Archiv für März 2012

Shalom Tel Aviv

Grünes Wahlkreisbüro rügt EineWeltHaus

Das Münchner EinWeltHaus erhielt überraschend Post vom Wahlkreisbüro des MdB Kekeritz. Die Fürther Grünen kamen zum Schluss, dass es sich bei mindestens einer Veranstaltung des antizionistischen Vereins „Salam Shalom“ im bekannten Münchner Kulturzentrum um Propaganda handelt. Eine Reaktion der Verantwortlichen der Einrichtung blieb aus. Dafür toben jetzt die Antisemiten in der Mailbox.


Nahost ohne Israel – T-Shirtmotiv, vor Kurzem käuflich im EineWeltHaus

Wenn das antisemitische Portal Steinbergrecherche heute über den Grünen Bundestagsabgeordneten Kekeritz schreibt, er rieche streng und würde es wie die Hamburger und Berliner „jüdelnden NeoCons treiben“, wenn sich das Institut für Palästinakunde echauffiert, die Fürther Grünen dienten sich „der Israel Lobby an“ und der antizionistische Verein „Salam Shalom“ eine sechsseitige Stellungnahme verfasst, dann hat man etwas richtig gemacht.

„Das kommt immer mal wieder vor“
Dem bunten Treiben voraus ging eine Mail des Herrn H. an das Wahlkreisbüro Kekeritz in Fürth. In dieser Mail warb Herr H. neben anderen Auslassungen für die Veranstaltung „Mobilmachung gegen den Iran. Worum geht es eigentlich?“ des antizionistischen Vereins „Salam Shalom“ im Münchner EineWeltHaus. Ziel der sinisteren Zusammenkunft im Februar war laut „Salam Shalom“ der „manipulativen Dämonisierung des iranischen Regimes“ entgegenzutreten. Das Wahlkreisbüro erhielt in der Vergangenheit immer wieder „antisemitische Hetzmails“ des Herrn H. – der auch Abonnent des 600 Mitglieder starken E-Mailverteilers des antizionistischen Vereins „Salam Shalom“ ist. Die Fürther Grünen dürften zudem ein Interesse am Münchner EineWeltHaus gezeigt haben, weil MdB Kekeritz laut Programm am 19. April zu einer Diskussion zum Thema „Arbeitsrechte? – Fehlanzeige!“ geladen ist.

In ihrem Beschwerdeschreiben an das EineWeltHaus beklagen die Grünen unter anderem:

Nach sorgfältigem Durchlesen der Einladung [von „Salam Shalom“] und der Homepage ist unser Büro zu dem Schluss gekommen, dass es sich hier um eine Propaganda handelt, die weit über sachliche Kritik der Politik der israelischen Regierung hinausgeht.

Für nicht sachlich befunden werden unter anderem die Aufrufe des Vereins zum Boykott von israelischen Waren und die einseitigen Darstellungen Israels und des Irans, die der „Komplexität der Debatte“ nicht gerecht würden. Die Beschwerde schließt mit der harmlosen und an die Verantwortlichen des EineWeltHauses gerichtete Bitte ab, mit der Vereinsführung von „Salam Shalom“ einmal zu reden, um „in Erfahrung zu bringen, wie deren Öffentlichkeitsarbeit genau zu verstehen“ sei. Das EineWeltHaus aber hält seit nun vier Wochen eine offizielle Antwort nicht für nötig; stattdessen wird das Wahlkreisbüro mit Protestmails überhäuft. „Scheinbar sticht solch eine Kritik in ein Wespennest“, so die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Büros, Lisa Badum.

Ein Wespennest namens Deutschland
Wie die Öffentlichkeitsarbeit von „Salam Shalom“ zu verstehen ist, ist schnell zusammengefasst: Die Mitglieder des stark katholisch orientierten Vereins deutscher Rentnerinnen und Rentner bzw. der direkten Nachkommen der Tätergeneration – namentlich „Salam Shalom – widmen sich seit vielen Jahren schon der Verächtlichmachung Israels, das sie zur Umwegkommunikation nutzen. Sowie der nationalsozialistische Stürmer einst übertitelte „Die Juden sind unser Unglück“ und untertitelte „Nürnberger Wochenblatt zum Kampf um die Wahrheit“, proklamieren die Deutschen von „Salam Shalom“ stets Überbringer von „Wahrheiten“, „Tatsachen“ und „Wirklichkeiten“ zu sein, die sich gegen den jüdischen Staat, das „Pulverfass“, das „zionistische Regime“, die „israelische Lobby“ und den Zentralrat der Juden richten – freilich heute wie damals um des lieben Friedens der Völker willen. Ihre notorisch wiederholte Parole „für einen gerechten Frieden in Nahost“ ist nur vordergründig als friedliebend einzustufen, hintersinnig dafür umso mehr als eine Kampfansage zu verstehen, die um Parteinahme für militante Aktionen gegen Israel wirbt, solange ihr ureigener Begriff von Gerechtigkeit nicht walte – die vollendete Schuldabwehr.

Die Beschwerde des Wahlkreisbüros Kekeritz in Richtung EineWeltHaus markiert einen weiteren Meilenstein von jungen Grünen, die sich wenigsten partiell positiv vom eingesessenen Inventar ala Ströbele und Co. abheben. Der Grüne Münchner Bürgermeister Monatzeder nahm zwar 2010 noch an der iranischen Propagandaveranstaltung „Iran – Land der Anbetung“ teil und formulierte 2011 Kondolenzschreiben an das Konsulat des islamistischen Regimes. Der nicht minder grüne Münchner Stadtrat Siegfried Benker machte sich für „Salam Shalom“ stark, als ihrem Gast Ilan Pappe der Vortrag in städtischen Einrichtungen verwehrt wurde. Darüber hinaus nahm Benker das EineWeltHaus immer wieder gegen die berechtigte Kritik des Stadtrats Marian Offman (CSU) – der auch Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in München ist – in Schutz. Da passt alles zusammen.

Still booting
Dennoch waren es auch bayerische Grüne, die 2009 anmerkten, dass der Antizionist Magdi Gohary eine zweifelhafte Wahl ist, um eine Ansprache bei den Protesten gegen die Münchner Sicherheitskonferenz zu halten (andere kritische Stimmen merkten wiederum ebenfalls zurecht an, Gohary passe wie die Faust aufs Auge). 2012 distanzierte sich die Grüne Jugend Bayern vom tonangebenden „Aktionsbündnis gegen die Nato Sicherheitskonferenz“ aufgrund der antisemitischen Eskapaden des Bündnisses. Und nun opponieren junge frankische Grüne gegen Veranstaltungen im EineWeltHaus, das nicht ganz zu unrecht in kritischen Kreisen das „Eine Welt ohne Israel Haus“ genannt wird. In Abrede stellten lässt sich indes nicht, dass das EineWeltHaus ein wichtiger und an sich unterstützenswerter Anlaufpunkt für Migrantinnen und Migranten, sowie in gewisser Hinsicht ein willkommener Freiraum ist. Aber genau deshalb ist dagegen anzugehen, wenn der Freiraum von eben diesen Deutschen missbraucht wird.

Zur kommenden Veranstaltung:
Israels „Befindlichkeiten“ im EineWeltHaus (luzi-m)

Zum 200. Jahrestag der Emancipation

Am 11. März 1912 – kommenden Sonntag vor genau 100 Jahren – begangen Jüdinnen und Juden in Deutschland hoffnungsvoll den 100. Jahrestag der sogenannten Emancipation (1812). Die Festlichkeiten wurden auch in den Abwehrblättern kommentiert. Eine gekürzte und – nach Auschwitz umso mehr – beklemmende Abschrift:

Die jüdischen Gemeinden und Vereine in Preußen haben das 100-jährige Jubiläum der Judenemancipation festlich begangen. Am 11. März 1812 unterzeichnete Friedrich Wilhelm III. das Edikt, dessen grundlegender Paragraph lautete:

“Die in unseren Staaten jetzt wohnhaften, mit Generalprivilegien, Naturalisationspatenten, Schutzbriefen und Konzessionen versehenen Juden und deren Familien sind für Einländer und preußische Staatsbürger zu achten.“

Vor dem Emancipationsedikt galten die Juden als Fremde im Lande. Sie durften nur einen auf Geldgeschäfte, Pfandleihen und dergleichen beschränkten Handel treiben, waren vom Handwerk fast ganz ausgeschlossen, durften nicht Grundbesitz erwerben, durften nur in sehr beschränkter Zahl und nach besonderer Erlaubnis heiraten; in manchen Orten war ihnen sogar der Aufenthalt gänzlich untersagt. Dagegen hatten sie Sondersteuerlasten zu tragen.

Wenn es nach dem Staatskanzler von Hardenberg gegangen wäre, so würde das Judengesetz nur vier Worte enthalten haben: „Gleich Rechte, gleiche Pflichten.“ Der König aber, der überhaupt kein Freund von Neuerungen war, und mehrere seiner Ratgeber, konnten sich zu einer vollen Gleichstellung der Juden mit den Christen nicht entschließen. Trotzdem war der Erlass des Edikts ein Akt von größter Bedeutung und Tragweite und wurde als befreiende Tat von den Juden mit Jubel begrüßt.

Trotzdem die Juden sich sonach als würdige Söhne des Vaterlandes benommen hatten, wurden ihnen nach den Befreiungskriegen die wichtigsten Rechte wieder entzogen. Es lag dies allerdings an dem allgemeinen reaktionären Zug, der damals in Preußen herrschte und über den die christlichen Bürger sich nicht minder zu beklagen hatten. Das Gesetz vom 23. Juli 1847, das für die ganze Monarchie mit Ausnahme der Provinz Posen galt, brachte eine weitere Regelung der Verhältnisse der Juden, mit der manch Fortschritte verknüpft waren.

Wohl ist in Preußen die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden seit mehr als 60 Jahren in der preußischen Verfassung garantiert, wohl hat die Verfassungsbestimmung des Norddeutschen Bundes vom 3. Juli 1869, die dann von der Verfassung des Deutschen Reiches übernommen wurde, den Juden die volle Gleichberechtigung zugestanden.

Aber wer wolle behaupten, dass die Juden die gewährleisteten Rechte wirklich zuteil werden? Obgleich die Juden auf allen Kulturgebieten den Wettbewerb mit den Christen mit Erfolg aufgenommen und die hervorragenden Leistungen auszuweiten haben, obwohl sie auf den böhmischen und französischen Schlachtfeldern ihr Blut für das Vaterland vergossen haben, wird ihnen beständig und systematisch durch gesetzwidrige Verwaltungswillkür vieles vorenthalten, was die Verfassung ihnen zusichert. Von zahlreichen öffentlichen Ämtern und von Offizierkorps sind sie grundsätzlich ausgeschlossen, bei Besetzung anderer Stellen müssen sie sich die kränkenden Zurücksetzungen gefallen lassen. Mit einem Worte: Die volle Gleichberechtigung steht nur auf dem Papier.

Freilich ohne harten Kampf gegen die rückschrittlichen Mächte werden die Juden die volle Gleichberechtigung, in deren Besitz ihre Glaubensgenossen in anderen zivilisierten Ländern sich schon längst befinden, nicht erringen. Gerade der Gedenktag der Emancipation sollte die Juden anspornen, Schulter an Schulter mit ihren freiheitlich gesinnten christlichen Mitbürgern den Kampf mit frischen Kräften fortzuführen. Möge in nicht zu ferner Zeit der guten Sache der Sieg beschieden sein.

Erscheinen in: Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus, Berlin 13. März, 1912.

Veranstaltungshinweis: Ein Märzl für’s Herzl

Wie antisemitisch ist die Occupy-Bewegung? Was könnte die Revolution in Ägypten für Israel bedeuten? Und welche Qualität hatte Antisemitismus im Wien der 20er Jahre? Drei Veranstaltungen vom 14. bis zum 16. März gehen diesen Fragen nach. Eine Empfehlung:


Stadt ohne Juden (1924)

14. März: ‚Volksfeind Banker‘ – Die Occupy-Bewegung zwischen Hass, Neid und Ressentiment
Ein Prozent der Menschheit ist an allem schuld, ein Prozent bereichert sich auf geheimnisvolle Weise an der Arbeit aller anderen, ein Prozent hält die Fäden in der Hand, kontrolliert Regierungen, korrumpiert die Staaten und macht aus gutem Geld böse Kredite, Zinsen und Schulden: Dieses Welterklärungsmuster, auf das die politische Ideologie des Antisemitismus sich schon immer reduziert hat, erhält mehr Zuspruch als je seit dem Zweiten Weltkrieg. Die so genannte “Occupy”-Bewegung, die die 99 Prozent, die unter der Knute der “Schuldknechtschaft” (Jürgen Elsässer), oder wie das früher hieß: “Zinsknechtschaft” (Julius Streicher) leiden, zu vertreten beansprucht, erscheint der politischen und publizistischen Administration respektabel – und das, obwohl der dumpfe Kollektivismus und die eliminatorischen Sehnsüchte dieser Bewegung kaum offensichtlicher sein könnten.

Referent: Alex Feuerherdt (Konkret, Jungle World, Tagesspiegel) | Ort: Kulturfabrik, Theater Halle 7 | Uhrzeit: 19:30 Uhr | Veranstalter: Gruppe Monaco | Eintritt: 3 Euro.

15. März: Buchvorstellung: Krieg oder Frieden – Ägypten, der Nahe Osten und Israel
Der Autor Hamed Abdel-Samad wurde 1972 bei Kairo geboren, studierte Englisch, Französisch, Japanisch und Politik und arbeitete für die UNESCO, am Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Universität Erfurt und am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München. Er war während des Umsturzes im Frühjahr 2011 in Ägypten und anderen arabischen Staaten. Herr Abdel-Samad analysiert die arabische „Revolution“ und spricht über die Umwälzungsprozesse in der Region. Deutschlandweit bekannt wurde Abdel-Samad unter anderem auch durch den Dreh mit dem Journalisten Henryk M. Broder für die fünfteilige TV-Serie „Entweder Broder – Die Deutschland-Safari“.

Referent: Hamed Abdel-Samad | Ort: Jüdisches Museum München | Uhrzeit: 19:00 Uhr | Veranstalter: DIG München

16. März: Filmvorführung: Die Stadt ohne Juden
Die Stadt ohne Juden ist ein expressionistischer, österreichischer Film aus dem Jahr 1924, der auf dem gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer basiert. Sowohl das Buch als auch der Film von Karl Breslauer wirken heute wie eine Vorahnung auf die Geschehnisse in Europa ab 1933. In der sagenhaften Republik Utopia, Adresse: Ballhausplatz in Wien, herrscht Unruhe. Die Arbeiter gehen auf die Straße, das Geld ist nichts mehr wert, Spekulanten treiben mit ihrer Habsucht die Inflation in die Höhe. In den Wirtshäusern kennen die Menschen schon die Lösung: Hinaus mit den Juden. Bei Vorführungen des Films kam es zu Zwischenfällen mit Nationalsozialisten. Der noch erhaltene Film liefert dem heutigen Publikum einen Einblick in die „Normalität“ des Antisemitismus der 1920er-Jahre. Bereits kurz nach der Premiere wurde der Romanautor Hugo Bettauer von einem NSDAP-Mitglied ermordet.

Ort: Kulturladen Westend | Uhrzeit: 20:00 Uhr |

Außerdem:
Am 09. März wird das Buch „Reemtsma auf der Krim“ über Zwangsarbeit im Reemtsma Konzern in Anwesenheit der Autoren im Gewerschaftshaus vorgestellt. Der Eintritt ist frei. Es veranstalten die Basisbuchhandlung und das DGB-Bildungswerk.

Nina Hagen und die deutschen Denker

In die Debatte um den einschlägig bekannten Verschwörungstheoretiker Wolfgang Eggert in München hat sich nun Nina Hagen eingeschaltet. Die rostige Rockröhre beklagt, sie sei traurig, wenn „Wolfi“ beschimpft und verunglimpft wird. Derweil schickte DorianGrey im Hotter eine unglaubwürdige Stellungnahme.

Wolfgang Eggert und Felix Vogl mischen auf dem Online-Portal DorianGrey Meldungen klassischer Nachrichtenagenturen mit Einträgen von verschwörungstheoretischen Blogs. Die manipulative Mixage kommt gerahmt mit einem knuffigen Schick – „hübschen Jungs und hübschen Mädchen“ – daher. Reallife-Frontend von DorianGrey ist die regelmäßige Partyveranstaltung „DorianGrey im Hotter“. Seit kurzem stehen Eggert und Vogl in der Kritik. Joe Masi und Murena sagten letzten Mittwoch daraufhin ihren Auftritt bei „DorianGrey im Hotter“ ab.


Spielen nicht überall: Joe Masi und Murena

Jetzt meldete sich Nina Hagen aka Catharina Hagen auf der öffentlichen Facebook-Pinnwand vom Verschwörungstheoretiker Wolfgang Eggert zu Wort, nachdem sich dieser dort ausgeweint hatte. Wenn „Wolfi“ beschimpft und verunglimpft werde, mache sie das traurig, so Hagen ergriffen. Sie habe doch schon „stundenlange Gesprächsrunden“ mit ihm und anderen „mutigen deutschen Selbstständig …- Denkern“ erlebt und gefilmt. Als Beispiele für Aggregate deutscher Denkkunst nennt Hagen die Verschwörungstheoretiker Frieder Wagner und Marion Küpkers. Es folgen 2.364 Zeichen Irrsinn von „sexuellen Ritualverbrechen an Kindern“, „Conterganhersteller Grünenthal“, „Wölfen in Schaafpelzen“ und den „wahren Schuldigen im braunen Miljöh.“ (Orthographie jeweils wie im Original) – und endet biblisch mahnend: „Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen.“

Rede und Antwort
Derweil erhielt Schlamassel Muc eine Stellungnahme mit der Bitte, die „falsche Darstellung“ des erschienenen Artikels zu „berichtigen“. Hervorhebungen von Schlamassel Muc:

„Wir habe gerade den Artikel über DorianGrey im Hotter gelesen. Wir finde es ja sehr nett, dass ein Gast uns wahrgenommen hat, aber irgendwie wäre es schon cool gewesen, wenn der Gast einmal sich bei irgendwem gemeldet hätte, ob das was er da schreibt, auch richtig ist. Hättet er das gemacht, hättet er von Seiten der Redaktion erfahren, das sie mit dem Blog nix zu tun haben.“

Dieser erste Abschnitt kündigt an, Klarheit zu schaffen über die Identitätslage von der Party im Bunker „DorianGray im Hotter“ einerseits und dem verschwörungstheoretischen Portal auf doriangrey.net andererseits, wenngleich die E-Mail Adresse des Autors felixvombunker@doriangrey.net bereits andeutet, dass es ein schwieriges Unterfangen werden könnte, Bunker und doriangrey.net auseinanderzuhalten. Welchen Hut bzw. wieviele Hüte Felix von DorianGrey beim Schreiben jener Zeilen aufhatte, ist ihm offenbar selbst ein Rätsel. Die Redaktion, das scheinen die Grammatik überwältigend viele zu sein, sodass ein einfaches Singular im weiteren Fortgang des Satzes nicht mehr ausreicht. Hingegen ist das „Wir“ dermaßen zur Einheit verschmolzen, dass „Wir“ nicht mehrheitlich haben oder finden wollen, sondern bereits – irgendwie cool vermutlich – zum „Wir habe“ und „Wir finde“ übergegangen sind. Weiter heißt es:

Wir haben mit doriangrey.net eine Kooperation. Die Kooperation besteht nur aus gegenseitigem Marketing. Wir haben keinerlei Einfluss auf Inhalte auf doriangrey.net und doriangrey.net hat keinerlei Einfluss auf Künstler und Bands. Die Kooperation hat den Zweck der gegenseitigen Promo.“

Nichts miteinander „zu tun“, aber eine „Kooperation“ zur „gegenseitigen Promo“, personelle Überschneidungen sind vermutlich rein zufälliger Natur. Das klingt an, wie das Holding-Model einer Konzernmutter ohne Beherrschungsvertrag, nach der Vorstellung eines Marketing-Schülers im ersten Semester. Der Autor scheint sich in diesem betriebswirtschaftlich anmutenden Prozess im schizophrenen Sinne selbst in der Mitte zu teilen und das im ersten Absatz anklingende Identitätsproblem beredt fortzusetzen. Die ungekürzte Stellungnahme endet mit:

„Wir habe das Impressum von doriangrey.net übernommen, weil wir dachten, ein Blog muss ein Impressum haben. Da dem aber nicht so ist, haben wir die Impressumsseite durch eine Kontaktseite ersetzt.“

Wenn „DorianGrey im Hotter“ mit dem verschwörungstheoretischen Portal DorianGrey schon „nichts zu tun“ hat (außer kooperieren), warum „habe wir“ – um beim Jargon zu bleiben – dann nicht die auf seltsame Weise eigenständige Crew von „DorianGrey im Hotter“ von Anfang an im Impressum des Blogs eintragen? Die Denkaufgabe für mutige deutsche Selbstständig …- Denker am Freitag.