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Hoch die Tassen!

Am 29. April 1945 befreite die US-Armee, angeführt von Colonel Felix Sparks, die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Dachau. Am 30. April wurde München eingenommen, das nicht nur als „Hauptstadt der Bewegung“ sondern auch als Vorposten der sagenumwobenen deutschen „Alpenfestung“ galt. Zeitgleich erschien im NS-Druckwerk in der Schellingstraße 50 der „Völkische Beobachter“ ein letztes Mal, doch konnte nicht mehr ausgeliefert werden.

Wie sich nach der Befreiung der Überlebenden aus den Konzentrationslagern – durch eine kriegerische Intervention wohlgemerkt – die Parole „Nie wieder Krieg!“ halten konnte, bleibt bis heute ein gut gehütetes Geheimnis der Friedensbewegung. Eine naheliegende Parole wäre gewesen: „Krieg den antisemitischen Regimen! Nie wieder bedingungslose nationale Souveränität!“. Diese Platitude ist auch nicht belastbar, aber nimmt die Ereignisse der Zeit wenigstens ernst. Viele Bayern vergaßen nicht, es den US-Militärs auf ihre Art zu danken.

Die Mehrzahl der bayerischen Bevölkerung behandelte Frauen, die sich mit Amerikanern abgaben, durchweg mit Verachtung, ganz besonders, wenn sie sich mit farbigen Soldaten einließen. […] Bei den Militärbehörden gingen reihenweise Beschwerden über den Verfall der Sitten ein und Briefe voller Haß, für die die Amerikaner die Bezeichnung „hate-sheets“ einführten. Oft wurde sogar mit Selbstjustiz gedroht, also den „Amiflitscherln“ die Haare abzuschneiden oder ihnen noch Schlimmeres anzutun. (Froyleins, Amiflitscherln, Schokoladenhuren. Trümmerfrauen und Besatzer, Bayerischer Rundfunk, „Bayern – Land und Leute“, 12.5.1996 )

Dem entgegen und zur Feier des Tages möchten wir heute gerne anstoßen. Hoch die Tassen!