Archiv für Oktober 2018

Parteijugend-Verbände stehen hinter Israel

Laut einer Befragung der Jugendverbände bayerischer Parteien stehen die meisten der befragten Jugendorganisationen hinter Israel – und kritisieren unter anderem die Israel-Darstellung der Süddeutschen Zeitung. Mit Ausnahme der Jungen Alternative.

Nahezu alle der befragten Jugendverbände – von Linksjugend über Grüne Jugend, Junge Union bis Bayernpartei – sind der Ansicht, dass die Süddeutsche Zeitung seit „vielen Jahren Israel-Bashing“ betreibe. Das hat eine vor der bayerischen Landtagswahl 2018 durch das „Junge Forum“ der DIG München veranlasste Befragung ergeben. Die Jugendorganisation der Grünen bemerkte darüber hinaus, dass in einzelnen Artikeln der sz auch „antisemitische Züge“ erkennbar seien.

Ebenfalls nahezu einstimmig wünschen sich die befragten Jugendverbände eine Ausweitung des Münchner Stadtratsbeschlusses gegen Israelboykott (BDS) auf ganz Bayern. Die Bayernpartei mit der Einschränkung, dass jede Kommune selbst entscheiden solle. Bis auf eine Ausnahme schätzen alle Jugendverbände den Kampf gegen Antisemitismus als „sehr wichtig“ ein, votieren für eine staatliche Unterstützung des Israeltags und für ein Eingreifen der Polizei, wenn auf Kundgebungen antisemitische Parolen gerufen werden sollten.

„Wird an bayerischen Schulen ausreichend über die Verbrechen des Holocausts informiert?“
Der Landverband der Linksjugend ist laut Befragung der Ansicht, über den Holocaust sollte in bayerischen Schulen zeitlich länger und sachlich breiter informiert werden. Außerdem sei dem „deutschen Opfermythos“ entgegenzuwirken. Die Grüne Jugend wünscht sich in diesem Zusammenhang eine stärkere Behandlung der antisemitischen Ideologie. „Viel zu spät – und langweilig aufbereitet“, empfindet das Thema „Die Partei“ an den Schulen. Auch die Bayernpartei und der Landesverband der Jungen Union teilen laut Befragung die Ansicht, der Holocaust werde an bayerischen Schulen „viel zu wenig“ behandelt. Nahezu alle Parteien wünschen sich eine Unterstützung der Ausstellung „1948“ durch die Kommunen, die über die israelische Staatsgründung informiert.

Klar auf Höcke-Kurs – die Junge Alternative in Bayern
Ein ganz anderes Bild gab die Junge Alternative laut Befragung ab. Die bayerische Jugendorganisation der AfD gab an, der Anti-BDS-Beschluss des Münchner Stadtrates sei „falsch“ gewesen; ein jahrelanges Israel-Bashing habe sie aus der Süddeutschen Zeitung nicht herauslesen können und dem Holocaust werde in der Schule „zu viel Aufmerksamkeit gewidmet“. Außerdem sei der Israeltag „Privatsache“ und solle laut Junge Alternative nicht staatlich unterstützt werden; eher unwichtig sei der Kampf gegen Antisemitismus, so die Jugendorganisation.

Mit Abwesenheit glänzen die Jungsozialisten
Als einziger größerer Parteijugendverband nahm die Jugendorganisation der SPD nicht an der Befragung des „Jungen Forums“ der DIG teil. Das passt ins Bild. Die Jungsozialisten sind auch nicht Teil des „Linken Bündnisses gegen Antisemitismus München“, dem unter anderem Linksjugend, Grüne Jugend, DGB Jugend oder die Falken München angehören. Deshalb aber auf eine antiisraelische Haltung zu schließen, wäre verfehlt. Die Teilnahmslosigkeit liegt allem voran daran, weil die Jungsozialisten in Bayern zuvörderst mit sich selbst, ihren Ritualen und ihrer Partei beschäftigt sind und deshalb allerhand Debatten an ihnen vorbeigehen.

Bewertung von Junge Alternative und Linksjugend
Bemerkenswert ist die klar proisraelische Haltung der Linksjugend in Bayern, was für etliche, aber lange nicht für alle Landesverbände der Linksjugend selbstverständlich ist. Beispielsweise pflegen die Landesverbände NRW oder Hamburg ein dezidiert antizionistisches Profil. Außerdem geht die bayerische Jugendorganisation mit ihrem Wunsch nach Ausweitung des Anti-BDS-Beschlusses auf Distanz zu ihrer Mutterpartei in München, die den Beschluss des Stadtrates bis zuletzt bekämpft hat (verlinkte Stellungnahme als Screenshot, weil von Homepage entfernt).

Ebenfalls konträr zu Teilen der Mutterpartei verhält sich die Junge Alternative. Während der AfD-Fraktionsvorsitzende, Alexander Gauland, proisraelische Sonntagsreden im Bundestag platzieren vermag, erinnert sich die bayerische Jugendorganisation in Bayern noch daran, wer den brüchigen Weltfrieden gefährdet.

Der lange Arm der Mullahs: Prozess gegen Kazem Moussavi in München

Am Dienstag beginnt die öffentliche Hauptverhandlung gegen den irankritischen Blogger und Sprecher der Green Party of Iran, Kazem Moussavi, in München. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, er verbreite auf seinem Blog „Iran Appeasement Monitor“, „Hass auf alles, was im Iran aktiv ist“. Ferner habe Moussavi das Ziel, „die iranische Regierung zu stürzen“, heißt es in der Anklageschrift. Dazu führe der israelsolidarische Blogger eine „Kampagne mittels Blogeinträgen durch, um sich anbahnende Entspannungen der Beziehungen zum Iran zu verhindern“.

Die Klage führt Dawood Nazirizadeh, Vorstandsmitglied der Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS), der sich von Moussavi nicht als regimetreuer Wirtschaftslobbyist dargestellt sehen möchte – und deshalb wegen angeblicher Verleumdung klagt. Als Anwalt hat Nazirizadeh ausgerechnet Michael Hubertus von Sprenger engagiert. Von Sprenger vertrat bereits den türkischen Präsidenten Erdogan gegen Jan Böhmermann, Jürgen Elsässer gegen Jutta Ditfurth, Milli Görus und den Holocaustleugner David Irving.

Dawood Nazirizadeh mit Hamidreza Torabi (IZH/IAD), Ali Majedi (Mullah-Botschafter in Berlin) und Abdolhassan Nawab (Mitglied des Expertenrates der IRI und Qomer URD-Chef), 2017 im Auswärtigen Amt

Kazem Moussavi wird hingegen von Norman Nathan Gelbart verteidigt, der unter anderem die Präsidentin der IKG Oberbayern und München, Charlotte Knobloch, gegen Abi Melzer erfolgreich vertrat. Der „Aufruf zur Solidarität mit Kazem Moussavi“ wird durch zahlreiche Prominente unterstützt, darunter Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jungsozialisten, Seyran Ateş, Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee sowie der Vorsitzenden der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane.

Das Münchner Gericht dürfte deshalb ein beliebter Ort für solche und ähnliche Klagen sein, da viele der letzten Urteile den Verdacht nährten, dass in München die Meinungsfreiheit tiefer und die Ehrverletzung höher hängt als anderswo. Die bayerische Wirtschaft befindet sich auf Betreiben der Politik wieder im engen Austausch mit iranischen Staatsbetrieben. Ein denkbar ungünstiges Pflaster für die Meinungsfreiheit.

Die Hauptverhandlung findet am Dienstag, den 9.10.2018 um 09:30 Uhr im Landgericht München im Sitzungszimmer 223, 2.Stock, Prielmayerstr. 7, statt.