But Bavaria and Israel …

Der Projekttag Israel geht ohne außergewöhnliche Störfeuer über die Bühne. Eldad Beck erzählt Geschichten und Benny Morris brilliert auf dem Podium. Außerdem hat Israel mit Bayern einen starken Verbündeten – meint Werner Karg, von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.


Podiumsdiskussion: Ilan Ben Dov, Benny Morris und Sandra Witte lauschen den nicht immer blitzgescheiten Fragen

Zwischenzeitlich lockt der Projekttag Israel bis zu hundert Personen in den ersten Stock der Münchner Universität – zumindest annähernd, als das israelische Buffet eröffnet wird. Deutlich weniger Gäste finden sich in den frühen Morgenstunden zum Vortrag „Ein israelischer Journalist in No-Go-Areas“ von Eldad Beck ein. Der israelisch-österreichische Gefahrensucher sieht ein bisschen so aus, als hätte er sich die Augen geschminkt. Es könnte aber auch an der vergangenen Nacht liegen. Denn Beck trinkt gerne mal ein Gläschen Wein. Und das nicht nur in Bayern, sondern auch in Kuwait, im Iran oder in Syrien, wo Weintrinken offiziell verboten ist. Der libanesische Wein ist ausgesprochen gut, empfiehlt Beck. So wie der Wein in Israel, fügt er schnell hinzu. Wohingegen der iranische Shiraz den passionierten Weinkenner nicht überzeugten konnte.

Beck weiß bitterböse Geschichten humorvoll zu erzählen. Bitterböse, denn in die besagten Länder dürfte der Journalist eigentlich nicht reisen. Die Grenzen sind für Israelis dicht und der einheimischen Bevölkerung ist auch der Kontakt mit Israelis verboten. Im Besonderen, wenn die Israelis jüdisch sind; bei palästinensischen Deligationen hält man das anders. Beck erzählt einige Anekdoten vom Knast in Syrien, von Geheimdienstüberwachung und wie er mit einem Artikel über ein rauschendes Fest, erschienen in der israelischen Zeitung Yediot Ahronot, einen Staatseklat in Kuwait erzeugte. Wochenlang zirkulierte das Thema in arabischen Medien: Wie gelang der israelische „Infiltrator“ nach Kuwait? Beck sieht seine Reisen als einen Beitrag für den Frieden: Dass die Menschen in vielen arabischen Ländern keine Israelis kennen lernen können und sich ihr Israelbild vornehmlich aus Propagandaorganen wie Aljazeera speist, hält Beck für ein zentrales Problem.

Die Performance der „Israelkritiker“
Zur Podiumsdiskussion mit u.a. Morris ist der Raum besser gefüllt. Der Historiker hält derzeit an der Münchner Universität eine Vorlesung (Dienstag 10:00 Uhr). Ein ergrauter Herr aus dem Publikum erweist sich als besonders diskutierfreudig. Seine Stimme überschlägt sich leicht, auf der Stirn glitzern Schweißperlen. Nachdem er die gleiche Frage immer wieder stellt, weist ihn die Moderatorin Sandra Witte darauf hin, dass die Frage nun hinreichend beantwortet sei. Gleich zu Anfang findet sich ein Kreis von Demonstranten zum Fahnenschwenken in der letzten Reihe ein. Nachdem die erwartete Beachtung ausbleibt, ziehen die Herren wieder ab.


Studentin vor unvorteilhaftem Wandschmuck

Morris zeigt sich aufgrund der Gemengelage in der Region wenig optimistisch
Morris schildert mögliche Lösungen für die arabische Flüchtlingsproblematik, routiniert, so als hätte er das Gesagte schon hunderte Male erzählt. Von verpassten Chancen Israels ist die Rede, aber auch von einer notwendigen Veränderung im Bewusstsein der palästinensischen Bevölkerung. „Wenn ein Kleinkind heute in Jenin, dessen Familie dort bereits in dritter oder vierter Generation lebt, immernoch der festen Überzeugung ist, es komme eigentlich aus Jaffa“ ist das ein großes Problem und weit weg von einer Zwei-Staaten-Lösung, sagt Morris.

Ein Gast wirft die Frage auf, wie das Podium denn das deutsche Verhältnis zu Israel einschätze. Es gäbe zwar immer wieder Bekenntnisse ob der tiefen Verbundenheit beider Staaten, aber im Parlament werden einstimmige Beschlüsse gegen Israel gefasst und auch in den bürgerlichen Medien vergehe kein Tag ohne das Erscheinen anti-israelischer Beiträge. Der israelische Botschafter Ben Dov nickt. Karg, von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, ergreift das Wort. Das deutsch-israelische Verhältnis mache auch ihm große Sorgen. „But Bavaria and Israel …“, Israel könne sich immerhin auf Bayern verlassen. Gelächter. Es gab tatsächlich eine Zeit, da war das so. Als Franz Josef Strauß das Verteidigungsministerium leitete und seinen Freund und israelischen Amtskollegen Schimon Perez heimlich mit Waffen versorgte.

Wir sind Herrn Strauß gegenüber verpflichtet; er tat, was wir von ihm verlangten, als er Minister war, und er hat einen lebensnotwendigen Beitrag zu unserer Sicherheit geleistet (Mosche Dajan, Oberbefehlshaber der israelischen Streitkräfte, 1954-1958)

Meschugge, The Unkoscher Jewish Night
Der Tag, besser die Nacht, klingt mit Aviv Netter und seiner Meschuggeparty aus. Die unilounge, die das bei Isrealis und Homosexuellen sehr beliebte Berliner Dancefloor-Spektakel diesmal beherbergt, ist eigentlich ein hässliches Ding. Keller, Neonlicht, Achzigerjahremöbel, klirrender Sound. Mit steigender Bierseligkeit wird das aber zunehmend egal und die Partygesellschaft schüttelt zum Hava-Nagila-Rums-Bums ihr Haupthaar. Vereinzelt ist Hebräisch zu hören. „Morgen reise ich weiter nach Tirol“ erzählt ein israelischer Tourist. Gegen zwölf Uhr stößt eine Gruppe der Münchner Antifa hinzu – zum Mittanzen. Die Beschäftigten der U-Bahn streiken. Ein guter Grund noch zu bleiben.

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