Sikobündnis veröffentlicht proiranisches Pamphlet

Nach der Grünen Jugend Bayern verzichtet offenbar auch die ver.di Jugend auf eine erneute Teilnahme am „Aktionsbündnis gegen die Nato-Sicherheitskonferenz“. Die Gewerkschaft GEW Bayern steht aktuell ebenfalls nicht mehr auf der Liste der unterstützenden Organisationen. Mit hysterischen Solidaritätsadressen Richtung Teheran versucht die Bündnisleitung nun, antisemitische Potenziale auszuschöpfen.

Für Claus Schreer und sein grauhaariges Protestgefolge ist der Imperativ, dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts Ähnliches geschehe, offenbar eine stark nachrangige Forderung. Das könnte an ihrer Erziehung liegen. Sie gehören zu den Deutschen, die – ihrem Alter nach zu urteilen – mehrheitlich von den Holocaustverantwortlichen gesäugt und über Sinn und Unsinn des Lebens aufgeklärt wurden, lernten, dass nur eine kalte Dusche den Menschen hinreichend stählt. Die Täterideologie ihrer Eltern wiederum fiel ebenfalls nicht vom Himmel. Deutsche begegneten der Emanzipation von Jüdinnen und Jüdinnen beispielsweise 1819 mit den Hep-Hep-Pogromen. Deren Kinder forderten daraufhin 1848 mit der sogenannten Märzrevolution blutig ihr vermeintliches Menschenrecht auf Antisemitismus ein. Das Ressentiment wurde von Generation zu Generation weitergegeben, mit seinen Kontinuitäten, Brüchen und Ausnahmen – wie man so schön sagt. Die deutsche Geschichte aber ist im Grunde eine Geschichte von Pogromen. Die Kinder der letzten tatkräftigen Generation bleiben eine verdächtige Gemeinde, wie sich zumindest am Beispiel der in die Jahre gekommenen Anti-Siko-Protestierenden feststellen lässt. Einerseits hassen sie den jüdischen Staat offenbar abgrundtief, andererseits aber wollen nur die Radikalsten unter ihnen die Mauern dieses Staates mit eigenen Händen einreißen. Ihnen wäre es im Grunde am liebsten, wenn die Drecksarbeit andere für sie erledigen würden.

„Tatsache ist aber: Kein Land wird vom Iran bedroht“
Da die Vertreter der Islamische Republik Iran schon mehrfach angekündigt haben, sich der Sache der antisemitischen Internationalen anzunehmen, ist es nicht verwunderlich, dass sich das gestern erschienene Heft zu den diesjährigen Anti-Siko-Protesten dem Casus „Sanktionen und Säbelrasseln gegen den Iran“ widmet. Das Bündnis zeigt demzufolge wenig Verständnis dafür, dass die USA und Israel „die Entwicklung iranischer Atomwaffen notfalls auch militärisch verhindern“ wollen. Ungleich viel Verständnis bringen die Verfassenden aber für das iranische Atomprogramm auf. Es sei nach ihrem Dafürhalten angesichts „der Jahrzehnte langen Boykottmaßnahmen und Kriegsdrohungen von Seiten der westlichen Großmächte“ nachgerade verständlich, „wenn die Regierung in Teheran [im Bau von Nuklearsprengköpfen] die einzige Abschreckungsmöglichkeit gegen einen möglichen Krieg“ sähe. Ausgerechnet die iranische Atombombe also verklären die Friedensfreunde zur pazifistischen Aktion, eine Einschätzung, die ihnen bei kaum einer anderen Atombombe einfiele. Vernichtungsdrohungen der iranischen Machthaber gegen Israel habe es nämlich nie gegeben, so lautet ihre Begründung, obwohl Vernichtungsdrohungen gegen Israel tatsächlich schon unzählige Male in den iranischen Medien wiederholt wurden. Die Krönung ihrer verdrehten Weltsicht ist die Forderung, die Sanktionen gegen den Iran sofort einzustellen, da die Wahrheit sei: „Sanktionen verhindern nicht den Krieg. Sie sind […] die Vorstufe für den Krieg.“

Position beziehen
Das „Aktionsbündnis gegen die Nato-Sicherheitskonferenz“ hat sich damit abermals unmissverständlich auf die Seite von Holocausleugnern und der iranischen Atomwaffenlobby gestellt. Ein dritter Weg ist aus dem Text auch mit viel Aufwand nicht herauszulesen. Zahlreiche Organisationen verabschiedeten sich bereits aus dem Bündnis; zuletzt schaffte die Grüne sowie die ver.di Jugend den Absprung. Die GEW-Bayern ist offenbar ebenfalls ausgeschieden, so legt es zumindest die aktuelle Unterstützerliste nahe. Jetzt ist es an der Zeit, sich aktiv gegen die noch verbliebenen Gestalten zu wenden. Das Problem sind eben nicht nur die Eliten im Bayerischen Hof, sondern auch die verkommene Kritik derer vor ihren Türen. Solange sich das „Aktionsbündnis gegen die Nato-Sicherheitskonferenz“ dominant als Pseudo-Korrektiv in Szene setzen kann, werden nicht nur die antisemitischen Kontinuitäten in seiner Kritik fortgeschrieben, sondern auch die Verhältnisse. Weil die Kritik dieser Leute nichts kann, außer eben schlecht sein. Eine bessere Welt ist damit jedenfalls nicht zu haben.

Weiterführendes:
Entscheidungshilfe (luzi-m)
Anti-Siko-Bündnis schmilzt weiter