Eine schrecklich christliche Familie

Teile der Neuen Rechten in Deutschland gebaren sich israelsolidarisch. Auch der Massenmörder Breivik solidarisiert sich in seiner Kreuzritter-Schrift mit Israel, das er für die Speerspitze im „Kampf gegen den Dschihad“ hält. Diese Einschätzung ist weder realistisch noch Israel sonderlich hilfreich. Aber auch seine Einstellung gegenüber Jüdinnen und Juden ist im Kern antisemitisch, wie sein pathologisches Pamphlet deutlich zeigt.

Sicherlich ist es ein schwieriges Unterfangen, Textfragmente aus einem Dokument zu zitieren, das nur eine Minderzahl interessieren hätte können, hätte der Verfasser nicht mit einem Massenmord darauf aufmerksam gemacht. Dennoch ist eine Stelle des Dokuments eine Übersetzung wert, weil die Pathologie des rechten Engagements gegen Antisemtismus damit auf den Punkt gebracht ist. Wie bisher bekannt wurde, ergreift Breivik in seinem Dokument für Jüdinnen und Juden seitenweise Partei, insbesondere, wenn sie mit islamisch geprägten Bewegungen konfrontiert wurden und werden. Das Wort „Israel“ ist weit über hundertmal im Text zu finden und zumeist eben in der halluzinierten Funktion eines Bollwerkes gegen den Islam.

Der große Satan, sein Kult und die Juden
Im Kapitel „Der große Satan, sein Kult und die Juden“ kommt der Massenmörder allerdings auch auf ein angebliches „Judenproblem“ in Teilen Europas und vor allem in den Vereinigten Staaten zu sprechen. Das zeigt anschaulich, dass Israelsolidarität und Antisemitismus in einer verquasteten rechten Logik durchaus zusammengehen. Das Kapitel beginnt mit der Feststellung, Hitler habe Fehler gemacht, nämlich den, nicht den Islam in Palästina zu bekämpfen und den Jüdinnen und Juden damit „ihr angestammtes Land“ zurückzugeben. Diese hätten ihn dann vermutlich für einen Helden gehalten. Nach dem gescheiterten Russlandfeldzug sei das deutsche Volk dann für eben diese Fehlentscheidung bestraft worden. Dabei, so Breivik, seien nicht alle Juden schlecht gewesen, auch sind sie es heute nicht, besonders in Israel gehe die Hälfte durch:

Zirka 75 Prozent der europäischen und US-amerikanischen Juden unterstützen den Multikulturalismus, während nur zirka 50 Prozent der israelischen Juden es so halten. Das zeigt sehr deutlich, dass wir die verbleibenden loyalen Juden als unsere Brüder unterstützen müssen, anstatt den gleichen Fehler zu machen wie die NSDAP.

Es folgt ein kurzer Abschnitt, indem Breivik darüber klagt, wegen soeben zitierter These aus einem nationalsozialistischen Internetforum ausgesprerrt worden zu sein. Er schließt den Gedanken mit einer Bemerkung zum „Judenproblem“ selbst:

Es gibt kein Judenproblem in Westeuropa (außer in Großbritannien und Frankreich), weil wir nur eine Million in Westeuropa haben, wohingegen 800.000 davon in Großbritannien und Frankreich leben. Auf der anderen Seite haben die Vereinigten Staaten von Amerika mit sechs Millionen Juden (das sind 600 Prozent mehr als in Europa) wirklich ein beträchtliches Judenproblem. Macht [in Europa] nicht den gleichen Fehler wie die NSDAP.