Sterben für den Frieden im Mathäser Filmpalast

Lange hat sich die FSK Zeit gelassen, aber in letzter Minute dann doch den Film „Tal der Wölfe – Palästina“ freigegeben. Am 27.01.2011 fand die erste Vorführung im Mathäser Filmpalast statt. Es besteht kein Zweifel: der Film möchte ein Volk verhetzen – und zwar das türkische.


Mosche Dajan und Ariel Scharon

Schon in den ersten Minuten des Films „Tal der Wölfe – Palästina“ wird klar, wohin die Reise geht. Der türkische Geheimagent Polat ist nach Israel gekommen, das er Israel nennen nicht will und schreitet geradewegs auf einen Grenzposten Richtung Westjordanland zu, den er freilich auch nicht anerkennt. Die Kamera fängt auf seinem Weg durch die Jerusalemer Altstadt das bunte Treiben der Menschen ein. Beim Umschnitt auf orthodoxe Juden beginnt die Zeitlupe, um diese möglichst bedrohlich vom restlichen Gewusel abzuheben. Am Grenzposten angekommen spricht der Geheimagent dann „die Sprache die sie verstehen“. Das 105-minütige Geballer auf alles was sich bewegt und einen Davidstern trägt, beginnt.

Die neuen Nazis sind Juden
Im Laufe des Filmes werden drei antisemitische Stereotype in Rollen gegossen. Das erste verkörpert Avi, ein verschlagener Greis, der die Tora immer griffbereit hat (sowie er die Welt im Griff hat). Avi träumt von einem „Großisrael“, das sich „keiner mehr traut zu vernichten“. Dessen Handlanger ist Mosche, ein brutaler Sadist, der die IDF befehligt. Mosche trägt zuletzt eine Augenklappe, wie der einstige israelische Oberbefehlshaber Mosche Dajan. Er ist im Begriff Spezialpatronen zu besorgen, in hoher Stückzahl – „genug für die Welt“. Die dritte Karikatur ist die gute Jüdin Levi, deren Großvater von den Nazis ermordet wurde und die sich jetzt für die arabische Sache erwärmt. Gegen Mitte des Filmes zieht sich Levi – von pompöser Musik gerahmt – ein Kleid und ein Kopftuch über. „Jetzt siehst du aus wie eine echte Frau“, kommentiert ein arabischer Junge ihren optischen Wandel hin zum Islam anerkennend. Das Publikum im Mathäser lacht. In ihrem neuen Gewand stellt Levi dann den Avi zur Rede: „Es waren Mörder wie Sie, die meinen Großvater ermordet haben“.

Der Islam in Haft
Der Gemeimagent Polat ist gekommen, um sich an Mosche für die Ereignisse auf dem türkischen Schiff „Mavi Marmara“ zu rächen, bei der israelische Soldaten – so zeigt es der Film – auf das Schiff kamen und die flüchtenden Türken von hinten erschossen. Mosche ist über das Erscheinen des türkischen Agenten verwundert, weil ein altes Sprichwort besage, man könne „soviele Türken töten wie man will, die machen nichts“. Mosche hält währenddessen einen hohen islamischen Geistlichen in Geiselhaft, was Polat noch davon abhält, Mosche zu zeigen, was Mosche in Zukunft unter einem echten Türken zu verstehen habe. Der Showdown ist im Grunde die filmische Wiederaufbereitung der Propagandalüge vom Massaker in Jenin. Mit den Worten „stirb dreckiger Mörder“ aber bereitet Polat dem Mosche ein Ende. Das Publikum im Mathäser Filmpalast spendet Szenenapplaus.

Märtyrer für den Frieden
Im Film „Tal der Wölfe – Palästina“ wird zentral für den Märtyrertod geworben. Denn: „sie sind soweit, dass sie alle Nicht-Juden für Judenfeinde halten“. Deshalb: „Wenn man den Widerstand aufgibt, lässt Israel keinen von uns am Leben“. Demnach: „Wenn wir sterben, sterben wir als Märtyrer für den Frieden“. Dabei legt der Film nahe, dass Israel eine tödliche Bedrohung für die gesamte Welt sei, genug Patronen wurden schließlich von der IDF bereits bestellt. Es werden althergebrachte antisemitische Topoi mit neuen verbunden und die türkische Nation, die als Erlöserin auftritt, auf einen Krieg gegen Israel eingeschworen. Die Empörung über die Vorstellung im Mathäser Filmpalast hält sich in München indes in Grenzen, was kaum verwundlich ist, in einer Stadt, die sich noch heute einer Treitschkestraße nicht schämt.

Debattenbeitrag zum Thema Zensur oder Nicht-Zensur: Nichtidentisches