Veranstaltungshinweis: Chaim Noll in München

Am Dienstag, dem 16. Oktober, liest der deutsch-israelische Schriftsteller Chaim Noll im Jüdischen Gemeindezentrum München. Mit seinem jüngsten Werk „Kolja“ portraitiert Noll die heutige israelische Gesellschaft und erzählt dabei „mitreißend und in schöner Sprache kleine Begebenheiten und große Lebensgeschichten“.

Chaim Noll. Foto: Alexander Janetzko
Foto: Alexander Janetzko

Was bedeutet es für den aus Italien eingewanderten Alessandro, dass sich die jüdische Abstammung seiner Mutter nicht klären lässt? Warum ändert der Krieg Michaels Verhältnis zu Henry James grundlegend? Und warum ist in der Wüste mitten im Sommer Weihnachten? Und Kolja? Der stammt eigentlich aus Russland und fällt im Kampf für seine neue Heimat. Was passiert jetzt mit seinem Leichnam?

„Anna wusste fast nichts über Juden oder Israel. Dem Wort Jude haftete etwas eher Unangenehmes an, etwas Düsteres, Mahnendes. Die Juden, die sie von den Fotos in ihren Schulbüchern kannte, waren abgemagerte Leute in gestreiften Anzügen hinter Stacheldrahtzäunen. Oder sie waren tot. Oder sie lebten in Israel, dann wurden sie in das allgemeine Mitgefühl nicht mehr eingeschlossen.“

„Wann wurde je der deutsche Vergangenheitskult, der die Ignoranz gegenüber dem heutigen Israel mit einschließt, prägnanter dechiffriert?“, beurteilt Marko Martin die obige Passage aus „Kolja“ in seiner Rezension für Deutschlandradio Kultur. „Die Eltern der jungen Frau sind übrigens derart entsetzt, dass sie sogleich deren Bruder hinterher schicken – welcher sich dann in selbigem Tel Aviv bald in eine der inheimischen verliebt und ebenfalls im Lande bleibt. Kitsch? Jeder, der Israel nicht nur vom ablehnenden Hörensagen kennt, wird mit ähnlichen Geschichten aufwarten können“, schreibt Martin weiter. „Chaim Noll aber hat sie aufgeschrieben, in einem Chronik-Stil, dessen unprätentiöser Charakter Stringenz und Glaubwürdigkeit sichert.“

Wir sind gespannt.

Die Lesung beginnt um 19:30 und findet in deutscher Sprache statt.

Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro

Anmeldung erbeten unter Telefonnummer (089) 20 24 00-491 oder per Email karten@ikg-m.de .
Karten auch an der Abendkasse erhältlich.

Einige Texte Nolls können auf seiner Homepage heruntergeladen werden.