Tag-Archiv für 'süddeutsche-zeitung'

German cartoon of Facebook CEO Zuckerberg sparks anti-Semitism row

Wir dokumentieren den Artikel aus der Jerusalem Post vom 24. Februar 2014 zur kürzlich publizierten antisemitischen Karikatur „Krake Zuckerberg“ der Süddeutschen Zeitung:

BERLIN – A cartoon published by Munich-based Süddeutsche Zeitung (SZ) last week depicting Facebook founder Mark Zuckerberg as an octopus controlling the world with his company brought to mind a cartoon from 1938 Nazi Germany, the Simon Wiesenthal Center said Monday.

The SZ cartoon depicting the Facebook founder with a long nose, triggered sharp criticism from the Wiesenthal Center’s chief Nazi hunter Efraim Zuroff who told The Jerusalem Post that it “is starkly reminiscent of a 1938 Nazi cartoon depicting Winston Churchill as a Jewish octopus encircling the globe. And if anyone has any doubts about the anti-Semitic dimension of the cartoon, we can point to Mark Zuckerberg’s very prominent nose, which is not the case in real life. Absolutely disgusting!” In an email to the Post on Monday, the SZ’s cartoonist Burkhard Mohr wrote: “Anti-Semitism and racism are ideologies which are totally foreign to me.”

Mohr said he was “shocked” that his cartoon appears in this light.

He said that those who know him and his drawings know that “it is the last thing I would do, to defame people because of their nationality, religious view or origin.”

Mohr flatly rejected that his cartoon could be viewed as “anti-Jewish agitation.” He said his cartoon shows the WhatsApp purchase from Facebook and “is a combination of an octopus from the film the Pirates of Caribbean.”

Bohr said what he “meant was a cartoon depiction of the company Facebook beyond a specific person.”

He wrote his cartoon “did not deal with Mr. Zuckerberg, [but] rather Facebook. I am sorry that it led to this misunderstanding and hurt the feelings of some readers.”

Sacha Stawski, the head of the media watchdog organization Honestly Concerned in Germany, told the Post: “Every citizen has the right to be concerned about the invasion of his or her privacy, whether it be in regards to Google, Facebook or whatever multi-level organization it may be… And one may even compare such a multifold invasion into all areas of our privacy to the creeping arms of an octopus. So far so good.”

But, he continued, “The problem begins, however, when one replaces the face of this world-controlling octopus with that of a human, who shows traits, particularly the hooked nose, which the Nazis attributed particularly to Jews, thus transforming an otherwise perfectly acceptable caricature of the company Facebook into an anti-Semitic, Stürmer-like caricature against the Jew Mark Zuckerberg; the octopus, just like snakes, and spiders being frequent ways in which the Stürmer portrayed Jews.”

It is unclear why Mohr’s cartoon appears in two different variations. One showed Zuckerberg with a long nose and a second without a hook-style nose.

Stawski, whose organization works to combat anti-Semitism in the German media said, “interestingly, some people within the SZ must have realized that there was something highly problematic with their caricature, resulting in the unbelievable fact that different versions of the same caricature were published in different parts of the country on the same day.”

Last year, the SZ published a cartoon showing Israel as a demonic monster. The cartoon was widely criticized for depicting Israel in classic anti-Semitic terms.

Weiterführendes:
Vergangene SZ-Karikaturen vom gleichen Schlag
Alan Posener dazu: „Wenn der wütende Spießer den Diskurs bestimmt.“
Publikative.org: SZ macht Facebook zu Jewbook
The Scroll: German Paper Depicts Zuckerberg as Hook-Nosed Octopus
Frankfurter Rundschau: Keine Antisemiten, nirgends!

Keine Hotnews

Frappant ist die aktuelle, antisemitische Karikatur vom „Stürmer von 1949“ (SZ) schon – und das Simon-Wiesenthal-Center kritisiert sie ganz zurecht. Aber wirklich neu sind diese Darstellungen nicht. Man muss nicht erst die „Münchner Neusten Nachrichten“ aufschlagen, den Vorläufer der SZ, um auf unrühmliche Bilddarstellungen zurückblicken zu können.


SZ-Zeichnung: ein hakennasiger Ariel Sharon, der unter dem Mandat des Davidsterns den ehrbaren UNO-Beobachtern entgegen bellt: „Haut ab, ihr Unogaffer – hier ist Krieg…“ – um von Leichenbergen abzulenken, die den Bildern aus den Vernichtungslagern der Nazis zum verwechseln ähnlich sehen.

SZ, Ausgabe vom 21.07.2004: „Thema der Karikatur waren die Antisemitismus-Vorwürfe des israelischen Ministerpräsidenten und die Reaktion des französischen Staatspräsidenten. Eine antisemitische Tendenz war nicht beabsichtigt. Wir bedauern es sehr, wenn dieser Eindruck entstanden ist. Mit freundlichen Grüßen, Dr. Gernot Sittner, Chefredaktion, Süddeutsche Zeitung“

Der „Stürmer of 1949″ in seinem Element

Die Süddeutsche Zeitung – von Holocaustüberlebenden zeitweise der „Stürmer of 1949″ genannt – schlug gestern wieder in gewohnter Härte zu. Peter Münch zog über den Judenstaat her, der rechte Redakteur Marc Felix Serrao trat für das Wort „Negerkönig“ ein, und schließlich durfte Staatsministerin Christine Haderthauer unwidersprochen über „Schauprozesse“ gegen Behörden wettern.

Peter Münch, der Nahost-Experte der Süddeutschen Zeitung, sollte seine Leserschaft mittlerweile im Sack haben. Lange genug hat er die gleichen Phrasen heruntergeschrieben, wie sie sein Vorgänger Thorsten Schmitz schon ein ganzes Jahrzehnt in die SZ-Fans einhämmerte. Zur „Normalisierung“ im Bezug auf Israel möchte Münch beitragen, hat er in seinem ersten Beitrag in neuer Funktion 2010 geschrieben. Und seine Auffassung von „Normalisierung“ zeigte sich auch im gestrigen Beitrag „Fakten schaffen“ in der Süddeutschen Zeitung. Er räumte wie immer der Mehrheit der Jüdinnen und Juden in Israel und Deutschland keinen Raum für ihre Argumente ein, sondern beklagte in seinem Beitrag empört, dass zwei Drittel der israelischen „Mitte-Links-Wähler“ eine Teilung Jerusalems ablehnen würden und sogar die Chefin der Arbeiterpartei. Warum, bleibt den Lesenden des Beitrages verschlossen.

Auch schweigt sich Münch darüber aus, dass das Umfrageinstitut in Ramallah (Arab World Research and Development) aktuell festgestellt hat: 88 Prozent der befragten Palästinenserinnen und Palästinenser sind der Meinung, dass der bewaffnete Kampf die beste Methode sei, um Unabhängigkeit zu erreichen. Auch verkneift er sich, dass der Exilchef der Hamas, Chaled Maschaal, vor wenigen Tagen in Gaza vor Tausenden Fans nochmals bekräftigte: „Palästina ist vom Mittelmeer bis zum Jordan und vom Norden bis zum Süden unser Land und unsere Nation.“

Mit Pippi für die koloniale Herrschaft
Die gestrige Ausgabe der Süddeutschen Zeitung wurde ihrem guten Ruf in Deutschland umso mehr gerecht mit dem prominent auf der Rückseite platzierten Beitrag „Negerkönig“ des rechtsoffenen SZ-Redakteurs Marc Felix Serrao. Dieser ließ schon 2010 keine Zweifel über ihn aufkommen, als er anmerkte, dass die extrem rechte Zeitschrift Junge Freiheit als „Stimme der demokratischen Rechten in diesem Land ein legitimer Teil des Meinungsspektrums“ sei – womit er eine Werbeanzeige eben dieser Zeitung in der Süddeutschen Zeitung rechtfertigte. In seinem aktuellen Beitrag in der Süddeutschen Zeitung tritt Serrao für das Wort „Negerkönig“ ein, weil das N-Wort zumindest bei Asrid Lindgren „nichts mit rassistischer Herabsetzung“ zu tun habe und immerhin Pippi Langstrumpf selbst habe eine N-Prinzessin sein wollen, so wie ihr Vater ein N-König gewesen sei.

Haderthauers Schauprozesse
Den Vogel schoss die Süddeutsche Zeitung in gleicher Ausgabe vom Mittwoch aber ohne eigenes Zutun ab, nämlich indem sie einfach beim Interview mit der Staatsministerin Christine Haderthauer nicht nachfragte, als sich diese zum ab Mitte 2013 einklagbaren Recht von Eltern auf Kinderkrippenplätze äußerte: „Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass es im Wahlkampf den Versuch geben wird, Schauprozesse gegen manche Oberbürgermeister zu führen.“ Die Aggression in diesem Satz besteht aus zweierlei. Einmal wird das Bestehen auf das zukünftig verschärfte Anrecht der Eltern, sich gegen ein Zuhausebleiben in den Jahren nach der Geburt eines Kindes zu entscheiden – und dieses Recht dann auch einzuklagen –, als parteipolitisches Wahlkampfmanöver diskreditiert. Diese Verfehlung ist schon bemerkenswert genug, wird aber noch übertroffen mit dem Wort „Schauprozesse“. Als Schauprozesse werden für gewöhnlich Gerichtsverfahren in Diktaturen bezeichnet, wie beispielsweise die des NS-Richters Roland Freisler. Dieses Wort vorsorglich gegen Eltern zu wenden, die voraussichtlich nur geltendes Recht gegen untätige Behörden einklagen werden, ist neu. Dass die SZ-Journalisten an dieser brisanten Stelle nicht nachfragen, hat etwas mit dem Wesen der Süddeutschen Zeitung zu tun, die sich unglaublich kritisch denkt, wenn sie über Israel herzieht und für das Wort „Negerkönig“ eintritt, aber das von der Ministerin gegen emanzipatorischen Rechtanspruch gerichtete Wort „Schauprozesse“ gerne unkommentiert lässt.

Rechtsextreme fordern Solidarität mit Palästina

Letzten Samstag demonstrierte die NPD-Tarnorganisation „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA) an zwei Orten in München unter dem Motto: „Solidarität mit Palästina – Israel stoppen!“ Die Münchner SPD störte, dass dabei „antisemitische Hetze unter einer angeblichen Solidarität mit Palästina“ verschleiert werde. Es wird höchste Zeit, dass die SPD-Genossen endlich den Schuss hören.


Rechtsextreme „Solidarität mit Palästina“ am 8. Dezember 2012 in München

Am Samstag, dem 24. November, fanden vor der Münchner Feldherrenhalle – wo auch schon Hitler eine Marke im Krieg gegen Jüdinnen und Juden setzte – ein Reihe ambivalenter Gestalten zusammen, um ihre Solidarität mit „Palästina“ zu äußern. Dabei wurden antisemitische Plakate gezeigt, u.a. eines mit einer Karikatur des US-amerikanischen Präsidenten Barak Obama, wie er Davidstern-Ohrringe trägt, anspielend auf eine angebliche jüdische Weltverschwörung, unter deren Einfluss die USA stehe. Es sprachen unter anderem Nicole Gohlke (Die Linke) und Rosemarie Wechsler (Pax Christi München). Genau eine Woche zuvor fand, wie auch schon am Samstag die Woche zuvor und die Woche zuvor, eine antiisraelische Demonstration am Münchner Stachus statt.

SPD: „Solidarität ist aus dem Mund von Antisemiten ein Hohn“
Da wollte die NPD-Tarnorganisation BIA um nichts nachstehen und organsierte am Samstag, dem 08. Dezember 2012, zwei ähnlich deutliche Solidaritätskundgebungen unter dem Motto: „Solidarität mit Palästina – Israel stoppen!“ Es gelte auch inmitten der bayerischen Landeshauptstadt, „israelischen Zumutungen entgegenzutreten“, teilte der BIA-Stadtrat und Organisator Karl Richter mit. Die SPD München verfasste dazu eine Pressemitteilung:

Besonders perfide sei es, so Ritter (SPD), dass die BIA ihre antisemitische Hetze unter einer angeblichen Solidarität mit Palästina zu verschleiern versucht. „Schon das Wort „Solidarität“ ist aus dem Mund der Antisemiten ein Hohn! Die Nazis sind nicht solidarisch mit den Menschen in den palästinensischen Gebieten, sondern instrumentalisieren diese für ihren Antisemitismus“.

Besonders perfide am Statement der Münchner SPD ist aber, wie dabei das Schwert wieder gegen die Israelis zurückgedreht wird, anstatt im Angesicht von Nazis wenigstens einmal solidarisch mit dem Judenstaat zu sein. Zudem sind die besagten Gebiete mit denen da Solidarität geübt werden könnte wohlgemerkt Gebiete, die ganz offiziel das Ziel anstreben, kein Jude solle seinen Fuß mehr darauf setzen. Und dieses Ziel ist überall heute schon erreicht, wo palästinensische Autoritäten das Sagen haben. Die Solidarität der Rechtsextremen ist demnach durchaus glaubhaft und überhaupt nicht perfide. Diese können auf eine lange Tradition zurückblicken, denn schon die NSDAP schmiedete ein enges Band mit den palästinensischen Autoritäten gegen die Jüdinnen und Juden im ehemaligen Kolonialdistrikt Palästina.

Die Demonstration „Israel – wir stehen an deiner Seite“ am 25. November in München war hingegen ein Lichtblick. Zirka 800 Menschen nahmen daran teil, während die Süddeutsche Zeitung von nur 300 Teilnehmenden berichtete.

Ungebetene Gäste auf Anti-Hamas-Demonstration
Einziger Wermutstropfen: Unter die Teilnehmenden mischten sich Funktionäre des rechten Portals „PI-News“ und der rechtspopulistischen Kleinstpartei „Die Freiheit“ um Michael Stürzenberger. Stürzenberger sieht Israel als Speerspitze im Kampf gegen den Islam. Damit tut er nicht nur Israel und in etwa einer Million muslimischen Israelis unrecht. Mit seinem Erscheinen schadete er auch den Initiatoren – wie beispielsweise der Israelitischen Kultusgemeinde –, die auf eine gute Beziehung zu muslimischen Verbänden in Deutschland hohen Wert legen. Auf dem Portal „Scharf Links“ erschien dazu ein kritischer Beitrag von „Bürgerinnen und Bürger gegen die extreme Rechte“.

Nur wenige Tage zuvor hatte die Partei „Die Freiheit“ beim sogenannten „Volkstrauertag“ mit einer antisemitschen Entgleisung aufgewartet: „Guckt mal, der Jude aus Israel ist gekommen, die Merkel hat ihn umarmt und geküsst. Und er hat gleich gesagt, das deutsche Volk muss noch zweihundert Jahre zahlen für den zweiten Weltkrieg“, polterte eine Rednerin auf der Veranstaltung der Partei „Die Freiheit“ in Berlin. Und auch beim bayerischen Parteichef Stürzenberger hört die Solidarität mit Jüdinnen und Juden spätestens bei der Vorhautfrage auf.

Spaltung for teh win!
Auf der Veranstaltung „Israel – wir stehen an deiner Seite“ in München hat außerdem die neue „Gruppe Kir Royal [Critica da Monaco]“ ein Flugblatt mit der Überschrift „Für Israel – gegen die antisemitische Internationale!“ verteilt. Die Gruppe ist der größere Teil der mittlerweile zum Erliegen gekommenen „gruppe monaco /// verein freier menschen (ao)“.

Down with the „Stürmer“ of 1949


München 1949: Holocaustüberlebende demonstrieren gegen die Süddeutsche Zeitung. Zuvor erschien in dem bis heute ambivalenten Blatt ein antisemitischer Leserbrief von „Adolf Bleibtreu“, wohnhaft in einer ebenso fiktiven „Palästrinastraße“ (sic!).

Her mit den geilen Startbahnen!

Wird der Münchner Flughafen um eine dritte Startbahn erweitert? Seit Wochen werben Befürwortende und ihre Gegnerschaft um die Stimmberechtigten beim anstehenden Bürgerentscheid. Doch eine weitere Startbahn kann nur der Anfang sein. München bräuchte mehr davon.


Macht eine prima Figur: die Goldrute

Wenn sich die Fussballvereine FC Bayern München und TSV 1860 München, die Industriegewerkschaft Metall München, Reinhold Messner und Charlotte Knobloch einmal in einer Sache einig sind, kann die so falsch nicht sein. Alle Genannten unterstützen den Bau der dritten Startbahn. Der Münchner Flughafen stößt über viele Stunden am Tag an seine Leistungsgrenze, eine weitere Startbahn wäre nötig, „damit wir auch in Zukunft bestens vernetzt und international angebunden“ sind, resümiert der Bergsteiger Messner weltgewandt. „Zukunft“, „vernetzt“ und „international angebunden“, das klingt gut, doch in den Ohren derer, die sich nicht in Zukunft, sondern im Erdinger Niedermoor eine bessere Welt erhoffen, klingt jedes einzelne Wort wie eine Kriegserklärung.

Eine alte Leidenschaft
In der Münchner Postille zur Vervielfältigung kleinbürgerlicher Anliegen, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Süddeutschen Zeitung, erscheinen seit Wochen Artikel gegen die geplante Startbahn. Aktuell ist von einer Biologin zu lesen, die offenbar nahe dem Münchner Flughafen unterwegs ist, und in den Tümpeln auf den sogenannten Ausgleichsflächen Pflanzen stalked. Ihr Befund: „Mit dem ursprünglichen Niedermoor im Erdinger Moos hat das hier nichts mehr zu tun“, so die Expertin. Denn: Die nordamerikanische „Goldrute“ verdränge mit ihrer „robusten Art“ die einheimischen Pflanzen. Durch die dritte Startbahn drohe nun darüber hinaus „der letzte Rest Erdinger Moos vernichtet“ zu werden, ist in selbigem Beitrag zu lesen. Verdrängung und Vernichtung der Einheimischen (Pflanzen) im Niedermoor, durch einen robusten nordamerikanischen Eindringling noch dazu, das weckt Erinnerungen. Die Münchner NPD-Tarnorganisation „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ bezog ebenfalls Stellung gegen eine dritte Startbahn. Nicht, weil sie das Thema „instrumentalisiert“, wie manche meinen, sondern weil sie das notwendig auch so sehen muss, wie diese Biologin.

Bionade-Bourgeoisie macht den Sack zu
Den Befürwortenden des Bauvorhabens kann entgegengehalten werden, dass ihre Forderung noch zu kurz greift. Denn drei Startbahnen werden bei Weitem nicht reichen, um das ungeschriebene allgemeine Recht zu gewährleisten, dieses Land jederzeit in Richtung freie Welt verlassen zu können. Flugreisen nach allen Ecken des Globusses dürfen nicht in der Hauptsache das Privileg von Besserverdienenden bleiben, das sich Haushalte mit niedrigem Einkommen allenfalls lange Zeit vom Mund absparen müssen. In die andere Richtung gilt das Eintreten für das sogenannte „Right to move“ verstärkt. Ab 1993 trat in Deutschland und später in Europa faktisch die „Sichere Drittstaatenregelung“ in Kraft. Flüchtlinge dürfen nur in dem Land Asyl geltend machen, über das sie eingereist sind. Da Deutschland in der Mitte Europas liegt, sind Flüchtlinge, die in Deutschland erfolgreich Asyl beantragen wollen, heute umso mehr auf das Flugzeug angewiesen, weil sie direkt ohne Umwege in Deutschland anzukommen haben. Deshalb sind die hohen Kosten für Flugreisen durch zu knapp gehaltene Landemöglichkeiten letztendlich die Vervollkommnung der Abdichtung Deutschlands gegen Migration aus Ländern wie Afrika oder Asien. Die NPD weiß schon, was sie will. Im Grunde bedarf es viele Startbahnen mehr und der starken Subvention von Langstreckenflügen, um die Flucht nach Deutschland hin (und vom deutschen Alltag weg) erschwinglich zu machen.

Deshalb: Für eine kosmopolitische Welt!
Gegen Regionalismus und „Unser Land“-Wahn! Autofreie Zonen ohne Ende, ja! Einschränkung der globalen Bewegungsfreiheit und der Migration, nein! Für eine dritte Startbahn! Für mehr Startbahnen! Für den Einmarsch der nordamerikanischen Goldrute im Erdinger Moos!

Antizionismus auf Rezept

Die westliche „Israelkritik“ ist zunehmend gekennzeichnet von einer pathologisierenden Sprache. Jonathan Yudelman, Dozent für Philosophie an der Hebräischen Universität in Jersualem, kommentierte diese Entwicklung in der Jerusalem Post vom 1. April 2012 – am Beispiel der britischen Wochenzeitschrift The Economist. Seine Kritik ließe sich aber ebenso gegen die Süddeutsche Zeitung wenden. Eine hoprige und leicht gekürzte Übersetzung aus dem Englischen von Schlamassel Muc


Freud hätte die Polizei gerufen: Graffito am Strand zwischen Jaffa und Tel Aviv

Der Hass auf den jüdischen Staat floriert so unendlich facettenreich, dass es die meisten Zionistinnen und Zionisten schon lange aufgegeben haben, nachzuvollziehen, was ihre Gegnerschaft wirklich antreibt. Wenngleich bei zeitgenössischen Antizionistinnen und Antizionisten eine Gemeinsamkeit auszumachen ist, die Annahme nämlich, Israel sei krank, hochgradig krank, nachgerade im Delirium, mit nur einer hauchdünnen Chance auf Genesung. Hinlänglich bekannt sind inzwischen die beharrlichen Auslassungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, der Israel ein „Krebsgeschwür“ nannte, das von der Landkarte zu streichen sei. Die geistreichen Analysen der westlichen Antizionistinnen und Antizionisten sowie von ihren israelischen Gesinnungsgenossen aber bedienen sich nicht weniger einem Jargon aus der Pathologie.

In einer Lobeshymne auf David Grossman’s Novelle aus dem Jahre 2010 bemerkt das Magazin The Economist zustimmend, dass „Fieber nicht nur ein Symptom von physischer Erkrankung ist. Fieber ist die Beschreibung des bestehenden Staates Israel.“ Diese Auffassung teilt auch die kanadische Autorin Margaret Atwood, die nach einem Kurzbesuch in Israel befinden mochte, das Land lebe unter einem „Schatten“ der selbst verursachten Paranoia. „Umso schlechter die Palästinenserinnen und Palästinenser im Namen dieser Ängste behandelt werden, umso größer wächst der Schatten an, und die Ängste wachsen mit ihnen; und die Rechtfertigung für ihre Behandlung multipliziert sich“, diagnostizierte Atwood.

„Auschwitz-Komplex“
In zahlreichen Artikeln und Blogs über Israel war beim Economist in den letzten Jahren hauptsächlich von pathologischen Befunden die Rede – oftmals begründet mit psychoanalytischen Methoden. In einem Blogeintrag mit dem tatsächlichen Titel „Auschwitz-Komplex“ präsentierte ein Psychoanalytiker letzten Monat seine neueste Diagnose: „Nachdem sie sich in einen Todeskampf mit der palästinensischen Bevölkerung verstrickt haben – dessen sie sich nicht bewusst sind bzw. nicht daraus befreien können – projizieren die Israelis nun die Ursache ihrer Angst auf ein weiter entfernteres Ziel: den Iran.“ Den Verfassenden zufolge sei Benjamin Netanyahu und seiner Iran-Politik eine manifeste „Ghetto Mentalität“ anzumerken.

Während persische Doktoren harte Maßnahmen in Erwägung ziehen, pflegen ihre westlichen Kolleginnen und Kollegen eine eher therapeutische Sprache. Die westlichen Doktorinnen und Doktoren geben vor, ihren Patienten retten zu wollen. Aber wenn das so ist, muss etwas furchtbar falsch gelaufen sein. Denn ihr Verhalten gegenüber ihrem Patienten deutet eher auf eine offene Feindschaft hin.

Diasporistischer Antizionismus
Im Jahre 2006 stellten persische Doktoren fest, dass das „zionistische Regime bald von der Bildfläche getilgt … und die Menschheit damit befreit sein wird.“ Dieser Idealismus – so bizarr und wahnsinnig er auch sein mag – sagt einiges über die Motivation des iranischen Antizionismus. Aber was treibt ihre westlichen Kolleginnen und Kollegen an? Die Psychoanalyse ist offenbar nicht das Einzige, was westliche Antizionistinnen und Antizionisten aus jüdischen Quellen übernommen haben. Vor allem hängen sie am „Diasporismus“ – einem Ideal, das in religiöser und säkularer Form daher kommt. Es beinhaltet, dass das jüdische Volk einer ethischen Mission Folge zu leisten habe, die nur zu erfüllen sei, wenn es auf allerhand Nationen verteilt ist.

Und wenn es um die jüdische Diaspora geht, kann sich The Economist keinen Lobgesang verkneifen: Von einer „glanzvollen kosmopolitischen Welt der europäischen Vorkiegsjuden“ ist da die Rede, „jenen Schreibern, Denkern und Künstlern, die noch das heutige Europa prägen.“ Der Kontrast zwischen Israel und der Diaspora könnte nicht größer sein. „Es war der jüdischen Politik immer etwas innerlich… eine angsterfüllte Xenophobie und Bigotterie, aber das ist keine Eigenart, die bei den meisten Jüdinnen und Juden in der Diaspora auszumachen ist.“

Verharmlosung von Antisemitismus
Eine der Raisons d‘être des Zionismus ist es, verfolgten Jüdinnen und Juden eine Heimat zu bieten. Deshalb leugnen Autorinnen und Autoren vom Economist angestrengt, dass es wieder gefährlich werden könnte. Ein Blockeintrag trägt beispielsweise den lehrmeisterhaften Titel „Es gibt nur einen Holocaust.“ Ein anderer verharmlost einen etwas langatmigen Artikel vom Magazin Der Spiegel über den wiedererstarkenden Antisemitismus in Ungarn. Diasporistische Antizionistinnen und Antizionisten können sich nicht überwinden, Antisemitismus anzuprangern, weniger weil sie antisemitisch sind, sondern weil sie einfach nicht anders können. Und was nicht länger bestritten werden kann, wird dem Zionismus selbst angelastet: „viele Muslime hassen Israel, und seitdem Israel der jüdische Staats ist, weitet sich ihr Hass auf alle Jüdinnen und Juden aus.“

Diasporismus nimmt Israel notwendig als eine Fehlentwicklung an. In historischer Reinform behauptet dieser, dass die göttliche Mission der Jüdinnen und Juden nicht mit Eigenstaatlichkeit kompatibel sei. Es erscheint eigenartig, dass gerade viele westliche Intellektuelle von diesem Ideal so stark beseelt sind, wenngleich sie nicht einmal jüdisch sind. Es ist nicht auszuschließen, dass jüdische Diasporisten beim Economist und anderswo von Menschen benutzt werden, die eigentlich eine andere Agenda verfolgen.

Der eigentliche Therapiebedarf
Höchstwahrscheinlich ist es aber die unverwüstliche Überzeugung westlicher Liberaler, dass die Konfrontation mit islamistischen Kräften vermieden werden kann, wenn sie am Diasporismus festhalten. Dem Zionismus die weltweite Aggression von muslimischen Kräften anlastend, sind sie weiterhin der Überzeugung, dass das islamistische Kriegsgeschrei sie nie bedrohen wird. Ihr gesamtes Weltbild ist gefangen in derlei Verdrängung und Projektion. Die westlichen Antizionistinnen und Antizionisten hätten demnach einen Therapieplatz viel nötiger als Zionistinnen und Zionisten. Aber sie sollten von ihnen nicht die Art Hilfe erwarten, die sie selbst so freizügig anbieten. Anders als westliche Intellektuelle, interessieren sich Zionistinnen und Zionisten nicht so furchtbar viel für Psychoanalyse. Sie ziehen leben und leben lassen vor. Und wenn sich das als unmöglich herausstellen sollte, lehrte ihnen die Geschichte, sich für den Kampf zu rüsten.

Das Watchblog zur Süddeutschen positioniert sich

Das Blog suedwatch.de ist beliebt aufgrund seiner kritischen Beiträge zur Israel-Berichterstattung der SZ. Doch dominieren vermehrt rechtspopulistische Inhalte das Portal. Jetzt trat suedwatch.de dem „Münchner Bündnis gegen Antisemitismus“ bei – einer Tarnorganisation der randständigen Partei „Die Freiheit“.

Wenn es um Israel geht, ist die SZ seit Jahren eine Garantin für polemische und zu Israels Ungunsten verzerrte Berichterstattung. Erst narrte über 10 Jahre lang Thorsten Schmitz die Leserinnen und Leser, vor etwa einem Jahr trat Peter Münch seine Stelle an. Im Nachrichtenteil verfasst Münch stets bemüht wirkende neutrale Artikel, deren Neutralität aber weit hinter viele andere Publikationen zurückfällt. Auf der Meinungsseite darf Münch dann ganz ungebremst agitieren, diese Beiträge erscheinen nicht in der Online-Ausgabe der SZ. Das Portal suedwatch.de nimmt sich seit Mitte 2009 die Israel-Berichterstattung der SZ vor und unterscheidet zwischen Fakten und antiisraelischer Dichtkunst. Dabei ließen die Macher aber immer schon durchblicken, dass es sich bei der Gruppe keinesfalls um eingefleischte Antirassisten handelt. Spätestens seit dem Erscheinen des Sarrazin-Buches häufen sich aber die Einträge, in denen suedwatch.de für dubiose Gestalten Partei ergreift, immer unter dem Vorwand freilich, es ging einzig um eine korrekte Berichterstattung – die Wahrheit und den diffamierten Mutigen, der sie aussprach.

Das Watchblog und seine falschen Freunde
Zum Beispiel verriss suedwatch.de kürzlich einen kritischen SZ-Artikel über Martin Böcker, einem extrem rechten Aktivisten, der die Redaktion der Campuszeitschrift an der Bundeswehruniversität in Neubiberg übernommen hatte. Ebenso stellte sich suedwatch.de vor Christian Jung, Gründer des bayerischen Ablegers der Partei „Die Freiheit“. Vor wenigen Tagen positionierte sich suedwatch.de dann gänzlich ungeniert und trat mit der verschwisterten Facebook-Gruppe „Suedwatch Panoptikum“ seine Mitgliedschaft beim „Münchner Bündnis gegen Antisemitismus“ an. Das Bündnis mit dem ansprechenden Namen ist eine Tarnorganisation der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“, der in Bayern Christian Jung und Michael Stürzenberger (PI-News) vorstehen. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft warnte per Pressemitteilung bereits vor den „falschen Freunden“, die Engagement gegen Antisemitismus und Solidarität mit Israel „gemeinsam mit Forderungen nach Minarettverbot und härterem Durchgreifen bei Schulschwänzern auf Stammtischniveau“ verhandeln.