Antisemitische Töne bei Radio Lora

Wenn jemand sagt: „Jerusalem verkommt bewusst immer mehr zu einer jüdischen Stadt“, wenn also Jüdisches mit Verkommenheit zusammengedacht wird, dann ist das eine antisemitische Aussage. Das sieht der linke Münchner Radiosender LORA offenbar anders.


Aufsteller beim „Tag des Bodens“ am 30. März 2011 in der Münchner Fußgängerzone

Das besagte Zitat stammt von Evelyn Hecht-Galinski. Es ist seit wenigen Tagen auf dem Online-Portal des Senders LORA zu hören. Hecht-Galinski, die auch im Rentenalter zumeist noch mit „Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des ZDJ“ beschrieben wird (weshalb sie Joachim Fest schon 2008 „chronische Tochter“ nannte) leistete sich damit eine Deutlichkeit, die noch ein Nachspiel haben könnte. Das Bild einer Stadt, die verkommt, weil sie immer mehr jüdisch wird, erinnert inhaltlich und sprachlich zu stark an historische judenfeindliche Literatur. Die Aussage machte die ehemalige Klägerin gegen Henryk M. Broder in einem Interview, mit dem sie bei Radio LORA für den „Marsch nach Jerusalem“ warb. Sie behauptete in diesem Interview weiter, „kein Palästinenser“ könne einen „jüdischen Staat“ anerkennen, da es ja auch keinen „katholischen oder evangelischen Staat“ geben werde. Ferner forderte Hecht-Galinski, dass „die ganzen unrechten Siedlungen verschwinden“, sprach sich gegen eine angebliche „Judaisierung“ Jerusalems aus und rief zum Boykott israelischer Produkte auf. Ein Boykott von Produkten aus Israel habe „überhaupt nichts mit Juden zu tun“, versicherte Hecht-Galinski. Auch kündigte die ehemalige Waldorfschülerin ein Buch mit dem Titel „Das elfte Gebot: Israel darf alles“ an, das angeblich am 15. März dieses Jahres erscheinen soll. Es ist davon auszugehen, dass es in diesem Buch in ähnlichem Stil weitergeht.

Zunehmend radikale Positionen
Der „Marsch nach Jerusalem“, der wiederum am 30. März, dem sogenannten „Tag des Bodens“ Furore in Jerusalem machen soll, ist eine Reiseveranstaltung, bei der es laut Ankündigung um die „Verteidigung und Befreiung Jerusalems“ gehe. Das Blog Reflexionen berichtete vor einigen Tagen ausgiebig darüber. Zum offiziellen Kreis der Unterstützenden gehören zahlreiche Antisemitinnen und Antisemiten, auch solche, die beleidigt wären, würde man ihnen ihren Antisemitismus aberkennen, wie Mitglieder der Al-Aqsa Brigaden oder Greta Duisenberg, die als die „bekannteste Antisemitin der Niederlande“ gilt – und das einen „Ehrentitel“ nennt. Die Ausstrahlung des sehr zweifelhaften Interviews mit Hecht-Galinski bei Radio LORA verdient Beachtung, weil der Sender sich in der Vergangenheit zwar häufig der sogenannten Umwegkommunikation bediente, also durch eine ungerechte Bewertung des jüdischen Staates auszeichnete, aber von einer Ausstrahlung direkter Drohungen gegen Jüdisches oder eine angebliche „Judaisierung“ absah. Gleichwohl war das Interview mit Hermann Dierkes vor wenigen Monaten, Sprecher der Duisburger Linkspartei – ausgerechnet zum Thema Antisemitismus – bereits mehr als der halbe Weg dahin.

Das Interview mit Evelyn Hecht-Galinski in voller Länge