Tag-Archiv für 'kino'

Veranstaltungshinweis: For a Moment, Freedom

Ab 26. Juni wird die synchronisierte Fassung des dutzendfach ausgezeichneten Films „For a Moment, Freedom“ im Handel erhältlich sein. Diesen Sonntag zeigt das Wohnprojekt Ligsalz 8 den Streifen über die Flucht dreier iranisch-kurdischer Gruppen im Original. Zur Diskussion läd die Organisation United 4 Iran – Bayern.

Zeit: 12. Juni 2011 | 19 Uhr | Ablauf: Kurzvortrag über die politischen Ereignisse der letzten zwei Jahre im Iran | anschließend Filmvorführung (mehrsprachig mit dt. Untertiteln) | Ort: Ligsalzstraße 8, 80339 München | U5 Schwanthaler Höhe

Weiterführende Links:
United 4 Iran – Bayern | Website zum Film | Wohnprojekt Ligsalz 8

Sterben für den Frieden im Mathäser Filmpalast

Lange hat sich die FSK Zeit gelassen, aber in letzter Minute dann doch den Film „Tal der Wölfe – Palästina“ freigegeben. Am 27.01.2011 fand die erste Vorführung im Mathäser Filmpalast statt. Es besteht kein Zweifel: der Film möchte ein Volk verhetzen – und zwar das türkische.


Mosche Dajan und Ariel Scharon

Schon in den ersten Minuten des Films „Tal der Wölfe – Palästina“ wird klar, wohin die Reise geht. Der türkische Geheimagent Polat ist nach Israel gekommen, das er Israel nennen nicht will und schreitet geradewegs auf einen Grenzposten Richtung Westjordanland zu, den er freilich auch nicht anerkennt. Die Kamera fängt auf seinem Weg durch die Jerusalemer Altstadt das bunte Treiben der Menschen ein. Beim Umschnitt auf orthodoxe Juden beginnt die Zeitlupe, um diese möglichst bedrohlich vom restlichen Gewusel abzuheben. Am Grenzposten angekommen spricht der Geheimagent dann „die Sprache die sie verstehen“. Das 105-minütige Geballer auf alles was sich bewegt und einen Davidstern trägt, beginnt.

Die neuen Nazis sind Juden
Im Laufe des Filmes werden drei antisemitische Stereotype in Rollen gegossen. Das erste verkörpert Avi, ein verschlagener Greis, der die Tora immer griffbereit hat (sowie er die Welt im Griff hat). Avi träumt von einem „Großisrael“, das sich „keiner mehr traut zu vernichten“. Dessen Handlanger ist Mosche, ein brutaler Sadist, der die IDF befehligt. Mosche trägt zuletzt eine Augenklappe, wie der einstige israelische Oberbefehlshaber Mosche Dajan. Er ist im Begriff Spezialpatronen zu besorgen, in hoher Stückzahl – „genug für die Welt“. Die dritte Karikatur ist die gute Jüdin Levi, deren Großvater von den Nazis ermordet wurde und die sich jetzt für die arabische Sache erwärmt. Gegen Mitte des Filmes zieht sich Levi – von pompöser Musik gerahmt – ein Kleid und ein Kopftuch über. „Jetzt siehst du aus wie eine echte Frau“, kommentiert ein arabischer Junge ihren optischen Wandel hin zum Islam anerkennend. Das Publikum im Mathäser lacht. In ihrem neuen Gewand stellt Levi dann den Avi zur Rede: „Es waren Mörder wie Sie, die meinen Großvater ermordet haben“.

Der Islam in Haft
Der Gemeimagent Polat ist gekommen, um sich an Mosche für die Ereignisse auf dem türkischen Schiff „Mavi Marmara“ zu rächen, bei der israelische Soldaten – so zeigt es der Film – auf das Schiff kamen und die flüchtenden Türken von hinten erschossen. Mosche ist über das Erscheinen des türkischen Agenten verwundert, weil ein altes Sprichwort besage, man könne „soviele Türken töten wie man will, die machen nichts“. Mosche hält währenddessen einen hohen islamischen Geistlichen in Geiselhaft, was Polat noch davon abhält, Mosche zu zeigen, was Mosche in Zukunft unter einem echten Türken zu verstehen habe. Der Showdown ist im Grunde die filmische Wiederaufbereitung der Propagandalüge vom Massaker in Jenin. Mit den Worten „stirb dreckiger Mörder“ aber bereitet Polat dem Mosche ein Ende. Das Publikum im Mathäser Filmpalast spendet Szenenapplaus.

Märtyrer für den Frieden
Im Film „Tal der Wölfe – Palästina“ wird zentral für den Märtyrertod geworben. Denn: „sie sind soweit, dass sie alle Nicht-Juden für Judenfeinde halten“. Deshalb: „Wenn man den Widerstand aufgibt, lässt Israel keinen von uns am Leben“. Demnach: „Wenn wir sterben, sterben wir als Märtyrer für den Frieden“. Dabei legt der Film nahe, dass Israel eine tödliche Bedrohung für die gesamte Welt sei, genug Patronen wurden schließlich von der IDF bereits bestellt. Es werden althergebrachte antisemitische Topoi mit neuen verbunden und die türkische Nation, die als Erlöserin auftritt, auf einen Krieg gegen Israel eingeschworen. Die Empörung über die Vorstellung im Mathäser Filmpalast hält sich in München indes in Grenzen, was kaum verwundlich ist, in einer Stadt, die sich noch heute einer Treitschkestraße nicht schämt.

Debattenbeitrag zum Thema Zensur oder Nicht-Zensur: Nichtidentisches

Jenin, Jenin – Garstiges im Gasteig

Die Veranstaltungen im Gasteig zum Thema Israel häufen sich. In den Räumen des großen Münchner Kultur- und Bildungszentrums ist mittlerweile Israel öfter Anlass, als beispielsweise alle politischen Veranstaltungen zu allen afrikanischen Staaten zusammen. Der Blick auf Israel läuft dabei oftmals Gefahr, einer antijüdischen und unausgewogenen Perspektive zu folgen. Bei der Palästina-Israel Filmwoche Ende Januar ist das ganz sicher der Fall – obwohl der Titel ein ausgewogenes Bild suggeriert. Gezeigt wird u.a. der umstrittene Film „Jenin, Jenin“.


Selbstmordanschlag, Israel 2002

Der im Jahre 2002 erschienene Film Jenin, Jenin hat seiner Zeit für Furore gesorgt. Der Hintergrund: Zwischen November 2000 und Novermber 2003 rissen 103 arabische Attentäterinnen und Attentäter pro Anschlag durchschnittlich 4,3 Menschen in Israel mit in den Tod und 29,9 Menschen wurden pro Anschlag durchschnittlich verletzt. Nach den Attentaten während der Pessach-Ferien rückte die IDF in Jenin ein, einer Kleinststadt ehemaliger Flüchtlinge und ihrer Nachkommen, aus welcher laut Angaben der Behörden etliche Attentäterinnen und Attentäter stammten. Palästinensische Funktionäre sprachen daraufhin von einem Massaker an der Zivilbevölkerung durch die IDF, wie es „kein Mensch jeh gesehen“ habe – und von mindestens 500 Toten. Al Jazeera berichtete schon zu Beginn der Operation von „tausenden Verletzten“. Viele europäischen Medien übernahmen diese Meldungen ungeprüft. Überall in Europa fanden Demonstrationen statt. 15.000 Menschen demonstrierten in Amsterdam, mit Spruchbändern wie zum Beispiel: „Jenin 2002 = Warschau 1943″.

Der Film „Jenin, Jenin“ sollte das Massaker dokumentieren
Die Geschichte vom Massaker mit hunderten Toten entpuppte sich als glatte Lüge. Es kamen bei Häuserkämpfen insgesamt 52 in Jenin Lebende und 23 Angehörige der IDF ums Leben. Diese Zahlen wichen nicht weit vom Bericht der IDF ab und wurden von einer unabhängigen Kommission der UNO ermittelt. Der Film „Jenin, Jenin“, der im Grunde die damalige Sicht der Fatah wiedergibt, landete nach wenigen Aufführungen in Israel auf dem Index – was bis dahin 15 Jahre lang bei keinem politischen Film der Fall war. Die Filmbehörde nannte das Werk „verleumderisch“. Die zahlreichen Falschdarstellungen zur Lage in Jenin wurden unter anderem von einem Arzt, der im betreffenden Zeitraum in Jenin behandelte, in allen Einzelheiten widerlegt. Der geschäftsführende Produzent des Filmes war Iyad Samoudi, ein ehemaliges Mitglied der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden. Auch als Samoudi seinen Dienst als Polizist der Autonomiebehörde antrat, schwor er dem Terror nicht ab. Die israelische Armee beschlagnahmte im Haus des Produzenten bei einer Durchsuchung nach den Dreharbeiten 2002 dreißig Rohrbomben. Er kam bei der Festnahme ums Leben.

„a documentary combined with libelous lies“
Der Oberste Gerichtshof in Israel nahm „Jenin, Jenin“ zwar ca. zwei Jahre später (2004) wieder vom Index, bestätigte allerdings, dass dieser Film viele Falschdarstellungen zeige und nannte ihn eine „Propagandalüge“. Nur sei es nicht Aufgabe einer Behörde, Filme auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, urteilte das Gericht. Im Jahre 2003 sollte „Jenin, Jenin“ auf ARTE gesendet werden, doch selbst der deutsch-französische Kulturkanal, der mit antiisraelischen Sendungen ansonsten wenig sparsam umgeht, nahm den Film kurzfristig wieder aus dem Programm.

Wer Antisemitismus unter bestimmten Umständen für nachvollziehbar hält und den Eintritt dieser Umstände geradewegs herbeisehnt, oder wer gar mit jenen am liebsten mitfühlt, die bereit sind, im Kampf gegen Jüdinnen und Juden ihr Leben zu opfern, der wird beim Film „Jenin, Jenin“ auf seine Kosten kommen. Verständnis für Attentate, Intifada und antijüdische Rhetorik wird dabei nämlich filmisch eingeübt. Von „die Juden auf den Mond“ bis „unsere Kinder werden uns rächen“ wird vieles in diesem Film ausgesprochen. Die Situation der Jüdinnen und Juden in Israel und eine Aufarbeitung der Ideologie der arabischen Mehrheitsgellschaften um Israel herum – also das, was einer monokausalen Darstellung zumindest beizumischen wäre, um einen ersten Eindruck von Komplexität zu erhalten – wird über die ganzen sieben Tage der Filmwoche hinweg ausgespart.

Programmheft: Palästina-Israel Filmwoche
Sich selbst ein Bild machen: „Jenin, Jenin“ auf Youtube (55 Min.)
Lektüre für nach dem Film: Seven lies about Jenin

Metropolis – die Rehabilitation eines deutschen Propagandastreifens

Wenn in Deutschland ein kulturelles Großereignis ansteht, das Alt und Jung, Links und Rechts, sowie Oben und Unten hinter sich bringt, dann ist da etwas faul. Und einer langen Suche bedarf es beim „Jahrhundertfilm“ Metropolis wenig. Die Drehbuchautorin Thea von Harbou hat für ihre Arbeiten während der NS-Herrschaft stets das Prädikat „Staatspolitisch und künstlerisch wertvoll“ erhalten. Goebbels wollte den Regisseur Fritz Lang zum Leiter des Deutschen Films machen, traf er doch schon mit seiner Nibelungen Saga Verfilmung exakt den Geschmack des Propagandamininsters. Lang lehnte zwar ab, aber überrascht hat ihn das Angebot sicher nicht. Auch mit „Metropolis“ haben Harbou und Lang einen Film abgeliefert, der sich perfekt in nationalsozialistische Propaganda einpassen lässt. Wenn es sich nicht gar um einen Film vor seiner Zeit handelt.

Der Jude Rotwang
(mehr…)