Alle Klassen gegen Israel

Wie in vielen anderen Städten wurde in den letzten Tagen auch in München eine Veranstaltung mit Vertretern der „Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas“ und der Jugendorganisation der „Palästinensischen Volkspartei“ beworben. Ein Wort über die Umstände.


Blutfahne der „Palästinensischen Volkspartei“

Am 13. Mai 1974 gelang drei Aktivisten der „Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas“ (DFLP) getarnt in IDF-Uniformen der Weg über die libanesische Grenze. Im israelischen Ma‘alot angekommen, klopften sie wahllos an Türen und erschossen die erstbeste Familie, die ihnen öffnete. Sie machten sich weiter mordend auf zur Netiv Meir Schule und nahmen 83 Schüler und Lehrkräfte als Geiseln. Als die IDF das Gebäude stürmte, feuerte einer der Aktivisten mit einem Maschinengewehr auf die eingesperrten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte. Dann, von den Treffern der IDF bereits gezeichnet, warf er noch zwei Granaten auf eine Gruppe am Boden liegender Mädchen. Die Parteigenossen ermordeten bei ihrer Aktion insgesamt 22 Schülerinnen und Schüler.

Das sogenannte Ma‘alot-Massaker der DFLP hielt die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und ihre Jugendorganisation (SDAJ) nicht davon ab, diese Tage eine Vortragsreise mit Khaldoun Halalo, einem Vertreter der DFLP, zu organisieren. Motto: „Palästinensischer Frühling?! Der Kampf um die palästinensische Unabhängigkeit geht in die nächste Runde.“ Halalo tourt noch bis zum 1. Mai quer durch Deutschland. Er hält seinen Vortrag auf Deutsch.

Die nationalen Sozialisten der „Palästinensischen Volkspartei“
Mit dabei ist Amin Juaidi, leitendes Mitglied der Jugend der „Palästinensischen Volkspartei“ (PPP). Die PPP verortet sich links, doch sie unterscheidet sich in vielen Punkten von den deutschen Nationalsozialisten nur sehr wenig. Die Analogien beginnen schon bei der Fahne, die wie die „Blutfahne“ der NSDAP einen weißen Kreis auf rotem Hintergrund zeigt, nur anstelle des Hakenkreuzes tritt eigene nationalistische Symbolik. In einer Verlautbarung der Partei aus dem Jahre 2008 steht:

Ja zur nationalen Einheit. Ein tausendfaches Nein zur Spaltung. Ruhm und Ewigkeit allen Märtyrern und Freiheit für alle Gefangenen. Vereinigt alle Klassen um der Aggression […] entgegenzutreten. Führt den Kampf weiter…

Die Vereinigung aller Klassen zur Phalanx gegen Jüdinnen und Jüdinnen, nicht der Klassenkampf im traditionellen kommunistischen Sinne ist das Ziel der „Palästinensischen Volkspartei“. Jüdinnen und Juden haben – egal welcher Schicht sie angehören – auf der Seite der Guten keinen Platz. Und dieser Kampf soll mit scharfer Munition geführt werden, so legt es zumindest die Facebook-Bildergalarie der Partei nahe, die auch palästinensische Kämpfer mit Maschinengewehren zeigt. Ein Auftritt der beiden Parteigenossen in Bremen letzte Woche wurde auf der Seite von E.M. Imhoff dokumentiert. In Bremen warb der Mann der DFLP laut Bericht für den Boykott aller israelischer Waren, um u.a. den „israelischen Kapitalismus“ und Kugeln für palästinensische Kinderköpfe nicht zu unterstützen (was zynisch anklingt, nicht nur angesichts der Parteigeschichte der DFLP). „Nennt mich einen Rassisten, aber das glaube ich!“, soll Khaldoun Halalo dazu gesagt haben.

Münchner Querfront
In München fand die antizionistische Veranstaltung der DKP München laut Ankündigung am 23. April im EineWeltHaus statt. Sie wurde unter anderem von der „Antikapitalistischen Linken München“ (ALM) beworben, einer Vorfeldorganisation der DKP. Die ALM fiel in der Vergangenheit durch ihre Bemühungen auf, wieder mehr junge Menschen für die in die Jahre gekommenen Protestemärsche gegen die Münchner Sicherheitskonferenz zu mobilisieren. Beworben wurde die zweifelhafte Veranstaltung u.a. auch vom antizionistischen Verein „Salam Shalom“ der den Termin auf seiner Website als „hochinteressant“ anpries. Der Verein hat derzeit gleicherorts auch ein Youtube-Video mit dem Querfrontler Jürgen Elsässer („Volksinitiative gegen das Finanzkapital“) zum Thema Günter Grass eingebunden (Faksimile der Website). Auch die SDAJ München stellte sich in der Debatte um die Veröffentlichung „Was gesagt werden muss“ hinter Günter Grass.

Weiterführendes:
Bericht aus Bremen

Die verbleibenden Termine:
28. 4. Frankfurt am Main, 18.00 im Gewerkschaftshaus, Willi-Richter- Saal, Wilhelm-Leuschner-Str. 69 – 77
1. 5 Bonn, 14.00 Beteiligung am Internationalistischen Maifest auf dem Schulhof der Marienschule (!!!), Heerstraße 92