No-Al-Quds Tag: frohe Kunde aus Landshut

Der Al-Quds Tag wurde 1979 von Ruhollah Khomeini ausgerufen und treibt auch heute weltweit Hunderttausende auf die Straße. Sie demonstrieren für eine islamische Befreiung Jerusalems, gegen Judentum und gegen Israel – auch in Berlin. Zur bayerischen Mobilisierung wider den Al-Quds Tag wurde nach Landshut geladen.


„Ich kann beim besten Willen keinen Hitlergruß erkennen“, Al-Quds-Tag Berlin 2010

Ein Wort vorweg zu Landshut: Die ersten Trümmer anstelle des späteren Landshuts errichteten Siedelnde 5.500 vor Christus. Nachdem man sich viele Jahrtausende nach allen Regeln der jeweiligen Waffenkunde die Köpfe eingeschlagen hatte, entstand aus dem frühmittelalterlichen Landeshuata das erzkatholische Landshut an der Isar, womit das Morden aber lange nicht endete. Jüdinnen und Juden wurden aus der Stadt im 15. Jahrhundert derart gründlich vertrieben, dass sich nie wieder eine jüdische Gemeinde dort anzusiedeln wagte. Im 30-jährigen Krieg zogen die Landshuter überaus kampfeslustig zu Felde. Das Freikorps Landshut, dem auch Heinrich Himmler diente, half tatkräftig mit bei der Niederschlagung der Bayerischen Räterepublik 1919. Mit einem KZ-Außenlager konnte Landshut freilich auch aufwarten. Heute ist die Kleinstadt eine bayerntypische CSU-Provinz, über deren Pflastersteine aufgemotzte BMWs donnern, ringsum rankt konservierter Kitsch, zum Gedenken an eine gute alte Zeit – die es in Landshut nie gegeben hat. Man stand bis zur Reeducation 1945 in jedem erdenklichen Jahrhundert geschlossen mit großer Mordlust an der Seite von Barbarei und Reaktion. Dieser muffige Spirit hängt dem Ort immer noch im Gemäuer. Das könnte auch der Grund sein, warum es den Neonazi Martin Wiese nach seiner Haftentlassung gleich wieder dorthin verschlagen hat. Landshut fällt damit aber nicht aus der Reihe, sondern ist vielmehr eine ganz normale bayerische Kleinstadt mit einer ganz normalen bayerischen Geschichte.

Eine Geste der Solidarität mit den Revoltierenden im Iran
Umso erfreulicher ist es, dass die Mobilsierung gegen den fanatischen Al-Quds Tag in Bayern dieses Jahr von einer kleinen Gruppe in Landshut ausging. Zirka 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden sich am 18.08 in dem Hinterhofladen von F.A.U.L. direkt im Stadtzentrum ein, unter anderem auch Mitglieder der Landshuter Gruppe Salon de la Critique. Die ideologiekritischen Genossen richteten vor wenigen Tagen die Veranstaltung „Jean Améry, der „ehrbare Antisemitismus“ und die Neue Linke“ aus. Ein Mitglied des Berliner Bündnisses gegen den Al-Quds Tag informierte die Anwesenden nun über die geplanten Proteste. Das Bündnis erhofft sich auf der antifaschistischen Demonstration am Samstag 500 Teilnehmende. Jüdische Verbände und andere zivilgesellschaftlichen Gruppen haben eine weitere Kundgebung gegen den Al-Quds Tag angemeldet. Über die Teilnahme von rechten Organisationen ist bislang nichts bekannt. Die Sprecherin des Bündnisses warnte davor, sich schon auf dem Weg zur Kundgebung erkennbar zu machen, da der antisemitische Mob erfahrungsgemäß mit Brutalität insbesondere gegen Menschen mit Israelfahne vorgeht. Kurzentschlossene ohne Anlaufstelle in Berlin können über dieses Kontaktformular Übernachtungsmöglichkeiten anfragen. Die frohe Kunde: aus Landshut wird voraussichtlich eine Delegation am 27.08 in Berlin aufschlagen, vielleicht auch Einzelne aus Regensburg.

Der Aufmarsch am al-Quds-Tag ist das einzige Ereignis in Europa, in dem die Islamische Republik Iran mit ihren hiesigen Repräsentanten die Diskretion ablegt, die sie bei Einladungen von Freunden aus Industrie und Politik bewahrt. Als Geste der Solidarität mit den Revoltierenden im Iran und in der Hoffnung, dass die Friedhofsruhe aus Hinrichtungen, Folterungen und Tugendterrorismus ehest endet, rufen wir auf zu Protest gegen den al-Quds-Tag in Berlin und anderswo. Marg bar jomhuriye eslami! Marg bar asle velayat faqih! | Aus dem Aufruf von Cosmoproletarian Solidarity und exsuperabilis

Dem können wir uns nur anschließen.

Daten:
Islamistischer Aufmarsch: Samstag, den 27.08 um 14:00 Uhr | Adenauerplatz | Gegendemonstration: um 12:00 Uhr | Wittenbergplatz | Weiterer Gegenprotest (u.a. die Jüdische Gemeinde): um 14:30 Uhr | Joachimstaler Str. bzw. Kurfürstendamm