Das antifaschistische Haus am Berg

Bergsteigen faszinierte antisemitische Charaktere seit jeher. Inmitten einer eingeschworenen Gemeinschaft, Wanderlieder singend und den Berg bezwingend, fernab der Zivilisation sein – das sind die Ingredienzien einer perfekten antimodernistischen Ursuppe, mit allerhand kruden Ideologien verrührbar. Seit 2003 gibt es deshalb ein Mahnmal – auf 2498 Metern.


„Über 1000 Meter beginnt das Dritte Reich“: Münchner Neo-Nazis beim Hakenkreuz basteln in den Bergen (2009)

Geschichte des Friesenberghauses
Anfang des 20. Jahrhunderts gaben in den Alpenvereinen die Antisemiten den Ton an. Jüdinnen und Juden wurde die Mitgliedschaft weitestgehend untersagt – ohne nennenswerten Widerstand in Reihen der nicht-jüdischen Vereinsmitglieder. In Berlin gründete sich in Reaktion 1928 der jüdisch-liberale Deutsche Alpenverein Berlin, der zusammen mit der österreichischen Sektion Donauland 1931 das Friesenberghaus im Zillertal erbaute. Nur wenige der Teilnehmenden überlebten den Holocaust. Im Zuge der längst überfälligen Erforschung der ausgrenzenden Tradition der Alpenvereine wurde das Friesenberghaus bis 2003 saniert und ausgebaut.

Das Zillertal ist im Grunde die Hölle
Im Zillertal hat die Entnazifizierung nie wirklich stattgefunden, da man sich gleich nach 1945, wie in anderen Teilen Österreichs auch, geschickt in das Ensemble der Naziopfer einzureihen wusste. Hinzu kommt, dass sich die marxistische Phrase von der „Idiotie des Landlebens“ bildlich perfekt im Zillertal ausdrückt, denn naturklebrig-bäuerliche Biederkeit quillt aus jeder Ritze der redundanten Landschaft und dem darin verwobenen Bergvolk. Knapp 30 Prozent der Wahlberechtigten wählen rechtsradikal und außerdem circa die Hälfte die Österreichische Volkspartei, welche sich seit Jahren anschickt, den rechtsradikalen Parteien BZÖ und FPÖ den Rang abzulaufen. Schöne Orte gibt es wenige, aber doch: Zum Beispiel den Schlegeis-Stausee.


Auf dem Weg nach oben: Der Schlegeis-Stausee am Fuß des Petersköpfl, ein Monument der Zivilisation inmitten der morbiden Einfalt

Mal richtig aufsteigen
Ca. 2,5 Stunden dauert der Aufstieg Richtung Friesenberghaus und die etwas befremdliche (aber auf ihre Weise niedliche) Gedenktafel mit Davidstern und Edelweiß ist greifbar. Neben einer kleinen Ausstellung sieht das Haus während der Saison Übernachtungsmöglichkeiten und einen Gastronomiebetrieb für seine Gäste vor. Engagierte Wandersleut‘ können noch den Gipfel besteigen. Es bietet sich an, den Gipfelritt erst nach einer Übernachtung (und einem Sprung in den Bergsee) am nächsten Morgen anzugehen.