Aufmarsch der schnauzbärtigen Watschngsichter

Unter dem Motto „Wir sind die 99 Prozent“ trafen sich am Sonntag zirka 300 stadtbekannte Spinner auf dem Münchner Marienplatz, um gemeinsam in der Luft herumzufuchteln. Vom Otto-Normal-Wahnsinnigen bis zur religiösen Sekte war so ziemlich alles vertreten.


Echte Wutbürger auf der Dezemberdemonstration in München

Viele Wochen haben die Netzwerke „Occupy Munich“ und „Echte Demokratie Jetzt!“ auf diese Veranstaltung hinmobilisiert, viel hat es nicht gebracht. Nur zirka 300 Teilnehmende fanden sich am Sonntag in München ein, um gegen „Finanzwillkür, Korruption und Lobbyismus“ ihr Zeichen zu setzen. Bei der Benennung des Problems herrschte die gewohnte Einigkeit: „Keine Macht den Geldsäcken“ forderte ein Teilnehmer auf einem Schild; „Schuldgeld mit Zinseszins ist der Henker der Freiheit“ stand auf der Rückseite. Von der „Gier“ der Banker war zu lesen, von korrupten Beamten und von Wahlen, bei denen die Menschen nur zwischen „ihren Schlächtern“ zu entscheiden hätten. So einig man sich bei der Feindbild-Bestimmung war, so unterschiedlich fielen die Visionen aus. Während ein großes Transparent „Her mit dem schönen Leben“ einforderte, warben die Mitlgieder der Sekte „Gemeinschaft in Klosterzimmern“ beispielsweise mit dem Vorschlag, „wenn jeder einfach hart arbeiten würde, um seine Familie zu versorgen und dabei seinen Nächsten respektierte, bräuchten wir kein kostenaufwendiges soziales Netz, das Menschen in schwierigen Verhältnissen hilft.“ (Anm. der Red. Hallelujah!) Eine Person nannte Tauschringe den Weg aus der (persönlichen) Krise: „Lasst doch die anderen ihr Ding machen, wir machen unseres“, eine andere das „Bedingungslose Grundeinkommen“. Eine neue Partei müsse her, stand wiederum auf einem Flipchart. Teilnehmende konnten ihre Meinung auf eigens dafür bereit gestellte Flipcharts festhalten.


Wort zum Sonntag: „Tauschringe sind dufte“

Während der durch die Bank dümmlichen Reden gab das Publikum den Vortragenden mit chiffriertem Rumgefuchtel Rückmeldung, offenbar eine Errungenschaft der Bewegung, um ihre Wahnhaftigkeit nicht nur im gesprochenen Wort, sondern auch auf bewegten Bildern festzuhalten. Zahlreiche Teilnehmende verbargen ihre Gesichter zudem hinter Masken, deren Herkunft und Verwendung offizielle Bedeutungen haben mögen, mir schienen diese Masken zuvörderst das Bedürfnis der Einzelnen auszudrücken, ihre Identität in einer Masse zu verlieren, sich als selbstbestimmte Wesen auszulöschen. Dass man hierfür ein schnauzbärtiges Watschngsicht gewählt hat, lässt ebenfalls viel Raum für Interpretation, die allerdings vom Autoren auf die Schnelle nicht geleistet werden kann und vermutlich ehedem schon hinreichend geleistet worden ist. Freilich hing auch viel deutsches Wir-Gefühl in der Luft, beispielsweise bei Ansprachen gegen US-amerikansiche Rating-Agenturen oder gegen die „EUrokraten in Brüssel“. Ein Mann, der sich einen „echten Patrioten“ nannte, bot an, dem Staat 99 Prozent seines Vermögens zu spenden, wenn er dafür „die Fresse vom Ackermann nicht mehr sehen müsse.“


In den Fussstapfen Pofallas: Kann die „Fresse vom Ackermann“ nicht mehr sehen.


Deppenpolonaise


Parolen für die Mülltonne


Gespannt auf die „Neue Ärä“ wartet Schlamassel Muc