Tag-Archiv für 'veranstaltungshinweise'

Aufruf zur Protestkundgebung gegen die antisemitische Desensibilisierung

Kommt heute, Donnerstag, zur Protestkundgebung anlässlich der Verleihung des Ernst-Hoferichter-Preises an den Karikaturisten Dieter Hanitzsch! Kein Preis für antisemitische Karikaturen! Gegen jede Desensibilisierung; antisemitische Propaganda muss ehrabschneidend bleiben!

2018 verlor der Karikaturist Dieter Hanitzsch aufgrund einer von ihm angefertigten antisemitischen Zeichnung und seiner anschließenden Haltung sein Engagement bei der Süddeutschen Zeitung (sz). Heute soll er von Vertretern der Stadt einen Preis für seine publizistische Tätigkeit erhalten. Bislang stritt Hanitzsch den antisemitischen Gehalt seiner Karikatur ab, die er anlässlich einer Twitter-Botschaft von Benjamin Netanjahu zeichnete. Der israelische Präsident hatte 2018 der israelischen Sängerin Netta über Twitter gratuliert, als diese den Eurovision Song Contest (ESC) gewann. Das empörte die sz und ihren ehemaligen Zeichner.

Warum betreffende Zeichnung antisemitisch war und ist:
Öffentliche Glückwünsche von Staatsoberhäuptern bei internationalen Wettbewerben gibt es zuhauf. Und keinem wurde bislang unterstellt, den ESC aufgrund seiner öffentlichen Glückwünsche „für seine Zwecke“ zu missbrauchen. Außer es handelt sich um den israelischen Präsidenten. Die sz und Hanitzsch haben mit der Skandalisierung der Glückwünsche Netanjahus an den jüdischen Staat einen doppelten Standard angelegt. Das ist ein Indiz für eine antisemitsche Motivation, aber noch kein Beweis.

Was hatte Netanjahu also getwittert? Als die israelische Sängerin Netta live im Fernsehen ihren Sieg feierte, rief sie: „Next year in Jerusalem!“ ins Publikum. Netanjahu wiederholte ihre Worte auf Twitter umgehend beglückwünschend: „Next year in Jerusalem!“. Sie drückten damit beide zum einen ihre Freude darüber aus, dass der ESC 2019 aufgrund von Nettas Top-Platzierung in Israel stattfinden wird.

Zum anderen benutzten sie mit „Next year in Jerusalem“ dafür eine stehende Redewendung. Sie wird von Jüdinnen und Juden seit Jahrhunderten am Ende des Jom Kippur-Fastens und nach dem Pessach-Essen gesungen. Sie ist Teil eines Rituals, das Hoffnung und Freiheit ausdrückt. Die sz, namentlich die Journalistin Andrea Föderl-Schmid, und Hanitzsch haben das traditionalistische Ping-Pong zwischen Netta und Netanjahu auf Twitter hingegen in ein politisches Statement Netanjahus umgelogen, der damit angeblich den Hauptstadt-Charakter Jerusalems bekräftigen hätte wollen.

Hanitzsch hob daraufhin das auch in Deutschland bei jüdischen Feierlichkeiten übliche Ritual, „Nächstes Jahr in Jerusalem“, ins Zentrum seiner boshaften Karikatur, die in der sz erschienen ist. Netta und Netanjahu verschmolz er zeichnerisch zu einer Person, als ob die israelische Künstlerin nur eine Hülle sei, durch deren Körper in Wahrheit der israelische Präsident gewalttätig agiere. Schlussendlich legte Hanitzsch eine mit dem jüdischen David-Stern markierte Rakete in den Hände seiner Netta-Netanjahu-Synthese.

Wer in diesem Statement und der anhängigen Karikatur keinen Antisemitismus erkennen kann, ist Teil des Problems. Mit der Verleihung des Ernst-Hoferichter-Preises an Hanitzsch werden Jüdinnen und Juden erneut verletzt! Mit den vorsichtigen Worten Charlotte Knoblochs gesprochen, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern:

„Mit dieser Preisvergabe erweisen die Beteiligten dem Engagement für ein gedeihliches Miteinander in unserer Stadt einen Bärendienst.“

Hanitzsch’s Fürsprecher treiben den Protest auf die Straße:
Seit Tagen schwadronieren Hanitzsch’s Fürsprecher in den Medien und ziehen gegen jene zu Felde, die die Preisverleihung an Hanitzsch kritisieren. Der ehemalige Oberbürgermeister Ude und heutige Laudator warnte gegenüber dem Berliner Tagesspiegel vor „einem sehr kleinen Kreis, der versucht, Druck auf die Stadtpolitik auszuüben“. Knobloch selbst sei eine Getriebene dieser Gruppe, phantasiert Ude.

Der Kabarettist Helmut Schleich sah sich umgehend berufen, der jüdischen Gemeine Tipps zu geben. Diese sabotiere nachgerade mit ihrer Kritik an der Hanitzsch-Preisverleihung den Kampf gegen Antisemitismus. Gegenüber der Münchner Abendzeitung (az) gibt sich Schleich einerseits gönnerhaft. Es verstehe sich von selbst, wenn die jüdische Gemeinde „hochgradig achtsam ist gegen jede Form des Antisemitismus“, bemerkt er. Wo hingegen kein Antisemitismus sei, so Schleich weiter, aber dennoch „danach zu schreien, ist vielleicht nicht gerade dem Kampf gegen den Antisemitismus förderlich“, rät der Kabarettist den Juden.

Der Autor Hans Pleschinski wirft den Kritikerinnen und Kritikern gar „Freizeit-Hass“ vor, Hans Well (Ex-Biermösl-Blosn) gab gegenüber der az aktuell zu verstehen, dass bereits die Begründung der sz für den Rauswurf von Hanitzsch „an den Haaren herbeigezogen“ gewesen sei.

Hoferichter-Preisträger Sigi Zimmerschied stellt die Kritik an der Preisverleihung gar in eine Reihe mit religiös motivierten Protesten gegen religionskritische Karikaturen: „Wenn religiöse Eiferer meinen, sie müssen wieder mal Satire kicken, dann können sie das versuchen – das liegt im Wesen dieser Menschen. Aber sollte das wirklich gelingen, dem Hanitzsch diesen Preis wegzunehmen, dann werde ich meinen Hoferichter-Preis zurückgeben.“ Hanitzsch sei, bricht es aus ihm heraus, ein „Opfer von Kleingeistern, die glauben, sie müssen wieder irgendwas schützen, wofür sie sowieso zu winzig sind“.

Ebenfalls zu Wort meldete sich der Journalist Tillmann Spengler (Hoferichter-Preisträger 2013), der 2017 zu den 23 Erstunterzeichnern der erfolglosen Initiative „Hände weg von der Meinungsfreiheit in München!“ gehörte, die in Reaktion auf das Israelboykott-Verbot in städtischen Einrichtungen gegründet wurde. Hanitzsch zähle zum „Kreis der Anständigen“, bezeugte Spengler vor wenigen Tagen gegenüber der az.

Kein Preis für antisemitische Karikaturen!
Die Verächtlichmachung unserer Kritik an antisemitischer Propaganda bestätigt ein ums andere Mal die Notwendigkeit kritischer Intervention. Christine Wunnicke sollte heute ebenfalls den Hoferichterpreis erhalten. Die Autorin lehnte aber unter anderem mit der Begründung ab, sie wolle sich nicht für einer „kritikresistente Solidaritätsveranstaltung vereinnahmen lassen“. Chapeau!

Das kritikresistente und abgehalfterten Spektakel darf nicht geräuschlos vonstatten gehen. Zeigen wir Jüdinnen und Juden unsere Solidarität, die sich jeden Freitag vor Schabbat an den az-Kästen mit der Headline „Exklusiv in der az – heute wieder mit Hanitzsch!“ vorbeizudrücken haben und daran erinnert werden, dass Hanitzsch diese prominente Platzierung im Stadtbild maßgeblich seiner antisemitischen Karikatur zu verdanken hat.

Schließt euch dem Aufruf des Verbands der Jüdischen Studenten in Bayern, dem Jungen Forum der DIG München sowie dem Linken Bündnis gegen Antisemitismus München an und kommt heute zur Kundgebung!

Ebenfalls aufgerufen dürfen sich alle Freizeit-Hasser fühlen, alle dem Kampf gegen den Antisemitismus nicht Förderlichen, die An-den-Haaren-Herbeizieher und die Kleingeister, die nicht zum Kreis dieser Anständigen gehören wollen sowie alle zu Winzigen. Und natürlich auch der sehr kleine Kreis, der Druck auf die Stadt ausübt, ist herzlich eingeladen.

Kommt alle heute, Donnerstag, um 18:30 Uhr an den Salvatorplatz 1 vor dem Literaturhaus und bringt Schilder, Banner, Israel-Fahnen und bestenfalls eine weise gefüllte Thermoskanne mit! Es soll kalt werden.

Veranstaltungshinweise: Freundliche Grüße und Shalom!

Seit dem Jahr 1978 pflegt der DGB Bayern einen gegenseitigen Austausch mit der israelischen Gewerkschaft Histadrut Bezirk Negev. Am 4. Mai eröffnet im Münchner Gewerkschaftshaus eine Ausstellung des Archives der Münchner Arbeiterbewegung, die diese jahrzehntelange Beziehung beleuchtet.

„Wer der Wüste Leben einhaucht, rettet Leben – Kultiviert die Wüste Negev, um Quellen zu finden – 35 Jahre Histadrut“

Die im Archiv der Münchner Arbeitbewegung vorhanden Nachlässe und Sammlungen dokumentieren dieses kaum bekannte Kapitel der israelisch-bayerischen Gewerkschaftsgeschichte. Fotoalben, Schriftwechsel und viele weitere Dokumente beleuchten einzelne Stationen dieser Begegnungen und des gegenseitigen Kennenlernens: Studienreisen Ende der 60er Jahre, wechselseite Delegationsbesuche in den 70ern und die Intensivierung des Austausches seit den 90er-Jahren.

Die Ausstellung ist ab dem 4. Mai im Gewerkschaftshaus bis zum 2. Juni zu sehen. Am Donnerstag, dem 4. Mai, werden ab 17 Uhr Simone Burger (Vorsitzende DGB München), Matthias Jena (Vorsitzender DGB Bayern) Hans-Georg Küppers (Kulturreferent München) und Micky Drill (FES Tel Aviv) die Ausstellung eröffnen.

Weiterführendes:
In der aktuellen Ausgabe der „Konkret“ sind zwei interessante Artikel zum Thema im weiteren Sinne:

Kollegenschweine
International agitieren Gewerkschaften gegen Israel. Von Martin Hauptmann

„Gezielte Täuschung“
Interview mit Avital Shapira-Shabirow vom Dachverband der israelischen Gewerkschaften (Histadrut)

Warum die BDS-Bewegung ein Angriff auf Jüdinnen und Juden ist

Darstellung einer kritischen Haltung zur BDS-Bewegung mit Sebastian Mohr und Alex Feuerherdt im Gewerkschaftshaus München. Dokumentation einer ganz zurecht kursierenden Veranstaltungseinladung:

Der moderne Antisemitismus eines Wilhelm Marr mag sich vom christlichen Antijudaismus eines Martin Luther unterscheiden. Mit aufgefrischtem Aplomb kam auch der Antisemitismus nach Auschwitz daher. Eines der zentralen Mittel der historischen wie der aktuellen Gesinnungsträger ist aber gleich geblieben: die Sanktionierung jüdischer Arbeit.

So wie die Gängelung jüdischer Gewerbe eine jahrhundertelange Vorstufe zum nationalsozialistischen Boykott jüdischer Geschäftstätigkeit ab 1933 war, so boykottiert der Antisemit auch heute jüdische Waren, nämlich die Waren des größten jüdischen Kollektives, den israelischen Staat.

Zum Zweck des Boykottes israelischer Waren haben zahlreiche Organisationen 2005 die internationale Kampagne „Boykott, Desinvestitionen und Sanktion“ (BDS) ins Leben gerufen. Kein anderer Staat wird heute neben dem israelischen mit annähernder Ernsthaftigkeit boykottiert. Die israelischen Jüdinnen und Juden werden von der BDS-Bewegung akademisch, wirtschaftlich, kulturell und politisch ausgegrenzt, und ihre Heimstätte soll letztendlich zerstört werden.

Wer es mit dem Antifaschismus ernst meint, kann sich nur entschieden gegen die von keinem Selbstzweifel angekränkelte BDS-Bewegung stellen – zuallererst mit Kritik. Diese wollen wir an diesem Abend konkretisieren.

Mit den Referenten:
Sebastian Mohr (International Institute for Education and Research on Antisemitism) vermittelt kritische Einblicke in die Gründungsgeschichte, Statuten, Codes und Praxis der BDS-Bewegung.
Alex Feuerherdt (Freier Autor für Konkret, Jungle World, Jüdische Allgemeine und Lizas Welt) analysiert die Ideologie der BDS-Kampagne und stellt die Auswirkung der Kampagne auf NGO und internationale Gremien dar.
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Termin: 19. Januar 2017, 19:30 Uhr
Ort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, München
Rahmenprogramm: Im Anschluss gibt es preiswertes Bier und Wein von den Golanhöhen
Eintritt: 6 Euro

Die Veranstaltung wird unterstützt von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft – Arbeitsgemeinschaft München
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Die Veranstaltenden behalten sich vor, Personen, die in der Vergangenheit rassistisch, antisemitisch oder menschenfeindlich in Erscheinung getreten sind oder rassistischen, antisemitischen oder menschenfeindlichen Organisationen angehören, den Eintritt zur Veranstaltung zu verwehren.

Veranstaltungshinweis: Let’s get theoretical!

Die DIG-Hochschulgruppe Augsburg ist eine neue ideologiekritische Veranstalterin on the Bavarian map, wo zuvor nicht viel Erkenntnisreiches zu hören war. Mit Referenten wie beispielsweise Gerhard Scheit, Samuel Salzborn und Felix Riedel hat die DIG-Hochschulgruppe Augsburg ein hervorragendes Semesterprogramm zusammengestellt. Bemerkenswert ist auch die Münchner Veranstaltungsreihe „Grande Union Abgrund“ zur europäischen Krisendynamik. Beide Veranstaltungsreihen seien hiermit wärmstens empfohlen.

2. Juni, 19:00, Universität Augsburg (DIG Hochschulgruppe Augsburg)
Das Selbstmordattentat und die Grenzen der Aufklärung
GERHARD SCHEIT

Der Gegensatz zwischen der Vernunft als Selbsterhaltung, wie sie in der Dialektik der Aufklärung von Adorno und Horkheimer kritisiert wird, und der im Nationalsozialismus triumphierenden Vernichtung um der Vernichtung willen, die heute als Drohung iranische Raketen schmückt, ist selbst dialektischer Vermittlung nicht mehr zugänglich: Er nötigt stattdessen zur Intervention im Sinn des kategorischen Imperativs (aus Adornos Negativer Dialektik), Denken und Handeln so einzurichten, dass diese Vernichtung „nicht sich wiederhole“.

Nur wer sich dabei jedoch die Ohnmacht der Aufklärung angesichts des Willens zum Selbstmordattentat immer wieder eingesteht – ein Wille, der ein ganzes Regime wie das der Islamischen Republik oder des IS überhaupt erst zusammenhält – wird die antisemitische bzw. antizionistische Gewalt nicht unterschätzen. Diese Unterschätzung ist das Merkmal aller liberalen Anstrengungen, die Antisemiten und Israelfeinde zurückzudrängen – und sie, zusammen mit der Ohnmacht, zu begreifen, bedarf es allerdings der Dialektik der Aufklärung.

7. Juni, 19:00, Universität Augsburg (DIG Hochschulgruppe Augsburg)
Kampf der Ideen. Weltbilder, „Kulturen“ und andere Herausforderungen
SAMUEL SALZBORN

Dem politiktheoretischen Diskurs der westlichen Welt unterliegt fraglos mehr oder weniger subtil eine rassistische Grundierung. Eine universalistische Kritik, die sich an der Degradierung von Menschen stößt, muss dabei aber ebenso postkolonialen Ansätzen gelten. Die bekannten postkolonialen Gedanken von Edward Said und Gayatri Chakravorty Spivak öffnen in ihrem Essentialismus das Einfallstor für soziale Bewegungen, die unter dem Banner des Antikolonialismus antiuniversalistische und antiaufklärerische Positionen proklamieren.

Dagegen versucht Samuel Sazborn ein Plädoyer für einen aufgeklärten Universalismus, der begreift, dass Aufklärung und Emanzipation nicht allein ein westliches Projekt sind – zugleich aber auch sieht, dass die „Dialektik der Aufklärung“ (Horkheimer/Adorno) auch darin besteht, dass auch und mitunter in zunehmend radikalisierter und barbarisierter Weise – etwa mit Blick auf den islamisch geprägten Kulturraum – Rassismus und Antisemitismus auch integraler Bestandteil postkolonialer Gesellschaften sind.

17. Juni, 19:00, LMU München (Grand Union Abgrund)
Unerledigte Hausaufgaben? Der größte Schuldner Europas ist Deutschland
GABRIELE HEINECKE

Alle reden von den griechischen Schulden und dem unverantwortlichen Handeln der griechischen Regierung. Dabei wird völlig ausgeblendet, dass die Bundesrepublik Deutschland sich bis heute weigert, die aus NS-Unrecht resultierenden Schulden in Form von Reparationen an Griechenland und anderen betroffenen Staaten zu begleichen. Die Referentin Gabriele Heinecke ist FAchanwältin für Arbeitsrecht und Strafrecht in Hamburg. Sie ist Mitglied im AK Distomo, der seit 2001 die sofortige Entschädigung aller griechischer ND-Opfer fordert.

23. Juni, 19:00, Universität Augsburg (DIG Hochschulgruppe Augsburg)
Psychologie des Islamismus
FELIX RIEDEL

Die konkrete djihadistische Praxis der extremen Misogynie, des Antisemitismus, der Homophobie, der ritualisierten Gewalt, der Sexualfeindlichkeit und der voyeristischen Kontrolle des Alltags stellt den Westen vor vermeidbare Rätsel. Der Vortrag führt in aktuelle psychoanalytische Studien zum islamistischen Terrorismus ein und macht eigene Vorschläge, die Rekrutierungserfolge zu erklären. Der Djihadismus ist jedoch nicht erklärbar in einer Psychologie des Anderen, als Arztbrief. Als gesellschaftlich-geschichtliches Phänomen sind seine ideologischen Muster abhängig von Phänomenen des Westens: Ideologische Obdachlosigkeit, bürgerliche Kälte und die fehlende Umsetzung von Glücksversprechen wie Freiheit und Individualität.

Nur reflexiv ist der Djihadismus zu beschreiben, um sein Bedrohungspotential nicht irrtümlich in pathologisch fanatischen Randgruppen zu isolieren und dadurch zu verharmlosen. Am Konflikt zwischen Salafisten und Sufis in Ghana veranschaulicht Felix Riedel die Dialektik der islamischen Aufklärung und die Gefahr der Auseinandersetzung mit dem Djihadismus als kultürliche, vormoderne und damit sich selbst überholende Fußnote. Gegen relativistische und postmoderne Auslegungen des Korans wird der modernistische und texttreue Wahrheitsanspruch der Salafisten anerkannt, um die theologische Krise der islamischen Welt in ihrer Drastik und Tragweite erfassen zu können. Grundsatz ist die atheistische Religionskritik im Interesse der konkreten Muslime zu vollziehen und nicht zum Zwecke der Abwehr von vermeintlich Fremdem.

30. Juni, 19:00, LMU Hauptgebäude (Grand Union Abgrund)
Imperialismus oder Hegemonie? Krise und Kräfteverhältnisse in Europa
DAVID SALOMON, STEFANIE WÖHL, JOHN KANNANKULAM

Für die kritischen Sozialwissenschaften stellt sich angesichts geopolitischer Unübersichtlichkeit und sozialer Verwertungen im 21. Jahrhundert die dringliche Frage, wie die wirtschaftliche Krisendynamik sowie ihre politische Bearbeitung angemessen beschrieben und sinnvoll kritisiert werden können. Unserer Gäste stellen imperialismus-, hegemonie- und geschlechtertheoretische Deutungsangebote zur Diskussion.

30. Juni, 20:00, Universität Augsburg (DIG Hochschulgruppe Augsburg)
Beneath the Helmet: From High School to the Home Front
FILMVORFÜHRUNG und EHEMALIGE IDF-ANGEHÖRIGE IM GESPRÄCH

Beneath the Helmet: From High School to the Home Front is a coming-of-age story which follows the journey of five Israeli high school graduates who are drafted into the army to defend their country. At the age of 18, away from their homes, families and friends these young individuals undergo a demanding, inspiring journey, revealing the core of who they are and who they want to be.
From the creators of the PBS-featured documentary film Israel Inside: How a Small Nation Makes a Big Difference, Beneath the Helmet illustrates how these young men and women are defending not only their homes, but also the values of peace, equality, opportunity, democracy, religious tolerance and women’s rights. The lessons they learn along the way are lessons that can be appreciated, understood and internalized by the film’s main target audience.

„Warum Israel? Darum!“, twitterte die DIG-Hochschulgruppe Augsburg nach der antisemitischen Verunstaltung ihres Programm-Aushangs

Veranstaltungshinweis: Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft

Die neonazistische Partei Jobbik – hier ihre Garde in Ungarn – gibt es jetzt auch in München

Weltweit erstarken derzeit Bewegungen, die sich mit Gewalt gegen die Moderne und freiheitliche Werte wenden. Wie der „Islamische Staat“ (IS), aber auch Beispiele wie Anders Breivik und der sogenannte „NSU“ zeigen, endet diese Ideologie auch heute noch tödlich. Allein in Deutschland wurden seit 1990 über 200 Menschen aus rassistischen Gründen ermordet.

Das Problem ist in München virulent. Neben deutschen Faschisten organisieren sich darüber hinaus zunehmend Neonazi-Kader mit anderen nationalen Bezügen. Erst in diesem Jahr gründete sich ein Ableger der neonazistischen ungarischen Jobbik-Partei in München, zuvor eine Vertretung der ukrainischen Neonazi-Partei Swoboda. Zentrale Merkmale dieser Gruppen sind stets auch Antisemitismus und Rassismus.

Wie akut ist die Bedrohung in München und Bayern? Wo treiben sich diese Gruppen herum und wie erkennt man sie? Und was tut die Stadt dagegen? Diese und ähnliche Fragen beantworten die fachkundigen Gäste der Europäischen Janusz Korczak Akademie:

Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle gegen Rechtsextremismus des Oberbürgermeisters
Robert Andreasch, Fachjournalist zum Thema Rechtsextremismus und Mitarbeiter der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München
Alia Sembol, Politikwissenschaftlerin und Expertin für türkischen Ultranationalismus

Mittwoch, 20. Mai, 18:30 Uhr
Ort: wird nach Anmeldung bekanntgegeben
Die vorherige Anmeldung ist zwingend notwendig.
Anmeldung unter anmeldung [ät] ejka.org

DGB ruft zur Teilnahme an Israel-Demo am Dienstag auf

Der bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena und die München-Chefin Simone Burger rufen die Münchnerinnen und Münchner zur Teilnahme an einer Kundgebung der Israelitischen Kultusgemeinde gegen Antisemitismus auf. Die Kundgebung mit dem Titel „Wehret den Anfängen – Gegen Antisemitismus und Antizionismus“ soll kommenden Dienstag auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus stattfinden.

„Viele der bisherigen Demonstrationen und Kundgebungen gegen den Krieg im Nahen Osten haben Formen und Inhalte antijüdischer Hetze zum Vorschein gebracht, die eine klare gesellschaftliche und gewerkschaftliche Reaktion erfordern“, erklärten Jena und Burger in München. Für den DGB Bayern und den DGB München sei es selbstverständlich, dass alles getan werden müsse, das Blutvergießen im Nahen Osten unverzüglich zu beenden und diplomatisch-politische Lösungen herbeizuführen. Es gäbe aber eine besorgniserregende Verknüpfung des Nahostkonflikts mit antisemitischen Stereotypen.

Es sei für die Gewerkschaften eine Grundkonstante ihrer Politik, jeden Ansatz von Antisemitismus zurückzuweisen und zu bekämpfen. Der Antisemitismus sei nicht nur als solcher menschenfeindlich, sondern auch eine Welt- und Problemerklärung, in deren Windschatten völkisch-rassistische Vorstellungen der Gestaltung von Gesellschaften letztendlich zu Ausgrenzung, Gewalt und Mord führten.

„Als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter solidarisieren wir uns mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Niemals mehr dürfen wir jüdische Menschen gegenüber dem antisemitischen Wahn und Furor in ihrer berechtigten Angst alleine lassen. Um dies unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen, rufen wir unsere Mitglieder zur Teilnahme an der Kundgebung auf“, so die beiden Vorsitzenden Matthias Jena und Simone Burger.

Weiterführendes:
Aufruf zur Demonstration am Dienstag

Rechtsextreme mobilisieren für Pro-Gaza Demo in München

Am Samstag soll eine weitere antiisraelische Demonstration in München stattfinden – doch das Pro-Gaza-Bündnis zeigt sich zerstritten. Zudem ruft die rechtsradikale „Europäische Aktion“ zur Teilnahme auf. Es kursieren Gerüchte, der Journalist Jürgen Todenhöfer werde auf der Demonstration sprechen. Eine Gegenkundgebung ist geplant.

Die „Europäische Aktion“ hielt auch schon gestern in München eine Kundgebung ab. Jetzt wollen sie sich der Demonstration des Vereins „Palästinensische Gemeinde München“ anschließen. (c) München Nazifrei

Ganz so martialisch wie vergangenen Sonntag soll es kommenden Samstag bei der Demonstration „Protest gegen das Töten in Palästina“ ab 14 Uhr am Orleansplatz nicht zugehen. Sie schäme sich zutiefst für den Hass, der auf der letzten Demonstration geschürt worden sei, beklagte Mitveranstalterin Dunya Sabreen im Nachgang. Die Demonstration „Freiheit für Palästina“ sei „sehr religiös und teilweise antisemitisch geprägt“ gewesen. Auch die Parole „Kindermörder Israel“ werde von außen als aggressiv wahrgenommen, so Sabreen. Auf der Demonstration wurden vielfach antisemitische Schilder gezeigt mit Pa­ro­len wie: „Die Opfer von ges­tern sind die Täter von heute“, „Ho­lo­caust in Pa­les­ti­ne und die Welt schaut zu“ und an­dern Ekeln. Hauptveranstalter war der Verein „Palästinensische Gemeinde München“ der seinen Sitz derzeit im städtisch geförderten „Eine Welt Haus“ hat.

Veranstalter wollen Mob ansehnlicher gestalten
Zur Demonstration am Samstag haben die Veranstalter nun vorsorglich ein Regelwerk verfasst. Unter anderem ist einzig die palästinensische Fahne erwünscht und „Allahu Akbar“-Rufe (Gott ist groß) sind zu unterlassen. Viele zeigten sich daraufhin enttäuscht, die noch letzten Sonntag mit der türkischen Fahne, der Fahne der faschistischen „Grauen Wölfe“ oder der Terrororganisation Hamas gekommen waren. Manche kündigen an, eine eigene, islamistische Demonstration zu veranstalten: „Nur für Männer.“ Die rechtsradikale „Europäische Aktion“ – ein Sammelbecken für Holocaust-Leugner und Rechtsextremisten – hat wiederum zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen – mit Bezug auf den sogenannten „Al Quds Tag“. Am Freitag demonstrierte die Formation in München bereits unter dem Motto „Abzug aller US-Truppen aus Europa – Austritt aus NATO und EU“ und zeigte die palästinensische Fahne.

Spricht Jürgen Todenhöfer in München?
Es kursiert darüber hinaus das Gerücht, dass auch der Journalist Jürgen Todenhöfer am Samstag in München sprechen könnte – allerdings sind die Belege bislang eher dürftig. Der Islamist und Mitveranstalter Ahamd Al Afghani zitierte Todenhöfer bei seiner Rede vergangenen Sonntag. Am Dienstag ploppte dann ein aktuelles Foto auf dem Facebook-Account Afghanis auf, das Tödenhofer und ihn heiterer Eintracht im Münchner Westen vor dem Geschäft „Radlbauer“ zeigt. Seitdem schießen die Spekulationen ins Kraut, weitere Hinweise gibt es aber nicht. Todenhöfer genießt derzeit unter Islamisten großes Ansehen, nachdem er sich ein weiteres Mal als „Demagoge des Mainstreams“ (Lizas Welt) zu verstehen gegeben hat.

Afghani fordert „Verteidige deinen Glauben“. Hier mitsamt der Aufforderung: „Sei ein Soldat Allahs“.

Ein „Soldat“ mit Ambitionen zur Weltherrschaft
Ahmad Al Afghani ist ein führender Kopf der Islamisten in München und trat bei der letzten antiisraelischen Demonstration als Mitveranstalter auf. Unter der Weltherrschaft will er es nicht machen: „Ein bisschen Teamgeist und die Welt gehört uns“, schreibt der in Kabul geborene Al Afghani in aller Deutlichkeit. Auf seiner Facebook-Seite bekundet er seinen Gefallen an einer illusteren Gruppe islamistischer Antisemiten, wie beispielsweise dem Hassprediger Prierre Vogel. Mit Parolen wie „Zionisten sind Faschisten“, „Kindermörder Israel“, „Netanjahu nach Den Haag“, und „Falestin, Falestin“, heizte er am vergangenen Sonntag der Menge ein – am Tag zuvor sprach der Islamist in Schwäbisch Gemüd. Auch zur Demonstration am Samstag hat Al Afghani aufgerufen. Ein weiterer Veranstalter der letzten Demonstration nennt sich Sunaj Ajla Abdulla. Dieser ist unter diesem Namen bislang wenig auffällig gewesen, dafür tat er sich im Rahmen der letzten Demonstration umso heftiger hervor. „Ich will keinen Frieden, Ende Gelände, weg mit dem Drecksvolk“, ließ der Veranstalter wissen.

„Allah soll dich bestrafen (Israel)“ – letzten Sonntag in München. Weitere antisemitische Plakte sind hier dokumentiert.

Gegendemonstration geplant – Überforderung der Polizei wieder möglich
Laut Insiderkreisen ist am Samstag eine Gegenkundgebung geplant, genauere Informationen liegen allerdings noch nicht vor. Es bleibt zu hoffen, dass die Polizei am Samstag besser aufgestellt ist als letzten Sonntag – um die voraussichtliche Gegendemonstration zu schützen und Volksverhetzung zu unterbinden. Als sich der Demonstrant Samuel H. (Name von der Redaktion geändert) letzten Samstag auf der Demonstration „Freiheit für Palästina“ an einen Polizisten mit der Bitte wandte, ein Plakat mit Hakenkreuz entfernen zu lassen, soll der Polizist gesagt haben, dieser könne da nicht reingehen, sonst eskaliere die Situation. Ein weiterer Polizist erklärte ihm angeblich, dass „eine gewaltbereite Gruppe vertreten ist“ und Samuel ja selbst sehe, dass nicht genug Polizisten vor Ort seien, um eine Eskalation in den Griff zu bekommen.

Vermutlich das einzige echte Friedensplakat auf der Demonstration „Freiheit für Palästina“ trug Samuel H.

Große Kundgebung der IKG gegen Antisemitismus
Kommenden Dienstag ist eine große Kundgebung der Israelititischen Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern am Platz der Opfer des Nationalsozialismus geplant. „Die jüdische Gemeinschaft sieht sich in der jüngsten Vergangenheit auch in Deutschland mit einer neuen Dimension an Judenhass konfrontiert“, heißt es im Aufruf. Die Vorsitzende der IKG, Charlotte Knobloch, hat dazu eingeladen. Titel der Veranstaltung ist: „Wehret den Anfängen! Gegen Antisemitismus und Antizionismus.“

I Stand with Israel – We Stand with Israel

Do­ku­men­ta­ti­on des Auf­ru­fes zur israelsolidarischen Demonstration durch die Münchner Innenstadt am kommenden Donnerstag, dem 17. Juli. Die Kundgebung findet im Rah­men des In­ter­na­tio­na­len Tages der So­li­da­ri­tät mit Is­ra­el statt.

International Day of Solidarity with Israel.

Wir stehen hinter Israel und zeigen an diesem Tag der Welt, dass wir solidarisch sind.

Es wird Zeit, wieder auf die Straße zu gehen! Israel muss wieder in das Gedächtnis der Münchner*innen geholt werden und wir müssen ein klares Zeichen gegen die falsche und provozierende Medienberichtserstattung setzen. Wir geben Terroristen keinen Platz in unserer Weltgesellschaft und möchten an diesem Tag für Frieden im Staat Israel demonstrieren!

Lauft mit und zeigt, dass ihr kein Verständnis für Menschen übrig habt, welche täglich aus Hass Raketen auf Israel schmeißen.

Kommt am 17.07.2014 um 18:00 Uhr am Sendlinger Tor zusammen und lasst uns ein klares Zeichen für Frieden in Israel setzen! Wir kämpfen für einen Staat, in dem alle Menschen, alle Nachbarn und alle Bürger, egal wie sie aussehen, wo sie herkommen, wen sie lieben und was sie verdienen, gleich wert sind, gleiche Rechte haben und fähig sind, einander mit Respekt und Liebe zu begegnen.

Wir werden uns am Donnerstag, dem 17. Juli, um 18 Uhr treffen! Weiter ist eine Menschenkette, eine Kundgebung, sowie eine Demonstration durch die Münchner Innenstadt geplant!

Hier gehts zum anschließenden Bericht:
Partei „Die Freiheit“ blamiert sich bei Israeldemo