die üben wir nochmal

Stadtwerke fechten Sprudler-Debatte mit Linkspartei

Die Stadtwerke München verkaufen ein Produkt der israelischen Marke Soda-Club. Es ist ein Wassersprudler. Die Linkspartei würde das luftige Patent gerne boykottieren und hat eine Stadtratsanfrage eingereicht. Die Antworten der Stadt fielen angenehm kurzatmig aus.

Soda-Club

Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Februar ist es amtlich. Bei der Einfuhr von bestimmten Produkten der israelischen Firma Soda-Club ist die Ware mit Zollgebühren zu belasten, ungeachtet des Zollfreiheitsabkommens zwischen der EU und Israel. Der Grund: Das Unternehmen Soda-Club ist zwar am Ben-Gurion Flughafen in Israel ansässig, die Produktion befindet sich aber vorrangig in einem Gewerbegebiet der jüdischen Siedlung Ma’ale Adumim, östlich von Jerusalem. Manche nennen Ma’ale Adumim einen israelischen Verwaltungsbezirk, andere sagen es handle sich um ein „von Israel besetztes Gebiet in Palästina“.

Linkspartei will Ende der Verkäufe

Der Münchner Linkspartei ist die Zollpflicht des Wassersprudlers keinesfalls Sanktion genug. Ihrer Auffassung nach sollte das Produkt gar nicht erst verkauft werden. Das gelte insbesondere für die Münchner Stadtwerke. Deshalb entwickelten die Genossen schon im Januar einen Antrag, der von der Kreismitgliederversammlung mit einer deutlichen Mehrheit beschlossen wurde. Die Münchner Stadtratsmitglieder der Linkspartei sind – so der endgültige Beschluss – dazu aufgerufen, „initiativ“ zu werden und ein „Ende der Verkäufe“ zu „befördern“. Überdies sollen alle Parteimitglieder beim Kauf von Waren generell achtsam sein und bei Produkten aus Israel die genaue Herkunft erfragen. Stammt das Produkt aus „besetzten Gebieten Palästinas“ ist von einem Kauf abzusehen. Mehr noch, „wir sollten auch Freunde und Bekannte über das Unrecht aufklären, das mit solchen Produkten oder auch Teilprodukten verbunden ist“.

Zum Wohle Israels

Anders als der Richterspruch des Europäischen Gerichtshofs, ist diese Initiative keine Überraschung. Die Münchner Linkspartei machte mit anti-israelischen Positionen schon 2009 Bundestagswahlkampf. Dass auch diese Aktion ein besonderes Gschmäckle hat, scheint den Antragstellern bewusst zu sein. Denn es wird ausdrücklich betont, dass der Boykottaufruf auch zum Wohle Israels sei. Wenn die Parteimitglieder dann also in Zukunft durch die Münchner Einkaufszentren streifen, um Waren aufzuspüren, die Juden zu verantworten haben, die am „falschen“ Ort leben, dann geschieht das zum Wohle Israels. Und das ist freilich weder antisemitisch, noch lassen sich historische Parallelen assoziieren.

Auftritt des Bürokraten

Die Münchner Stadtratsmitglieder der Linkspartei, Orhan Akman und Dagmar Henn, folgen im März dem Beschluss der Mitgliederversammlung und reichen eine Stadtratsanfrage zum Thema „Beschaffung und Vertrieb von Wassersprudlern bei den Stadtwerken München“ ein. Die fünf in der Anfrage enthaltenen Fragen sind um ihren ideologischen Ballast erleichtert und kommt auf leisen Füßen im bürokratischen Gewand daher. Die Stadtratsmitlieder hoffen darauf, die Wassersprudler von Soda-Club aus dem Verkauf zu „befördern“, indem nachgewiesen wird, sie seien mit Zollbelastung teurer als ein Konkurrenzprodukt ohne Zollbelastung.

Dieter Reiter, Münchner Referent für Arbeit und Wirtschaft, beantwortet die Fragen im April nach Vorgabe der Stadtwerke München im Presseorgan des Rathauses. Ja, der Wassersprudler der Firma Soda-Club wird zum „käuflichen Erwerb“ angeboten und ja, das „einfuhrrechtliche Verfahren“ ist den Stadtwerken „aus der Presse bekannt“. Nein, „Alternativangebote zu den Produkten des Weltmarktführers Soda-Club [sind] derzeit nicht möglich“. Ende der Ansage.

Es ist aber zu erwarten, dass dies nicht der letzte Versuch der Linkspartei war, den „Nahost-Konflikt“ im Münchner Stadtrat zu „lösen“.