Archiv für Juni 2019

Liebessause in der Vernichtungspause: tz ziert Zeitungskästen mit nettem Wehrmachtsonkel

Wie unverkrampft man in Münchner Schreibstuben inzwischen mit dem deutschen Vernichtungskrieg zwischen 1941 bis 1945 umgeht, konnten sich die Münchnerinnen und Münchner letzten Montag an jedem Zeitungskasten der Münchner tz ansehen.

Neben dem netten alten Ehepaar Kießling, das seinen 75. Hochzeitstag feierte, platzierte die Zeitung das historische Hochzeitsfoto der Kießlings. Darauf erscheint Walter Kießling allerdings nicht annähernd nett, sondern in Wehrmachtsuniform mit allerhand Orden.

Es sind neben Verwundetenabzeichen das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse zu sehen, sowie die Auszeichnung „Winterschlacht im Osten“ (Gefrierfleisch-Orden), die damals als „Würdigung des heldenhaften Einsatzes gegen den bolschewistischen Feind während des Winters 1941/42“ vergeben wurde. Dazu das obligatorische Hakenkreuz. Die 79. auf den Schulterklappen ist ein Hinweis auf die Regiments-Zugehörigkeit, womöglich das Gebirgs-Artillerie-Regiment 79, das ist aber nicht gesichert.

Fest steht jedenfalls, dass sich Kießling in einem brutalen Vernichtungskrieg der deutschen Wehrmacht hochverdient gemacht hat. Während die Wehrmacht quer durch Osteuropa den Weg freimordete und die Dörfer niederbrannte, zog die SS die Konzentrationslager in ihrem Windschatten hoch.

Herzig mit Hakenkreuz
Im Artikel in der tz wird sein Dienst am Mordwerkzeug im Sinne des Nationalsozialismus mit einer Liebesgeschichte verrührt. Nach seiner ersten verletzungsbedingten Auszeit im Lazarett habe er die „hübsche Dunkelhaarige“ dann „auf einem Tanzvergnügen für die Verwundeten“ kennengelernt. „Kaum war ich draußen, hat’s mich wieder erwischt“, zitiert ihn die tz. Aus Russland habe er „seiner Inge Liebesbriefe“ geschrieben.

Im April 1945 sei Kießling an der Donau ein drittes Mal verwundet worden. „Doch alle Wunden – Granatsplitter in Handgelenk und Becken, Durchschüsse durch Hand, Bein und Zehe – verheilen.“ Mehr fällt dem/der Verfassenden des Artikels nicht dazu ein. Kein Wort über Verbrechen der Wehrmacht. Kein Wort über das Leid, das diese Leute über Millionen Menschen in Osteuropa gebracht haben.

Alles was von der Barbarei geblieben ist, ist die Liebe, so scheint es – und ein schickes Hochzeitsfoto mit Hakenkreuz und Hitlers Ehren-Klimbim, das für die tz gut geeignet zu sein scheint, die Stadt damit zuzukleistern.

Vermutlich war Kießling zur Gründungsfeier der Weißen Rose 1942 beruflich gerade verhindert und konnte nicht kommen