Veranstaltungshinweis: Saul Friedländer kommt!

Am 27.02. stellt Saul Friedländer sein neues Buch „Pius XII. und das Dritte Reich. Eine Dokumentation“ im Literaturhaus vor. Ein guter Grund, die sonntägliche Tatortrunde zu canceln.

Es gibt Bücher, die schrauben sich ins Gehirn. Die Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx ist so eines. Eine Ware ist nach der Lektüre nicht mehr die gleiche Ware, sondern erscheint als widersprüchlicher Ausdruck eines komplizierten aber nachvollziehbaren Herrschaftsverhältnisses. Im Bierglas treten uns von da an jene gegenüber, die das Bierglas produziert haben und umso tiefer wir hineinschauen – ins Glas sowie ins Buch – umso deutlicher wird uns, welche Zwänge und Schranken die ganze Veranstaltung hier mit sich bringt.

Eine weitere Schrift, die den Blick auf die Dinge stark verändern vermag, ist Friedländers Opus Magnum zum Thema: „Das Dritte Reich und die Juden – Verfolgung und Vernichtung“. Auf 458 und 869 Seiten widmet sich der israelische Historiker aus unterschiedlichen Perspektiven der eliminatorischen Praxis des Antisemitismus in Europa zwischen 1933 bis 1945 – wissenschaftlich, aber auch scharfzüngig. Das Werk macht das Unbegreifliche zwar nicht mehr begreiflich, aber zeigt eine Vielzahl der tödlichen Mechanismen auf, die bis in die heutige Zeit hineinwirken. Die europäische Gesellschaft des 20. Jahrhunderts bekommt ein anderes Gesicht.

Schon in diesen beiden Bänden wird die Rolle der christlichen Kirchen immer wieder thematisiert. Jetzt hat Friedländer ein neues Buch verfasst, Papst Pius XII zu Ehren. Die zentrale Frage ist, warum die katholische Kirche im Dritten Reich so viel dafür getan hat, so wenig zu verhindern. Die bislang unveröffentlichte Dokumentation wird in Anwesenheit des Autors am 27.02. im Münchner Literaturhaus vorgestellt.