Nichtbürger besetzen Rindermarkt – Dutzende im Hungerstreik

Nach einer von pointierten Ansprachen angetriebenen Demonstration besetzen Asylsuchende heute den Münchner Rindermarkt. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, sagen sie. Dutzende traten in den Hungerstreik. Sie nennen sich Non-Citizens und fordern das eigentlich Selbstverständliche: Bürgerrechte im Sinne der Aufklärung.

Sie sind nicht Bürgerinnen und Bürger zweiter oder dritter Klasse; sie sind die Klasse der Nichtbürger. Asylsuchenden werden die grundlegendsten Bürgerrechte verwehrt. In Bayern wirft man ihnen Essenspakete in die maroden Lager, von schlechter Qualität und zur Ernährung kaum geeignet, kritisieren seit Jahren zahlreiche Initiativen. „Montag, Fisch, Dienstag, Fisch, Mittwoch, Fisch – das muss aufhören. Schluss mit den Scheiße-Paketen!“, fordert deshalb eine Teilnehmerin lautstark auf der heutigen Demonstration mit dem Titel: „No Border! No Nation!“

Ungefähr 300 Menschen nehmen an der Demonstration Teil, viele sind Asylsuchende. Sie sollten sich in Bayern laut Gesetz an Landkreisgrenzen halten – die sogenannte Residenzpflicht. Dadurch ist Bayern für sie wie mit einem kleinteiligen Mauerwerk parzelliert. Mauern, die Bürgerinnen und Bürger gar nicht sehen, Non-Citizens eben schon. „Wir werden aber nicht in unsere Gefängnisse zurückkehren“, kündigt ein Aktivist an: „Wir wollen uns nicht mehr vor Abschiebe-Albträumen fürchten müssen, wenn wir am Morgen aufwachen! Wie jede andere Person dieser Gesellschaft, weigern wir uns, die unterdrückende Residenzpflicht zu akzeptieren“, sagt er weiter. Ein Anderer bringt es ähnlich auf den Punkt: „There is no landkreis in Africa! We want no border, no nation and no landkreis!“

Sie sind gekommen, um zu bleiben, sagen sie. Und das ist ernst gemeint. Seit circa 16 Uhr besetzen die Non-Citizens und deren Unterstützerkreise den Münchner Rindermarkt, inmitten der Innenstadt. Dutzende befinden sich seitdem im Hungerstreik. An Isomatten, Schlafsäcken und Regenkleidung magele es noch, heißt es. Ein Generator wäre auch nicht schlecht, sagen Supporter. Es wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Angeblich möchte die Polizei die Demonstrierenden bis mindestens Montag gewähren lassen, berichtet indes das Portal Indymedia.

„Heute in den Straßen Münchens, im Herzen des sogenannten demokratischen Europas – mit seinem verwirrenden Gerede über Menschenrechte –, treten wir einen Hungerstreik an mit dem Ziel, umfassend Asyl zu erhalten.“