Nina Hagen und die deutschen Denker

In die Debatte um den einschlägig bekannten Verschwörungstheoretiker Wolfgang Eggert in München hat sich nun Nina Hagen eingeschaltet. Die rostige Rockröhre beklagt, sie sei traurig, wenn „Wolfi“ beschimpft und verunglimpft wird. Derweil schickte DorianGrey im Hotter eine unglaubwürdige Stellungnahme.

Wolfgang Eggert und Felix Vogl mischen auf dem Online-Portal DorianGrey Meldungen klassischer Nachrichtenagenturen mit Einträgen von verschwörungstheoretischen Blogs. Die manipulative Mixage kommt gerahmt mit einem knuffigen Schick – „hübschen Jungs und hübschen Mädchen“ – daher. Reallife-Frontend von DorianGrey ist die regelmäßige Partyveranstaltung „DorianGrey im Hotter“. Seit kurzem stehen Eggert und Vogl in der Kritik. Joe Masi und Murena sagten letzten Mittwoch daraufhin ihren Auftritt bei „DorianGrey im Hotter“ ab.


Spielen nicht überall: Joe Masi und Murena

Jetzt meldete sich Nina Hagen aka Catharina Hagen auf der öffentlichen Facebook-Pinnwand vom Verschwörungstheoretiker Wolfgang Eggert zu Wort, nachdem sich dieser dort ausgeweint hatte. Wenn „Wolfi“ beschimpft und verunglimpft werde, mache sie das traurig, so Hagen ergriffen. Sie habe doch schon „stundenlange Gesprächsrunden“ mit ihm und anderen „mutigen deutschen Selbstständig …- Denkern“ erlebt und gefilmt. Als Beispiele für Aggregate deutscher Denkkunst nennt Hagen die Verschwörungstheoretiker Frieder Wagner und Marion Küpkers. Es folgen 2.364 Zeichen Irrsinn von „sexuellen Ritualverbrechen an Kindern“, „Conterganhersteller Grünenthal“, „Wölfen in Schaafpelzen“ und den „wahren Schuldigen im braunen Miljöh.“ (Orthographie jeweils wie im Original) – und endet biblisch mahnend: „Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen.“

Rede und Antwort
Derweil erhielt Schlamassel Muc eine Stellungnahme mit der Bitte, die „falsche Darstellung“ des erschienenen Artikels zu „berichtigen“. Hervorhebungen von Schlamassel Muc:

„Wir habe gerade den Artikel über DorianGrey im Hotter gelesen. Wir finde es ja sehr nett, dass ein Gast uns wahrgenommen hat, aber irgendwie wäre es schon cool gewesen, wenn der Gast einmal sich bei irgendwem gemeldet hätte, ob das was er da schreibt, auch richtig ist. Hättet er das gemacht, hättet er von Seiten der Redaktion erfahren, das sie mit dem Blog nix zu tun haben.“

Dieser erste Abschnitt kündigt an, Klarheit zu schaffen über die Identitätslage von der Party im Bunker „DorianGray im Hotter“ einerseits und dem verschwörungstheoretischen Portal auf doriangrey.net andererseits, wenngleich die E-Mail Adresse des Autors felixvombunker@doriangrey.net bereits andeutet, dass es ein schwieriges Unterfangen werden könnte, Bunker und doriangrey.net auseinanderzuhalten. Welchen Hut bzw. wieviele Hüte Felix von DorianGrey beim Schreiben jener Zeilen aufhatte, ist ihm offenbar selbst ein Rätsel. Die Redaktion, das scheinen die Grammatik überwältigend viele zu sein, sodass ein einfaches Singular im weiteren Fortgang des Satzes nicht mehr ausreicht. Hingegen ist das „Wir“ dermaßen zur Einheit verschmolzen, dass „Wir“ nicht mehrheitlich haben oder finden wollen, sondern bereits – irgendwie cool vermutlich – zum „Wir habe“ und „Wir finde“ übergegangen sind. Weiter heißt es:

Wir haben mit doriangrey.net eine Kooperation. Die Kooperation besteht nur aus gegenseitigem Marketing. Wir haben keinerlei Einfluss auf Inhalte auf doriangrey.net und doriangrey.net hat keinerlei Einfluss auf Künstler und Bands. Die Kooperation hat den Zweck der gegenseitigen Promo.“

Nichts miteinander „zu tun“, aber eine „Kooperation“ zur „gegenseitigen Promo“, personelle Überschneidungen sind vermutlich rein zufälliger Natur. Das klingt an, wie das Holding-Model einer Konzernmutter ohne Beherrschungsvertrag, nach der Vorstellung eines Marketing-Schülers im ersten Semester. Der Autor scheint sich in diesem betriebswirtschaftlich anmutenden Prozess im schizophrenen Sinne selbst in der Mitte zu teilen und das im ersten Absatz anklingende Identitätsproblem beredt fortzusetzen. Die ungekürzte Stellungnahme endet mit:

„Wir habe das Impressum von doriangrey.net übernommen, weil wir dachten, ein Blog muss ein Impressum haben. Da dem aber nicht so ist, haben wir die Impressumsseite durch eine Kontaktseite ersetzt.“

Wenn „DorianGrey im Hotter“ mit dem verschwörungstheoretischen Portal DorianGrey schon „nichts zu tun“ hat (außer kooperieren), warum „habe wir“ – um beim Jargon zu bleiben – dann nicht die auf seltsame Weise eigenständige Crew von „DorianGrey im Hotter“ von Anfang an im Impressum des Blogs eintragen? Die Denkaufgabe für mutige deutsche Selbstständig …- Denker am Freitag.