Archiv der Kategorie 'Feiertage'

Thank you again!

Heute vor genau 70 Jahren befreite die Dritte Infanterie-Division der US-​Ar­mee, an­ge­führt von Co­lo­nel Felix Sparks, die Über­le­ben­den aus dem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau. Ihm und sei­nen Leu­ten gilt unser be­son­de­rer Dank. Ein Beispiel ist Henry Landman. Er wurde 1938 selbst in Lederhose in das KZ-Dachau eingeliefert und kehrte nach seiner Flucht 1945 mit der Dritten Infanterie-Division nach Bayern zurück: in US-Uniform und mit Maschinengewehr.

Tag des Einmarsches in Augsburg: Landman macht ein Foto vor dem Eingang seiner früheren Wohnung mit einem Soldatenkollegen

In Lodentracht kamen nachts die Täter, die Henry Landman während der Novemberpogrome 1938 von zuhause abholten. Selbst noch in Lederhosen steckend, wurde der Augsburger in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Nach einigen Wochen der Angst entließen sie Landman wieder aus dem KZ, was der prominenten Stelle seines Vaters in der „Privaten Tennisgesellschaft Augsburg“ geschuldet war. Zum Glück konnte daraufhin ein Teil der Familie – so auch Henry – in die USA fliehen.

Am 27. Januar 1942 trat Landman in die Dritte US-Infanterie-Division ein und war nach seinem Marsch quer durch Europa der erste Augsburger, der seine frühere Heimatstadt am 28. April 1945 als Befreier wiederbetrat. Zwar konnte sich Landman nicht überwinden, das KZ-Dachau noch einmal zu betreten. Aber er erkannte auf der Dachauer Hauptstraße einen ehemaligen Funktionär des Konzentrationslagers und nahm ihn persönlich fest.

17 Angehörige der Familie Landman wurden Opfer der antisemitischen Vernichtung. Die Dritte Infanterie-Division kämpfte sich bis zum Konzentrationslager Dachau durch und befreite die überlebenen Insassen – vor genau 70 Jahren. Thank you!

Landman (zweiter von rechts) trifft auf die „Palästinensischen Brigaden“ in Italien.

Mehr über Landman

Israelfahne in KZ-Gedenkstätte Dachau unerwünscht

Mitglieder eines zionistischen Jugendverbands wollten zum Chanukka-Fest Gedenkkerzen im ehemaligen Konzentrationslager Dachau anzünden. Doch eine musste draußen bleiben: die Israelfahne. Dafür sorgt eine neue Verordnung.

US-Fahne: 1945 von Insassen noch gerne gesehen – seit 2014 im KZ-Dachau ebenfalls verboten.

In der KZ-Gedenkstätte Dachau wimmelt es zeitweise von Nationalfahnen. Bei jeder größeren Kranzniederlegung sind Deutschlandfahnen am Start. Die Stadt München wirbt auf ihrer Website für einen Besuch in der Gedenkstätte Dachau mit einem ganzen Fahnenfächer. Längst sind die ehemaligen Konzentrationslager zu Erweckungs-Promenaden des Vergangenheitsbewältigungs-Weltmeisters geworden. Aber die Israelfahne soll dort nichts mehr verloren haben. So hieß es gegenüber einem zionistischen Jugendverband, der im Rahmen der jüdischen Chanukka-Feierlichkeiten in Dachau 2014 Gedenkkerzen anzünden wollte.

„Den Opfern eine Ehre erweisen“
Fahnen könnten die Gefühle anderer Besucher verletzen, erklärte das Personal angeblich den Verbandsvertretern. Auch eine längere Debatte habe nichts geholfen, beklagt das Verbandsmitglied Ruben Pflug*. „Die Person mit Israelfahne ist dem Gelände dann aus Protest ferngeblieben“, sagt er. Dabei handelt sich um den 25-jährigen Alexey Weissman*. Seit Jahren kommt er nach Dachau, um zu gedenken – seit Jahren trägt er dabei die Israelfahne. „Die Israelfahne ist weit mehr als nur ein Staatssymbol. Sie bringt auf den Punkt, dass unsere jüdische Identität die nazionalsozialistische Verfolgung und Vernichtung überlebt hat“, erklärt der langjährige Jugendleiter der zionistischen Organisation gegenüber Schlamassel Muc. „Ich möchte damit den Opfern eine Ehre erweisen, die aus dieser Hölle auf Erden nicht entkommen konnten.“ Der jüdische Staat sei mitunter auf der Grundlage der schrecklichen Begebenheiten der NS-Zeit errichtet worden, sagt er. „Es ist unfassbar, dass diese Fahne im ehemaligen KZ-Dachau jetzt verboten ist. Ich möchte mich in Deutschland nie wieder für meine Fahne entschuldigen oder schämen. “

Fahnenverbot sofort aufheben
Seit etwa September 2014 ist offenbar eine neue Verordnung in Kraft, die das Mitführen von Fahnen in der KZ-Gedenkstätte für Besucherinnen und Besucher nicht gestattet. „Das Verbot steht auf den selben Merkblättern wie das Verbot von Hunden und Tieren in der Gedenkstätte. So fühlte ich mich auch. Wie ein Hund, der leider draußen bleiben muss“, sagt Weissman. Er fordert eine sofortige Aufhebung des Verbots der Israelfahne. „Die Gedenkstättenleitung sollte sich zumindest einer Debatte darüber stellen.“

Bei den Gedenkfeierlichkeiten am 30. April 2015 zur 70-jährigen Befreiung des KZ-Dachau durch die US-Armee werden mit Sicherheit wieder zahlreiche Fahnen zu sehen sein. Die Gedenkstättenleitung hebt das Verbot häufig temporär auf. Sich beim Besuch eines zionistischen Jugendverbands nicht spontan verständnisvoll zu zeigen, ist borniertem Bürokratismus und der traurigen Absenz von Mündigkeit geschuldet. Wird das Erinnerungspersonal der KZ-Gedenkstätte in Zukunft mit der US-Fahne ebenso verfahren? Die Fahne der Befreier – die 1945 über dem Lager wehte – ausgesperrt? Da möchte man es fast auf einen Versuch ankommen lassen. Das Verbot muss insbesondere hinsichtlich der Israelfahne sowie der Fahnen der Befreier dringend überdacht werden.

*Name von der Redaktion geändert.

Nachtrag:
Laut Aussagen der Pressestelle heute sollte es für Besucher in Zukunft kein Problem mehr sein, eine Israelfahne mitzuführen. Die Regelung werde inzwischen anders praktiziert, heißt es. Laut der Besucherordnung auf der Website ist das Mitführen von Fahnen allerdings bislang noch generell untersagt. Nach wie vor wird es leider kritisch gesehen, wenn eine zionistische Gruppierung auf dem ehemaligen KZ-Gelände unangemeldet gedenken möchte.

Am 9. November gibt es nix zu feiern

Die Politikerinnen und Politiker der Bonner Republik wussten noch, wann man einen Gedenktag für die deutsche „Wiedervereinigung“ nicht ansetzen sollte. Am 9. November nämlich. Mit diesen oder ählichen Sensibilitäten ist es jetzt vorbei.


Zerstörte Synagoge „Ohel Jakob“ nach dem Novemberpogrom in München (Yad Vashem Fotoarchiv 4613/679)

Am 9. November 1923 marschierte Hitler mit seinen Mannen auf die Feldherrenhalle. Infolge war der 9. November ein hoher Feiertag der Nationalsozialisten, den sie alljährlich mit den „alten Kämpfern“ vor der Münchner Feldherrenhalle begingen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erklärten die Nationalsozialisten Jüdinnen und Juden zu Freiwild. Tausende wurden in diesen Novembertagen aus ihren Wohnungen und Geschäften gezerrt, gefoltert, erschossen oder ins Konzentrationslager verfrachtet. Die Synagogen und Betstuben brannten. In München organisierte die Polizei den ordentlichen Ablauf des Pogroms.

Ein Restbestand dessen, was man Geschichtsbewusstseins nennen möchte, war einer der entscheidenden Gründe, weshalb die Regierenden der Bonner Republik den Feiertag zur sogenannten „Wiedervereinigung“ nicht auf den 9. November – den Tag des sogenannten „Mauerfalls“ – sondern auf den 3. Oktober, den Tag der formalen Einheit legten. Mit jener ohnehin brüchigen Sensibilität ist es jetzt offenbar ganz vorbei. Seit Tagen drängen zahlreiche Sendeformate auf die Wahrnehmung des inoffiziellen Tages der „Deutschen Einheit“. Mit dem Film „Das Leben der Anderen“ (Di. ARD) schießt die ARD beispielsweise die Deutschen auf den Feiertag ein. Die von Gewerkschaften, christlichen und jüdischen Gruppen organisierten Veranstaltungen in Gedenken an die Novemberpogrome mutieren immer mehr zu Randerscheinungen.

Berlin feiert am 9. Novermber mit 8000 „Ballonpaten“, die 8000 Luftballons für die „Wiedervereinigung“ steigen lassen werden, anstatt der Opfer der Novemberpogrome zu gedenken. Dazu liefert die Begleitmusik der Dirigenten Barenboim, der sich ansonsten für kein antiisraelisches Wort zu schade ist und sich dem Ziel verschrieben hat, ausgerechnet die Musik des Antisemiten Wagners nach Israel zu bringen.

„Wenn die nationale Borniertheit überall widerlich ist, so wird sie namentlich in Deutschland ekelhaft“, hat Karl Marx schon etwa hundert Jahre vor Auschwitz festgestellt. Und noch keine 100 Jahre nach Auschwitz ist es immer noch namentlich ekelhaft, wie der deutsche Patriotismus über seine Leichen geht. Am 9. November gibt es nichts zu feiern! Der 9. November 1938 markierte den Übergang von leidlich verdeckter Verfolgung und Diskriminierung von Jüdinnen und Juden zu öffentlichem Pogrom und systematischer Vernichtung. Sonst nix.

Jahrestag der Befreiung: Bayernfans erinnern an Richard Kohn

Am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erinnerten Fans des FC Bayern auf der ehemaligen Adolf-Hitler-Kampfbahn in Stuttgart mit einer gelungenen Choreographie an den jüdischen Trainer Richard „Dombi“ Kohn. Dieser holte 1932 den ersten Titel des FC Bayern.


Mehr über Richard Kohn | Ausführlicher Lebenslauf über die Zeit beim FC Bayern

Siehe auch: Andreas Wittner: „Richard Little Dombi – Kleine Eminenz, vom Himmel gesandt“. In: Schulze-Marmeling, Dietrich (Hrsg.): „Strategen des Spiels – Die legendären Fußballtrainer“, Die Werkstatt, Göttingen 2005

Die Aktion in bewegten Bildern

Thank you!

Am 29. April 1945 befreite die US-Armee, angeführt von Colonel Felix Sparks, die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Dachau. Am nächsten Tag marschierte die US-Armee in München ein.


Dachau, 29. April 1945

Wir weinten vor Freude, …

Horrorshow im Hofgarten

Ein Aufmarsch der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ und der „Burschenschaft Danubia“ – Seit‘ an Seit‘ mit Polizei und Bundeswehr. Und mittendrin der bayerische Innenminister. Ein gruseliger Bericht der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München:


Burschenschafter vom“Kameradenkreis“ und Bundeswehr: Bildquelle, a.i.d.a. archiv

Bei einer vom „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ mitinitiierten Veranstaltung zum Volkstrauertag kam es am Sonntag den 13. November im Hofgarten an der Staatskanzlei zu einer bemerkenswerten Allianz: Bundespolizeidirektion und Bundeswehr gestalteten den Trauerzug und die Kranzniederlegung gemeinsam mit ultrarechten Gruppen wie der „Burschenschaft Danubia“ oder der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ (OdR). In den Stunden vor der Gedenkfeier war der Ablauf von den Staatsorganen gemeinsam mit den Aktivisten der rechten Gruppen besprochen und eingeübt worden. Ultrarechte hatten zudem im Vorfeld Eintrittskarten für die Veranstaltung ausgehändigt bekommen. Im Publikum befand sich auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann.

Die „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ besteht unter diesem Namen seit 1955. Der Name bezieht sich auf die nationalsozialistische Tapferkeitsauszeichnung: Infolge des Polenfeldzugs verlieh Adolf Hitler persönlich über 7000 „Ritterkreuz“-Auszeichnungen zum „Eisernen Kreuz“. 438 dieser militärischen Orden erhielten Mitglieder der SS und Waffen-SS. Konnten zunächst nur Träger eines „Ritterkreuzes“ oder des sogenannten „Militärverdienstkreuzes“ Mitglied der OdR werden, nimmt die Organisation heute auch Sympathisierende auf. Die militaristische „Ordensgemeinschaft“ spricht das nationalsozialistische Deutschland von der Schuld am Zweiten Weltkrieg frei. Im Juni 1993 hieß es in der organisationsinternen Zeitschrift „Ritterkreuz“: „Das Beharren bundesdeutscher Lehrstuhlinhaber und verbeamteter Historiker auf der Legende am deutschen Überfall auf die Sowjetunion weitet sich zum peinlichsten Desaster der Nachkriegsgeschichte aus.“ Auf ihrer Jubiläumsveranstaltung im Jahr 2004 traten Reinhard Günzel, Dauerreferent der rechten Szene, sowie der Geschichtsrevisionist Gerd Schultze-Rhonhof auf, der in seinem Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“ ebenfalls die deutsche Kriegsschuld relativiert.

Schwarz-weiß-rot
1999 erließ Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping ein Kontaktverbot für Bundeswehrangehörige gegenüber der OdR. Für Beerdigungen und Kranzniederlegungen werden heute teilweise wieder Ausnahmeregelungen getroffen, z. B. dergestalt, dass Kränze der OdR von Bundeswehrangehörigen statt von den OdR-Delegierten niedergelegt werden. Im Hofgarten trugen Bundeswehrsoldaten den Kranz der OdR, der mit einer Kranzschlaufe (Aufschrift: „Traditionsgemeinschaft des Eisernen Kreuzes – Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“) in schwarz-weiß-rot, den Farben von Kaiserreich und Nationalsozialismus sowie einem „Eisernen Kreuz“ dekoriert war. Nur einen Meter dahinter folgten die beiden Delegierten der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ mit ihrem Kranz. Aber die OdR war nicht die einzige ultrarechte Organisation, die unter den Augen von Innenminister Herrmann am Sonntag Vormittag im Hofgarten vertreten war. Im offiziellen Trauerzug der Veranstaltenden und unter den in Formation Angetretenen befanden sich auch Mitglieder des „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ sowie Vertreter Münchner Burschenschaften, darunter „Chargen“ (in Phantasieuniformen gekleidete Funktionäre) der bis ins neonazistische Spektrum hinein verwobenen „Burschenschaft Danubia“. Die Münchner Burschenschaft „Cimbria“ hatte die Volkstrauertagsveranstaltung gar unter der aus dem Nationalsozialismus stammenden Bezeichnung „Heldengedenken“ in ihrem Semesterprogramm eingetragen.

„Kameradenkreis“
Beim „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ handelt es sich um eine Organisation, in der sich sowohl ehemalige Mitglieder von Gebirgsjägereinheiten der NS-Wehrmacht und der Waffen-SS als auch ehemalige und aktive Mitglieder der Bundeswehrgebirgstruppe organisieren. Ehrenpräsident der Vereinigung war der in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen verurteilte General a. D. Hubert Lanz. Die „Danubia“ gehört zu den am weitesten rechtsaußen angesiedelten studentischen „Burschenschaften“ überhaupt. Das Haus der „Danubia“ in der Möhlstraße im Münchner Stadtteil Bogenhausen wird auch von Mitgliedern der neonazistischen „Kameradschaft München“ besucht.

(Quelle: a.i.d.a Archiv, leicht veränderte und gekürzte Fassung)

Auf ein Neues!

Wir wünschen einen fröhlichen Einstieg ins Jahr 5772

Weniger erfreulich: Diese bierseligen Oktoberfesttage fand ein politisch motivierter Angriff auf die San Francisco Coffee Company statt. Der Laden sollte als „Symbol dieser Gesellschaft“ herhalten, berichtet luzi-m.