Veranstaltungshinweis: Ein Märzl für’s Herzl

Wie antisemitisch ist die Occupy-Bewegung? Was könnte die Revolution in Ägypten für Israel bedeuten? Und welche Qualität hatte Antisemitismus im Wien der 20er Jahre? Drei Veranstaltungen vom 14. bis zum 16. März gehen diesen Fragen nach. Eine Empfehlung:


Stadt ohne Juden (1924)

14. März: ‚Volksfeind Banker‘ – Die Occupy-Bewegung zwischen Hass, Neid und Ressentiment
Ein Prozent der Menschheit ist an allem schuld, ein Prozent bereichert sich auf geheimnisvolle Weise an der Arbeit aller anderen, ein Prozent hält die Fäden in der Hand, kontrolliert Regierungen, korrumpiert die Staaten und macht aus gutem Geld böse Kredite, Zinsen und Schulden: Dieses Welterklärungsmuster, auf das die politische Ideologie des Antisemitismus sich schon immer reduziert hat, erhält mehr Zuspruch als je seit dem Zweiten Weltkrieg. Die so genannte “Occupy”-Bewegung, die die 99 Prozent, die unter der Knute der “Schuldknechtschaft” (Jürgen Elsässer), oder wie das früher hieß: “Zinsknechtschaft” (Julius Streicher) leiden, zu vertreten beansprucht, erscheint der politischen und publizistischen Administration respektabel – und das, obwohl der dumpfe Kollektivismus und die eliminatorischen Sehnsüchte dieser Bewegung kaum offensichtlicher sein könnten.

Referent: Alex Feuerherdt (Konkret, Jungle World, Tagesspiegel) | Ort: Kulturfabrik, Theater Halle 7 | Uhrzeit: 19:30 Uhr | Veranstalter: Gruppe Monaco | Eintritt: 3 Euro.

15. März: Buchvorstellung: Krieg oder Frieden – Ägypten, der Nahe Osten und Israel
Der Autor Hamed Abdel-Samad wurde 1972 bei Kairo geboren, studierte Englisch, Französisch, Japanisch und Politik und arbeitete für die UNESCO, am Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Universität Erfurt und am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München. Er war während des Umsturzes im Frühjahr 2011 in Ägypten und anderen arabischen Staaten. Herr Abdel-Samad analysiert die arabische „Revolution“ und spricht über die Umwälzungsprozesse in der Region. Deutschlandweit bekannt wurde Abdel-Samad unter anderem auch durch den Dreh mit dem Journalisten Henryk M. Broder für die fünfteilige TV-Serie „Entweder Broder – Die Deutschland-Safari“.

Referent: Hamed Abdel-Samad | Ort: Jüdisches Museum München | Uhrzeit: 19:00 Uhr | Veranstalter: DIG München

16. März: Filmvorführung: Die Stadt ohne Juden
Die Stadt ohne Juden ist ein expressionistischer, österreichischer Film aus dem Jahr 1924, der auf dem gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer basiert. Sowohl das Buch als auch der Film von Karl Breslauer wirken heute wie eine Vorahnung auf die Geschehnisse in Europa ab 1933. In der sagenhaften Republik Utopia, Adresse: Ballhausplatz in Wien, herrscht Unruhe. Die Arbeiter gehen auf die Straße, das Geld ist nichts mehr wert, Spekulanten treiben mit ihrer Habsucht die Inflation in die Höhe. In den Wirtshäusern kennen die Menschen schon die Lösung: Hinaus mit den Juden. Bei Vorführungen des Films kam es zu Zwischenfällen mit Nationalsozialisten. Der noch erhaltene Film liefert dem heutigen Publikum einen Einblick in die „Normalität“ des Antisemitismus der 1920er-Jahre. Bereits kurz nach der Premiere wurde der Romanautor Hugo Bettauer von einem NSDAP-Mitglied ermordet.

Ort: Kulturladen Westend | Uhrzeit: 20:00 Uhr |

Außerdem:
Am 09. März wird das Buch „Reemtsma auf der Krim“ über Zwangsarbeit im Reemtsma Konzern in Anwesenheit der Autoren im Gewerschaftshaus vorgestellt. Der Eintritt ist frei. Es veranstalten die Basisbuchhandlung und das DGB-Bildungswerk.