Forgotten Tomb: Rechtsradikale Blackmetalband soll im Backstage aufspielen

Die rechtsradikale Blackmetalband „Forgotten Tomb“ soll im Backstage auftreten – am 20. April, wenn Neonazis in ganz Deutschland das 125-jährige Jubiläum des „Führergeburtstags“ feiern. Das passt zusammen.


Backstage-Chef Stocker inszeniert sich gerne als großer Nazi-Jäger – doch selbst im eignen Laden geht es nicht immer koscher zu

Am Ostersonntag 2014 wird laut Plan im Backstage das „Dark Easter Metal Meeting“ stattfinden, mit zahlreichen Metalbands aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Frappant: Angekündigt ist unter anderem auch die 1999 gegründete Blackmetalband „Forgotten Tomb“, die damit das erste Mal in der bayerischen Landeshauptstadt anklingen würde. Die italienische Formation wird von Beobachtern der „National Sozialist Blackmetal“-Szene (NSBM) zum rechtsradikalen Spektrum gezählt.

Das erste „Forgotten Tomb“-Album produzierte der Bandleader „Morbid“ im Jahr 2000 mit seinem Label „Treblinka Productions“, eine Anspielung auf das Vernichtungslager Treblinka. Den Namen seines Labels begründete „Morbid“ im Jahr 2004 auf der Online-Seite von „Forgotten Tomb“ auch unmissverständlich: „Ich habe begonnen, manchen Abschaum zu hassen – wie kriminelle Immigranten, drogensüchtige Fotzen, Huren, Drogenhändler, Vergewaltiger und Scheiße wie diese. Sie verdienen es wirklich nicht, zu leben. So habe ich mit Treblinka Productions begonnen, um eine intolerante Art des Denkens zu verbreiten. Ich habe Propaganda gemacht, um die Schlachtfelder wieder zu eröffnen und um diese Idioten in den Ofen zu schicken.“

„E-Gay ein verdammtes, jüdisches Geschäft”
“Morbid” legte sich für ein NSBM-Seitenprojekt mit dem ebenfalls zynischen Namen “The true Gaszimmer“ ins Zeug. Über den Online-Shop Ebay sagte „Morbid“ angeblich, dass dieses „E-Gay ein verdammtes, jüdisches Geschäft” sei. An der menschenverachtenden und antisemitischen Haltung des Bandleaders dürfte sich wenig geändert haben. 2007 sagte er in einem Interview, er habe nichts gegen NSBM, er habe nur etwas gegen „Well-Thinking-Attitude“. Noch im November 2013 wurde „Forgotten Tomb“ zum „Fireblade Force Festival“ angekündigt, das als Highlight der Nazi-Metalszene gilt – allerdings 2013 doch nicht wie geplant im brandenburgischen Barnim stattfinden konnte.

Mit „Forgotten Tomb“ leistet sich das Münchner Backstage wieder einmal eine extrem fragwürdige Band, und das am 20. April, an dem Tag, an dem Neonazis den Geburtstag Adolf Hitlers feiern. 2011 trat beispielsweise – wie auch schon 2010 und 2009 – die Band „Frei.Wild“ im Backstag auf, am sogenannten Volkstrauertag. Im selben Jahr bot das Backstage der umstrittenen Deathmetalband „Minas Morgul“ und der Paganmetalband „Varg“ eine Bühne. Diese Liste ließe sich noch um einiges verlängern. Die Band „Forgotten Tomb“ dürfte allerdings nicht einfach zu verharmlosen sein, auch wenn die Backstage-Leitung darin inzwischen viel Übung hat.

Nachtrag: Am 10. Februar wird die Band aus dem Lineup entfernt. Am 11. Februar berichtet die „Süddeutsche Zeitung“, laut Geschäftsführer Georg Stocker seien „Forgotten Tomb“ nie offiziell bestätigt gewesen. Der „Fehler“ sei beim Co-Veranstalter passiert. Nach Recherchen bei der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus habe Stocker Forgotten Tomb sofort aus dem Programm genommen. Das Backstage kündigt an, am Ostersonntag, 20. April (Hitlers Geburtstag), alle offen rechtsradikal auftretenden Konzertbesucher des Geländes zu verweisen.