Tibetgrüße aus der Lederhose

Herrn Progl von der Bayernpartei reichts. Die Flagge der tibetischen Exilregierung soll endlich wehen, auf allen dafür geeigneten städtischen Gebäuden in München. Herr Oberbürgermeister Ude meint dazu, er träfe sich schon zur Genüge mit dem Dalai Lama. Und: er wolle keine „Bezugsfälle“ schaffen.

Der Winter war gerade erst vorbei, als Richard Progl – seines Zeichens stellvertretender Vorsitzender der Bayernpartei – wieder einmal senierte über Bayern und den „Demokratischen Regionalismus“. Der muss doch auch nach 140 Jahren zu schaffen sein, ist sich Progl sicher, immerhin erlangten die Iren noch „nach über 800 Jahren ihre Unabhängigkeit“. Dabei ist ihm dann irgendwie Tibet in den Sinn gekommen, vielleicht weil der Bierschaum gerade die Form der Landkarte des historischen Tibets annahm. Und obwohl die bayerische und die tibetische Geschichte unterschiedlicher kaum sein könnte, ist ihm eine starke Parallele aufgefallen, die Progl auch sogleich zu Papier brachte:

Gerade in Bayern mit seiner langen Geschichte der Eigenstaatlichkeit, der großen Tradition der ‚Liberalitas Bavariae‘ und einer Kultur die – wenn auch nicht mit chinesischen Verhältnissen vergleichbar – immer mehr von einer „deutschen Leitkultur“ verdrängt wird, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, sich bei Tibetischen Frage zum Selbstbestimmungsrecht der Völker zu bekennen und klar Stellung gegen Menschenrechtsverletzungen und der Unterdrückung eines ganzen Volkes und seinen Autonomiebestrebungen seitens der Volksrepublik China zu beziehen.

Nun, angetrieben vom Gedanken an eine tibetanisch-bayerische Querfront, setzte der ehrenamtliche Stadtrat am selben Tag noch einen gesalzenen Antrag zum Thema auf. Der Stadtrat möge beschließen, so Progl, das Rathaus und andere „geeignete städtische Gebäude“ haben am 53. Jahrestag des „Volksaufstands“ die Flagge der tibetischen Exilregierung zu zeigen. Der Antrag ging am 14. April 2011 beim Magistrat ein.

Tibet ist Chefsache
Herr Oberbürgermeister Ude selbst nahm sich der Sache an. Sein Einseiter bezüglich des Antrags „Flagge zeigen gegen Unterdrückung“ erschien diesen Montag in der Rathaus Umschau. Sichtlich ergriffen wies Ude den Vorwurf zurück, München würde zu wenig Flagge im Falle Tibets zeigen. Er habe immer wieder seine „Verbundenheit für das tibetische Volk auch öffentlich gezeigt, u.a. durch mehrere Begegnungen mit dem Dalai Lama im Münchner Rathaus.“

Laut Ude habe es die Stadt München bisher unterlassen, die tibetische Flagge anzubringen, weil sie keine offizielle Staatsflagge ist und er wolle keinen „Bezugsfall für andere gleich gelagerte Fälle schaffen“. Das ist kein schlechter Einwand im Hinblick auf die im Stadtrat vertretene Linkspartei und jenen Genossinnen und Genossen, denen die Fahne des ebenfalls fiktiven Palästinas nicht genug wehen kann, am besten rund um die Uhr, in jeder Kinderstube. Interessant ist nebenbei, warum eigentlich die israelische Fahne in München nirgens zu sehen ist – obwohl es nun auch nicht nötig wäre, aber: in keinem noch so bunten Fächer, nicht einmal als Käsefähnchen, ist sie zu sehen, obwohl die israelische Flagge durchaus eine offizielle ist, die in vielen anderen europäischen Ländern selbstverständlich mitgeführt wird. Selbst in der Türkei, auf dem Bazar in Antalya beispielsweise, spannt etwa alle 10 Meter eine Schnur mit Fähnchen über die Straße und ein israelisches ist mit dabei. Vermutlich will man in München auch in diesem Punkt keinen „Bezugsfall“ schaffen.

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Antrag | Antwort