Frauenpower aus der palästinensischen Volksküche

Bei den „Palästina Tagen 2012″ sollen diesmal offenbar mehr Frauen zu Wort kommen. Doch die werden wenig anderes zu sagen haben als die Männer.


Frauen- und Kinderblock auf einer Demonstration in Berlin 2004

Das „Palästina Komitee München“ gründete sich zum Libanon-Krieg 1982. Die Veranstaltungen des Komitees, wozu auch die alljährlichen „Palästina Tage“ zählen, wurden von Anfang an auf deutsche Befindlichkeiten hin zugeschnitten. Endlich könne man – so die Gründer damals – es in der „deutschen Öffentlichkeit wagen, Israel gegenüber Kritik zu üben.“ Eine Veranstaltung mit dem Titel „Dürfen Deutsche Israel kritisieren?“ legte das Komitee demonstrativ auf einen 09. November. An der Haltung der Macher hat sich bis heute wenig geändert, Demonstrationsaufrufe kommen aktuell nicht weniger radikal daher, als zu Zeiten der Intifada. München hingegen hat sich gewandelt. Während man den „Palästina Tagen“ in der alten BRD tendenziell noch die Hinterzimmer zuwies, finden sie heute in städtischen Einrichtungen statt. 2010 unterstützte die renommierte Hip-Hop-Kombo „Blumentopf“ die Veranstaltung.

Palästina und Deutschland – Opfer des israelischen Faschismus
Dieses Jahr wird Haneen Zoabi mit ihrem Vortrag „Gleiche Rechte für alle Bürger“ erscheinen. Die vermeintliche Frauenrechtlerin spricht in einem aktuellen Interview von einem Israel, das „immer ein rassistischer Staat“ gewesen und seit zwei Jahren im Faschismus angekommen sei. Zoabi ist arabische Abgeordnete in der Knesset, hat 2010 bei der Gaza-Flottille teilgenommen und verlässt während der israelischen Nationalhymne regelmäßig demonstrativ das Parlament. Ein seltsamer Faschismus ist das, wo ein solches Verhalten nicht zur Ermordung oder wenigsten zum parlamentarischen Rauswurf führt. Für das deutsche Publikum hat Zoabi Bauchpinsel im Gepäck. Die Deutschen würden von Israel mit dem Holocaust erpresst“, sagt Zoabi und kann sich damit schon jetzt des Applauses im Münchner Gasteig sicher sein.

Einen weiteren Vortrag, „Eine Frau in Gaza“, hält voraussichtlich Nesreen Abosultan. Laut Ankündigungstext der Betriebswirtin aus Gaza scheint es sich um eine Frauenperspektive zu drehen. Ihr Twitter-Account aber zeigt unzählige arabische Tweets, allein in dem letzten zwei Monaten, die nicht gerade einer emanzipierte Haltung und vor allem Männern das Wort reden. Da ist von einem Hungerstreik der „besten Söhne des palästinensischen Volkes“, den „gefangenen Helden in zionistischen Gefängnissen“ die Rede, die sich in einem Zuständ der „ständige Intifada“ befänden. Es gelte die Parole „Sieg oder Tod!“

Emanzipation als Farce
Es wird der viel prämierte Film „Budrus“ gezeigt, eine Dokumentation über gemischtgeschlechtliche sowie gewaltfreie Demonstrationen vom „Volkskomitee“ des Dorfes Budrus gegen den israelischen Sicherheitszaun. Damit soll der Regisseurin Julia Bacha nach deutlich werden, wie der Widerstand „tatsächlich“ aussähe. Es herrsche ihrer Ansicht nach „noch immer viel zu viel vages Gerede über die Militanz und Gewaltbereitschaft der Palästinenser.“ Dass Bomben regelmäßig, Raketen mindestens wöchentlich und Steine täglich in Israel hoch- bzw. auf Israel niedergehen, wird dabei ausgespart. Das Hamas Mitglied Ahmed Awwad sieht die Demonstrationen in Budrus pragmatischer: „Die Gewaltfreiheit ist das am besten geeignete strategische Werkzeug, um die Ziele des Dorfes zu erreichen.“

Mit „geeignetes strategisches Werkzeug“ lassen sich auch die „Palästina Tage“ in München 2012 gut beschreiben. Sie sind auf das deutsche Ohr abgestimmt: Tränendrüse und Wohlfühlwiderstand. Offenbar sollen dieses Jahr immerhin mehr Frauen zu Wort kommen. Allerdings wenden sich diese Frauen nicht gegen das Patriarchat, sondern argumentieren nach dem Motto: Jüdinnen und Juden sind der arabischen Frau Unglück. „Palästina“ wird dabei als weibliche Negativfolie allem vermeintlich Jüdischen entgegen gehalten, bekommt die Rolle der perfekten ideellen Gesamt-Antijüdin zugewiesen. So wie viele arabische Kommunisten in und um Israel keine Klassen mehr kennen wollen, wenn es gegen Israel geht, sind diese Frauen nicht fähig, das antisemitische Ressentiment abzustreifen und ihre Interessen als Frauen gegen das Ganze zu vertreten. Auf einen Kommentar einer der queer- bzw. feministischen Gruppen in München zu den sich feministisch gebenden „Palästina Tagen“ 2012 hofft erwartungsvoll Schlamassel Muc.

Weiterführendes
Programm der kommenden „Palästina Tage“ im Kalender oder in der rechten Spalte (NoGo! PT)