Fundraising für Märtyrer: Montessori-Schule macht trotzdem weiter

Der Verein „Flüchtlingskinder im Libanon“ finanziert Märtyrer-Ausbildungen im Libanon. Das hindert die Münchner Montessori-Fachoberschule offenbar nicht, die sogenannte „Nakba“-Ausstellung des Vereins weiterhin zu zeigen. Eltern sollten sich ernsthaft überlegen, ob ihr Nachwuchs auf dieser Schule noch gut aufgehoben ist.


Kinderprogramm von Beit Atfal Assumoud (NISCVT) am „Tag der Märtyrer“ (01.07.2014)

Die libanesische Organisation Beit Atfal Assumoud (NISCVT) fördert nach eigenen Angaben das Gedenken an antiisraelische Märtyrer und das „Märtyrertum“ überhaupt, insbesondere bei Kindern. Tausende Kinder im Libanon sind der Propaganda dieser Organisation ausgesetzt. Ihre dazugehörige Facebook-Seite befüllte Beit Atfal Assumoud ab der zweiten Januarwoche beispielsweise mit Fotos von vermummten Kindern in Tarnanzügen und mit Waffen-Attrappen, die den sogenannten „Tag der Märtyrer“ (07.01.2014) im Libanon zu begehen hatten. Die Kinder waren auch auf Fotos zu sehen, wie sie – ebenfalls in Tarnanzügen – eine tänzerische Wehrsportübung vortragen mussten. Ebenfalls Aufschluss über die Ziele des Vereins gibt die deutlich gemäßigte englischsprachige Website der Organisation. Sie zeigt eine Karte des Nahen Ostens ohne Israel – selbst jüdische Städtegründungen wie Tel Aviv fehlen. Das deutsche Fundraising-Glied von Beit Atfal Assumoud (NISCVT) ist der Verein „Flüchtlingskinder im Libanon“ aus dem süddeutschen Pfullingen. Dieser Verein sammelt in Deutschland Spendengelder und finanziert somit neben Sing- und Bastelkursen den Dschihad gegen Israel vor Ort.

Aktuell ist eine Propaganda-Show des Vereins „Flüchtlingskinder im Libanon“ an der Münchner Montessori-Fachoberschule zu sehen. Die Ausstellung mit dem Titel „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ ist damit erstmals an einer bayerischen Schule angekommen. Zahlreiche Münchner Organisationen – von der Grünen Jugend München bis zur Israelitischen Kultusgemeinde München – haben die Montessori-Schule schon vor Beginn der Ausstellung dafür scharf kritisiert. Die Schule signalisierte jedoch wenig Verständnis für die kritische Anteilnahme und möchte die geschichtsrevisionistischen Exponate noch bis Mitte Februar im Hause behalten.

Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern, zeigt sich darüber wenig erfreut: “Vereinigungen wie ‘Flüchtlingskinder im Libanon’ und die ‘National Institution of Social Care and Vocational Training’ behindern mit ihrem fanatischen Hass, der immer wieder zu Terror führt, den Frieden im Nahen Osten.” Die Tätigkeit des Vereins Flüchtlingskinder im Libanon sei auch eine Verletzung elementarer Kinderrechte, fügt Oren Osterer, Sprecher der Europäischen Janusz Korczak Akademie, hinzu.

Mirwald’s merkwürdiges Rahmenprogramm
Es werde aber „viel Begleitprogramm“ geben, das der Einseitigkeit der Ausstellung etwas entgegenhalte, versprach hingegen Schulleiter Carl Mirwald den Münchner Zeitungen in zahlreichen Interviews. Doch von einer differenzierten Sichtweise ist an der Montessori-Schule im Münchner Norden noch heute nicht viel zu bemerken. Die riesigen Aufsteller von „Flüchtlingskinder im Libanon“ dominieren die Säle der Schule, daneben wurden weitere Propaganda-Plakate angebracht, wie beispielsweise ein Bild von Josef und Maria, die vom israelischen Schutzzaun aufgehalten werden oder die antiisraelischen Gedichte von Erich Fried. Auf einer großen Tafel wurden grüne Briefe gesammelt, deren Autorinnen und Autoren sich für die Ausstellung an der Schule aussprachen. Das antizionistische „Palästina Portal“ hatte zu dieser Briefaktion aufgerufen. Bedrohlich, rot und randständig wurden hingegen die ausstellungskritischen Briefe an der Wand platziert.

Keine Zweifel ausräumen konnte auch die am 09. Januar an der Schule anberaumte Podiumsdiskussion. Im Vorfeld ignorierte die Schule bereits mehrmals die Vorschläge der Liberalen Jüdischen Gemeinde München, von ihr vorgeschlagene Diskutanten mit auf das Podium einzuladen. „Die angeblich neutrale Diskussionsveranstaltung ist eine Farce, wenn die Vorschläge zur Besetzung des Podiums der Kritikerinnen und Kritiker einfach ignoriert werden”, kommentierte Jamila Schäfer, Sprecherin der Grünen Jugend München, das Verfahren der Schule. Am Donnerstagabend fanden sich dann neben zahlreichen Schülerinnen und Schülern das Who-Is-Who der Münchner Antizionismus-Szene sowie einige kritische Stimmen im Publikum ein. Auf der Bühne dozierte zuerst Judith Bernstein von der sogenannten „Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe“, als zweites ihre belesene Hälfte, Reiner Bernstein. Die Veranstaltung stellte somit weder einen Bruch noch eine kritische Ergänzung der Ausstellung dar, sondern vielmehr verteidigte das Podium den Great Nakba-Swindle. Zumindest aber gab selbst Reiner Bernstein an diesem Abend zu, dass einige Aussagen der Ausstellung zu korrigieren seien.

Torsten Weber von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft München erhebt indes schwere Vorwürfe gegen Stadt und Land: “Es ist für die Stadt München und für den Freistaat Bayern mehr als beschämend, dass ein derartiger Verein seine anti-israelische Propaganda in einem schulischen Zusammenhang ausbreiten kann.“ Weber appelliert an die Verantwortlichen, diese Form der „politischen Hetze“ zu stoppen. Die Linksjugend fordert ebenfalls, die Ausstellung „sofort zu beenden und eine wirklich differenzierte Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nahen Ostens einzuleiten“, so Felix Siegel, Sprecher der Linksjugend München.

Seifenoper der Wespenopfer
Die Schulleitung will immer noch nicht einsehen, dass es – wenn schon keine Boshaftigkeit – doch wenigstens ein Fehler war, sich eine Fundraising-Organisation für Märtyrer ins Haus zu holen. Die Geschichtslehrerin beteuert hingegen, die Ausstellung sei nicht als öffentliche Veranstaltung geplant gewesen, als ob heimliche Propaganda an Schulen besser sei als öffentliche. Schulleiter Mirwald äußerte im Rahmen der Podiumsdiskussion, man habe sich „mehr oder weniger aus Versehen in eine Wespennest“ gesetzt. Dass Mirwald in diesem Zusammenhang nicht zu den Opfern gehören, sondern in der Tradition der Täter stehen könnte, weil er eine ohne Frage antijüdische Ausstellung an seine Schule geholt hat, fällt dem Schulleiter nicht ein. Eltern sollten sich ernsthaft überlegen, ob ihr Nachwuchs auf dieser Schule gut aufgehoben sein kann.