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Deutschland-Premiere des israelischen Films „Jenin – wie es wirklich war“

Kommenden Sonntag wird in Deutschland erstmals der israelische Dokumentarfilm „Jenin – wie es wirklich war“ (2014) aufgeführt – im Beisein des Regisseurs Michael Yochai. Der frühere Pressesprecher der israelischen Armee (IDF) will im Münchner Gasteig insbesondere die gehässige Rolle der Medien nach der Intervention im Flüchtlingscamp Jenin 2002 thematisieren. Aber auch ein Schlaglicht auf die Medien in aktuellen Auseinandersetzungen dürfte nicht ausbleiben.


„Pallywood-Inszenierung“ mit Anweisung nach den Kämpfen in Jenin – kritisch dokumentiert.

„Es war ein Medien-Pogrom gegen den jüdischen Staat“, resümiert heute Tom Gross, Reporter für den Sunday Telegraph im Film „Jenin – wie es wirklich war“. Denn nach der Intervention im Flüchtlingscamp Jenin 2002 durch die IDF übernahmen westliche Leitmedien die Meldungen palästinensischer Agenturen. Sie berichteten weltweit von angeblichen „Massakern“ mit Tausenden Opfern durch die IDF. Allerorts fanden Massendemonstrationen statt. „Jenin 2002 = Warschau 1943″ war auf Spruchbändern in Amsterdam zu lesen. Diese Massaker hat es aber laut dem anschließenden UN-Bericht nie gegeben, bei den Häuserkämpfen in Jenin kamen 52 Palästinenser und 23 Angehörige der IDF ums Leben.

Der 30-minütige Dokumentarfilm von Michael Yochai lässt in Jenin involvierte israelische Soldaten, ehemalige israelische Minister, international tätige Journalisten und auch beteiligte Kämpfer des „Islamischen Jihad“ zu Wort kommen. Die Premiere findet im Rahmen der „Israeltage 2014“ statt. Initiator Michael Lang der Münchner Initiative Jachad zeigt sich erfreut: „Noch 2011 wurde der Film ‚Jenin, Jenin‘ von Mohammed Bakri im Gasteig gezeigt, der die Mär vom Massaker trotz geklärter Faktenlage wiederholt. Yochai’s Dokumentarfilm ist ein längst überfälliges Korrektiv.“

Zuvor hatte sich die Münchner Initiative Jachad sogar um die Teilnahme des umstrittenen Regisseurs Mohammad Bakri an der Veranstaltung bemüht. „Wir hätten es sehr spannend gefunden, wenn beide Regisseure und beide Filme bei der Veranstaltung aufeinandergetroffen wären. Aber das Prohibitiv-Honorar Bakri’s hat eine Einladung unmöglich gemacht“, sagt Lang. Letztendlich sei Jachad sogar seitens des Verleihs untersagt worden, den Film „Jenin, Jenin“ auf der Veranstaltung zu zeigen. „Offenbar möchte man sich mit dem Film ‚Jenin, Jenin‘ einem kritischen Publikum heute nicht mehr stellen.“ Das sei auch ein gutes Zeichen, so Lang. Für die Vorführung des Yochai-Films wurden laut Veranstalter eigens deutsche Untertitel angefertigt.

Direkt zuvor spricht ab 15.30 am Sonntag im Gasteig die ehemalige Knesset-Abgeordnete Einat Wilf zur Notwendigkeit, weshalb Israel ein „Jüdischer Staat“ ist und auch bleiben sollte. Die Ermordung dreier jüdischer Teenager könnte hinsichtlich der aktuellen Auseinandersetzung ebenfalls ein Thema werden. Wilf hatte erst kürzlich dazu ein Interview gegeben. Eine weitere Doppelveranstaltung im Rahmen der „Israeltage 2014″ findet am Samstag, dem 12 Juli, statt. Es kommen der Journalist Ulrich Sahm und der Jurist Tilman Tarach in den Münchner Gasteig.

Tabu-Brecher-Marathon 2014

Kommende Veranstaltungen zum Land, über das angeblich niemand sprechen, das man nur hinter vorgehaltener Hand kritisieren, für das man sich allenfalls die letzte Tinte aufsparen darf. Die mutigsten Tabu-Brecher der nächsten Wochen im Überblick:


Foto: Blues Sofa, Creative Commons

24. Januar | „Mahnwache ‚Für gerechten Frieden im Nahen Osten‘“ | der „Frauen in Schwarz“ | in der Fußgängerzone Neuhauserstraße 8

29. Januar
| „Die neuen Richtlinien der EU“ | Vortrag von Shir Hever in den Räumlichkeiten der Initiativgruppe | eine Veranstaltung der „Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe“

29. Januar | „Israel, ein zerrissenes Land – zwischen Demokratie und Theokratie“ | Vortrag von Peter Barth im Gasteig

31. Januar | „Frieden für den Nahen und Mittleren Osten?“ | Vortrag von Mohssen Massarrat | auf der Internationalen Münchner Friedenskonferenz 2014 im Literaturhaus

1. Februar | Großdemonstration gegen die sogenannte Sicherheitskonferenz | zusammen mit Salam Shalom, SDAJ München, Freidenkerverband, ALM und anderen antizionistischen Organisationen | Abschlusskundgebung am Marienplatz

07. Februar | „Palästinensische Gebiete: Psychisch gestärkt und für den Notfall ausgebildet“ | eine Veranstaltung des Ärzte der Welt e.V. im EineWeltHaus

10. Febuar | Reuven Moskovitz-Jerusalem im Gespräch mit Fuad Hamdan | EineWeltHaus

26. Februar
| „Kinder im Gazastreifen“ | Karin Nebauer in Kooperation Münchner Friedensbündnis im EineWeltHaus

19. Mai
| „Pilger- und Solidaritätsreisen nach Israel+Palästina“ | veranstaltet vom Karmeliterorden Straubing

Ausweitung der Arschgeigen-Zone

In den Räumlichkeiten des großen städtischen Kulturzentrums Gasteig konnte am 17.01.2011 die Redaktion des extrem rechten Magazins Sezession einen Abend gestalten. Auf dem Podium fanden sich die Publizisten Götz Kubitschek und Alexander Kissler ein. Ein parteiisches Protokoll des Abends.

Passend: Georg Elser Gedenktafel vor dem Münchner Gasteig

Trachtler, Sudetendeutsche, ehemalige Wehrmachtsangehörige, Burschenschafler und ähnliche Kaliber sind dem Aufruf der Sezession gefolgt und füllen den Presseraum 0.131 des Gasteigs annähernd aus. In der ersten Reihe sitzen ein paar Muskelbeulen mit hartem Seitenscheitel, links und rechts vom Publikum halten zwei Aufpasser mit Kamera Position. Die überwiegende Mehrheit der Versammelten hat die aktuellste Ausgabe des ostdeutschen Magazins am Eingang käuflich erworben. Die Stimmung ist gespannt. Kaum ein Mucks ist zu hören, als die beiden Referenten das Podium besetzen. Es ist eine Besonderheit, dass sich diese Runde hier an diesem Ort versammeln kann, merkt Felix Menzel an, Redaktionsmitglied der Sezession und Moderator des Abends. Das habe man vor allem Herrn Kissler zu verdanken, wird Menzel später erklären.

Das große Sterben
Auf dem Programm steht – wie üblich in diesen Kreisen – einleitend eine Runde Selbstmitleid. Und zwar gerade so, als würden nicht die Ideologien in den Köpfen der Anwesenden auf einen barbarischen und mörderischen Furor hinauslaufen, sondern die Kritik daran. „An der Wand tut’s wirklich weh“, erklärt Kubitschek, ebenfalls von der extrem rechten Sezession, mit viel Gefühlsaufwand den gerührten Gästen. Greift der „Mechanismus der Skandalisierung“ erstmal, ist man schon bald „sozial tot“ und der „Weg der Skandalisierung“ ist bereits gesäumt von „politischen Leichen“, bebildert Kubitschek im eng gesteckten Rahmen seiner intellektuellen Möglichkeiten die Fälle Nolte, Jenninger, Hohmann, Walser und Herrman. Sarrazin habe den Skandal „gerade so überlebt“, unter anderem, weil ihm in der „entscheidenden Frage des sogenannten Judengens, die Juden selbst beigesprungen“ wären und „die Juden“ gesagt hätten: „natürlich gibt es eine genetische Verwandschaft um die Juden. Punktum. Über mehr müssen wir hier gar nicht reden“. Ein Gast möchte in die Liste der Toten und Halbtoten noch Ilan Pappe und Norman Finkelstein eingeschrieben wissen, deren antisemitischen Ergüsse er wohl gerne in München gehört hätte, welchen aber die städtischen Räumlichkeiten kurzerhand entzogen wurden.

Kubitscheks Ausblick
Kubitscheks Einschätzung nach wird sich mit einem Zusammenbruch des Finanzsystems – den er erwartet – die Sarrazin-Debatte verschärfen. Die besitzenden Kleinbürger werden verarmen und die „ethnischen Bruchlinien“ werden „aufbrechen“, schildert der Publizist mit stiernackiger Zuversicht. Gegen die „schiere Anzahl“ von Einwanderern sollten die Deutschen dann „Abwehrbegriffe“ haben. Die entscheidenden Fragen seien: „Wer gehört zur Schicksalsgemeinschaft? Wer gehört zu mir?“. Zur Verteidigung rät Kubitschek den Deutschen, sich auf „das Unterkomplexe“ zu besinnen (das wird nicht vielen schwer fallen). Denn „nur Barbaren können sich verteidigen“, führt er in ruhigem Ton weiter aus. Wie die „Schicksalsgemeinschaft“ dann nach gewonnener Barbarenschlacht bestenfalls aussieht, verrät Kubitschek auch. Es komme die Zeit des „liebenden Blickes auf den Menschen“ und zwar genau so:

[Jeder Deutsche] wird gebildet, soweit es ihm möglich ist. Er bekommt ein gutes Stück Arbeit hingelegt. [Auch,] wenn er Kaffee kocht für 200 Leute, jeden Tag im Betrieb, dann ist das eine saubere Angelegenheit. Wenn er das sein Leben lang ordentlich macht, gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Er sitzt dann abends mit am Tisch, trinkt sein Bier, und erzählt, wie er die Welt wahrgenommen hat, den Tag über.

Auftritt der Wurst
Kubitschek nennt sich einen Freund des „Preußischen Sozialismus“, weil seiner Ansicht nach ein auf „Verträgen basierendes Miteinander“ der „Deutschen Nation“ widerspreche. Kubitschek weiss nicht, dass der sich herausbildende Kapitalismus die Nation erst hervorgebracht hat. Sein Podiumskollege Kissler, unter anderem auch Autor des stramm rechtsliberalen Magazins eigentümlich frei, ist da besser im Bilde. Er profiliert sich gemäß seiner Blattlinie als absoluter Befürworter der Marktwirtschaft. Erst durch die „Kraft der Marktwirtschaft“, die „Nachfragekraft des merkantilen Erfolges“[sic], haben „gewisse Begriffsverhinderungsstrategien“ im Falle Sarrazin nicht mehr funktioniert, lobt Kissler sprachlich verworren marktwirtschaftliche Vorzüge. Der junge Doktor versucht sich stets gewählt auszudrücken und grinst zufrieden in sich hinein, wenn ihm das gelungen ist. Es gelingt ihm aber nicht immer. Regelmäßig kommt es zu sinnentleerenden Doppelungen. Sarrazin müsse „die Überführung seines Buches in eine parteipolitische Agenda übersetzen“, ist eine weitere solche Stilblüte.

Dabei geht es Kissler gerade um Sprache
„Zu ihrer Frau zuhause können sie sagen was sie wollen, in der Öffentlichkeit wird’s dann schwieriger“, erklärt der Focus Redakteur dem ihm gegenüber mehrheitlich skeptischen Publikum. Seine Beteuerungen, dass es ihm ebenso um den Erhalt der „autochthonen Bevölkerung“ in Deutschland gehe, helfen nicht, die Skepsis abzubauen. Erst habe man „Gastarbeiter“ gesagt, dann „Ausländer“ und jetzt „Migranten“. Migranten bedeute vom Wortursprung her „sie wandern“. Man möchte wohl sagen, „die sind gar nicht richtig da“, scherzt Kissler abgeschmackt. Derlei Clownerien hat er eine ganze Reihe im Gepäck, zum Leidwesen des Humors. Kissler empfiehlt, den „Sprachreglungen“ eine „Ausweitung der Formulierungszone“ entgegenzusetzen. Ob Kissler dieser großen und – wie wir erfahren haben – absolut tödlichen Aufgabe gewachsen ist? Die Ausweitung der Arschgeigen-Zone bis in städtische Einrichtungen hinein ist dem Publizisten, der für renommierte Zeitungen arbeitet, zumindest gelungen.

Jenin, Jenin – Garstiges im Gasteig

Die Veranstaltungen im Gasteig zum Thema Israel häufen sich. In den Räumen des großen Münchner Kultur- und Bildungszentrums ist mittlerweile Israel öfter Anlass, als beispielsweise alle politischen Veranstaltungen zu allen afrikanischen Staaten zusammen. Der Blick auf Israel läuft dabei oftmals Gefahr, einer antijüdischen und unausgewogenen Perspektive zu folgen. Bei der Palästina-Israel Filmwoche Ende Januar ist das ganz sicher der Fall – obwohl der Titel ein ausgewogenes Bild suggeriert. Gezeigt wird u.a. der umstrittene Film „Jenin, Jenin“.


Selbstmordanschlag, Israel 2002

Der im Jahre 2002 erschienene Film Jenin, Jenin hat seiner Zeit für Furore gesorgt. Der Hintergrund: Zwischen November 2000 und Novermber 2003 rissen 103 arabische Attentäterinnen und Attentäter pro Anschlag durchschnittlich 4,3 Menschen in Israel mit in den Tod und 29,9 Menschen wurden pro Anschlag durchschnittlich verletzt. Nach den Attentaten während der Pessach-Ferien rückte die IDF in Jenin ein, einer Kleinststadt ehemaliger Flüchtlinge und ihrer Nachkommen, aus welcher laut Angaben der Behörden etliche Attentäterinnen und Attentäter stammten. Palästinensische Funktionäre sprachen daraufhin von einem Massaker an der Zivilbevölkerung durch die IDF, wie es „kein Mensch jeh gesehen“ habe – und von mindestens 500 Toten. Al Jazeera berichtete schon zu Beginn der Operation von „tausenden Verletzten“. Viele europäischen Medien übernahmen diese Meldungen ungeprüft. Überall in Europa fanden Demonstrationen statt. 15.000 Menschen demonstrierten in Amsterdam, mit Spruchbändern wie zum Beispiel: „Jenin 2002 = Warschau 1943″.

Der Film „Jenin, Jenin“ sollte das Massaker dokumentieren
Die Geschichte vom Massaker mit hunderten Toten entpuppte sich als glatte Lüge. Es kamen bei Häuserkämpfen insgesamt 52 in Jenin Lebende und 23 Angehörige der IDF ums Leben. Diese Zahlen wichen nicht weit vom Bericht der IDF ab und wurden von einer unabhängigen Kommission der UNO ermittelt. Der Film „Jenin, Jenin“, der im Grunde die damalige Sicht der Fatah wiedergibt, landete nach wenigen Aufführungen in Israel auf dem Index – was bis dahin 15 Jahre lang bei keinem politischen Film der Fall war. Die Filmbehörde nannte das Werk „verleumderisch“. Die zahlreichen Falschdarstellungen zur Lage in Jenin wurden unter anderem von einem Arzt, der im betreffenden Zeitraum in Jenin behandelte, in allen Einzelheiten widerlegt. Der geschäftsführende Produzent des Filmes war Iyad Samoudi, ein ehemaliges Mitglied der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden. Auch als Samoudi seinen Dienst als Polizist der Autonomiebehörde antrat, schwor er dem Terror nicht ab. Die israelische Armee beschlagnahmte im Haus des Produzenten bei einer Durchsuchung nach den Dreharbeiten 2002 dreißig Rohrbomben. Er kam bei der Festnahme ums Leben.

„a documentary combined with libelous lies“
Der Oberste Gerichtshof in Israel nahm „Jenin, Jenin“ zwar ca. zwei Jahre später (2004) wieder vom Index, bestätigte allerdings, dass dieser Film viele Falschdarstellungen zeige und nannte ihn eine „Propagandalüge“. Nur sei es nicht Aufgabe einer Behörde, Filme auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, urteilte das Gericht. Im Jahre 2003 sollte „Jenin, Jenin“ auf ARTE gesendet werden, doch selbst der deutsch-französische Kulturkanal, der mit antiisraelischen Sendungen ansonsten wenig sparsam umgeht, nahm den Film kurzfristig wieder aus dem Programm.

Wer Antisemitismus unter bestimmten Umständen für nachvollziehbar hält und den Eintritt dieser Umstände geradewegs herbeisehnt, oder wer gar mit jenen am liebsten mitfühlt, die bereit sind, im Kampf gegen Jüdinnen und Juden ihr Leben zu opfern, der wird beim Film „Jenin, Jenin“ auf seine Kosten kommen. Verständnis für Attentate, Intifada und antijüdische Rhetorik wird dabei nämlich filmisch eingeübt. Von „die Juden auf den Mond“ bis „unsere Kinder werden uns rächen“ wird vieles in diesem Film ausgesprochen. Die Situation der Jüdinnen und Juden in Israel und eine Aufarbeitung der Ideologie der arabischen Mehrheitsgellschaften um Israel herum – also das, was einer monokausalen Darstellung zumindest beizumischen wäre, um einen ersten Eindruck von Komplexität zu erhalten – wird über die ganzen sieben Tage der Filmwoche hinweg ausgespart.

Programmheft: Palästina-Israel Filmwoche
Sich selbst ein Bild machen: „Jenin, Jenin“ auf Youtube (55 Min.)
Lektüre für nach dem Film: Seven lies about Jenin

Stadt Freiburg sagt Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948″ ab

In München konnte man von der Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948″ nicht genug haben. Sie erschien gleich mehrere Jahre hintereinander, an verschiedenen Orten: im Eine-Welt-Haus, im Gasteig und an der Hochschule für Philosophie. In Freiburg hingegen erteilte Oberbürgermeister Dieter Salomon der bereits zugesagten Wanderausstellung eine Absage


Scheinbar gut gerüstet gegen Antisemitismus: Der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon. (Das läuft in Freiburg nicht immer so).

Aus der offiziellen Begründung der Stadt:

Inhaltlich lastet die Ausstellung die Alleinverantwortung für die Vertreibung der Palästinenser den Israelis an. Die palästinensischen Araber als verantwortlich und aktiv Handelnde in diesem Konflikt kommen in der Präsentation nicht vor. Keine Rede ist beispielsweise von den antisemitisch motivierten arabischen Pogromen, die bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts und vor allem nach 1945 in den jüdischen Siedlungsgebieten des arabischen Raumes stattfanden. Diese andere “Nakba” (deutsch: Katastrophe) bedeutete Flucht und Vertreibung für Hunderttausende arabischer Juden, die ihre Heimat verlassen mussten und in Israel aufgenommen wurden.

Unerwähnt bleibt auch die Tatsache, dass Hitlerdeutschland die Gründung des Staates Israel verhindern wollte und dabei mit den palästinensischen Arabern, allen voran mit dem geistigen und politischen Führer und Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, aufs engste kooperierte und sowohl ideologisch wie materiell unterstützte. Und keine Rede ist davon, dass die arabischen Anrainerstaaten die Palästinenser zur Evakuierung der Kampfgebiete vor dem Angriffskrieg auf Israel 1948 aufforderten. Seit Jahrzehnten bilden die palästinensischen Flüchtlinge eine politische Manövriermasse, die den arabischen Staaten als politisch-moralisches Druckmittel gegen Israel dient.

Ebenfalls ist nicht erwähnt, dass die PLO als politische Repräsentanz der Palästinenser das Existenzrecht Israels in ihrer Gründungserklärung verneinte, so wie es heute noch Hamas, Hisbollah oder manche arabische Staaten tun und mit Attentaten und Raketenagriffen auf Israel unterstreichen.

Die Ausstellung berücksichtigt überdies nur den Zeitraum vor 1949 sowie die Gegenwart, nicht jedoch die dazwischen liegenden 60 Jahre, in denen sich das Flüchtlingselend und die Unversöhnlichkeit der Lager noch verschärft haben. Auch an dieser Entwicklung waren die Palästinenser und ihre arabischen Unterstützer nicht unbeteiligt.

Indes hat die antizionistische Organisation „Institut für Palästinakunde“ eine Erklärung abgegeben: Den „Bütteln des israelischen Staatsinteresses“ sei es gelungen, den „Bürgern der Stadt den Sack des israelischen Propaganda-Interesses über den Kopf zu ziehen“.

(Nachtrag): Das Verwaltungsgericht in Freiburg entschied, dass – aufgrund der späten Absage – die Veranstaltung doch stattfinden muss.