Eine „Kultur gegen Krieg“ braucht es, sagen sie – eine Kultur gegen Deutschland wäre mal was Nettes

„Kultur gegen Krieg“ lautete das Motto der Auftaktkundgebung im Rahmen der zweitägigen Proteste gegen die Münchner Sicherheitskonferenz. Im Fadenkreuz der Demonstrierenden: die USA, Israel und das Finanzkapital. Karl Grün hätte seine Freude gehabt.


Deutsche Kulturbombe: der Clown „Ecco“ auf dem Münchner Marienplatz, 04.02.2011

Zwei spanische Touristen sitzen am Rindermarkt und zählen belustigt die vorbeifahrenden Polizeiautos. Zwölfe sind es bis jetzt. Allzu lange können sie demnach da noch nicht sitzen. Fünf Minuten vielleicht. In der Altstadt wimmelt es von ca. 3.400 Polizistinnen und Polizisten, sowie den dazugehörigen Vehikeln. Überall sind Einheiten anzutreffen, sogar auf dem Klo des Cafe Rischart am Marienplatz muss ich zusammen mit drei Polizisten das Geschäft verrichten. Der Bayerische Hof, Tagungsstätte der Sicherheitskonferenz, wurde weiträumig abgesperrt. Eine Frau mit Pfenningabsätzen will passieren. Sie als „deutsche Bundesbürgerin“ habe ein Recht darauf, meint sie. Der Beamte lässt mit sich reden, aber drängt dafür der jungen Bundesbürgerin sein Geleit auf. Ein langer Autokorso bahnt sich die Prinzregentenstraße hinunter den Weg Richtung Isar. Polizei, Polizei, Limousiene, Polizei, Polizei, Limousiene …. Eine Auswahl der Tagungsgäste macht sich auf, um im Feinkost Käfer exzellent zu speisen, wie immer, wenn Sicherheitskonferenz ist. Andere wiederum haben dem Hofbräuhaus den Vorzug gegeben – obwohl man da nicht gut essen kann. Die Chauffeure langweilen sich direkt vor dem Eingang des Hofbräuhauses in den Autos.

„Kultur gegen Krieg“ – made in Germany
Am Marienplatz hat sich ein mageres Grüppchen von etwa 60 bis 80 Protestierenden vor einer LKW-Bühne eingefunden. Es fällt schwer zu glauben, dass hiervon die Bedrohung ausgehen soll, die dem heutigen Polizeieinsatz zu Grunde liegt. Die einzige Bedrohung, die von dieser Gruppe ausgeht, ist das Fortschreiten der Barbarisierung emanzipatorischer Werte. Dafür wurde eigens ein Clown engagiert, Ecco Meineke, der Hauptact der Gegendemonstration an diesem Abend. Komödiantisch verpackt prognostiziert der Komiker – alle seine Witze dem Blatt entnehmend –, die Israelis würden erst dann einen Friedensplan akzeptieren, wenn es nurmehr die „letzten zwei Palästinenser“ gäbe. Und die Gäste der Münchner Sicherheitskonferenz hätten wohl nun Angst, dass „die Ägypter und Tunesier die Plästinenser noch [zuvor] rausboxen“. Dabei wird die einzige Angst der Gäste der Sicherheitskonferenz im Moment sein, dass sie zwar exzellent im Käfer essen, aber von den kärglichen Portionen nicht satt werden könnten. Eine Befürchtung, die den Gästen des Hofbräuhauses zumindest erspart bleibt.

Am Samstag geht es gerade so weiter
Am zweiten Tag erwartet das Aktionsbündnis gegen die Münchner Sicherheitskonferenz als Hauptredner den christlichen Theologen Eugen Drewermann. Drewermann trat in der Vergangenheit öfter als scharfer Kritiker des „Zinssystems“ auf. Ein Schelm wer an Luther denkt, zumal auch Drewermann orakelt, Jesus habe „diese Kirche nicht gewollt“. In einem Interview aus dem Jahre 2002 unterstellte der Ex-Katholik den amerikanischen Jüdinnen und Juden kollektiv nicht friedenswillig zu sein.

Terrorismus ist in der Asymmetrie der Kriegsführung die Waffe der Unterlegenen. Diese Lunte auszutreten, liegt einzig und allein in der Vollmacht der Vereinigten Staaten, sie hätten die dringlichste Pflicht, auch den sechs Millionen jüdischen Mitbürgern in den USA klar zu machen, dass es für einen freien israelischen Staat gar nichts Besseres gibt, als dass es endlich zum Frieden in der Region kommt.