Tag-Archiv für 'musik'

Flohmarkt: Anzeige gegen Händler von Naziware

Die Münchner Polizei ermittelt gegen einen Händler, der auf dem Theresienwiesen-Flohmarkt letzten Samstag Fandevotionalien der antisemitischen und rassistischen Band „Landser“ verkaufte.


Stand mit strafbarem T-Shirt letzten Freitag: „Landser – Deutsche Wut“

Flohmärkte sind Fundgruben für Quatsch und Reizendes – aber auch für Nazikram. Gewöhnlich signalisieren vermeintlich harmlose Artikel beispielsweise zum 2. Weltkrieg den Interessierten, dass am Stand noch mehr zu holen sein könnte. In einer Kiste unter dem Tisch lässt sich dann der Wehrmachtshelm finden. Und auf Nachfrage lagert das SS-Abzeichen im Auto oder ist im Nachgang beziehbar. An diese eingetretenen Pfade hat sich ein Händler beim letzten Theresienwiesen-Flohmarkt nicht halten wollen. Schon am Vortag des Flohmarktes präsentierte er an seinem Stand ein T-Shirt zum verbotenen Album „Deutsche Wut“ der rechtsradikalen Band „Landser“ prominent. Die Band wurde 2003 vom Berliner Kammergericht als „kriminelle Vereinung“ eingestuft. Im Lied „Deutsche Wut“ wird dem ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, gedroht.

Am Stand gab es zwischen allerhand Kitsch noch mehr ein- und zweideutige Artikel zu entdecken. Neben Metall-Schildern mit der Aufschrift „Deutsches Reich“ oder „Deutsches Sperrgebiet“ fanden sich Tassen mit der Aufschrift „NSU“. Zwar bezogen sich die Tassen auf die historischen Motorenwerke NSU, doch besteht im Kontext des restlichen Angebots der Verdacht, dass hiermit augenzwinkernd auf die Mörderbande mit dem Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) angespielt wurde.

Obwohl bereits am Freitag Zehntausende an dieser Auslage vorüberzogen, dauerte es bis Samstag circa 11 Uhr, bis ein Passant die Polizei verständigte, da sich dieser an einem Pullover (ebenfalls von „Landser“) in der Auslage störte. Bei der Durchsuchung des Standes konnte die Polizei diesen Pullover und noch weiteres belastendes Material – wie beispielsweise eine Schallplatte – sicherstellen. Darüber hinaus erfolgte eine Strafanzeige gegen den Händler nach §86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen). Sein fragwürdiges Angebot disqualifizierte den Standbetreiber in den Augen der Flohmarkt-Organisatoren allerdings nicht, seine Geschäfte noch bis zum Ende weiterzuführen.

Forgotten Tomb: Rechtsradikale Blackmetalband soll im Backstage aufspielen

Die rechtsradikale Blackmetalband „Forgotten Tomb“ soll im Backstage auftreten – am 20. April, wenn Neonazis in ganz Deutschland das 125-jährige Jubiläum des „Führergeburtstags“ feiern. Das passt zusammen.


Backstage-Chef Stocker inszeniert sich gerne als großer Nazi-Jäger – doch selbst im eignen Laden geht es nicht immer koscher zu

Am Ostersonntag 2014 wird laut Plan im Backstage das „Dark Easter Metal Meeting“ stattfinden, mit zahlreichen Metalbands aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Frappant: Angekündigt ist unter anderem auch die 1999 gegründete Blackmetalband „Forgotten Tomb“, die damit das erste Mal in der bayerischen Landeshauptstadt anklingen würde. Die italienische Formation wird von Beobachtern der „National Sozialist Blackmetal“-Szene (NSBM) zum rechtsradikalen Spektrum gezählt.

Das erste „Forgotten Tomb“-Album produzierte der Bandleader „Morbid“ im Jahr 2000 mit seinem Label „Treblinka Productions“, eine Anspielung auf das Vernichtungslager Treblinka. Den Namen seines Labels begründete „Morbid“ im Jahr 2004 auf der Online-Seite von „Forgotten Tomb“ auch unmissverständlich: „Ich habe begonnen, manchen Abschaum zu hassen – wie kriminelle Immigranten, drogensüchtige Fotzen, Huren, Drogenhändler, Vergewaltiger und Scheiße wie diese. Sie verdienen es wirklich nicht, zu leben. So habe ich mit Treblinka Productions begonnen, um eine intolerante Art des Denkens zu verbreiten. Ich habe Propaganda gemacht, um die Schlachtfelder wieder zu eröffnen und um diese Idioten in den Ofen zu schicken.“

„E-Gay ein verdammtes, jüdisches Geschäft”
“Morbid” legte sich für ein NSBM-Seitenprojekt mit dem ebenfalls zynischen Namen “The true Gaszimmer“ ins Zeug. Über den Online-Shop Ebay sagte „Morbid“ angeblich, dass dieses „E-Gay ein verdammtes, jüdisches Geschäft” sei. An der menschenverachtenden und antisemitischen Haltung des Bandleaders dürfte sich wenig geändert haben. 2007 sagte er in einem Interview, er habe nichts gegen NSBM, er habe nur etwas gegen „Well-Thinking-Attitude“. Noch im November 2013 wurde „Forgotten Tomb“ zum „Fireblade Force Festival“ angekündigt, das als Highlight der Nazi-Metalszene gilt – allerdings 2013 doch nicht wie geplant im brandenburgischen Barnim stattfinden konnte.

Mit „Forgotten Tomb“ leistet sich das Münchner Backstage wieder einmal eine extrem fragwürdige Band, und das am 20. April, an dem Tag, an dem Neonazis den Geburtstag Adolf Hitlers feiern. 2011 trat beispielsweise – wie auch schon 2010 und 2009 – die Band „Frei.Wild“ im Backstag auf, am sogenannten Volkstrauertag. Im selben Jahr bot das Backstage der umstrittenen Deathmetalband „Minas Morgul“ und der Paganmetalband „Varg“ eine Bühne. Diese Liste ließe sich noch um einiges verlängern. Die Band „Forgotten Tomb“ dürfte allerdings nicht einfach zu verharmlosen sein, auch wenn die Backstage-Leitung darin inzwischen viel Übung hat.

Nachtrag: Am 10. Februar wird die Band aus dem Lineup entfernt. Am 11. Februar berichtet die „Süddeutsche Zeitung“, laut Geschäftsführer Georg Stocker seien „Forgotten Tomb“ nie offiziell bestätigt gewesen. Der „Fehler“ sei beim Co-Veranstalter passiert. Nach Recherchen bei der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus habe Stocker Forgotten Tomb sofort aus dem Programm genommen. Das Backstage kündigt an, am Ostersonntag, 20. April (Hitlers Geburtstag), alle offen rechtsradikal auftretenden Konzertbesucher des Geländes zu verweisen.

Nina Hagen und die deutschen Denker II

Mit Nina Hagen geht es schon seit längerem bergab. Jetzt ist die einstige Punkrock-Queen rechts unten angekommen: im geistigen Niedermoor der bayerischen Verschwörungsideologen.

Anfang des Jahres sprang Nina Hagen für ihren Bekannten Wolfgang Eggert in die Bresche. Nachdem der Chefredakteur des Verschwörungsportals „Dorian Grey“ Stadtgespräch war, weil sein Portal und ein angesagter Münchner Clubabend eine Marketing-Kooperation pflegten, hinterließ Hagen auf Eggerts Facebook-Pinnwand einen einfühlsamen Kommentar: Es mache sie traurig, wenn „mutige deutsche Selbständig-Denker“ wie Eggert beschimpft und verunglimpft werden. Auf der Schlamassel Muc-Facebook-Seite platzierten Hagen und Eggert giftige Kommentare, weshalb diese gelöscht und beide Personen ausgesperrt wurden. Das leistete sich Hagen mit ihrem privaten Account.

Bislang verzichtete die Musikerin darauf, ihr Engagement und ihre Artikel für das randständige Online-Portal „Dorian Grey“ an die große Glocke zu hängen. Doch am 03. August bewarb Hagen die verschwörungstheoretische Webseite über ihren offiziellen Facebook-Account, den über 140.000 Menschen verfolgen. Es handelte sich dabei um einen Aufruf an „alle Autoren und Leute mit Spass am Schreiben“, bei der „13. Wochenzeitung Deutschlands auf dem Markt“ mitzuwirken, um „die Welt zu erobern“. „Dorian Grey“ soll nämlich ab Anfang September auch als Printausgabe mit einer Auflage von 10.000 Stück erscheinen, im Straßenverkauf und an Kiosken, in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Prompt meldeten sich einige Journalisten und boten ihre Mithilfe an. Hagen ergänzte anerkennend, dass auf der Plattform „Dorian Grey“ demnächst ihr neues Buch beworben werde.

Geplante Seuchen und geheime Waffen
Der Chefredakteur von „Dorian Grey“, Wolfgang Eggert, ist verschiedenen antisemitischen Theorien anhängig. In seinen Büchern, die unter anderem im Münchner Chronos Medien Vertrieb erscheinen, dichtet er diversen jüdischen Organisationen die Schuld am Leid der Welt an. In seinem Buch „Die geplanten Seuchen“ wird u.a. dem israelischen Geheimdienst Mossad die Erfindung der Immunschwäche-Krankheit AIDS angelastet; in der Buchreihe „Israels Geheimvatikan“ beschreibt Eggert, wie Endzeitrabbis den dritten Weltkrieg einzufädeln gedächten. Darüber hinaus gäbe es eine geheime Forschung, namentlich ein jüdisches „Genwaffenprojekt“ zur Entwicklung einer Waffe, die alle Menschen töte, außer jene mit einem „jüdischen Gen“. Und Eggert deutete in einem Interview mit dem verschwörungtheoretischen Sender „Infokrieg“ dieses Jahres nebulös an, dass es jüdische Kreise selbst seien, die seit Jahrhunderten „furchtbare Anschläge“ auf Jüdinnen und Juden veranstalteten, um zu verhindern, dass diese sich „mit den Umgebungsvölkern verbrüdern“.

Sein Online-Portal „Dorian Grey“, das bislang 35 Auflagen der Wochenzeitschrift erbrochen hat, richtet sich an ein junges Publikum. Darin mischt die Redaktion Meldungen von seriösen Nachrichtenagenturen mit Beiträgen von Blogs aus der sogenannten „Trutherszene“ und modischem Schick – „hübschen Jungs und hübschen Mädchen“, so die Macher. Die Leidenschaft des Chefredakteurs Eggert bildet sich bemerkbar in der Onlinezeitschrift ab. Es erschienen bislang zahlreiche antiisraelische Artikel, in einem Beitrag mit dem Titel „Bankrun 2012″ in der aktuellen „Dorian Grey“ wird positiv Bezug auf Jan van Helsing aka Jan Udo Holey genommen, dessen Bücher zeitweise wegen antisemitischer Volksverhetzung der Beschlagnahme unterlagen. Aufmacher der aktuellen Ausgabe ist das antisemitische Attentat auf die israelischen Sportler bei der Olympiade 1972 und dessen angeblich geheimen Hintergründe.

Nina im rechten Sumpf
Felix Vogl, der zweite Chefredakteur neben Eggert, äußerte bei der Einführung von „Dorian Grey“ vor einigen Monaten, es gehe ihm bei „Dorian Grey“ darum, kulturelle Sphären auseinander zu halten, damit man „nicht überall nur das Selbe sieht“. Er würde gerne „nach Paris fahren können“ und dort „keinen McDonalds antreffen“ sondern „einen Franzosen sehen“, ein „Baguette essen können“, so Vogl. An diese ethnopluralistische Sicht der Neuen Rechten knüpft der Beitrag „Propaganda der Medien“ von Andreas Popp in einer der letzten Ausgaben von „Dorian Grey“ nahtlos an. Darin kolportiert Popp – der btw. das „Deutsche Reich“ bis heute für „annektiert“ hält und deshalb eine ominöse „kommissarische Reichsregierung“ unterstützt – die Auffassung, dass „Globalisierung und Migration“ zwar gut fürs „Big Business“ seien, der Menschen „Identitäten, ihre Kulturen“ dabei aber auf der Strecke blieben.

Da Arabian MC’s und Da Munich MC’s im Gleichschritt

Am 1. Juli trat die israelische Gruppe DAM im Rahmen der „Palästina-Tage 2010“ auf. DavidP von Main Concept und Bernhard Wunderlich von Blumentopf unterstützten sie dabei – auf der Bühne und auf dem Podium. Ein parteiisches Protokoll des Abends

Der Raum im Ampere (Muffatwerk) ist gut gefüllt. Es läuft der Film Slingshot Hip Hop, eine propagandistisch aufgemachte Dokumentation über die ersten arabischen Rapper. Zu meiner Rechten sitzt eine Mutter mit ihren Kindern am Boden. Sie übersetzt die englischen Untertitel des Films simultan ins Deutsche. Die Karte Israels wird eingeblendet: „Guckt, das alles haben sie den Palästinensern weggenommen“, kommentiert sie das Bild. Die Kinder zeigen wenig Interesse, sind zwei Szenen später im Biergarten spielen. Der Film schließt mit einem arabischen Hip Hop Stück ab, dessen letzte Zeile wiederum auf Allahu Akbar endet. Das Auditorium spendet Beifall. Einzelne johlen bis weit in den Abspann hinein.

Es findet sich das angekündigte Podium ein, um „Über Hip Hop zwischen ‚weiten Hosen‘, ‚Edutainment‘ und Protest“ zu sprechen. Daniel Köhler, ein Moderator des BR-online Senders On3, moderiert. Er schickt der Debatte voraus, dass Israel und Palästina „untrennbar miteinander verbunden“ seien und gibt zu bedenken, dass auf dem Podium keine Politiker, sondern Musiker Platz fänden – was in diesem Zusammenhang wie eine Bitte anklingt, nicht jeden der folgenden Sätze auf die Goldwaage zu legen. Doch ich bin mir sicher, eine Goldwaage wird gar nicht nötig sein.

Der Weisheit letzter Schluss


Bernhard Wunderlich (Blumentopf) DavidP (Main Concept)

David von Main Concept erzählt über sich, er werde immer als politischer Rapper bezeichnet, sei aber einfach nur ein Rapper. Er sammle Wissen und teile seine Weisheit mit anderen. Seltsam, dass ich der Einzige im Raum bin, der lachen muss, als David von seiner Weisheit spricht. Wer über kein politisches Wissen verfüge, der habe auch kein Recht sich zu beschweren, sagt David. Das dafür nötige Wissen entnimmt er aus Überzeugung nicht den Zeitungen, denn diesen glaubt er nicht. Er betont vielmehr, Wert darauf zu legen, mit den Menschen selbst zu sprechen.

Bei seinen zwischenmenschlichen Erkundungen hat David Folgendes herausgefunden: Sein „Feind“ ist keine Personengruppe, sondern eine abstrakte Personengruppe, namentlich die Triple Sixers (Anm.: ein aus dem Christentum entlehnter Slangausdruck für böse Menschen). Die Triple Sixers wollen uns kontrollieren und einer Gehirnwäsche unterziehen, mahnt David. Nach seinen Ausführungen – die vielmehr auf einen Hang zu Verschwörungstheorien und blumige Sprache, als auf ein reflektiertes Weltbild schließen lassen – kommt David dann zum Schluss, es sei keine Revolution, sondern eine Evolution nötig, da das allgemeine Problem mit dem menschlichen Verhalten zusammen hinge.

Berhard Wunderlich: „in was für einem Paradies wir hier leben“
Bernhard von Blumentopf gibt sich in der Diskussion deutsch und staatstragend. Es fehlt eigentlich nurmehr, dass er rechterhand die deutsche Fahne hisst und linkerhand die Israelfahne taggt. Zu allererst betont Bernhard, dass sich die dargestellten Szenen des antiisraelischen Propagandastreifens Slingshot Hip Hop vollends mit seinen Erfahrungen decken. Bei seiner Reise im Auftrag des Goethe-Instituts im Jahre 2006 hätte er erlebt, wie selbst ein Mitarbeiter des Goethe-Instituts – der Diplomatenstatus habe – vier Stunden brauchte, um von Ramallah nach Bethlehem zu gelangen. Stark beeindruckend sei er gewesen, als er mit eigenen Augen sah, wie die Menschen mit den Restriktionen umgingen, die „wir von unserem Land hier nicht gewohnt sind“, erklärt Bernhard. (Anm.: Die Restriktionen in Deutschland mag Bernhard deshalb nicht gewohnt sein, weil das Goethe-Institut gerade keine Führungen durch die deutschen Abschiebelager anbietet und auch die Lager vor den Europäischen Außengrenzen – die krasses Zeugnis auch des deutschen Rassismus sind – stehen nicht im Programmheft).

Der Moderator fragt Bernhard, ob er nach seinem Palästinabesuch nun stärker Kritik an Israel übt. Das verneint Bernhard. Diese Reise sei, fügt er hinzu, ihm nur ein Realitätsabgleich gewesen, der ihm wieder vor Augen führte „in was für einem Paradies wir hier leben“. Wir sollten uns wieder mehr über die Vorteile bewusst werden, die es mit sich bringt, in Deutschland geboren zu sein, so Bernhard.

Tamer Nafar: „Für Palästina, Für Deutschland!“

Daniel Köhler, Tamer Nafer, Berhard Wunderlich

Unser Song „Who is the terrorist“ war das „Wasser für alle, die seit Jahren in einem Meer von Tränen schwimmen“, schwärmt Tamer von sich und seiner Band, Da Arabian MC’s (DAM). Sie hätten auch schon Repressionen erfahren. Die Polizei drehte seiner Band einmal den Saft ab. Seine Verantwortung als Mensch sei, so Tamer, sich für Gaza verantwortlich zu zeigen. Viele Menschen in Deutschland sind nach Tamers Ansicht der Meinung, Palästina sei weit weg, man müsse nichts tun. Aber vielleicht – gibt Tamer zu Bedenken – ist Deutschland in 2000 Jahren in der selben Situation wie jetzt Palästina. Tamer versichert, er würde dann auch helfen. Er beendet den Satz mit „für Palästina, für Deutschland“. Danke Tamar, aber dein Hilfsangebot kommt etwas spät. Die „Judenfrage“ stand in Deutschland vor 70 Jahren auf der Agenda.

Der Moderator bittet das Publikum um Fragen. Ein Mann mit weiten Hosen erkundigt sich bei Bernhard, ob er denn auf seiner Reise durch den Nahen Osten „irgendwie zionistisch beeinflusst“ worden sei, sein Konzert in Palästina ein arabisches, oder ein politisch gewolltes war. Ein weiterer Mann mit weiten Hosen bemängelt, dass viele Rapper nur über ihr Ghetto sprächen, aber sich nicht mit den „Drahziehern“ befassten. Die letzte Frage aus dem Publikum kommt von einer Frau und ich erkenne sie wieder. Es ist die Mutter, die zu Anfangs ihren Kindern den Film simultan übersetzte. Sie richtet eine Frage an Tamer, die da lautet:

Es geht nicht um schwarz und weiß, es geht um falsch oder richtig. Wie fühlst Du wirklich Tamer? Weil ich fühle, Israel ist illegal. Es ist illegal, es ist geisteskrank, es ist unmenschlich. Wie fühlst Du wirklich Tamer?

Tamer entgegnet, wenn er sage, dass Israel illegal sei, käme er vor Gericht und fügt hinzu, dass er natürlich denke, dass Israel illegal sei. Nach einer kurzen Aneinanderreihung der gängigen Free Palestine Parolen schließt er mit den Worten ab: „deshalb ist Israel illegal, deshalb fuck Israel!“ Die Diskussionsrunde ist damit beendet. Der Moderator schließt die Sitzung. Ich gehe während des Konzertumbaus etwas vor die Halle und sehe die Mutter gestikulieren. Ihre schrille Stimme setzt sich auch über einige Meter Entfernung gut durch. Den Juden wäre zwar damals schon Unrecht geschehen, aber sie seien leider „nach Hitler stehen geblieben“. Wir (Deutsche) hätten schließlich durch die Nazis auch viel verloren, fährt die Mutter fort. Und natürlich sei sie keine Antisemitin, rechtfertigt sie sich, ohne dass ihr im entferntesten jemand aus der zweifelsohne einigen Runde den Vorwurf gemacht hätte. Als sie davon berichtet, wie uns die Rothschilds angeblich das Bankensystem aufgezwungen haben, beschließe ich, wieder hinein zu gehen.

Hass Hasen unter sich
Nach dem Auftritt der Münchner Hip Hop Gruppe Creme Fresh folgt DAM. Tamer fragt das Publikum, wie viele der Anwesenden arabisch sprechen. Als sich nur wenige melden, entgegnet er „Schämt euch!“. Das findet Tamer lustig. Es wäre aber bedeutend lustiger, wenn es sich bei DAM nicht um arabische Chauvinisten handeln würde. Das Publikum lernt gewillt, an entsprechender Stelle „Hass Hase“ zu sagen. „Hass Hase“ bedeutet auf arabisch angeblich soviel wie cool. Ich finde hingegen, dass der Begriff gerade im Deutschen sehr gut zu Tamer passt. Ein nächster Teil der Folklore ist das arabische Alphabet. Die Band zeigt die einzelnen Buchstaben des arabischen Alphabets der Reihe nach auf Papierschildern. Das Publikum hat nun die Aufgabe, die untertitelten Buchstaben im Rhythmus aufzusagen. „Ihr Leute aus Deutschland seid wirklich großartig“, quittiert Tamer den gefolgsamen Einsatz.

Tamer fragt nach dem deutschen Wort für „unity“ und das Publikum nennt ihm „Einheit“. Das Wort „Einheit“ wird auch gleich im nächsten Lied verbaut, dessen Text Tamar anscheinend spontan zusammenstückelt. Tamer singt „Who is on the Mic?“, das Publikum antwortet „Einheit!“. Tamar singt „Everybody is on the Mic!“, das Publikum singt „Einheit!“. Die deutsch-arabische Einheit besteht nun ohne Zweifel. Und gegen wen sich diese Einheit konkret richtet, ist für alle die bislang nur eine ungefähre Vorstellung davon hatten im folgenden Song zu erfahren. Das nächste Lied sei in Deutschland vorgetragen etwas heikel, schickt Tamer dem Song voraus. Im einzigen englischsprachigen Text beschreibt Tamar nämlich, wie eine jüdische Soldatin mit ihm zusammen in einem Aufzug stecken bleibt und er ihr – ausgesprochen cool natürlich – sexistische Sprüche steckt. Die antisemitischen Sexphantasien werden dann unter dem zynischen Songtitel: „Mama, I‘m in love with a Jew“ zusammengefasst.

Der Abend – gefördert durch das Kulturreferat München – klingt aus mit einem gemeinsamen Free-Style-Rap von Tamer, Berhard und David. Eine Zeile habe ich mir gemerkt: „Habt ihr Bock auf den Shit, dann macht bisschen mit, dann bleibt ihr fit, das ist der Shit“.

30 Prozent Main Concept, 30 Prozent Blumentopf, 40 Prozent Intifada

Sie nennen sich die Palästinenser von 1948. Ihr Smash-Hit „Who is the terrorist?“ wurde schon nach kurzer Zeit millionenmal heruntergeladen. Am 01. Juli wird die Hip-Hop Gruppe DAM in der Muffathalle zu sehen sein – gefördert von der Stadt München. DavidPe (Mainkonzept) und Wunder (Blumentopf) sind auch dabei.

Nachtrag: Konzertbericht: Da Arabian MC’s und Da Munich MC’s im Gleichschritt


DAM live in New York mit Fahne (Al Aqsa Emblem)

(mehr…)