Veranstaltungshinweis: Feinbild Islam und Antisemitismus – ein umstrittener Vergleich

Analyse durch hartgeschliffen bürgerliche Brille, leidlich Neues und aber stets Gefasstes wird erwartet zwischen dem 21. und 23. Januar in Tutzing bei München, wenn Michael Spieker von der Akademie für politische Bildung und Julius H. Schoeps vom Moses Mendelson Zentrum eine Tagung zu den Themen „Feinbild Islam und Antisemitismus“ einberufen. Anmeldeschluss ist Donnerstag, der 13. Januar.


Schoeps zum Antisemitismus-Islamophobie-Vergleich von Benz im Januar 2010: „abwegige Parallelen“

Die Zukunft Deutschlands sehe düster aus: Unmengen „hosenverkaufender Jünglinge“ wandern ein, „deren Kinder und Kindeskinder dereinst Deutschlands Börsen und Zeitungen beherrschen sollen“. Diese „deutsch redenden Orientalen“ müssten erst noch wirkliche Deutsche werden, „denn wir wollen nicht, dass auf die Jahrtausende germanischer Gesittung ein Zeitalter deutsch-jüdischer Mischkultur folge.“ So schrieb 1879 der Historiker Heinrich von Treitschke und löste damit den „Berliner Antisemitismusstreit“ aus.

Unaufgeklärt, demokratiefeindlich und tendenziell gewalttätig, religiöser und multikultureller Gesellschaften, das sind nur einige der Vorwürfe, die heute gegenüber dem Islam geäußert werden. Auch der Kinderreichtum von muslimischen Einwandererfamilien wird mancherorts nicht als Ausdruck von Kinderfreundlichkeit, sondern als Überfremdungsstrategie dargestellt. Wo muslimische Gemeinden besonders gut integriert sind, wird der Verdacht geäußert, dass sie sich nur verstellen. In Abgrenzung vom Islam hat die Rede von einer „jüdisch-christlichen Tradition“ Konjunktur. So hat sich manches verändert und zugleich scheinen Motive auf, die altbekannt sind: Hat nicht der Kampf gegen den Bau von Moscheen in Deutschland, der Streit um Kuppeln und Minarette, seine historische Parallele im Streit um den Bau von Synagogen? Sind „Islamophobie“ und „Judaeophobie“ nicht zwei Seiten einer Medaille?

Halten es die einen für ein Gebot der Vorurteilsforschung, Ähnlichkeiten beider Phänomene herauszuarbeiten, so mahnen andere, nicht Unterschiede durch Vergleich zu bagatellisieren. Die Tagung wird sich zum einen der Geschichte der Vorurteile gegenüber Juden und Muslimen widmen. Zum anderen sollen die aktuellen empirischen Erkenntnisse über beide Phänomene herausgearbeitet werden, um so Möglichkeiten und Grenzen des Vergleichs auszuloten.

Programm:
Freitag, 21. Januar:
15:00 Uhr Anreise und Kaffee | 17:00 Uhr Begrüßung und Einführung, Spieker, Shoeps | 17:15 Uhr Antisemitismus gestern und heute, Rensmann | 19:45 Uhr Aktuelle Judenfeindschaft, Schwarz-Friesel

Samstag, 22. Januar:
9:00 Uhr Der westliche Blick auf den Islam, Heine | 11:00 Uhr Das Bild von Islam und Muslimen in Deutschland, Zick | 14:30 Uhr Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamfeindschaft, Wetzel | 15:15 Uhr Extremismus gegen Muslime?, Pfahl-Traughber | 16:45 Uhr Synagogenbau im 19. Jahrhundert, Knufinke | 17:15 Uhr Moscheebaukonflikte, Schmitt

Sonntag, 23. Januar:
9:00 Uhr Der Islam in den Medien, Schneiders | 9:30 Uhr Das Judentum in den Medien, Halbinger | 10:30 Uhr Ausgegrenzt und dazugehörig – gemeinsam oder auf getrennten Wegen? Aus jüdischer Pespektive: Olmer. Aus muslimischer Pespektive: Mazyek.

Tagungsleitung:
Dr. Michael Spieker, Akademie für politische Bildung Tutzing
Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien e.V.

Die Aufnahme von weiteren Teilnehmenden ist nicht mehr möglich, da die Veranstaltung bereits ausgebucht ist