30 Prozent Main Concept, 30 Prozent Blumentopf, 40 Prozent Intifada

Sie nennen sich die Palästinenser von 1948. Ihr Smash-Hit „Who is the terrorist?“ wurde schon nach kurzer Zeit millionenmal heruntergeladen. Am 01. Juli wird die Hip-Hop Gruppe DAM in der Muffathalle zu sehen sein – gefördert von der Stadt München. DavidPe (Mainkonzept) und Wunder (Blumentopf) sind auch dabei.

Nachtrag: Konzertbericht: Da Arabian MC’s und Da Munich MC’s im Gleichschritt


DAM live in New York mit Fahne (Al Aqsa Emblem)

DAM singen auf arabisch, englisch und hebräisch. Letzteres nur, wenn sie „ihnen etwas zu sagen haben“. Der Name DAM richtet sich dabei sprachlich an Araber und Juden gemeinsam. Doch das Wort verbindet nicht, denn es bedeutet in der jeweiligen Sprache etwas anderes. DAM bedeutet auf arabisch Ewigkeit und auf hebräisch Blut. Den Arabern sagt die Band damit – keineswegs zufällig – ihre ewige Verbundenheit, den Juden einen blutigen Kampf an.

Eine Beziehung zu einer Jüdin möchte Tamer nicht

Tamer, der Frontsänger der Band DAM, wohnt in Lod, einer Kleinstadt zwischen Tel Aviv und Jerusalem, in einem Eigenheim, in einem wie er sagt, guten Viertel. Durch die Augen von Tamer betrachtet heißt Lod eigentlich Al-Lyd und ist das Zentrum von Palästina, palästinensischer Boden, auch wenn in Lod 80 Prozent der Bevölkerung jüdisch sind und die Stadt – nebenbei bemerkt – mitten in Israel liegt. Es ist keine Frage der Hautfarbe oder Rasse, es ist eine Frage der Religion, sagt Tamer. Eine Beziehung zu einer Jüdin möchte er nicht. Sonst würde das Kind auch jüdisch. Der Junge müsse zur Armee und außerdem liebe Tamer „seine Kultur und Sprache“ und hat sich daher vorgenommen, sich zu verlieben in eine Frau, die seine Kultur teilt.


Böse Juden – Youtube Video unterlegt mit DAM Soundtrack

In Tamer’s Wertekosmos herrscht eine klare Hierarchie. Die Zionisten sind ganz unten: („It’s more like the Nazis“). Kurz darüber kommen die Juden. Ganz oben sind die „Plästinenser von 1948“, eine Beschreibung, mit der sich DAM auch selbst schmückt. Die Palästinenser von 1948 sind zum einen die Araber, die im ersten arabisch-israelischen Krieg umkamen oder vertrieben wurden. Es sind aber auch die, die bei den Briten von 1939-1944 ein Zuwanderungsbeschränkung für Juden erreichten und damit ihren Beitrag zum Holocaust geleistet haben, die dem Führer und Nazi-Kollaborateur Mohammed Amin al-Husseini zujubelten, oder während des ersten arabisch-israelischen Krieges Juden aus nicht-israelischen Gebieten vertrieben.


Helden – Youtube Video mit DAM Soundtrack

Tamer sieht sich seinen Worten nach als Teil eines „lyrischen Krieges“, an anderer Stelle auch „lyrische Front Bewegung“ genannt. Als Ideal setzt er den tief religiösen arabischen Kämpfer an, dem durch ein Selbstmordattentat kein Zacken aus der Krone bricht, sondern im Gegenteil, der immer legitimer Widerstandskämpfer bleibt, so wie seine Kinder und Kindeskinder.

„30 Prozent Hip-Hop, 30 Prozent Literatur, 40 Prozent Intifada“

Titel und Textfragmente der Songs der Band DAM, wie zum Beispiel „Hier geboren“, „Fremd im eigenen Land“ oder die Rede vom „Edlen Blut“ bzw. gar die Selbstbeschreibung, wie ein Baum zu sein, der mit der Erde verwurzelt sei, erinnert stark an die Blut und Boden Rhetorik von einschlägigen deutschen Rechtsrock-Gruppen. Wenn auch an die Stelle der deutschen Eiche der Olivenbaum tritt. Die Texte kommen zumeist auf den Schwingen des gängigen palästinensischen Nationalismus daher. Die wenigen fortschrittlichen Momente der Band, wie die Forderung nach Gleichstellung der Frau, gehen darin unter.

Die Münchner Muffathalle habe laut Tamer am 01. Juli „30 Prozent Hip-Hop, 30 Prozent Literatur, 40 Prozent Intifada“ zu erwarten. Das Konzert ist gefördert durch das Kulturreferat der Stadt München. DavidPe (Main Concept) und Wunder (Blumentopf) haben sich als „Support“ angemeldet.

Nachtrag: Konzertbericht: Da Arabian MC’s und Da Munich MC’s im Gleichschritt

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Flyer: Palästina Tage 2010

Beschwerden: Kulturreferat, Patricia Müller, Tel. 089 – 233-24364
patricia.mueller@muenchen.de