Archiv für März 2014

Herzensangelegenheit: Tag des (Blut und) Bodens in München

In München soll dieses Jahr wieder der „Tag des Bodens“ begangen werden. Der Verein „Palästinensische Gemeinde München“ kündigte dazu eine „Mahnwache“ am 29. März auf dem Stachus sowie einen Begleitfilm an. Darüber hinaus hat sich angeblich ein „Palästina Koordinierungskreis“ gegründet, um die Aktivitäten in München zu bündeln.


Is­ra­el von der Land­kar­te blät­tern: Bild der Face­book-​Si­te der „Pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­mein­de Mün­chen“ (2012)

„In Gedenken an den Tag des Bodens als Symbol des Widerstands der Palästinenser gegen den Raub des Landes“ – so der aktuelle Aufruf zur diesjährigen Mahnwache am Münchner Stachus – „folgen wir dem Ruf Palästinas mit einigen Aktionen“. Unter anderem soll im Anschluss der Propaganda-Streifen „30. März“ im Begegnungszentrum Eine-Welt-Haus gezeigt werden. Der Regisseur des Films, Nidal Badarny, wird ebenfalls erwartet. Einen Tag zuvor ist Badarny, der seine Karriere als Komiker begonnen hat, voraussichtlich in Stuttgart, danach in Wien und Duisburg zu sprechen.

Gäbe es die Waren-Exporte aus jüdischen Siedlungen nicht, gehörte wohl der „Tag des Bodens“ neben dem „Tag des Zorns“, dem „Tag der Märtyrer“ und dem „Nakba Gedenktag“ zu den größten Exportschlagern des Westjordanlands. Inhaltlich ist der „Tag des Bodens“ Ausdruck eines von Blut- und Bodenmetaphern durchtriebenen und religiös aufgeladenen Volkstumskampfes. Tausende intonieren dazu am 30. März in Ramallah Parolen wie „Nieder mit Israel“ oder „Tod den Juden“ – danach ziehen die antisemitischen Massen wütend durch die Straßen.

Tränendrüse statt Dschihad
Organisiert werden die Aktionen rund um den „Tag des Bodens“ sowie des „Tag des Zorns“ und des „Nakba Gedenktages“ in München regelmäßig vom Verein „Palästinensische Gemeinde München“. Die Parolen fallen bei dessen Kundgebungen weniger deutlich aus als in Ramallah. Anstelle klingt eine Mischung aus Tränendrüsen- und Warenboykott-Attacke an; Kinder säumen dazu wohlplatziert mit Intifada-Schals und Palästinafahnen bestückt das Schauspiel.

Der Verein „Palästinensische Gemeinde München“ bietet über das Jahr ansonsten Stick-, Koch- und Gymnastikkuse exklusiv für Frauen an sowie gemischtgeschlechtliche Dabkeh-Folklore-Abende. Derzeit weitet der Verein seine politischen Aktivitäten aus. Laut dem Vereinsorgan „Monatliches Infoblatt“ ist es am 15. Februar 2014 angeblich gelungen, zusammen mit „pro-palästinensischen Organisationen und Aktivisten“ einen „Palästina-Koordinierungskreis in München und Umgebung“ zu gründen.

„Während wir den Zionisten gegenüber standen…“
Der Verein hat seinen Sitz im städtisch finanzierten Eine-Welt-Haus in der Schwanthalerstraße. Anlässlich einer Kundgebung verschiedener Verbände gegen Antizionismus 2013 rief die selbsternannte „Palästinensische Gemeinde München“ auf ihrer Facebook-Seite am 13. Mai 2013 dazu auf, vor Ort Stellung zu beziehen. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Zionisten ihr Unfug auch in München treiben“, hieß es. Im Anschluss wurde an gleicher Stelle verkündet: „Während wir den Zionisten gegenüber standen, haben wir die Zeit dazu genutzt, die anwesenden Polizeibeamten über die Thematik aufzuklären. Es ist erfreulich, wie viel Verständnis und Unterstützung für Palästina und für die Rechte des palästinensischen Volks vorhanden ist. Wir müssen bloß anklopfen.“

Die Polit-Folklore-Truppe sucht laut ihrem „Monatlichen Infoblatt“ ab September 2014 einen neuen Vereinssitz. Interessierte Vermieterinnen und Vermieter machen sich am Besten am Stachus, dem 29. März, selbst ein Bild, wer da anklopft.

Und Münchens Experten werden wieder mal nicht gefragt

Der Krieger- und Veteranenverein München-Allach war nämlich auch schon da – und erinnert gerne daran.

Kennen Sie eigentlich die berühmten Juden des FC Bayern?

Nein? Das könnte daran liegen, weil die Juden 1933 aus dem gesamten deutschen Fußball vertrieben wurden – und danach vergessen. Eine Erinnerung an jüdische Fußballpioniere des FC Bayern:

Otto Alber Beer (* 03. Juni 1891 in Graben, Kreis Karlsruhe – + 25. November 1941 im Ghetto Kaunas
Als einer der ersten Vereine in Deutschland förderte der FC Bayern München konsequent den Nachwuchs fußball. In der Saison 1927/28 gab es 535 Nachwuchsspieler in 36 Mannschaften, kein anderer Verein in Deutschland hatte eine so große Jugendabteilung. Das Konzept trug 1932 Früchte, als die Bayern zum ersten Mal Deutscher Meister wurden. Einer der entscheidenden Männer hinter diesem Erfolg war der gelernte Textilkaufmann Otto Albert Beer, seit den 1920er-Jahren stellvertretender Leiter der Nachwuchsabteilung. Nach der NS-Machtübernahme musste Beer den Klub verlassen und wirkte einige Jahre im jüdischen ITUS München. Nachdem 1938 seine Firma auf Druck der Nazis liquidiert wurde, arbeitete er als Automechaniker, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. 1941 wurden Beer, seine Frau und ihre beiden Kindern ins Ghetto Kaunas nach Litauen deportiert und dort er mordet.

Alfred Bernstein (* 26. Mai 1897 – + 17. Januar 1972)
Der Torwart Alfred Bernstein begann seine Karriere bei Wacker München, wechselte 1924 aber zum Lokalrivalen FC Bayern. Er war Stammtorwart der Bayern-Mannschaft, die 1926 und 1928 die süddeutsche Meisterschaft gewann. Als Sohn eines aus Wien stammenden jüdischen Vaters und einer evangelischen Mutter galt Bernstein den NS-Rassegesetzen zufolge als »Halbjude«. Nach der Rassenideologie der Nationalsozialisten blieb er so von Deportation und Ermordung verschont, dennoch hatte er wiederholt Probleme mit der Gestapo.

Richard (Dombi) Kohn (* 27. September 1888 Wien – + 16. Juni 1963 Rotterdam)
Richard, genannt »Little«, Dombi war einer der ungewöhnlichsten Trainer in der Geschichte des FC Bayern München. Er revolutionierte in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren das Fußballtraining, indem er die individuelle Betreuung der Spieler in den Mittelpunkt stellte; außerdem war er noch Manager und Physiotherapeut des Teams. In einer Chronik des FC Bayern heißt es: »Wohl kein Trainer war mit seiner gesamten Zeit so für den Club tätig, als es Dombi war. Er war Trainer, Fitmaker, Masseur, Geschäftsführer und Organisator in einer Person.« Im Juni 1932 erreichte der FC Bayern mit ihm erstmals das Finale um die Deutsche Meisterschaft. Dank Dombis hervorragender Vorbereitung, der seine Elf bis zum Spieltag von der Öffentlichkeit abschirmte, gelang ein überlegener 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. Dombi wurde am 27. September 1888 in Wien als Richard Kohn geboren. Den Namen Dombi nahm er während seiner Spielerkarriere beim damals weltbekannten MTK Budapest an. Der Begriff war eine Ableitungdes ungarischen Wortes »Domb« und stand für kleine Hoheit oder Eminenz.

Zwischen 1908 und 1912 wurde Dombi sechs Mal in das österreichische Nationalteam berufen. Seine Trainerlaufbahn begann er Anfang der 1920er-Jahre in Deutschland bei Hertha BSC in Berlin. Dort legte er den Grundstein für die bis heute erfolgreichste Ära in der Vereinsgeschichte, als Herthazwischen 1926 und 1931 sechs Mal in Folge das Finale um die Deutsche Meisterschaft erreichte. Dombiwar zu diesem Zeitpunkt aber bereits weiter nach Zagreb und ein Jahr später nach Wien gezogen, bevor er in der Saison 1926/27 vom FC Barcelona abgeworben wurde. 1928 kehrte er nach Deutschland zurück und rettete die Sportfreunde Stuttgart vor dem Abstieg. Die folgenden Stationen waren der TSV 1860 München (1928/29) sowie der VfR Mannheim (1929/30).

Ab 1930 arbeitete er für den damals aufstrebenden FC Bayern, aber schon wenige Monate nach dem Gewinn der Meisterschaft war dort kein Platz mehr für ihn. Im September 1933 musste Dombi Nazideutschland verlassen. Er ging zunächst zum FC Barcelona und wenige Monate später zum FC Basel. Von 1935-1939 trainierte er Feyenoord Rotterdam und gewann mit dem Verein 1936 und 1938 die niederländische Meisterschaft. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen überlebte Dombi wahrscheinlich durch Heirat und Konvertierung zum christlichen Glauben. Nach Ende des Weltkriegs übernahm er noch zwei weitere Male das Traineramt in Rotterdam. In einer Feyenoord-Chronik heißt es: »Vom Himmel gesandt wurde uns der größte Trainer, der jemals in den Niederlanden tätig war. Er war es, der Feyenoord eigentlich erst gelehrt hat, Fußball zu spielen.« Richard Dombi verstarb nach langer Krankheit am 16. Juni 1963 in seiner neuen Heimat, den Niederlanden.

Benno Elkan (*2. Dezember 1877 Dortmund – + 10 Januar 1966 London)
Einer der Gründungsväter des FC Bayern München kam ursprünglich aus Dortmund. Der Kaufmannssohn Benno Elkan zog 1897 nach München, um an der renommierten Kunstakademie ein Studium aufzunehmen, wo in diesen Jahren auch Wassily Kandinsky und Paul Klee studierten. Im liberalen und weltoffenen Schwabing, in dem der junge Kunststudent lebte, entstand im Februar 1900 der FC Bayern. Elkan war einer von 17 Unterzeichnern der Gründungsurkunde des Klubs und dabei neben Joseph Pollack eines von mindestens zwei jüdischen Gründungsmitgliedern. Bereits 1901 verließ Elkan München wieder und setzte sein Studium in Karlsruhe fort. In den 1920er-Jahren wurde er zu einem deutschlandweit anerkannten Bildhauer, bis ihm die Nazis ein Berufsverbot auferlegten. Elkan flüchtete 1934 nach London, wo er seine künstlerische Arbeit fortsetzen konnte. Sein bekanntestes Werk ist eine große Skulptur, die 1956 vor dem Eingang des israelischen Parlamentes, der Knesset, aufgestellt wurde.

Kurt Horwitz (* 22. Dezember 1897 Neuruppin – + 14. Februar 1974 München)
Der bekannte Schauspieler war bis 1933 ein begeistertes Mitglied des FC Bayern und Spieler in der Theaterelf der Münchner Kammerspiele, die dem FC Bayern angeschlossen war. 1933 musste Horwitz aus Deutschland in die Schweiz flüchten, wo er u.a. als Direktor des Stadttheaters Basel arbeitete. Anfang der 1950er-Jahre kehrte Horwitz nach München zurück und wurde Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels und schloss sich auch wieder dem FC Bayern an.

Kálmán Konrád (*23. Mai 1896 Palánka, Serbien – + 10. Mai 1989 Stockholm)
Der Bruder von Jenö, Kálmán Konrád, zählte bis 1933 zu den bekanntesten Spieler- und Trainerpersönlichkeiten Europas. Kálmán begann seine Karriere 1914 beim MTK Budapest, bevor er 1919 gemeinsam mit seinem Bruder zu den Wiener Amateuren (heute Austria Wien) wechselte. In den 1920er-Jahren warder dribbelstarke Innenstürmer einer der bekanntesten Torjäger Europas. Legendär waren vor allem seine vier Tore beim 5:0-Derbysieg gegen Rapid Wien im Mai 1926. Die Wiener Sportpresse feierte daraufhin die »sieben Sinne und zwanzig Beine« des Wunderstürmers. Nach einem kurzzeitigem Intermezzo in der US-Profiliga bei den Brooklyn Wanderers ließ Kálmán seine Karriere 1927 beim MTK Budapest ausklingen. Von 1928 bis 1930 war er Trainer des FC Bayern München. Nach Hitlers Machtübernahme flüchtete Kálmán aus Deutschland und übernahm in den folgenden Jahren Trainerposten in der Schweiz, in Tschechien und in Rumänien. Mit Slavia Prag wurde er zweimal tschechischer Meister. 1939 flüchtete er nach Schweden, wo er den Holocaust überlebte. Als Trainer von Malmö FF feierte er 1949 und 1950 den schwedischen Meistertitel.

Berhold Koppel (* 19. Juli 1895 Beilstein/Mosel – + 1942 im Ghetto Pialski/Polen)
Der jüdische Textilunternehmer unterstützte den FC Bayern bis 1933 großzügig. Nach der NS-Macht übernahme musste er sein Unternehmen schließen und wurde 1942 mit Ehefrau und Tochter in das Ghetto Pialski in Polen deportiert, wo sie ermordet wurden.

Kurt Landauer (* 28. Juli 1884 in Planegg, + 21. Dezember 1961 in München)
»Der FC Bayern war sein Leben – nichts und niemand konnte das ändern.« Mit diesem Spruchband feierten die Fans des FC Bayern München im September 2009 ihren langjährigen Vereinspräsidenten Kurt Landauer, der mit Unterbrechungen über vier Jahrzehnte die Geschicke des FC Bayern gelenkt und ihn Anfang der 1930er-Jahre erstmals an die Spitze des deutschen Fußball geführte hatte. Landauer stammte aus einer bürgerlich assimilierten Familie, in der die jüdische Religion nur eine unter geordnete Rolle spielte. Seine Eltern Otto und Hulda betrieben ein gutgehendes Modegeschäft an der Kaufinger Straße, in einer begehrten Lage der Münchner Innenstadt. Die Landauers – Kurt hatte insgesamt fünf Geschwister – galten als Beispiel dafür, dass sich jüdische Herkunft und bayrische Lebensart im Alltaggut verbinden ließen.

Landauer schloss sich 1901, ein Jahr nach Gründung des Klubs, als damals 17-Jähriger dem FC Bayern an. Er war zunächst Spieler, übernahm im Laufe der Zeit aber immer mehr administrative Funktionen und wurde 1913 erstmals zum Präsidenten gewählt. Wenige Monate später brach der Erste Weltkrieg aus und Landauer zog wie viele zehntausend Juden für Deutschland in den Krieg. Ein militärisches Gutachten bescheinigte ihm, dass er »nach seinen bürgerlichen und sonstigen Verhältnissen« für die Beförderung zum Offizier geeignet sei. Wenige Monate nach Kriegsende übernahm Landauer 1919 ein zweites Mal die Führung des FC Bayern. Die folgenden gut zehn Jahre wurden zur ersten Blütezeit in der Geschichte des heutigen Rekordmeisters.

Laut FCB-Historiker Dietrich Schulze-Marmeling zeigte sich Landauer dabei als einer »der großen Visionäre und treibenden Kräfte im deutschen Klubfußball«. Anders als viele Klubs, die in diesen Jahren jeglichen ausländischen Einfluss und Profibestrebungen strikt ablehnten, verpflichtete Landauer international renommierte und professionell arbeitende Spitzentrainer wie William Townley oder den aus Ungarn stammenden Kálmán Konrad. Seinen größten Coup landete er jedoch 1930 mit der Verpflichtung von Richard Dombi. Drei Jahre später, am 12. Juni 1932, gewann der FC Bayern erstmals die Deutsche Meisterschaft. Der 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt wurde zum Höhepunkt in der sportlichen Karriere von Kurt Landauer: Nach ihrer Rückkehr nach München wurden die Mannschaft und er von mehreren zehntausend Anhängern in der Münchner Innenstadt begeistert gefeiert. Unter gewöhnlichen Umständen wäre dieser Sieg lediglich der Anfang einer langen Blütezeit dieses jungen und aufstrebenden Vereins gewesen. Die NS-Machtübernahme jedoch veränderte auch das Gesicht des FC Bayern radikal. Am 22. März 1933, keine acht Wochen nach der Machtübernahme Hitlers, musste Kurt Landauer seinen Rücktritt als Bayern-Präsident erklären.

Im Zuge der »Selbstgleichschaltung« wurde immerhin kein strammer NS-Parteigenosse zum Nachfolger bestimmt, sondern Landauers langjähriger Freund und Weggefährte Siggi Herrmann. Auf diese Weise konnte er noch einige Jahre aus dem Hintergrund einen gewissen Einfluss auf die Vereinspolitik nehmen. Auch abseits des Fußballplatzes spürte Landauer schon nach wenigen Monaten die Folgen der NS-Politik: Seit 1930 als Anzeigenleiter der »Münchner Neuesten Nachrichten« beschäftigt, wurde ihm am 30. April 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft fristlos gekündigt. Zu Helfern in der Not wurden die Brüder Klauber, alte Weggefährten vom FC Bayern: Sie boten ihm eine Stelle in ihrer Textilfirma an, in der er jedoch nur die Hälfte seines früheren Lohnes verdiente. Im November 1938 begann die schwerste Zeit im Leben von Landauer: Einen Tag nach den Pogromen wurde er ins KZ Dachau deportiert, wo er den Demütigungen seiner Aufseher ausgesetzt war. Als ehemaliger Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs gelang es ihm immerhin, dieser Hölle vergleichsweise schnell zu entkommen. Nach 33 Tagen wurde Landauer entlassen und floh in die Schweiz – ein alles andere als sicherer Zufluchtsort.

Da seine Aufenthaltsgenehmigung immer wieder nur für drei Monate verlängert wurde, musste der alleinlebende Landauer ständig eine Abschiebung nach Nazi-Deutschland und damit in densicheren Tod fürchten. In dieser Lage schenkte ihm der Fußball einen der wenigen schönen Momente. Als er FC Bayern im November 1943 zu einem Freundschaftsspiel in Zürich antrat, war Landauer unter den Zuschauern. Mitgereiste Gestapo-Männer überwachten die Bayern-Spieler und verboten jeglichen Kontakt mit Landauer. Dennoch lief die FCB-Elf nach Abpfiff in Richtung Tribüne und winkte demonstrativ ihrem ehemaligen Präsidenten zu. Für Kurt Landauer war dies ein wichtiges Zeichen, dass er trotz Flucht und Verfolgung in seiner Heimat noch nicht vergessen war.

1947 kehrte er nach München zurück und wurde nur wenige Wochen später als inzwischen 63-Jähriger zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. In den folgenden Jahren etablierte er den Verein in der damals erstklassigen Oberliga und verschaffte ihm gegen große Widerstände sein heutiges Vereinsgelände an der Säbener Straße. Seine letzte Amtszeit endete im April 1951. Kurt Landauer, eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte des FC Bayern, verstarb im Dezember 1961 im Alter von 77 Jahren in München.

Leopold Moskowitz (* 18. Juli 1886 – + 1962 USA)
Leopold Moskowitz war Inhaber eines Textilgeschäftes auf der Schwanthalerhöhe in München. Bis zur NS-Machtübernahme war er Mitglied und Förderer des FC Bayern. Im August 1939, wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, gelang ihm die Flucht in die USA.

Hermann Schülein (* 24. Januar 1884 München – + 15. Dezember 1970 New York)
Der Generaldirektor der Löwenbräu-Brauerei in München war bis zu seiner Flucht in die USA 1936 Mitglied des FC Bayern. Nach Kriegsende kehrte er zurück, wurde wieder Bayern-Mitglied und unterstützte den Verein 1954 auch beim Bau eines neuen Sportplatzes.

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Ermöglicht wurde die Recherche durch die DFB-Kulturstiftung, eine Anzeige des Verlags »Die Werkstatt« sowie ein Preisgeld der Stiftung »Gegen Vergessen. Für Demokratie«, von der 11 FREUNDE für »die vorbildliche redaktionelle Arbeit« in Bezug auf Vergangenheitsaufarbeitung und Engagement gegen rechte Tendenzen im Fußball ausgezeichnet worden ist.