New York! New York! New York!

Drei Wochen Ostküste, drei Wochen Urlaub vom Schlamassel. Tipps für Punks

Die Lower East Side ist ein guter Ort um sich in New York einzuquartieren. Das von Migration geprägte Viertel liegt zwar in Manhatten, ist aber weit genug entfernt vom hektischen Bankendistrikt und erlaubt Brooklyn fussläufig – wenn es auch ein längerer Weg ist – über die Williamsburg Bridge zu erreichen. In der Lower East Side richtete sich eine große jüdische Gemeinde ein, sowie am Rande ein italienischer Teil und es entstand die New Yorker Chinatown. Die Geschichte der Migration lässt sich bei einem Besuch im Lower East Side Tenement Museum nachverfolgen, ein im Stile des 19. Jahrhunderts belassenes Haus, durch das Führungen mit unterschiedlichen Migrationsschwerpunkten angeboten werden. Gegenüber vom Tenement Museum befindet sich ein schwer erkennbares Hostel. Das South of Houston Apartment eignet sich für den Aufenthalt in New York ausgesprochen gut. Es ist zentral gelegen und preiswert. Ein Vierbettzimmer mit Bad, Küche und Internet kostete 48$. Der Spätkauf ist um die Ecke. Zudem ist das Hostel ein Fundraising Projekt zur Stiftung einer Synagoge.


Vor dem Hostel getroffen: Lui

In der Nähe des Hostels befindet sich die Ludlow und Rivington Street. Die angrenzenden Blocks offenbaren zahlreiche Möglichkeiten ausgiebig zu frühstücken. Das Katz’s Delikatessen, welches während des Zweiten Welkrieges mit der Kampagne „Send a salami to your boy in the army“ Weltberühmtheit erlangte, ist gleich um die Ecke. Etwas gemütlicher ist das Pink Pony. Im Pink Pony ist auch ein wesentliches New Yorker Organ erhältlich, das Show Paper (Scan). Im Show Paper – das online nicht einsehbar ist – sind neben DIY Konzerten auch die alternativen Veranstaltungen der nächsten zwei Wochen, auf einem Blatt, zusammengefasst. Vegane und vegetarische Gastronomieangebote gibt es in der Lower East Side reichlich. Für den schnellen Imbiss empfielt sich die Burgerbraterei Tiny’s Giant Sandwich Shop, die alle Burger der Karte auch mit Fleischersatz anbietet. Kein Steinwurf davon entfernt befindet sich das ABC NO RIO, eine regelrechte Zentrale für DIY-Kultur. Dort finden jede Woche mehrere Konzerte statt – unter anderem jeden Samstag eine Hardcore Matinee – und auf verschiedenen Stockwerken befindet sich eine Fanzine- und eine Kassettenbibliothek, eine Dunkelkammer, mehrere Büros und eine kleine Druckwerkstatt. Aktuell sammelt das ABC NO RIO Gelder für die notwendige Renovierung und den Ausbau. Henry Rollins hat schon seine Hilfe zugesagt.


ABC NO RIO Selbstverständnis


Außenansicht: Das Haus wurde um die Jahrhundertwende des vergangenen Jahrhunderts erbaut und konnte vor einigen Jahren für einen Dollar erworben werden.


Innenansicht: Besucher bekommen die Fanzin-Bibliothek erklärt

Lässt man das ABC NO RIO einmal beiseite, wird es – zumindest was die Punk und Hardcore Subkultur in New York betrifft – schon relativ dünn. Ein weiterer durchaus empfehlenswerter Ort aber ist das Silent Barn in Brooklyn. Das selbstverwaltete Hausprojekt bietet neben einem vernachlässigbaren Kräutergarten auf dem Dach regelmäßig politische, musikalische und kulinarische Veranstaltungen an, die allerdings schwer in Erfahrung zu bringen sind, wenn sie nicht im Show Paper angesagt wurden. Der Vollständigkeit halber sei noch das Death by Audio erwähnt. Der ebenfalls in Brooklyn gelegene Club ist eine gute Adresse, wenn es um DIY-Konzerte geht. Ansonsten ist New York freilich ein Herd mannigfaltiger interessanter Orte, die je nach Interesse und Geschmack zusammengestellt werden können.


Ground Zero: Bauarbeiten in vollem Gange


Ein Spaziergang über die Brooklyn Bridge lohnt sich


„Brooklynpark“


Dringend empfohlen! 1-2 Tage erholen auf Coney Island

Washington ist ebenso einen Aufenthalt wert, alleinig, um mindestens einen Tag im United States Holocaust Memorial Museum zu verbringen, ein Ort, der in Deutschland seines Gleichen erst gar nicht suchen muss. Im Museum finden neben der permanente Ausstellung stets Sonderausstellungen statt. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs wurde der Film „Eine gefährliche Lüge: die Protokolle der Weisen von Zion“ und die Sonderausstellung „Lügenstaat – die Kraft der Nazi Propaganda“ gezeigt. Im Museum selbst ist auch eine große Datenbank mit Namen und Informationen der Verfolgten des Naziregimes einsehbar. Zur Nazipropaganda gibt es derzeit online etwas nachzulesen. Empfehlenswert ist auch der Podcast des Museums sowie der Museumsshop, der mit einem reichhaltigen Buch und Videosortiment aufwartet.


Museumsmeile zwischen Weissem Haus und dem Lincoln Memorial

Eine gute Anlaufstelle für DIY Kultur in Washington ist der Laden Smash! in Adams Morgan. Hier sind neben einem sortierten Punk- und Hardcore Platten bzw. Kassetten und Videoangebot eine Pinnwand und eine Flyerablage, die über die Veranstaltungen der nächsten Tage Aufschluss gibt, zu finden. In der 18. Straße in Adams Morgan – wo sich auch das Smash! befindet – gibt es Lokale und Restaurants en masse und wenn einem danach ist, lassen sich mehrere Abende dort verbringen, ohne eine (ausgesprochen sympathische) Lokalität zweimal besuchen zu müssen.


Eine gigantische Fressmeile: der Quincy Market in Boston

Wer sich für den Unabhängigkeitskrieg und amerikanische Geschichte interessiert, ist in Boston gut aufgehoben. Die Boston-Tea Party lässt sich auf dem Freedom Trail nachspüren. Wer allerdings diesen historischen Begebenheiten wenig Aufmerksamkeit zuteil werden lassen mag, kann sich Boston sparen. Die DIY-Kultur in Boston ist hingegen stark entfaltet. Die Teilnahme steht und fällt allerdings mit dem Gelingen, die Boston DIY Showpages in die Finger zu bekommen. Die Boston DIY Showpages für den Monat August habe ich hier (Hausaddressen geschwärzt) hinterlegt (Seite 1 | Seite 2) Eine umfassende Ressource für Hardcoreshows in den USA allgemein ist die Seite www.future-breed.com.

Weitere Bilder:
Panoramashot am Time Square
Panoramashot vom Rockefeller Building