Stunk am Rande des Israeltags

Seit einigen Jahren wird im Mai in vielen deutschen Städten der sogenannte Israeltag gefeiert. Dabei geht es mitunter etwas fad und berechenbar zu. Aber die Veranstaltung bleibt ein wichtiges Moment. Das verdeutlicht nicht zuletzt ein harscher Zwischenfall in München.


In Begleitung: Teilnehmer des Israeltags 2011

Das Wetter hatte es gut mit den Besucherinnen und Besuchern gemeint. Hunderte saßen auf Bierbänken, genehmigten sich in der Sonne ein oder mehr israelische Goldstar bzw. Maccabee Bierchen. An Informationsmaterial mangelte es nicht. Zirka fünfzig Verbände – von „B“ wie Beth Shalom bis „Z“ wie Zionistische Jugend in Deutschland – zettelwirtschafteten spendabel auf dem Max-Joseph-Platz. Charlotte Knobloch, Vorsitzende der IKG-München, hielt eine obligatorische Rede. Es müsse klar sein, dass Israel nicht übereinkommen könne mit Organisationen, die Israel zerstören und Jüdinnen und Juden ins Meer treiben wollen, erklärte die Vorsitzende. Zuvor hatte Regine Sixt gesprochen. Die Aufsichtsrätin der Autovermietung Sixt AG unterstützt zahlreiche Stiftungsprojekte in Israel mit üppigen finanziellen Zuwendungen, unter anderem Yad Vashem. Auch Wolfgang Wenger, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums München, unterstrich im Vortrag seine Freundschaft zu Israel. Sein Sohn habe in einem Kibbuz gearbeitet. Ebenso sei ihm die Sicherheit der Jüdinnen und Juden in München, so der Beamte, ein dringliches Anliegen.

Auftritt des Rumpelstilzchens
Wie ernstgemeint die Worte ihres Pressesprechers waren, konnte die Münchner Polizei noch am selben Tag unter Beweis stellen. Während gegen Ende der Veranstaltung eine mittelmäßige Rockband den Anwesenden den Abschied versüßte, baute sich ein wuchtiger Mann vor einem Stand auf. Herrisch gestikulierend schrie er die Standbesitzerinnen an und schmetterte ein nicht näher verifizierbares Teil zu Boden. Allein vier Polizeikräfte konnte den Aufgebrachten zur Vernunft bringen. Ein Standbetreiber erklärte, der Mann sei an den Stand gekommen und habe unmittelbar „Stunk“ machen wollen. Auch sei ihm der Besagte bereits bekannt. Letztes Jahr kam es angeblich beim Israeltag zu einem ähnlichen Zwischenfall. Bei der Person handelt es sich um Hans K.*, einem notorischen Teilnehmer der Veranstaltungen des Verbandes Salam Shalom. Die antizionistische Organisation läd regelmäßig zu „Diskussionsabenden“ ein, die von wortgewaltiger Rhetorik und offenem Antisemitismus geprägt sind.

Der an sich unerfreuliche Vorfall verdeutlicht nebenbei etwas Erfreuliches: die Zeiten haben sich geändert. Immerhin ist es nicht lange her, als Figuren von ähnlichem Ressentiment und ebensolcher Unbeherrschtheit in Deutschland noch fest mit der Unterstützung von Polizei und Gerichten rechnen konnten, diese sich nicht minder erregt die Standbesitzerinnen vorgeknüpft hätten. Der Vorfall begründet aber auch, warum es nötig ist, für das israelische Anliegen zu werben. Solange der Existenzkampf Israels in Deutschland nicht allgemein nachvollzogen oder nicht zumindest emotionslos zur Kenntnis genommen wird, bleibt der Israeltag eine wichtige aufklärerische Einrichtung.

*Name von der Reaktion geändert.