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Lewandowski sendet Solidaritätsadresse an „Mia San Mia Palestine“

Der Topscorer des FC Bayern, Robert Lewandowski, sendete kürzlich eine Video-Solidaritätsadresse an den Fanclub „Mia San Mia Palestine“. Das wäre eigentlich nicht nötig gewesen. Vielmehr sollte der FC Bayern den Umgang mit einem Fanclub überdenken, der Israel abschaffen möchte.

Sichtlich stolz wurde Mitte Februar auf dem Facebook-Portal von „Mia San Mia Palestine“ ein Video mit Robert Lewandowski veröffentlicht, in dem der Strafraumvirtuose des FC Bayern das palästinensische Fanclub-Portal auf einem Laptop präsentiert. Nach den üblichen Fanclub-Bauchpinseleien endet Lewandowski auf Zuruf mit den Worten „Mia San Mia Palestine“.

Grundsätzlich ist das Interesse am FC Bayern und modernem Fußball zu unterstützen. Das verfolgen von Spielen des FCB ist eine genussvollere Beschäftigung als so manches, was hierzulande und freilich auch in Gaza oder Ramallah sonst noch so geboten ist. Dieser Fanclub hat sicherlich auch eine sympathische Seite. Dennoch drängt sich die Frage auf, ob der 2014 offiziell anerkannte FCB-Fanclub mit Sitz in Jericho diesen Zuspruch verdient.

Immerhin ziert der Fanclub seine Dokumente und Urkunden mit dem Logo eines „Palästinas“, das die Existenz Israels verheimlicht, ja im Grunde geografisch auslöscht – umschlungen von einem Band der Einheit. Das ist dem FC Bayern bekannt, der FCB selbst hat das fragliche Logo mit einem „Palästina“ ohne Israel in seinem „Bayern-Magazin“ 2014 abgedruckt. Das ist keine grafische Ungenauigkeit – in einem Posting von 2013 legt der Fanclub zweifelsfrei dar, welche Länder seiner Lesart nach in die Region gehören: Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien und Palästina. Israel ist nicht dabei.

Der FC-Bayern lässt auch bei der Darstellung des Fanclubs „Mia San Mia“ eine bemerkenswert unkritische Berichterstattung zu. Im „Bayern-Magazin“ wird der Verein mit den Worten vorgestellt: „Wir freuen uns sehr über die kreativen Ideen und Anregungen unserer weiblichen Mitglieder“, obwohl auf den Veranstaltungsfotos des Fanclubs (1, 2) allesamt keine Frauen zu sehen sind.

Offensichtlich politische Einträge verfasst der erste offizielle palästinensische FCB-Fanclub zwar selten, aber dafür umso knackiger. Zum Tode des israelischen Präsidenten Shimon Peres (ehemals Arbeitspartei, Gewerkschafter und Holocaustüberlebender) erschien im Oktober 2016 beispielsweise ein Bild mit der Überschrift: „Israels größter Mörder“. Weiter heißt es dort, Peres sei ein „Hitler 2.0“ gewesen und seine Seele möge „in der Hölle schmoren“.

Der Bayern-Manager Karl-Heinz Rummenigge versicherte 2011 dem Auditorium in der Israelitischen Kultusgemeinde München: „Wir sind stolz auf die jüdische Vergangenheit. Und eines ist sicher, das verspreche ich ihnen: Wir werden gemeinsam mit unseren jüdischen Freunden eine stolze Zukunft haben.“ Eine stolze Zukunft mit jüdischen Freunden dürfte allerdings nicht dergestalt aussehen, einem Fanclub gesonderte Solidaritätsadressen zu übersenden, der den einzigen jüdischen Staat von der Landkarte streichen möchte und dessen kürzlich verstorbenen Präsidenten mit Hitler gleichsetzt. Der FC Bayern sollte seinen Umgang mit „Mia San Mia Palestine“ noch einmal überdenken.

Kennen Sie eigentlich die berühmten Juden des FC Bayern?

Nein? Das könnte daran liegen, weil die Juden 1933 aus dem gesamten deutschen Fußball vertrieben wurden – und danach vergessen. Eine Erinnerung an jüdische Fußballpioniere des FC Bayern:

Otto Alber Beer (* 03. Juni 1891 in Graben, Kreis Karlsruhe – + 25. November 1941 im Ghetto Kaunas
Als einer der ersten Vereine in Deutschland förderte der FC Bayern München konsequent den Nachwuchs fußball. In der Saison 1927/28 gab es 535 Nachwuchsspieler in 36 Mannschaften, kein anderer Verein in Deutschland hatte eine so große Jugendabteilung. Das Konzept trug 1932 Früchte, als die Bayern zum ersten Mal Deutscher Meister wurden. Einer der entscheidenden Männer hinter diesem Erfolg war der gelernte Textilkaufmann Otto Albert Beer, seit den 1920er-Jahren stellvertretender Leiter der Nachwuchsabteilung. Nach der NS-Machtübernahme musste Beer den Klub verlassen und wirkte einige Jahre im jüdischen ITUS München. Nachdem 1938 seine Firma auf Druck der Nazis liquidiert wurde, arbeitete er als Automechaniker, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. 1941 wurden Beer, seine Frau und ihre beiden Kindern ins Ghetto Kaunas nach Litauen deportiert und dort er mordet.

Alfred Bernstein (* 26. Mai 1897 – + 17. Januar 1972)
Der Torwart Alfred Bernstein begann seine Karriere bei Wacker München, wechselte 1924 aber zum Lokalrivalen FC Bayern. Er war Stammtorwart der Bayern-Mannschaft, die 1926 und 1928 die süddeutsche Meisterschaft gewann. Als Sohn eines aus Wien stammenden jüdischen Vaters und einer evangelischen Mutter galt Bernstein den NS-Rassegesetzen zufolge als »Halbjude«. Nach der Rassenideologie der Nationalsozialisten blieb er so von Deportation und Ermordung verschont, dennoch hatte er wiederholt Probleme mit der Gestapo.

Richard (Dombi) Kohn (* 27. September 1888 Wien – + 16. Juni 1963 Rotterdam)
Richard, genannt »Little«, Dombi war einer der ungewöhnlichsten Trainer in der Geschichte des FC Bayern München. Er revolutionierte in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren das Fußballtraining, indem er die individuelle Betreuung der Spieler in den Mittelpunkt stellte; außerdem war er noch Manager und Physiotherapeut des Teams. In einer Chronik des FC Bayern heißt es: »Wohl kein Trainer war mit seiner gesamten Zeit so für den Club tätig, als es Dombi war. Er war Trainer, Fitmaker, Masseur, Geschäftsführer und Organisator in einer Person.« Im Juni 1932 erreichte der FC Bayern mit ihm erstmals das Finale um die Deutsche Meisterschaft. Dank Dombis hervorragender Vorbereitung, der seine Elf bis zum Spieltag von der Öffentlichkeit abschirmte, gelang ein überlegener 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. Dombi wurde am 27. September 1888 in Wien als Richard Kohn geboren. Den Namen Dombi nahm er während seiner Spielerkarriere beim damals weltbekannten MTK Budapest an. Der Begriff war eine Ableitungdes ungarischen Wortes »Domb« und stand für kleine Hoheit oder Eminenz.

Zwischen 1908 und 1912 wurde Dombi sechs Mal in das österreichische Nationalteam berufen. Seine Trainerlaufbahn begann er Anfang der 1920er-Jahre in Deutschland bei Hertha BSC in Berlin. Dort legte er den Grundstein für die bis heute erfolgreichste Ära in der Vereinsgeschichte, als Herthazwischen 1926 und 1931 sechs Mal in Folge das Finale um die Deutsche Meisterschaft erreichte. Dombiwar zu diesem Zeitpunkt aber bereits weiter nach Zagreb und ein Jahr später nach Wien gezogen, bevor er in der Saison 1926/27 vom FC Barcelona abgeworben wurde. 1928 kehrte er nach Deutschland zurück und rettete die Sportfreunde Stuttgart vor dem Abstieg. Die folgenden Stationen waren der TSV 1860 München (1928/29) sowie der VfR Mannheim (1929/30).

Ab 1930 arbeitete er für den damals aufstrebenden FC Bayern, aber schon wenige Monate nach dem Gewinn der Meisterschaft war dort kein Platz mehr für ihn. Im September 1933 musste Dombi Nazideutschland verlassen. Er ging zunächst zum FC Barcelona und wenige Monate später zum FC Basel. Von 1935-1939 trainierte er Feyenoord Rotterdam und gewann mit dem Verein 1936 und 1938 die niederländische Meisterschaft. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen überlebte Dombi wahrscheinlich durch Heirat und Konvertierung zum christlichen Glauben. Nach Ende des Weltkriegs übernahm er noch zwei weitere Male das Traineramt in Rotterdam. In einer Feyenoord-Chronik heißt es: »Vom Himmel gesandt wurde uns der größte Trainer, der jemals in den Niederlanden tätig war. Er war es, der Feyenoord eigentlich erst gelehrt hat, Fußball zu spielen.« Richard Dombi verstarb nach langer Krankheit am 16. Juni 1963 in seiner neuen Heimat, den Niederlanden.

Benno Elkan (*2. Dezember 1877 Dortmund – + 10 Januar 1966 London)
Einer der Gründungsväter des FC Bayern München kam ursprünglich aus Dortmund. Der Kaufmannssohn Benno Elkan zog 1897 nach München, um an der renommierten Kunstakademie ein Studium aufzunehmen, wo in diesen Jahren auch Wassily Kandinsky und Paul Klee studierten. Im liberalen und weltoffenen Schwabing, in dem der junge Kunststudent lebte, entstand im Februar 1900 der FC Bayern. Elkan war einer von 17 Unterzeichnern der Gründungsurkunde des Klubs und dabei neben Joseph Pollack eines von mindestens zwei jüdischen Gründungsmitgliedern. Bereits 1901 verließ Elkan München wieder und setzte sein Studium in Karlsruhe fort. In den 1920er-Jahren wurde er zu einem deutschlandweit anerkannten Bildhauer, bis ihm die Nazis ein Berufsverbot auferlegten. Elkan flüchtete 1934 nach London, wo er seine künstlerische Arbeit fortsetzen konnte. Sein bekanntestes Werk ist eine große Skulptur, die 1956 vor dem Eingang des israelischen Parlamentes, der Knesset, aufgestellt wurde.

Kurt Horwitz (* 22. Dezember 1897 Neuruppin – + 14. Februar 1974 München)
Der bekannte Schauspieler war bis 1933 ein begeistertes Mitglied des FC Bayern und Spieler in der Theaterelf der Münchner Kammerspiele, die dem FC Bayern angeschlossen war. 1933 musste Horwitz aus Deutschland in die Schweiz flüchten, wo er u.a. als Direktor des Stadttheaters Basel arbeitete. Anfang der 1950er-Jahre kehrte Horwitz nach München zurück und wurde Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels und schloss sich auch wieder dem FC Bayern an.

Kálmán Konrád (*23. Mai 1896 Palánka, Serbien – + 10. Mai 1989 Stockholm)
Der Bruder von Jenö, Kálmán Konrád, zählte bis 1933 zu den bekanntesten Spieler- und Trainerpersönlichkeiten Europas. Kálmán begann seine Karriere 1914 beim MTK Budapest, bevor er 1919 gemeinsam mit seinem Bruder zu den Wiener Amateuren (heute Austria Wien) wechselte. In den 1920er-Jahren warder dribbelstarke Innenstürmer einer der bekanntesten Torjäger Europas. Legendär waren vor allem seine vier Tore beim 5:0-Derbysieg gegen Rapid Wien im Mai 1926. Die Wiener Sportpresse feierte daraufhin die »sieben Sinne und zwanzig Beine« des Wunderstürmers. Nach einem kurzzeitigem Intermezzo in der US-Profiliga bei den Brooklyn Wanderers ließ Kálmán seine Karriere 1927 beim MTK Budapest ausklingen. Von 1928 bis 1930 war er Trainer des FC Bayern München. Nach Hitlers Machtübernahme flüchtete Kálmán aus Deutschland und übernahm in den folgenden Jahren Trainerposten in der Schweiz, in Tschechien und in Rumänien. Mit Slavia Prag wurde er zweimal tschechischer Meister. 1939 flüchtete er nach Schweden, wo er den Holocaust überlebte. Als Trainer von Malmö FF feierte er 1949 und 1950 den schwedischen Meistertitel.

Berhold Koppel (* 19. Juli 1895 Beilstein/Mosel – + 1942 im Ghetto Pialski/Polen)
Der jüdische Textilunternehmer unterstützte den FC Bayern bis 1933 großzügig. Nach der NS-Macht übernahme musste er sein Unternehmen schließen und wurde 1942 mit Ehefrau und Tochter in das Ghetto Pialski in Polen deportiert, wo sie ermordet wurden.

Kurt Landauer (* 28. Juli 1884 in Planegg, + 21. Dezember 1961 in München)
»Der FC Bayern war sein Leben – nichts und niemand konnte das ändern.« Mit diesem Spruchband feierten die Fans des FC Bayern München im September 2009 ihren langjährigen Vereinspräsidenten Kurt Landauer, der mit Unterbrechungen über vier Jahrzehnte die Geschicke des FC Bayern gelenkt und ihn Anfang der 1930er-Jahre erstmals an die Spitze des deutschen Fußball geführte hatte. Landauer stammte aus einer bürgerlich assimilierten Familie, in der die jüdische Religion nur eine unter geordnete Rolle spielte. Seine Eltern Otto und Hulda betrieben ein gutgehendes Modegeschäft an der Kaufinger Straße, in einer begehrten Lage der Münchner Innenstadt. Die Landauers – Kurt hatte insgesamt fünf Geschwister – galten als Beispiel dafür, dass sich jüdische Herkunft und bayrische Lebensart im Alltaggut verbinden ließen.

Landauer schloss sich 1901, ein Jahr nach Gründung des Klubs, als damals 17-Jähriger dem FC Bayern an. Er war zunächst Spieler, übernahm im Laufe der Zeit aber immer mehr administrative Funktionen und wurde 1913 erstmals zum Präsidenten gewählt. Wenige Monate später brach der Erste Weltkrieg aus und Landauer zog wie viele zehntausend Juden für Deutschland in den Krieg. Ein militärisches Gutachten bescheinigte ihm, dass er »nach seinen bürgerlichen und sonstigen Verhältnissen« für die Beförderung zum Offizier geeignet sei. Wenige Monate nach Kriegsende übernahm Landauer 1919 ein zweites Mal die Führung des FC Bayern. Die folgenden gut zehn Jahre wurden zur ersten Blütezeit in der Geschichte des heutigen Rekordmeisters.

Laut FCB-Historiker Dietrich Schulze-Marmeling zeigte sich Landauer dabei als einer »der großen Visionäre und treibenden Kräfte im deutschen Klubfußball«. Anders als viele Klubs, die in diesen Jahren jeglichen ausländischen Einfluss und Profibestrebungen strikt ablehnten, verpflichtete Landauer international renommierte und professionell arbeitende Spitzentrainer wie William Townley oder den aus Ungarn stammenden Kálmán Konrad. Seinen größten Coup landete er jedoch 1930 mit der Verpflichtung von Richard Dombi. Drei Jahre später, am 12. Juni 1932, gewann der FC Bayern erstmals die Deutsche Meisterschaft. Der 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt wurde zum Höhepunkt in der sportlichen Karriere von Kurt Landauer: Nach ihrer Rückkehr nach München wurden die Mannschaft und er von mehreren zehntausend Anhängern in der Münchner Innenstadt begeistert gefeiert. Unter gewöhnlichen Umständen wäre dieser Sieg lediglich der Anfang einer langen Blütezeit dieses jungen und aufstrebenden Vereins gewesen. Die NS-Machtübernahme jedoch veränderte auch das Gesicht des FC Bayern radikal. Am 22. März 1933, keine acht Wochen nach der Machtübernahme Hitlers, musste Kurt Landauer seinen Rücktritt als Bayern-Präsident erklären.

Im Zuge der »Selbstgleichschaltung« wurde immerhin kein strammer NS-Parteigenosse zum Nachfolger bestimmt, sondern Landauers langjähriger Freund und Weggefährte Siggi Herrmann. Auf diese Weise konnte er noch einige Jahre aus dem Hintergrund einen gewissen Einfluss auf die Vereinspolitik nehmen. Auch abseits des Fußballplatzes spürte Landauer schon nach wenigen Monaten die Folgen der NS-Politik: Seit 1930 als Anzeigenleiter der »Münchner Neuesten Nachrichten« beschäftigt, wurde ihm am 30. April 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft fristlos gekündigt. Zu Helfern in der Not wurden die Brüder Klauber, alte Weggefährten vom FC Bayern: Sie boten ihm eine Stelle in ihrer Textilfirma an, in der er jedoch nur die Hälfte seines früheren Lohnes verdiente. Im November 1938 begann die schwerste Zeit im Leben von Landauer: Einen Tag nach den Pogromen wurde er ins KZ Dachau deportiert, wo er den Demütigungen seiner Aufseher ausgesetzt war. Als ehemaliger Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs gelang es ihm immerhin, dieser Hölle vergleichsweise schnell zu entkommen. Nach 33 Tagen wurde Landauer entlassen und floh in die Schweiz – ein alles andere als sicherer Zufluchtsort.

Da seine Aufenthaltsgenehmigung immer wieder nur für drei Monate verlängert wurde, musste der alleinlebende Landauer ständig eine Abschiebung nach Nazi-Deutschland und damit in densicheren Tod fürchten. In dieser Lage schenkte ihm der Fußball einen der wenigen schönen Momente. Als er FC Bayern im November 1943 zu einem Freundschaftsspiel in Zürich antrat, war Landauer unter den Zuschauern. Mitgereiste Gestapo-Männer überwachten die Bayern-Spieler und verboten jeglichen Kontakt mit Landauer. Dennoch lief die FCB-Elf nach Abpfiff in Richtung Tribüne und winkte demonstrativ ihrem ehemaligen Präsidenten zu. Für Kurt Landauer war dies ein wichtiges Zeichen, dass er trotz Flucht und Verfolgung in seiner Heimat noch nicht vergessen war.

1947 kehrte er nach München zurück und wurde nur wenige Wochen später als inzwischen 63-Jähriger zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. In den folgenden Jahren etablierte er den Verein in der damals erstklassigen Oberliga und verschaffte ihm gegen große Widerstände sein heutiges Vereinsgelände an der Säbener Straße. Seine letzte Amtszeit endete im April 1951. Kurt Landauer, eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte des FC Bayern, verstarb im Dezember 1961 im Alter von 77 Jahren in München.

Leopold Moskowitz (* 18. Juli 1886 – + 1962 USA)
Leopold Moskowitz war Inhaber eines Textilgeschäftes auf der Schwanthalerhöhe in München. Bis zur NS-Machtübernahme war er Mitglied und Förderer des FC Bayern. Im August 1939, wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, gelang ihm die Flucht in die USA.

Hermann Schülein (* 24. Januar 1884 München – + 15. Dezember 1970 New York)
Der Generaldirektor der Löwenbräu-Brauerei in München war bis zu seiner Flucht in die USA 1936 Mitglied des FC Bayern. Nach Kriegsende kehrte er zurück, wurde wieder Bayern-Mitglied und unterstützte den Verein 1954 auch beim Bau eines neuen Sportplatzes.

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Ermöglicht wurde die Recherche durch die DFB-Kulturstiftung, eine Anzeige des Verlags »Die Werkstatt« sowie ein Preisgeld der Stiftung »Gegen Vergessen. Für Demokratie«, von der 11 FREUNDE für »die vorbildliche redaktionelle Arbeit« in Bezug auf Vergangenheitsaufarbeitung und Engagement gegen rechte Tendenzen im Fußball ausgezeichnet worden ist.

Jahrestag der Befreiung: Bayernfans erinnern an Richard Kohn

Am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erinnerten Fans des FC Bayern auf der ehemaligen Adolf-Hitler-Kampfbahn in Stuttgart mit einer gelungenen Choreographie an den jüdischen Trainer Richard „Dombi“ Kohn. Dieser holte 1932 den ersten Titel des FC Bayern.


Mehr über Richard Kohn | Ausführlicher Lebenslauf über die Zeit beim FC Bayern

Siehe auch: Andreas Wittner: „Richard Little Dombi – Kleine Eminenz, vom Himmel gesandt“. In: Schulze-Marmeling, Dietrich (Hrsg.): „Strategen des Spiels – Die legendären Fußballtrainer“, Die Werkstatt, Göttingen 2005

Die Aktion in bewegten Bildern

Reise-Empfehlung 2013: Fußball-EM in Israel

Die Aufrufe zum Boykott von Produkten aus dem Judenstaat werden immer lauter. Die Friedensbewegung übt sich im Nachplappern iranischer Machtinteressen. Austräger der U21-EM 2013 wird Israel sein. Also nichts wie hin!


London, Juni 2012: Antisemiten demonstrieren gegen die U21-EM in Israel

Sportlerinnen und Sportler aus Israel werden diskriminiert, weil sie für den jüdischen Staat antreten. Schon zur Arbeiterolympiade in Wien 1931 reisten die jüdischen Athleten weither an, aber nahmen aus bislang ungeklärten Gründen nicht an den Turnieren teil (bis auf die Fußballer). Oft lassen die internationalen Sport-Institutionen gegenüber Antisemitismus Milde walten. Die Verantwortlichen der Olympiade errichteten in London 2012 eigens eine Trennwand, weil sich libanesische Judoka weigerten, neben Israelis zu trainieren. Verachtung in diesem Ausmaß erfahren Sportive aus anderen Ländern bei weitem nicht. Der FC Bayern leistete sich ein verfehltes Entgegenkommen im Jahre 2004, als er eine Verletzung vorgab, damit der iranische Stürmer Hashemian von einem Championleage-Spiel in Tel Aviv entbunden war.

Die kommende U21-EM 2013 könnte interessant werden. Im Januar 2011 bestimmte das UEFA-Exektivkomitee Israel als Ausrichter. Der UEFA-Präsident, Michael Platini, bestätigte: „Obwohl ein gewisser Druck auf uns ausgeübt wird, wird die europäische U21-Meisterschaft 2013 in der Tat in Israel stattfinden.“ Prompt trat ein ehemaliger „palästinensischer Nationalspieler“ in den Hungerstreik. Noch dreißig Kilo wiege er, berichtete alarmiert die internationale Profifußballer-Gewerkschaft (FIFPro) – von der man ansonsten wenig hört. In England sprießen bereits die „Mahnwachen“ aus dem Boden. Bald wird die Münchner Friedensbewegung das Thema für sich entdecken.

München wehrt sich – gegen Iran-Sanktionen
In München ist man derzeit noch mit vereinten Kräften bemüht, die Sanktionen gegen die Iran zu unterwandern. Die Hypo-Vereinsbank hat der FAZ zufolge „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ gegen Sanktionsregeln verstoßen und eine Exportfinanzierung in den Iran geleistet. Ein Münchner Gericht legitimierte dieses Jahr den iranischen Propganda-Sender „Press TV“. Auch im weiteren Verfahren sieht es bislang gut für den Sender aus. Die verherrlichende Ausstellung „Ein Blick Iran – betrachten, lauschen, fühlen, Iran erleben“ im katholischen Pfarramt St. Maximilian endete vor zirka drei Wochen. Ausgesprochen wohlwollend berichtete die Süddeutsche Zeitung darüber. Die Friedensbewegung hat ihren militärisch anklingenden „Münchner Appell“ nun umbenannt in „Münchner Aufruf“. Die dazugehörige Internetseite, „Kein Krieg gegen Iran“, deren Breite an Unterstützenden von Linkspartei bis zum antizionistischen Verein „Salam Shalom“ reicht, soll von „Hackern“ zeitweise stillgelegt worden sein, beklagten die Macher.

Neues aus dem Hause FC Bayern!

Kommende Saison tritt voraussichtlich der israelische Superstar Yotam Halperin bei der Basketballmannschaft des FC Bayern an. Und die Utragruppe Schickeria München richtete wieder das alljährliche „Kurt-Landauer-Turnier“ aus. So kanns weitergehen.

Laut Medienberichten konnte jetzt der israelische Basketballer Yotam Halperin in München verpflichtet werden. Die Basketballmannschaft des FC-Bayern war letzte Saison so erfolgreich, dass sich der Mittelfeldstar der Fussballabteilung, Sebastian Schweinsteiger, während seiner verletzungsbedingten Pause 2011 vorzugsweise den Basketball-Krimi Bayern vs. Treviso ansah, als das zeitgleiche Fussballspiel Holland gegen Deutschland. Der in Tel Aviv geborene Halperin soll jährlich knapp 500.000 Dollar verdienen.

Bereits letzten Monat fand zum wiederholten Male das Kurt-Landauer-Turnier statt, organisiert von der Utragruppe „Schickeria München“. Bei der Begegnung zu Ehren des wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgten ehemaligen Präsidenten des FC Bayerns nahmen unter anderen die Mannschaften der Organisationen „Jugendliche ohne Grenzen“ und „Karawane München“ teil, wovon letztere den begehrten Kurt-Landauer-Pokal gewann. Dieses Jahr stand die erfolgreiche Meisterschaft im Jahre 1932 – woran Landauer maßgeblich mitwirkte – im Mittelpunkt des Rahmenprogramms. Darüber hinaus waren u.a. Vorträge zur „Swing Jugend“, der Situation von Flüchtlingen in Italien, der Revolution in Ägypten und zur queeren Community in München bzw. zu Homophobie zu hören. Fans des TSV 1860 rollten beim Amateurderby 2011 gegen den FC Bayern ein Banner aus mit der Aufschrift: „Fussball ist ein Männersport – ihr schwulen Fotzen“.

2011 kündigte Karl-Heinz Rummenigge bei der Buchvorstellung des Sporthistorikers Dietrich Schulze-Marmeling in der Israelitischen Kultusgemeinde an, der FC Bayern werde „gemeinsam mit seinen jüdischen Freunden eine stolze Zukunft haben.“ Im Museum zum 111-jährigen Bestehen des Vereins, das im April 2012 eröffnet werden sollte, würde Kurt Landauer viel Platz eingeräumt, so Rummenigge. Ebenso wolle er sich dafür einsetzen, dass eine Straße in München nach Landauer benannt wird. Die jetzige Kurt-Landauer-Straße nahe der Allianz Arena, in „the middle of nowhere“, sei kein würdiger Ort, so der FC-Bayern Manager.

Lieb und Treue immer preise, unser deutscher Männerbund

Die Fans des TSV 1860 sind schon ein wenig stolz. Ihre zweite Mannschaft konnte das Derby gegen die Amateure vom FC Bayern am Dienstag für sich entscheiden. Mit Ruhm haben sich die Fans dennoch nicht bekleckert. Vielmehr sind sie ganz die alten.

Die Partien zwischen dem TSV 1860 und dem FC Bayern waren schon im Jahre 1902, als der TSV sein erstes Fußballspiel bestritt, stark aufgeladen, da ganz unterschiedliche Vereinsvorstellungen aufeinander trafen. Der TSV entsprang der reaktionären sowie bürgerlichen Turnerbewegung, den FC Bayern zeichnete ein liberales und weltoffenes Klima aus, Kaufleute und Studenten gehörten zu seinen ersten Kickern. Vor genau hundert Jahren wurde eine Löwenkarikatur zum Vereinswappen des TSV. Jubiläumsfeiern sind allerdings nicht zu erwarten, denn sonst wäre auch Franz Grundner zu ehren. Der Festspieldichter entwarf der Überlieferung nach den Löwen der Sechziger im Jahre 1911. Nur war Grundner schon zu dieser Zeit ein Rechtsradikaler und Antisemit, wenig später Mitglied des Wehrverbands Altreichsflagge und führte einen Zug der SA beim „Marsch auf die Feldherrenhalle“ an. Zwei Jahre nachdem Grundner den Löwen entwarf, wurde beim FC Bayern hingegen Kurt Landauer, Sohn einer jüdischen Familie, Präsident. Die Unterschiede zwischen den Vereinen spitzten sich während der NS-Herrschaft eher noch zu. Dem FC Bayern wurde von den Nazis nicht verziehen, ein „Judenverein“ gewesen zu sein, während der TSV darlegen konnte, dass seine Mitglieder schon „früh bei der Fahne Adolf Hitlers“ gestanden haben. Nach dem 2. Weltkrieg wendete sich das Blatt. Landauer kehrte aus dem Exil zurück. Er konnte mit den Alliierten gut und verschaffte dem FC Bayern eine komfortable Startposition, u.a. das Gelände an der Säbener Straße. Beim TSV befanden sich zeitgleich zahlreiche Mitglieder der Vereinsführung im Internierungslager oder vor Gericht. Der Verein tat sich noch über Jahre hinweg schwer, überhaupt unbelastete Führungskräfte an die Vereinsspitze zu setzen. In den 60er und 70er Jahren veränderten sich beide Vereine. Zur Mitgliederbasis des TSV gesellten sich zunehmend Arbeiterinnen und Arbeiter, dem FC Bayern schlossen sich Fangruppen aus dem ländlichen Raum Bayerns an. Diese Entwicklung verwässerte im Grunde die Pole. Aber nicht alle Unterschiede sind bis heute aufgehoben. Das Ressentiment hat nach wie vor überwiegend beim TSV ein Zuhause.

„In zehn Minuten schlagen wir euch tot“
Beim Fankreis des TSV bricht bei den Spielen gegen den FC Bayern oftmals die reaktionäre Tradition auf, insbesondere beim Aufeinandertreffen der beiden Amateurmannschaften. Das könnte daran liegen, weil sich zuvörderst die „wahren Fans“ für Amateurspiele interessieren, also Fans, die mehr die Identifikation als der Sport umtreibt. Diese „wahren Fans“ legen dann in der Regel ein beredtes Zeugnis von sich selbst ab, indem sie den gegnerischen Verein alles nennen, was ihnen im Allgemeinen verhasst ist, bzw. dessen Gegenteil sie gerne wären. So wurde beispielsweise das Lied vom „Stern im Ausweis“ – eine antisemitische Aufbereitung des FC Bayern Fansongs „Stern des Südens“ – erstmals bei einem Derby beider Amateurmannschaften gehört. Bei der Partie am vergangenen Dienstag schafften es die Fans des TSV nahezu, an ihre vergangenen Leistung anzuknüpfen. Nun muss man vorweg sagen, dass der Claim der Bayernfans „Tod und Hass dem TSV“ auch nicht gerade von gut gelüfteten Geistern zeugte. Aber der Chor aus der TSV-Kurve, „In zehn Minuten schlagen wir euch tot“, ward dennoch aus einem anderen Holz geschnitzt. Das Geheimnis, was denn die TSV-Fans an den Bayern zum Totschlagen hässlich fanden, wurde schließlich auch gelüftet. Über die ganze Breite des Blocks entrollte ein Banner, auf dem geschrieben stand: „Fussball ist ein Männersport – ihr schwulen Fotzen“. Das hätte dem Löwen-Logo-Nazi Grundner sicher auch gefallen. Ein weiteres, ebenso großes Banner in der Löwenkurve traf dagegen den Nagel auf den Kopf: „Hass kann ‚Mann‘ sich nicht antrainieren“, stand darauf. Stimmt, diese Männer hassen tatsächlich nicht antrainiert, sondern ganz selbstverständlich – seit mindestens 1860.

Ein Reim von Grundner zum Kehraus
Das „Festlied“, das der Nazidichter zum 60-jährigen Jubiläumsfest des TSV 1860 im Jahre 1920 ins Programm komponierte – und das vermutlich lauthals gesungen wurde – verdeutlicht die Linie zwischen dem Heute und Gestern unzweideutig und stellt einen hinreichend unwürdigen Abschluss für diesen Beitrag dar:

„Und das Lied schwillt mächtig an:
Alle Stimmen rings im Kreise
Eint der feurige Orkan:
Lieb und Treue immer preise
Unser deutscher Männerbund!
Sing und kling du Feuerspreise
Brenn das Vaterland gesund!
Heiße Wünsche uns entflammen -
Zorn erpresst uns Schwur um Schwur.
Fall der Bau der Welt zusammen!
Leb du, unser Deutschland, nur!“

Literaturhinweis
Anton Löffelmaier: Die Löwen unter dem Hakenkreuz, Göttingen, 2009

Rummenigge: „Wir werden eine gemeinsame Zukunft haben“

Der Sport-Historiker Dietrich Schulze-Marmeling ist eingefleischter Fan des Bundesligavereins Borussia Dortmund. Dennoch widmet er ein weiteres Buch der Geschichte des FC-Bayern, insbesondere den Jahren, in denen der Verein „wie ein Fels in einer anschwellenden antisemitischen und antiliberalen Brandung“ erscheint – so Marmeling. Sein aktuelles Werk wurde am Dienstag in den Räumlichkeiten der Israelitischen Kultusgemeinde München (IKG) vorgestellt, umrandet von einem prominent besetzten Podium.

Der große Hubert-Burda-Saal der IKG ist vollständig gefüllt. Um Karl-Heinz Rummenigge bildet sich ein Kreis aus Presseleuten, die allerhand von ihm wissen wollen, zum Transfer von Manuel Neuer und weniger wichtigem Tagesgeschäft. „Rotbäckchen“ nannte man den heutigen Top-Manager des FC Bayern seinerzeit, verrät der langjährige Vereinsschatzmeister Willi Hoffmann später den Gästen – worauf Rummenigge dann tatsächlich rot wird, wie ein ertappter Lausbub. Der Kommentar des FCB-Urgesteins ist für den Routinier weit schwieriger zu handeln, als alle Fragen zuvor. Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der IKG, wird auch etwas gestehen, ihre Liebe zum FC-Bayern nämlich.
Schulze-Marmeling liest aus seinem neuen Buch. Das Werk, „Der FC-Bayern und seine Juden – Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur“, ist trotz der darin markierten Verdienste des Vereins – im Zeichen des Liberalismus, der Moderne und des Fussballs – keine Jubelarie auf den FC Bayern. Nicht-Bayernfans können also beruhigt sein. Schulze-Marmeling kritisiert beispielsweise das Manifest des Süddeutschen Fussball- und Leichtathletikverbandes, das in Stuttgart am 09. April 1933 verabschiedet wurde. Mit dem Papier verpflichteten sich die Unterzeichner – unter anderem der FC Bayern – „insbesondere in der Frage der Entfernung der Juden“ gewillt zu sein. Dieser Akt des „vorauseilenden Gehorsams“ auch liberaler Fussballvereine, so Schulze-Marmeling, verwundere, zumal das Manifest den Forderungen des DFBs vorausgriff.

Der verfolgte Jude hat seine Schuldigkeit getan
Noch schärfer kritisiert Schulze-Marmeling die Abwahl Landauers im Jahre 1951. Der ehemalige jüdische Präsident kehrte nach seinem Rücktritt 1933, nach Konzentrationslager und schweizer Exil, 1947 zum FC Bayern zurück und bescherte dem Verein als neu gewählter Präsident gegenüber skeptischen US-amerikanischen Militärs nicht nur aufgrund seiner persönlichen Geschichte Startvorteile, sondern reichte dem Club auch von seinem ersten „Wiedergutmachungsgeld“ ein Darlehn in Höhe von 10.000 DM. Fürderhin setzte Landauer durch, dass der FC Bayern das Erbbaurecht an der Säbener Straße und Fördergelder bekam. 1951 aber – nachdem der Verein aus dem Gröbsten raus war – wurde Landauer infolge einer Initiative der Handball-Abteilung kurzerhand abgewählt. „Der verfolgte Jude, so erscheint dieser Vorgang, hat seine Schuldigkeit getan“, kommentiert Schulze-Marmeling die Abwahl in seinem Buch. Landauer kehrte nun dem FC Bayern, nach knapp fünfzigjähriger enger Verbundenheit, weitestgehend den Rücken. Ebenfalls kritisiert Schulze-Marmeling, dass seitens des FC-Bayerns zwar die vielfache jüdische Vergangenheit direkt nach dem Krieg betont, in den Folgejahren aber vollständig tabuisiert wurde. Es hat 60 Jahre gedauert bis das Thema wieder auf den Tisch kam, herangetragen von kritischen Journalisten und Fan-Initiativen, wie dem Ultra-Club „Schickeria München“, bemängelt der Sporthistoriker. Rummenigge kann das den Gästen im Hubert-Burda-Saal nicht begründen. Aber der Manager versichert dem Publikum stattdessen:

Wir sind stolz auf die jüdische Vergangenheit. Und eines ist sicher, das verspreche ich ihnen: Wir werden gemeinsam mit unseren jüdischen Freunden eine stolze Zukunft haben

Bayern hat viel vor
Rummenigge kündigt an, im Museum zum 111-jährigen Bestehen des Vereins, das im April 2012 eröffnet werden soll, wird „Landauer viel Platz eingeräumt“. Ebenso will sich Rummenigge dafür einsetzen, dass eine Straße in München nach Landauer benannt wird. Die jetzige Kurt-Landauer-Straße nahe der Allianz Arena, in „the middle of nowhere“, so Rummenigge, zwischen Autobahn und Kläranlage, so Knobloch, hält auch der Bayern-Manager für keinen würdigen Ort.


Unglücklich mit dem jetzigen Standort der Kurt-Landauer-Straße

Das neue Buch von Schulze-Marmeling ist streckenweise redundant, hat man seine letzten Veröffentlichungen zum Thema, „Die Bayern. Die Geschichte des deutschen Rekordmeisters“ und „Davidstern und Lederball“ bereits gelesen. Manche Abschnitte scheinen nur leicht modifizierte Passagen der Vorgänger zu sein, einige Sätze stimmen fast wörtlich überein. Dennoch bietet das Werk viel Neues. Wer weiß schon, dass einer der 16 Unterzeichner der Gründungsurkunde des FC-Bayern, Benno Elkan, später in England eine Bildhauerkarriere machte und die große Menora vor der Knesset in Jerusalem von ihm gestaltet wurde? Auch auf zeitnahe Entwicklungen geht der Sport-Historiker ein. So widmet er zum Beispiel ein Kapitel dem Freundschaftspiel des FC Bayern im Iran und dessen problematische Verwertbarkeit für das iranische Regime.

Eine Kritik am Buch kann nicht erspart bleiben
Wagt sich Schulze-Marmeling zu weit in die Sphären der Antisemitismusforschung, wird es mitunter bunt. Nicht richtig ist mit Sicherheit seine verkürzte Einschätzung, für Golo Mann wäre der „gewöhnliche deutsche Jude, ob getauft oder ungetauft, deutsch in seinen Lastern, deutsch in der Kleidung, Sprache und Manieren, patriotisch und konservativ“ gewesen. Auch wenn sich der streng konservative Mann-Nachkomme das vielleicht gewünscht hat, formulierte dieser in der grottenschlechten – und zu allem Überfluss verlegten Rede „Zum Antisemitismus“ im Jahre 1960 geradezu Gegenteiliges. Im Rahmen einer versuchten Ehrenrettung des Antisemiten Treitschke verweist Mann auch auf einige deutsche Juden, die eine „in gewissem Sinn entwurzelte Existenz“ geführt haben sollen. Der Ausdruck „jüdisch-zersetzend“ sei demnach – bis in die Weimarer Zeit hinein – nicht „völlig ohne Boden“ formuliert worden, so Mann.

Nichtsdestotrotz: Ein gelungenes Buch, das die Tradition des FC Bayern gebührend ehrt, aber nicht in Watte packt. Ich möchte mit einem Zitat aus dem Werk schließen:

In der Rückschau mag der Eindruck entsehen, als habe es im europäischen Fussball von Juden nur so gewimmelt. Dass dies aus heutiger Sicht so erscheint, ist weniger ein Hinweis auf das, was einmal war, als auf das, was nicht mehr ist. „Viele Juden“ waren es nur aus der Sicht einer Generation, die – bedingt durch den Holocaust – Juden und jüdisches Leben kaum noch kennt.

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24.06.11 | im Rahmen des antirassistischen Turniers um den Kurt-Landauer-Pokal | veranstaltet von der Schickeria München