Tag-Archiv für 'christentum'

Zu Gast beim Ökumenischen Antisemitenbund

Wem das „Heilige Land“ gehöre, debattierte ein wohl sortierter Kreis am 26. September im Pfarrzentrum Sankt Josef in München. Auf der Veranstaltung hätte der antisemitische Hofprediger Adolf Stoecker (1835-1909) noch einiges lernen können.

Geradezu in Rage redete sich Hans-Jörg Schmid (ganz rechts im Bild) an diesem Abend, Pfarrer im Ruhestand aus dem fränkischen Neustadt an der Aisch. Das Ausschussmitglied des „Ökumenischen Netzes Bayern“ stammelte bei der Podiumsdiskussion „Dem Zusammenleben Zukunft geben – wem gehört das heilige Land?“ vor den etwa 50 ergrauten Gästen erregt:

„Ich frage die Juden, nehmen sie eigentlich die Propheten aus der Bibel heraus, die zehn Gebote und all das, wo drin steht, ihr seid ein Volk, das von Gott befreit wurde? Ihr wart mal klein und unterdrückt. Und in euren Geboten steht doch drin, deshalb werdet ihr andere Fremde, Flüchtlinge, Witwen und Weisen behüten und schonen. Gilt das für euch heute nicht mehr? […] Wie kann ein Volk, das selbst sich stolz auf einen Gott beruft, der es aus den Händen von mächtigen Sklavenhaltern befreit hat, wie können die andere versklaven? Da muss ich den Propheten Amos zitieren und sagen: Tut weg von mir das Geplärr eurer Lieder, das Recht fließe unter euch wie ein nie versiegender Bach. Dann habt ihr einen richtigen Gottesdienst gefeiert.“

„Das ist Antisemitismus!“, wirft eine der beiden Stimmen aus dem Publikum ein, die Antisemitismus erkennen können. Das Auditorium lacht und raunt daraufhin. Einer ruft zu den Kritikerinnen herüber: „Das war die hebräische Bibel! Kennen sie ihre Bibel nicht!?“ „Es liegt an ihnen, wenn sie keine Kritik vertragen“, spottet eine Sitznachbarin.

Der antijudaistischen Tiraden im Stoecker-Format setzt auf dem Podium niemand etwas entgegen. Da sitzen nämlich neben Schmid auf Einladung des katholischen Pax Christi und des antizionistischen Vereins „Salam Shalom“ noch Martin Pilgram (Pax Christi München), Mohamed Abu El-Qomsam (Zentralrat der Muslime), Clemens Ronnefeldt (Versöhnungsbund) und Norman Paech (Die Linke) – allesamt unverdächtig, ein Wort gegen Antisemitismus zu reden.

Immer Ärger mit den Juden
Hans-Jörg Schmid durfte sich bereits am früheren Abend ungebremst über Jüdinnen und Juden ausschütten. Im Jüdischen Museum zu Wien habe er beispielsweise kürzlich einen Juden getroffen, berichtet er. Dieser habe ihm gesagt: „Die Menschenrechte existieren nur auf dem Papier, das kann man zerreißen.“ Auch im neu gegründeten „Palästina Gesprächskreis“ in Neustadt an der Aisch hätten sie nun „einen Juden dabei“. Einen Antisemiten habe der ihn aber genannt. „Ich bin das sicherlich nicht, ich habe mit 16 schon ein Konzentrationslager besucht“, erklärt sich Schmid.

Ein Konzept für eine friedliche Lösung im Nahen Osten präsentierte Schmid ebenfalls: Man solle wieder einen Staat Kanaan gründen, in dem Jüdinnen und Juden keine große Rolle spielen. Denn: „Die jüdische Geschichte ist – wenn man es mal weit sieht – eine relativ kurze. Lange vorher waren schon ganz andere Völker in Palästina und haben da gelebt. 2500 vor Christi schon“, gab Schmid zu bedenken. Zu diesem Zustand solle man wieder zurückfinden. „Die israelische Geschichte war nur eine Episode, eine relativ kurze sogar.“

Für den erklärten Nicht-Antisemiten Schmid ist die „Episode“ Israel offenbar schon so gut wie beendet. Für Norman Paech (Die Linke) ist der jüdische Staat noch existent – und genau das ist sein Problem: „Der Anspruch Israels aus der Religion heraus auf das eigene Land wird von niemanden akzeptiert, noch nicht einmal von allen, die der Religion angehören.“ Ein Israel als Heimstätte für alle, die aus antisemitischen Gründen verfolgt werden (könnten), ist mit Paech auch an diesem Abend eben nicht zu machen.

Die Deutschen und ihr israelischer Bengel
Clemens Ronnefeldt vom Versöhnungsbund hat ein Gleichnis aus Israel mitgebracht: Israel verhalte sich zuweilen wie „ein pubertierender Jugendlicher, dem niemand von außen eine Grenze setzt, weil er eine schwere Kindheit hatte“, zitiert Ronnefeldt nach allen Regeln der Küchenpsychologie. Jetzt müsse endlich ein „neues Element von außen“ kommen, so Ronnefeldt. Und das den Juden nicht ganz so neue Element – die Deutschen im Publikum – fühlte sich sogleich aufgerufen:

„Was können wir hier machen als Deutsche?“, frag einer hintersinnig aus dem Publikum. Sobald man sich „kritisch äußert“, werde nämlich sofort der Antisemitismus-Vorwurf erhoben. „Wir haben alle furchtbare Angst. Wir sagen lieber, wir schweigen“, sagt er und schwieg nicht. Und somit kommt die Israel-Boykott-Veranstaltung (BDS) mit Heiligenschein schlussendlich zum Punkt: „Wäre es nicht an der Zeit für einen Gesamt-Boykott aller israelischer Produkte“, fragt ein anderer Publikumsteilnehmer, „ohne Angst vor der Antisemitismus-Keule zu haben?“

Lügen Pax Christis
„Das ist eine BDS-Veranstaltung unter dem Deckmantel der Kirche!“, bemerkt eine der beiden Kritikerinnen im Saal scharfsinnig und laut. Martin Pilgram von Pax Christi München verbittet sich daraufhin, Pax Christi in „irgendeine Ecke“ zu stellen: „Wir sind nicht für einen Boykott“, betont er. „Aber wir sind dafür, dass wir klar definieren, welche Waren in Deutschland aus besetzten Gebieten kommen, wir darüber informieren und diese selbst nicht kaufen.“

Tatsächlich ist die Pax Christi-Kampagne „Besatzung schmeckt bitter“ faktisch ein wesentlicher Arm der BDS-Bewegung in Deutschland. Das Motto des Abends war kein anderes als Boykott, wie selbst die „Münchner Kirchennachrichten“ in ihrem Schlusssatz bemerkten:

„Für die rund 50 Gäste sowie die Veranstalter stand am Ende des Studientages aber fest, dass auch die übrige Welt einen Beitrag für den Frieden im Heiligen Land leisten müsse: Jeder einzelne könne heute schon Gemüse und Obst im Supermarkt liegen lassen, die Israel auf den besetzten Palästinenser-Gebieten anbaut und exportiert.“

Ausliegend am Abend: Propaganda-Material „Besatzung schmeckt bitter“ von Pax Christi

Christlich motivierter Antijudaismus, Antisemitismus und Antizionismus sind nach wie vor stark unterschätzte Probleme. Vor dem Hintergrund der deutschen Schuldabwehr und der „Wiedergutwerdung der Deutschen“ (Geisel) verschmilzt das Ganze zu einem unerträglichen Gebräu. Die Welt wäre um einiges bekömmlicher, würde es wenigstens stimmen, wenn diese Leute sagen: „Wir schweigen lieber.“ Sie schweigen aber nicht. Annähernd jede Woche findet in München eine Veranstaltung statt, wo sich diese und ähnliche Ekel über Israel, Jüdinnen und Juden auslassen können.

Christliche Judenliebe

Bei der Debatte um israelbezogenen Antisemitismus wird häufig ausgespart, dass es auch christliche Institutionen gibt, die seit Jahren gegen Israel hetzen.

Sonntagsblatt – Evangelische Wochenzeitung für Bayern, Ausgabe Nr. 30, 27. Juli.

Das evangelische Sonntagsblatt zeigte kürzlich eine Karikatur, wie sie in christlichen Zeitschriften derzeit häufiger aufschlagen. Die Münchner Redaktion des Sonntagsblattes platzierte neben Artikeln mit Gesundheitstipps und einem flammenden Appell gegen die „Gier“ eine Messerwurf-Szene: Eine als Palästinenser gekennzeichnete Person ist an eine Scheibe gefesselt. Ein israelischer Militär mit Wurfmessern gibt den in dieser Situation unmöglichen Rat, der arme Tropf bringe sich in Sicherheit.

Diese Karikatur ist von einer herausstechenden Gemeinheit; nicht nur das Setting, auch die Auslassungen. Wo ist der Palästinenser mit Hamas Abzeichen, der sich hinter der Scheibe versteckt? Der mit angespitzten Steinen auf Unbeteiligte in einen zum Davidstern geformten Tribünenabschnitt wirft und schreit: „Der Tag wird kommen, an dem wir jeden einzelnen von euch umbringen!“ Wo ist der Hamas-Vertreter, der den Mann auf der Scheibe jederzeit lösen könnte, doch stattdessen die Fesseln nachzieht? Das wäre immer noch eine dämliche Darstellung, käme aber der Komplexität zumindest einen kleinen Schritt näher.

Pax Christi: Mit Gottes Segen gegen Israel
Die Dämonisierung Israels mittels Auslassungen macht in vielen christlichen Publikationen derzeit die Runde. Zu den lautesten Scharfmachern zählt die katholische Vereinigung Pax Christi. In einer aktuellen Erklärung fordert Pax Christi gemeinsam mit anderen Organisationen: „Schluss mit jeder Rüstungskooperation mit Israel“ und „sofortige Aufhebung der Blockade des Gaza-Streifens“. Um bei der Karikatur zu bleiben: Nehmt dem Israeli die Messer weg! Und freier Zugang zu angespitzten Steinen!

Zwar versteht sich Pax Christi als „internationale katholische Friedensbewegung“, scheint aber keine Berührungsängste mit militanten Gruppen zu haben, wenn das Feindbild stimmt. Bei den letzten antiisraelischen Demonstrationen in München waren zwischen Fahnen der Hamas und Abzeichen türkischer Faschisten immer wieder Fahnen der katholischen Organisation zu sehen. Ebenso wenig störte Pax Christi offenbar, dass der stadtbekannte Islamist al Afghani die antiisraelischen Proteste in München maßgeblich anführte. Al Afghani bezeichnet sich als „Soldat Allahs“ und bemerkt zuversichtlich: „Ein bisschen Teamgeist und die Welt gehört uns!“

Radikalisierung christlicher Gemeinden
Jahrelange Propagandaarbeit von engagierten Geistlichen hat inzwischen dazu geführt, dass ganze Gemeinden zu failed districts geworden sind. Hierzu zählt die Gemeinde Markt Schwaben bei München. Der evangelische Pfarrer Fuchs organisiert in etwa zweijährigem Turnus „Begegnungsfahrten“, um seine Schäfchen auf antiisraelische Linie zu bringen. Die nächste dieser Fahrten soll ab dem 12. Februar 2015 stattfinden. Ein großer Clou ist Fuchs 2012 gelungen. Auf sein Wirken hin zeichnete der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog den Palästinenser Mitri Raheb mit dem Deut­schen Me­di­en­preis aus. Der Beth­le­he­mer Pas­tor ver­brei­te Ras­sis­mus, Hetze und verdrehe theo­lo­gi­sche Leh­ren, be­fand hingegen nicht nur der Je­ru­sa­le­mer His­to­ri­ker Mal­colm Lowe. Jüdische Gemeinden protestierten gegen die Preisverleihung – aber niemand hörte zu.

Süffisantes Lächeln. Pater Reiner Fielenbach auf Propaganda-Tour im Nahen Osten

Ein weiterer failed district ist die bayerische Gemeinde Straubing. Hier wütet seit Jahren der Karmelitenpastor Rainer Fielenbach. In einem aktuellen Beitrag im Straubinger Tagblatt fordert der Vorsteher des ehemaligen Kreuzritterordens, man müsse Israel die „Daumenschrauben anlegen.“ Auch die Straubinger Karmeliten organisieren regelmäßig Propagandafahrten nach Israel, die nächste findet vom 25. August bis zum 04. September 2014 statt. Das Staubinger Tagblatt scheint hinter dem Pastoren zu stehen. Fielenbach wird häufig als Experte in Nahost-Fragen interviewt, da der Verleger Martin Balle offenbar nicht viel anders denkt. In einem aktuellen Leitartikel schreibt Balle im Straubinger Tagblatt: „Wo Kinder schreiend aus Trümmern geborgen werden“, müssten „alle politischen Argumente, die noch für Israel sprechen könnten, verstummen“.

Brisant: Martin Balle übernahm vor wenigen Wochen die Münchner Abendzeitung. Mehr hierzu in Kürze.

Micha Brumliks neue (?) Freunde

Micha Brumliks Beitrag „Plan B“ in der Konkret-Ausgabe vom Juli wurde zurecht wortgewaltig kritisiert. Aber offenbar konnte der Publizist damit neue Herzen für sich gewinnen. Für Ende Oktober kündigt Pax Christi München eine Veranstaltung mit ihm an. Gewöhnlich machen die christlichen Friedensaktivisten vor allem mit einer antiisraelischen Obsttütenaktion von sich Reden.

So schnell steckt man drin im Sumpf. „Politik und Religion in Israel“ heißt der Vortrag, für den Brumlik voraussichtlich am 22. Oktober in die Evangelische Stadtakademie nach München kommen wird. Dabei soll die anmaßende Frage erörtert werden, ob „Israel ein jüdischer Staat, der Staat der Juden oder ein Staat all seiner Bürger sein soll“. Beworben wird die Veranstaltung von Pax Christi München. Der katholische Verband innerhalb der Friedensbewegung geht seit geraumer Zeit mit seiner israelfeindliche Kampagne „Besatzung schmeckt bitter“ hausieren. Die Kampagne ist zwar auch intern nicht unumstritten, aber sicher nicht in der Münchner Fraktion von Pax Christi.

Ebenfalls referiert an diesem Abend Reiner Bernstein. Der „Historiker“ könnte als weichgespühlte Variante seiner ständigen Begleiterin Judith Bernstein beschrieben werden. Diese ist verantwortlich für die sogenannte „Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe“, in der man dann besonders gerne gesehen ist, wenn man – wie Judith Bernstein – Beiträge von Norman Paech, Fuad Hamdan oder Magdi Gohari schätzt. Damit hat sich Brumlik einen neuen Sympathisanten-Kreis erarbeitet – von dem er vielleicht nie wirklich so weit entfernt war.

Pax Christi gespalten: Obstütenaktion in der Kritik

Der antiisraelische Katholikenbund Pax Christi ist sich uneins, ob seine Boykottaktion „Besatzung schmeckt bitter“ noch Zukunft hat. Während die „Nahostkommission“ und das Präsidium hinter dem Obstboykott stehen, kritisierten andere Teile der Organisation, man nehme dabei die Assoziation „Kauft nicht bei Juden“ billigend in Kauf. Dennoch läuft die Aktion weiter.

Bei der erweiterten Präsidiumssitzung von Pax Christi im Juni muss es hoch hergegangen sein, so liest sich zumindest die aktuelle Ausgabe der „Zeitschrift der deutschen Sektion Pax Christi“. Denn der antiisraelische Bund debattierte im Sommer offenbar seine sogenannte Obsttütenaktion. Pax Christi hatte Anfang des Jahres in Deutschland dazu aufgerufen, Obstprodukte mit dem Israelstempel eingehend zu prüfen und gegebenenfalls zu boykottieren, wenn sie aus jüdischen Siedlungen im Westjordanland stammen.

Im Sommer ist zwischen regionalen Bistumstellen und Orstverbänden von Pax Christi dann offenbar Streit ausgebrochen: „Essen und Rottenburg-Stuttgart stellen sich deutlich hinter die Aktion. Aus Trier, Hildesheim, Mainz und Osnabrück/Hamburg sind starke Einwände gegen die Obsttütenaktion erhoben worden“, heißt es im Zentralorgan der Organisation. Kritisiert werde die „unscharfe Abgrenzung der Aktionsform zum Israel-Boykott“ und die „scheinbar in Kauf genommene Assoziation“: Kauft nicht bei Juden. Man mache sich auch Sorgen um die damit verbundene öffentliche Wahrnehmung von Pax Christi, so die vermeintlich kritischeren Teile.

Das Präsidium selbst steht indes voll hinter der Boykottaktion, die ein zentrales Anliegen des katholischen Verbandes in diesem Jahr ist. Der Delegiertenversammlung liegen laut Bericht zwei Anträge vor: Die Bistumstelle Essen beantragte die Unterstützung der deutschen Sektion für die Aktion „Besatzung schmeckt bitter“ und die Regionalstelle Osnabrück/Hamburg beantragte mit Unterstützung der Bistumsstelle Trier deren Beendigung. Ebenfalls für die sogenannte Obsttütenaktion dürfte sich die Sektion München ausgesprochen haben, zumal sich Rosemarie Wechsler (Pax Christi München) in einer der letzten Ausgaben der „Zeitschrift der deutschen Sektion Pax Christi“ noch stark dafür ins Zeug legte.

Erst letztenden Samstag stand Wechsler bei der Pro-Gaza-Demonstration vor der Münchner Feldherrenhalle auf der Rednerinnenliste. Dort wurden zahlreiche antisemitischen Plakate gezeigt, wie zum Beispiel eines mit der Aufschrift „Adolf Nethanjahu – Stop doing what Hitler did to you“ und ein anderes, nicht weniger aussagekräftiges, das auf „de Joodn“ hinausläuft und offen für Verständnis für Selbstmordattentäter wirbt. Wer sich da einreiht, sollte sich an einer Boykottaktion nicht stören können. Bei der Veranstaltung sprach auch Nicole Gohlke, Bundestagsabgeordnete der Linkspartei aus München.

Blonder Engel auf Talfahrt

Wie ein Pfarrer die Proteste von Flüchtlingen in der Bayernkaserne erstickte. Eine Nachschau von Caspar Schmidt, erschienen im aktuellen Hinterland-Magazin.


Häufig kaputt: Die „Kochgelegenheiten“ in der Bayernkaserne (ehemals General-Wever-Kaserne), errichtet 1938.

Die Regelung des Asyls obliegt heute im Wesentlichen dem Staat. Die Elendsverwaltung der aus den Ruinen der Weltmärkte Geflüchteten und in europäischen Lagern Kasernierten wird aber zu großen Teilen von kirchlichen Trägern besorgt – in München zum Beispiel von Pfarrer Herden. Dieser heuerte vom bayerischen Trostberg aus bei der Inneren Mission in München an. In Trostberg wurde er aus seiner Funktion als Seelsorger der Christusgemeinde noch mit dem üblichen Spektakel verabschiedet, das sich die bayerische Provinz gemeinhin leistet, wenn sich Würdenträger aus Kirche und Politik ein Stelldichein geben. Der Dekan lobte den scheidenden Pfarrer als einen, der sich eindeutig auf die Seite derer stelle, die zum Leben zu wenig haben. Der Bürgermeister Trostbergs beklagte, er vermisse Typen, wie es sie früher einmal gegeben habe; Herden sei aber ein solcher. Ein „blonder Engel“ sei er, bezeugte ein Pfarrerkollege.

Angekommen in München
Mit ihren „Migrationsdiensten“ ist die Innere Mission München 2011 hoffnungslos überfordert. Sie verwaltet das Zwischenlager für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Bayernkaserne und der Zustand vor Ort wird jeden Tag unerträglicher. Das Lager ist überfüllt, die Jugendlichen sind weitgehend auf sich allein gestellt. Es gibt kaum Betreuung tagsüber und nachts patrouilliert ausschließlich Security. Es fehlt an Kochgelegenheiten, Duschen und Waschmaschinen. Zwei Tage im Monat fließt kein Wasser. Das Essen ist schlecht und reicht zur Ernährung nicht aus. Am Samstag, den 7. Januar 2012, treten zirka dreißig minderjährige Flüchtlinge der Bayernkaserne in den Hungerstreik.

Pfarrer Herden taucht als Verantwortlicher der Inneren Mission auf und spielt den Fall vor der Presse herunter. Der Zustand in der Bayernkaserne sei gewiss „nicht ideal“, es gehe schon „eng zu“, aber von einer Katastrophe würde er nicht sprechen, so Herden. Man werde sich alsbald zusammensetzen, um über „ihre Probleme“ zu reden. Am Dienstag, den 10. Januar, findet das angekündigte Gespräch der Flüchtlinge mit dem Jugendamt der Vertretung der Regierung von Oberbayern und Pfarrer Herden statt. Direkt nach dem erwartungsgemäß erfolglosen Zusammensitzen schließen sich dreißig weitere Flüchtlinge dem Hungerstreik an. Herden versucht, einzelne Akteure unter Druck zu setzen, nimmt sich Sprecher der Afghanen zur Seite und suggeriert, es sei allein ihre Schuld, wenn beim Hungerstreik jemand stribt.

Die Chuzpe bayerischer Provinzfürsten
Am Mittwoch, den 11. Januar, lässt die Regierung von Oberbayern auf ärztlichen Rat hin etwa zwanzig Hungerstreikende in ein Krankenhaus einweisen. Diese waren dazu übergegangen, weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Herden übernimmt die Pressearbeit und weiß just von „einigen Flüchtlingen“ zu berichten, die schon wieder Nahrung zu sich nehmen würden. Presse und Unterstützerorganisationen wird der Zugang zu den Flüchtlingen verweigert, den Minderjährigen das Verbot auferlegt, mit Journalistinnen und Journalisten zu sprechen. Ein offizieller Besuch des Münchner Ausländerbeirats wird auch nach mehreren schriftlichen Anfragen abgelehnt. Zur Begründung beruft sich die Regierung von Oberbayern auf die Einschätzung der Inneren Mission München, wonach die Jugendlichen „vor allem der Ruhe bedürfen“, was dem Wunsch der Flüchtlinge nach mehr Ruhe in der Bayernkaserne Rechnung trage. Ein Sprecher der Flüchtlinge dementiert, aber es hilft nichts.

Am 16. Januar erscheint in der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit Herden. Es pflanzt zwischen den Meldungen „Die letzte Nacht im Rausch“, „Küchenhelfer rammt Polizeiauto“ und einer Eigenwerbung der Süddeutschen mit dem Titel „Große Abenteuer für kleine Racker“. Herden meint in diesem Interview, „Wenn Gandhi in den Hungerstreik tritt, weiß er, was er tut“, die Forderungen der Minderjährigen seien hingegen zu „unspezifisch“. Und schlussendlich redet er Tacheles: „Durch den Umstand, dass die Betreuungsstellen in der Bayernkaserne zu hundert Prozent von der Landesregierung refinanziert werden, bin ich hier loyal und weisungsgebunden. Ich handele im Auftrag der Regierung von Oberbayern […].“

Wieder Ruhe im Karton
Am Abend des 16. Januar wird eine Delegation der minderjährigen Flüchtlinge in einem fünfstündigen Treffen mit Vertretungen des Sozial- und Kultusministeriums, des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, des Jugendamts, der Regierung von Oberbayern sowie der Inneren Mission dann endgültig rund gemacht. Sie beenden ihren Hungerstreik, nur ein kleiner Bruchteil der Forderungen wird erflüllt. Am 7. März findet noch einmal ein „runder Tisch“ statt. Das Jugendamt stellt im Gespräch klar, dass die „Zeiten des Wunschkonzerts“ nun vorbei seien. Pfarrer Herden schließt die Sitzung mit dem Hinweis, dass Gespräche das einzig effektive Instrument seien: „Worte helfen, Fäuste und Messer nicht“, so Herden.

Die Täter-Opfer-Umkehr des Pfarrers Herden, der sich seiner Charaktermaske der Regierung von Oberbayern nicht schämt, und deren Zermürbungsstrategie er mit frommen Sprüchen garniert, ist das kuriose Ende des Trauerspiels. So als ob die Phalanx aus Kirche und Staat von den Jugendlichen mit Fäusten und Messern angegriffen worden sei und nicht umgekehrt, die Flüchtlinge mit Psychoterror, Stahlbeton, Enge, Mangelernährung, Security und im Widerstandsfall mit konkreter Polizeigewalt eine permanente und manifest gewalttätige Zumutung erfahren würden. Selbst ihre Stimmen wurden ihnen während des Hungerstreiks abgeschnürt. Pfarrer Herden übernahm für sie das Sprechen. Das Leben in der Bayernkaserne ist so trist als wie zuvor. Wer solche Fürsprecher hat, braucht keine Feinde mehr.

Erschienen im aktuellen Hinterland-Magazin „Ich weiß, was gut für dich ist“.
Weitere Beiträge aus dem Heft:

Die Gewaltförmigkeit der Argumente: Eugenisches Gedankengut in der gemäßigten bürgerlichen Frauenbewegung der 1920er Jahre von Ulrike Manz | Allein der Markterfolg ist der Index: Ulrich Bröckling zum Diktat forwährender Selbstopftimierung. Interview von Till Schmidt | Stolz und Vorurteil: Markierungspolitiken in den Gender Studies und anderswo von Ayse K. Arslanoglu | Das Universum weiß, was gut für dich ist! Esoterik: Hilfen zur Selbstoptimierung von Claudia Barth

„Freiheit für Deutschland und Palästina“

Am 24. Februar will der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog den Bethlehemer Pastor Mitri Raheb mit dem Deutschen Medienpreis auszeichnen. Raheb habe sich für die Verständigung von Christen, Juden und Moslems eingesetzt, heißt es in der Begründung. Zahlreiche jüdische Verbände protestieren. Der Antisemit ist auch in Markt Schwaben bei München bestens bekannt.


Allweihnachtliche Zumutung: die Glasengel der ev. Gemeinde Markt Schwaben

Der palästinensische Pastor Raheb verbreitet Rassismus, Hetze und Verdrehung theologischer Lehren, befand der Jerusalemer Historiker Malcolm Lowe. 2010 soll Raheb geäußert haben, bei einem DNA-Vergleich zwischen König David, Jesus und ihm gäbe es „eine gemeinsame Spur“, während diese beim israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu nicht zu finden sein werde. Daher seien die Palästinenser die wahren Nachfahren des biblischen Volkes Israel während Israel vielmehr den römischen Besatzern entspreche, die Jesus ans Kreuz genagelt hätten, berichtet Ulrich Sahm in der Jüdischen Allgemeinen über die rassistische Befreiungstheologie des Preisträgers in spe. Der Weinheimer Theologe Albrecht Lohrbächer resümiert: „Da wir uns in unserer Arbeit in Israel und auch hier seit Jahren regelmäßig mit falschen Aussagen, mit nationalistischer Theologie (à la Deutsche Christen) und als Folge davon mit der daraus entstandenen Hetze gegen Israel und der systematisch betriebenen Delegitimation Israels durch Mitri Raheb auseinandersetzen (müssen), kann ich dieser Ehrung wegen nur Widerspruch einlegen“, berichtet Sahm Israelnet.

Poltische Inhalte religiös aufgeladen
Die Tätigkeitsfelder von Pastor Raheb sind neben seinem Missionierungsprojekt in Bethlehem, das seinem Selbstverständnis nach Christinnen und Christen zum „Bleiben und zur Rückkehr in ihre (!) Stadt“ ermuntern soll, die evangelische Gemeinde im beschaulichen Markt Schwaben bei München. Schon im Jahre 2005 trug Raheb sich im Beisein des Bürgermeisters in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Regelmäßig werden die Grußbotschaften des Geistlichen in der evangelischen Gemeinde verlesen und pünktlich zu Weihnachten seine „Glasengel“ auf der Website der Kirche beworben. Der Werbetext von Raheb zu den Glasengeln macht bereits einen gefährlichen Dreh deutlich. Raheb versteht es nämlich, politische Botschaften religiös aufzuladen:

„Diese Engel sind aus Glas gemacht und zwar aus Scherben weggeworfener Flaschen und aus Glassplittern von Fenstern, die bei der israelischen Invasion von Bethlehem zerstört wurden. Menschliche Hände suchten sie aus Schutt heraus. Von den Ärmsten der Armen der Bethlehemer Region wurden sie gesammelt […] Die zerbrochenen Glasstücke sind ein Zeichen der Zerbrechlichkeit und der Verwundbarkeit der Welt. Es ist der Grund der Fleischwerdung Gottes.“

Dass ausgerechnet Raheb zur Verständigung zwischen Christen, Juden und Moslems ausgezeichnet werden soll, ist verwunderlich, weil der palästinensische Pastor in der Regel keinen Zweifel bestehen lässt, darüber, dass er das Christentum allen anderen Religionen voran für die moralisch überlegene Religion hält. Nach seinen „Erfahrungen bei der 2. Intifada“ fasste Raheb bei einer Buchvorstellung in Markt Schwaben zusammen: „Was uns als Christen von den Juden und Muslimen unterscheidet, ist das Gebot der Friedensliebe“, ist der Website der christlichen Gemeinde zu entnehmen. Im Rahmen eines Sonntagsgottesdienst in Bethlehem gab der Pastor einer deutschen Reisegruppe außerdem zu verstehen: „Ich hoffe auf einen islamischen Reformator, der unsere Mitmenschen von ihrer Angstreligion befreit.“ (Seite 14)

„Uns [selbst] zu Opfern zu machen, ist zu wenig“ (Raheb)
Rahebs starke Bindung zu Markt Schwaben bei München hat er Pfarrer Karl-Heinz Fuchs zu verdanken, Oberhaupt der evangelischen Gemeinde im Örtchen. Sie beide sind leitende Funktionäre im Förderverein Bethlehem Akademie Dar al-Kalima, einer Einrichtung zur Christianisierung des „künftigen Palästinas“. Neben der Errichtung von religiösen Zentren besteht ihre Hauptaufgabe darin, evangelische Gemeindemitglieder aus Markt Schwaben ins „open-air-Gefängnis Bethlehem“ (Weihnachtsgruß Dar al-Kadlima 2010) zu transportieren und tagelang einer sehr einseitigen Beschallung auszuliefern, um ihre Spendenbereitschaft zu fördern. Nach dem ausgiebigen Pflanzen von Bäumen, Märschen entlang dem israelischen Schutzwall, Predigten von Pastor Raheb und Gesprächen mit Suleiman Abu Dayyeh („Historisch gesehen haben wir kein Problem mit Juden. Wir haben ein Problem mit ihrer Politik“ (Dayyeh, Seite 11) sind die Teilnehmenden dann soweit.

In Tagebüchern und Zeitungsberichten veröffentlichen sie nach ihrer Rückkehr die gesammelten Eindrücke ihrer Reise. Israel betreibe eine „schleichende Vernichtung der Palästinenser“, möchte ein Teilnehmer festgestellt haben (Seite 31). „Es ist kaum zu glauben, wie dreist sich die Israeli in palästinensische Gebiete einschleichen!“ berichtet eine andere Teilnehmerin empört dem Markt Schwabener Falken 2010. Rahel-Roni Hammermann kommt hingegen gut weg, weil: „An Roni Hammermann gefällt mir, dass sie versucht, ihrem jüdischen Volk die Missstände klar zu machen“ (Seite 17).

Randnotiz aus aktuellem Anlass: Wulff
Der Verein „Dar al-Kalima“ und der ehemalige Bundespräsident Wulff sind sich angeblich bekannt. Am 30. November 2010 trafen Funktionäre des Vereins auf Wulff in Bethlehem und liefen mit ihm gemeinsam durch die Markthalle, so geht es zumindest aus den Weihnachtsgrüßen des Vereins 2010 hervor. Die „palästinensische Tourismusministerin“ habe in „formvollendeten Deutsch“ übersetzt. Wulffs Tochter Annalena sprach darüber hinaus angeblich im Begegnungszentrum der Evangelisch-Lutherischen Weihnachtskirche mit „palästinensischen Fußballerinnen“ über die „Freiheit in Deutschland und Palästina“.

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog, den schon die extrem rechte National Zeitung mit den Worten bedachte, sie könne sich „an der Spitze des höchsten deutschen Gerichts keinen geeigneteren Fachmann als Prof. Herzog“ vorstellen (Konkret), wird voraussichtlich keine Skrupel haben, den „leisen Friedensstifter“ Raheb mit dem „Deutschen Medienpreis“ zu ehren. Das passt zusammen. Betrüblich ist, dass es wieder erst jüdische Gemeinden sein müssen, die Alarm schlagen. Die Verleihung des Preises „wird von allen als eine Ohrfeige empfunden, die sich um einen interreligiösen und interkulturellen Dialog bemühen“ kommentierte beispielsweise die jüdische Gemeinde Baden-Baden die anstehende Laudatio. Von der regionalen Presse in Markt Schwaben wird hingegen seit nahezu einem Jahrzehnt jede Ungeheuerlichkeit unkritisch abgedruckt, die Pastor Raheb und Pfarrer Fuchs verlauten lassen, sei es im Regionalteil der Süddeutschen Zeitung oder im Münchner Merkur.

Pater Rainer läd wieder nach Straubing

Pater Rainer Fielenbach schreibt seit Jahren für das antizionistische „Palästina Portal“, rangiert dort als „unser Reporter in Bethlehem“. 2006 erlangte der Karmelitenpater bereits zweifelhaften Ruhm. Er erwirkte die Absetzung der Dokumentation „Terror gegen Christen“ beim SWR. Diesen Freitag läd Pater Rainer wieder ins Straubinger Kloster. Zu Gast ist Daoud Nasser.


Gut gelaunt: Fielenbach auf Schäfchenjagd

Am 23. September, am Tag als Fatah-Chef Abbas seinen Antrag zur Anerkennung eines Palästinenserstaates bei der UN einreichte, war Pater Rainer mittendrin, auf der Großkundgebung in Bethlehem. Schon Tage zuvor veröffentlichte das „Palästina Portal“ täglich seine Beiträge. Nahezu euphorisch wurde der Geistliche, als die Hymne der palästinensischen Autonomobehörde Bilādī gesungen wurde. Dass Bilādī ein Elaborat des Hasses, der Rache, des Krieges und des Blutes ist, scheint Pater Rainer nicht gestört zu haben. Ebenso hat er eine interessante Begründung parat, warum der Mob eine US-Fahne verbrannte: Das sei ein „Symbol für das bevorstehende Veto der USA“ gewesen – das Paradox einer vorauseilenden Reaktion sozusagen – als wäre das Verbrennen von Israel- und USA-Fahnen nicht eine erwartbare Pflichtübung einer jeden Großkundgebung im Westjordanland. Die Jugendlichen, die nach der Demonstration obligatorisch Steine warfen, trugen keine Verletzungen davon, stellte Fielenbach erleichtert fest.

Unter dem „Zelt der Völker“ ist viel Platz, aber nicht für alle
Pater Rainer mischt sich ein, ist Teil eines Propagandanetzwerkes, das auf Menschen in entscheidenden Positionen mit Briefen und Bitten einzuwirken sucht. Sein größter Coup gelang ihm 2006 mit einer Beschwerde beim Redaktionsleiter des SWR. Eine Film – vom Sender bereits angekündigt – sollte Überfälle auf die christliche Glaubensgemeinschaft im Westjordanland dokumentieren. Fielenbach gelang es, dem zuständigen Redakteur zu vermitteln, dass die Ausstrahlung einen „Keil zwischen Moslems und Christen“ treiben könnte. Ebenso würden dadurch „christliche Pilger aus Europa eingeschüchtert, Bethlehem zu besuchen“. Die Sendung wurde abgesetzt. Gerade eben ist Fielenbach von einer seiner inflationären Pilgerreisen zurückgekehrt und läd frisch, fromm, fröhlich, frei ins Straubinger Karmelitenkloster zur Veranstaltung „Wir weigern uns Feinde zu sein“ mit Daoud Nasser. Nasser gehört dem christlichen Missionierungsprojekt „Zelt der Völker“ an. Bei seinem Vortrag ist schwülstige Liturgie mit Blut & Boden Galore zu erwarten:

Mit diesen Gedanken und der tiefen Verbundenheit mit dem Grund und Boden sowie auch mit dem Bewusstsein über die Bedeutung des Landes wurden weitere Grundstücke kultiviert. […] Bäume pflanzen ist auch eine Sache der Nachhaltigkeit: Ein Großvater und sein Enkelkind pflanzten gemeinsam einen Olivenbaum. Da fragte das Kind: „Opa, warum pflanzt du den Baum, wenn du die Früchte davon gar nicht essen wirst?“ „Weißt Du, mein Kind“, antwortete der Großvater, „meine Eltern und Großeltern haben die Bäume gepflanzt, von denen ich heute esse, und so will ich Bäume pflanzen, von denen du essen wirst“.

Kreuzritter reloaded
Die Karmeliten sehen sich selbst – ohne dabei rot zu werden – in der Tradition der Kreuzritter. Auf den Ritterfestspielen ist der Orden vertreten. Ihre Ursprünge gehen auch tatsächlich auf die europäischen Templer zurück, sie zogen bewaffnet ins „Heilige Land,“ um es zu „befreien“. Nachdem die Karmeliten wieder vertrieben wurden, kehrten sie als Mönche nach Europa und fristeten viele Jahrhunderte ihre Zeit als Bettelorden. Heute betreiben sie diverse Wohlfahrtsprojekte, mit dem Ziel, Menschen mit muslimischem Glauben im Westjordanland zu missionieren. Das Wohlwollen der ansässigen Bevölkerung meinen sie sich dadurch erkaufen zu können, indem sie Stellung gegen Israel sowie gegen siedelnde Jüdinnen und Juden beziehen. Im Übrigen ist die fragwürdige Haltung bezüglich Jüdinnen und Juden durchaus eine Tradition. Noch 1984 priesen die Karmeliten ihr Kloster den männlichen Juden in Polen – im Hinblick auf Auschwitz – als „Unterpfand der Bekehrung unserer verirrten Brüder“ an. Einer der engagiertesten Karmeliterorden sitzt im bayerischen Straubing.

Weiterführendes
Ankündigungstext der Veranstaltung | Aktuelles aus Bethlehem 7 | Aktuelles aus Bethlehem 6 | Aktuelles aus Bethlehem 5 | Aktuelles aus Bethlehem 4 | Aktuelles aus Bethlehem 3 | Aktuelles aus Bethlehem 2 | Aktuelles aus Bethlehem 1 | Weitere Werke, erschienen auf dem „Palästina Portal“ | Karmeliten im Straubinger Tagblatt

Gegen Israel, mit Gottes Segen

Die Transformation vom Antijudaismus zum Neuen Antisemitismus in den christlichen Gemeinden gelang mitunter. Die überwiegende Mehrheit der antiisraelischen Veranstaltungen im Münchner Umland werden von christlichen Einrichtungen getragen.

„Seit meine Eltern in Israel waren, können wir mit ihnen nicht mehr über Israel sprechen, ohne Gefühlsausbrüche zu riskieren“, klagt Gabriele S. aus München. Der Grund: Die Eltern der Studentin nahmen an einer „Solidaritätsreise“ der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Markt Schwaben teil. Die Einladung versprach „authentischen Tourismus“. Den sollte das Ehepaar auch bekommen – allerdings scharfkantig zurecht geschliffen. Die Erlebnisreise sah neben der üblichen To-Do-Liste der christlichen Wallfahrt zahlreiche politische Führungen im Westjordanland vor. „Sie kamen mit einer sehr einseitigen Haltung aus dem Urlaub zurück“, berichtet Gabriele S., die mittlerweile das Thema Israel bei ihren Besuchen im Elternhaus meidet. Die Tagebücher dieser Solidaritätsreisen sind auf der Website der Evangelisch-Lutherischen KirchengemeindeMarkt Schwaben einsehbar. Der Sinneswandel der Teilnehmenden kann nach deren Lektüre leicht nachvollzogen werden. Sie bekamen tagelang antiisraelische Agitation verabreicht. Die Verantwortung für den Konflikt zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Bevölkerung wurde dabei ausschließlich Israel angelastet.

Gefühlsduselige Bösartigkeit
Initiator dieser Reisen ist seit 2006 der Pfarrer Karl-Heinz Fuchs. Das Oberhaupt der evangelischen Gemeinde in Markt Schwaben ist ebenso leitender Funktionär und Gründungsmitglied im Förderverein Bethlehem Akademie Dar al-Kalima, einer christlichen Organisation zur Missionierung des „künftigen Palästinas“. In den letzten Jahren intensivierte der Geistliche auch seine Missionierung der bayerischen Gemeindemitglieder hin zur Solidarität mit den „christlichen Palästinensern“. Fuchs engagierte beispielsweise Felicia Langer, die den Satz „Wer schweigt, ist bereits Mittäter“ in der Philippuskirche zu Markt Schwaben poltern durfte. „Dieses Volk, einst selbst betroffen, gebraucht Worte wie damals Nazis“, schwadronierte Langer an diesem Abend weiter. Heute, am Donnerstag den 15.09., läd Fuchs erneut nach Markt Schwaben zum Vortrag mit dem Titel „Die ethnische Säuberung Ost-Jerusalems“. Zu Gast ist der zweifelhafte Referenten Meir Margalit vom „Israelischen Komitee gegen Hauszerstörung“. Am Freitag findet die gleiche Veranstaltung in München mit dem abgewandelten Titel „Die Verdrängung der palästinensischen Bevölkerung aus Ost-Jerusalem“ in den Räumen der Initiativgruppe statt.

Christliche Initiativen an erster Stelle
Die überwiegende Mehrheit der antiisraelischen Veranstaltungen in Bayern werden nicht von Linkspartei, DKP oder islamischen Vereinen, sondern von christlichen Initiativen besorgt. Ausgesprochen aktiv ist die katholische Friedensbewegung Pax Christi München. Die Organisation veranstaltet notorisch „Begegnungsreisen in Palästina“, mit gemeinschaftlicher Olivenernte und dem erwartbaren Programm am israelischen Schutzwall. Die vielleicht leidenschaftlichste Aktivistin der Gruppe ist Rosemarie Wechsler, welche außerdem im „Münchner Friedensbündnis“ umtriebig ist. Die ehemalige Geschäftsführerin des Elisabeth-Hospiz-Verein Dachau organisierte dieses Jahr u.a. die Veranstaltung „Leben in einem besetzten Land“ und trat kürzlich in verschiedenen Publikationen mit Beiträgen für den Boykott israelischer Produkte in Erscheinung. Weniger gefühlvoll – sondern eher krachledern – geht dagegen der evangelische Pfarrer Dieter Helbig aus Poing zur Sache. Der Pensionär verfasst unermüdlich Beiträge, die antisemitisch genug sind, um auf dem Portal „Arendt Art“ in voller Länge veröffentlicht zu werden, wie zum Beispiel sein Beitrag „Aber der Holocaust!“. Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Poing bietet dieses Jahr zwei „Studienreisen“ an. Das dazugehörige Vorbereitungstreffen mit Bildern trug den Titel „Israel – das (un)heilige Land“.

Antisemitismus – ein Gefühl, das verbindet
Wie das Beispiel Pax Christi München bereits zeigt, sind es nicht nur Vertreterinnen und Vertreter protestantischer Organisationen, die gegen Israel Partei ergreifen, quasi mit aufpolierten Schuhen in Luthers Fußstapfen unterwegs sind. Es sind ebenso oft katholische Institute. Die antizionistische Vereinigung Salam Shalom pflegt gute Beziehungen zur Ordenshochschule für Philosophie der Jesuiten in München. Ihre Veranstaltungen mit Erich Fried (2011) und Jeff Halper (2010) fanden in den Räumlichkeiten der Katholiken statt; ebenso dient die Benediktiner-Pfarrei Sankt Bonifaz der antizionistischen Vereinigung als Veranstaltungsort. Ein weiteres Beispiel ist Pater Reiner Fielenbach von den Karmeliten in Straubing. Der ehemalige Kreuzritterorden, der heute noch Präsenz auf Ritterfestspielen zeigt, unterhält den Verein Musa‘ade, eine Missionierungseinrichtung in Bethlehem im klassischen Stil. Die Straubinger Mönche organisieren ebenfalls Pilgerreisen mit dem Titel „Kommt und ihr werdet sehen“. Nach jeder Reise – und bei jeder anderen Gelegenheit – schüttet sich Reiner Fielenbach dann im Straubiger Tagblatt über die Israelis aus. Auch formulierte er nach der glücklichen Ausladung von Ilan Pappe 2009 einen geharnischten Brief an Christian Ude, in dem er dem Oberbürgermeister vorwarf, dieser habe sich „vor den Verbots-Karren der Israel-Lobby spannen lassen“. Pfarrer Dieter Helbig aus Poing schrieb dem OB in gleicher Sache.

Christliche Verbände sind in München und im Münchner Umland federführend bei der Verbreitungung antiisraelischer Tiraden. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele. Unter anderem die Initiative 27. Januar, ein Zusammenschluss aus Christinnen und Christen mit dem Ziel, für Israel bei Diffamierung Partei zu ergreifen. Sollte es einen vergleichbaren Verein von Menschen islamischen Glaubens geben, wird das in diesem Artikel nachträglich ebenso erwähnt werden. Mir ist aktuell allerdings kein Verein mit diesem Ziel bekannt.