Liebe Bettlerinnen und Bettler

Die Hetze gegen Sie bricht nicht ab. Aber bitte lassen Sie uns mit diesen Münchnerinnen und Münchnern nicht alleine!


Im Hintergrund: die Schlagzeile von heute. Im Vordergrund: die satirische BeZei – Bettlerzeitung

Liebe Bettlerinnen und Bettler,

wie Ihnen sicher nicht entgangen ist, zeigt sich die Münchner Boulevardpresse insbesondere zur Weihnachtszeit von ihrer schäbigsten Seite. Als Zentralorgan der Hetze gegen Sie hat sich die tz einen Namen gemacht. Deren Redaktion ist zwar manchmal schon damit überfordert, wenigstens die Schlagzeile richtig zu schreiben, aber wie das bei Ihnen angeblich zugeht, will die Redaktion dafür umso besser wissen. Wie der heutige Titel der lokalen Konkurrenz az erneut zeigt, ist das Problem leidern nicht auf ein Organ einzugrenzen. Und es ist sicher kein Zuckerschlecken, in einer Stadt zu betteln, deren Bürgermeister öffentlich für mehr „Kaltherzigkeit“ wirbt.

Aber lassen Sie uns bitte mit diesen gehässigen Münchnerinnen und Münchnern nicht alleine! Sie sind völlig zurecht hier! München ist eine sehr reiche Stadt; sie zählt zu den absoluten Gewinnern der weltwirtschaftlichen Verhältnisse. Es ist Ihr gutes Recht als Teil derer, die vom Verwertungsprozess ausgeschlossen sind, an diesen Ort zu kommen und an seinem Reichtum teilzuhaben. Und teilen Sie bitte Ihren Bekannten in nordöstlich gelegenen Ländern und Städten mit, dass die Temperaturen in der sogenannten „nördlichsten Stadt Italiens“ trotz Winter vergleichsweise angenehm sind. Auch ist die Armut in Bayern deutlich niedriger als in den meisten anderen Bundesländern. Ihre Bekannten haben ein Recht darauf, sich wenigstens einen Anteil des gesellschaftlichen Reichtums zu sichern.

Vor circa zehn Tagen verteilten Jugendliche die satirische BeZei – Bettlerzeitung in der Münchner Innenstadt, um die über Sie in der Boulevardpresse verbreiteten Lügen richtigzustellen. Auflage: 10.000 Stück. Das hilft Ihnen nicht viel, aber nehmen Sie es als Zeichen der Solidarität, die wir Ihnen hiermit ebenfalls ausdrücklich aussprechen möchten.