Nie wieder Sauerkraut! McDonald’s now!

Auch dieses Jahr bläst die „Volksinitiative für eine geschmackvolle Zukunft des Westends“ wieder zur Massendemonstration für einen McDonald’s im ehemaligen Münchner Arbeiterviertel. Die Sprecherin des Vorbereitungsplenums, Kiyra Papadopoulos, gewährt Einblicke in den Stand der Moblisierung. Das Interview führte Schlamassel Muc.


Geht doch: McDonals’s inmitten der israelischen Wüste

Hallo Kiyra. Nürnberger Wurstexperten beklagen, dass iranische Exporteure die Preise für Schafssaitling und Pistazien erhöhen. Das habe starke Auswirkungen auf das Preisniveau der Nürnberger Bratwurst und womöglich auf die Mortadella. Ist auch eine Verteuerung des McDonald’s-Sortiments zu erwarten?

McDonald’s ist als antifaschistische kulinarische Alternative von der Politik der Islamischen Republik Iran unabhängig und das wird – inshallah – auch so bleiben.

Im Vorbereitungsplenum der Volksinitiative herrscht offenbar Uneinigkeit. Laut Medienberichten drohen die „Dinkelbrot Haters“ angeblich gar damit, dem Bündnis ihre Gefolgschaft zu verweigern. Wie ist der aktuelle Stand der Debatte?

Das Aktionsbündnis, das die Volksinitiative organisiert, begann dieses Mal zum Glück früh damit, sich regelmäßig zu treffen. Trotzdem und trotz der jahrelangen Routine kam es zu unstrukturierten und unnötig bremsenden Diskussionen etwa über das Plakatmotiv, wichtige organisatorische Dinge wie das Fronttransparent wurden sehr spät thematisiert. Die „Dinkelbrot Haters“ hatten Anfangs das Cafe „Mareis“, dann das EineWeltHaus im Auge, obwohl zweiteres garnicht im Westend liegt. Heute herrscht in dieser Kernfrage aber ein unverbrüchlicher Konsens: Die neue McDonald’s-Filiale im Münchner Westend soll an der Stelle des Burschenschaftshauses in der Schwanthalerstraße entstehen. Alle anderen Varianten sind vom Tisch.

Zahlreiche kommunistische Gruppen sind Teil der Volksinitiative. Ist es mittlerweile auch gelungen, Teile des bürgerlichen Lagers mit in die Massendeligationen einzubeziehen?

Wir sind auf das bürgerliche Lager gar nicht angewiesen. Das Proletariat kauft bei McDonald’s und scheut den Bioladen oder die Vokü ehedem. Allerdings haben Teile der Friedensbewegung nun auch bemerkt, dass in Ländern mit einer McDonald’s-Filiale in der Regel Frieden herrscht, jeder BigMac ein Schritt in Richtung Frieden ist. Der Vorstand der IG Metall in Frankfurt signalisierte uns aber bereits, „wir sind froh, wenn die Spacken nicht mitmachen.“

Für gewöhnlich sind die Proteste der kulinarischen Bewegung im Westend entschlossen, phantasievoll, vielfältig und laut. Welche Aktionen sind dieses Jahr geplant? Wieviel Dezibel sind zu erwarten?

Neben vielfältigen Aktionen wird es wieder ein „Würfeln um die Wurst“ auf dem Gollierplatz geben. Die Verlierer müssen dieses Jahr fünf Nürnberger und einen Schöpfer Sauerkraut essen.

Die Massendemonstration für einen McDonald’s im Westend im letzten Jahr kann als erfolgreich bezeichnet werden. Gibt es schon erste Signale aus der Konzernzentrale, den Forderungen der Volksinitiative zu genügen?

Ein McDonald’s entsteht nur in Ausnahmefällen nach dem sogenannten Top-Down-Prinzip. Im Regelfall handelt es sich um das entschlossene Engagement von Einzelnen oder emanzipierten Kollektiven (Anm.: siehe Foto), Graswurzel-Initiativen, die sich vor Ort stark machen und einen McDonald’s gründen. Das wäre halt am Ende zu leisten. Darum geht es uns.

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast.

Weiterlesen:
„Für eine geschmackvolle Zukunft des Westends“ (Demonstration 2011″)