Es geht wieder los

Im Zuge der aktuellen Entwicklung in Israel fanden auch am Samstag wieder Menschen am Münchner Stachus zusammen, um ihre Schilder hochzuhalten. Sie forderten ein Ende der Angriffe auf Gaza. Mit den Raketen auf Israel soll es aber so weitergehen.

Zwei Kinder hüpfen geschäftig vor der Gruppe herum, die sich am Samstag zur „Pro Gaza Demo“ am Münchner Stachus versammelt hat. Der Verein „Palästinensische Gemeinde München“ hatte kurzfristig dazu aufgerufen, die Organisation Amnesty International schloss sich an. Der eine Bub schwingt eine palästinensische Fahne und er sieht auch ein bisschen aus wie eine, seine Kleidung ist in den gleichen Farben gehalten. Stolz trägt der andere ein großes Schild um den Hals, das bis zum Boden reicht: „Israel tötet illegal“, steht darauf. Es reiht sich nahtlos ein in die anderen Schilder: „Stoppt Israels Staatsterror!“ oder „Free Palestine“. Von Frieden ist hier nicht die Rede und um Frieden geht es der Versammlung auch nicht.

Mit keinem Wort fordern sie ein Ende der Raketenangriffe auf Israel, womit man dem Frieden zumindest einen Schritt näher käme. Weder am Samstag, geschweige denn die Wochen zuvor störten sie sich am Raketenhagel, als die Menschen im Süden Israels nur auf ihr Glück hoffen konnten und die israelische Regierung ausharrte. Die Verzweiflung dieser Menschen hat die Teilnehmer der Demonstration zu keiner kritischen Äußerung bewegt, wenn sie diese nicht sogar mit Genugtuung aufgenommen haben.

Was ihre Gefühle in Wallung bringt, sind die Konsequenzen aus dem Dauerbeschuss: Israels Selbstverteidigung. Ein junger Mann zeigt ein Schild mit der Aufschrift „IsraHell“, das beliebteste Wortspiel mit Israel noch vor „USrael“. Teilweise gleichgültig, teilweise zustimmend, nehmen Passantinnen und Passanten die Demonstration zur Kenntnis. Niemand erweckt den Eindruck, sich daran zu stören. Die Verächtlichmachung des Judenstaats in der deutschen Öffentlichkeit ist längst Normalität geworden.

In den nächsten Wochen ist in München mit zahlreichen, noch deutlich größeren Demonstrationen zu rechnen, die den ohnehin üppig gefüllten antiisraelischen Veranstaltungskalender um aktionistische Darstellungsformen bereichern werden. Ein kalter Herbst wird das, noch kälter als erwartet.

Gewohnt hintersinniger „Humor“: Antiisraelisches Plakat, gezeigt am 17. November 2012, Stachus