Bundesinnenminister hört den Schuss nicht

Das „Münchner Bündnis gegen Antisemitismus“ ist eine Tarngruppe der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“. Seit das bekannt ist, schwinden der zwielichtigen Facebookgemeinschaft die Mitglieder und sie dampft auf einen harten Kern aus Geert Wilders-Fans zusammen. Einer der letzten Verirrten nahm jetzt den Hut: Bundesinnenminster Hans-Peter Friedrich.


Letzte Reihe unten: Der Bundesinnenminister sowie Florian Herrmann (CSU Freising) in der Mitgliederliste der randständigen Gruppe

Florian Herrmann, Bayerischer Landtagsabgeordneter, hätte es eigentlich besser wissen müssen, ist er doch nach eigenen Angaben ein echter Fan des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz. Dennoch hat der bayerische Landtagsabgeordnete eine Einladung der geschlossenen Gruppe „Münchner Bündnis gegen Antisemitismus“ nicht abgelehnt und firmierte seither als Mitglied. Ebenso war der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich bis vor kurzem Mitglied der rechtspopulistischen Facebookgruppe um Michael Stürzenberger (PI News), berichtet die Website Die Freiheitsliebe und belegt den Verdacht mit einem Screenshot. Bei dem Facebook-Account inmitten von 82 obskuren Gestalten scheint es sich tatsächlich um den des Bundesinnenministers Friedrich zu handeln.

Absprung geschafft
Seit Ende vergangenen Jahres laufen der randständigen Partei „Die Freiheit“ nach einem größeren Eklat auf dem Parteitag die Mitglieder davon. Der Mitgliederschwund im damit verschwisterten „Münchner Bündnis gegen Antisemitismus“ hat aber nebenbei noch einen zweiten Grund. Viele der Mitglieder wussten bei ihrem Eintritt nicht, dass es sich bei der Gruppe um eine Initiative von Rechtspopulisten handelt. Seit Schlamassel Muc das erste Mal über die Taschenspielertricks der Rechten informierte, ging die Mitgliederzahl des „Bündnisses“ stetig zurück, von über 92 auf 80. Vor einigen Tagen erreichte die Redaktion ein Schreiben von Dr. Jürgen Gideon Richter von der jüdischen Gemeinde in Hessen mit der Bitte, ihn gar aus unserem Screenshot der Gruppe vom 19. August zu entfernen (siehe Leerstelle). Er sei zwar „zu dieser Gruppe eingeladen“ worden, habe diese aber „nach Kenntnis deren Hintergrundes, unverzüglich verlassen“, so Richter. Interessant bleibt jedenfalls, dass der Bundesinnenminister offenbar von derlei Vorgängen erst zuletzt erfährt.